Rise of the Tomb Raider – Test zur besten Lara der letzten Jahre

2013 war das Jahr von Lara Croft, schließlich ist sie neu geboren worden. Square Enix und Crystal Dynamics wollten zurück zu den Wurzeln und haben Lara deshalb den Überlebenssinn beibringen wollen. Dazu eine regnerische Insel und jede Menge Feinde und Tiere, die nur Böses im Schilde führen. Angekommen ist dies bei den Fans allerdings sehr verhalten. Die einen mochten es, die anderen fanden es total bescheuert. Deshalb hat sich Microsoft gedacht, schnappen wir uns die Marke für eine exklusive Zeit und bringen es auf die Xbox One. Mit Rise of the Tomb Raider will man so nun allen Fans gerecht werden und besonders aus den Fehlern des Reboots lernen. Gesagt, getan, Rise of the Tomb Raider ist wieder da, wo die Serie 1996 einmal anfing, in großen Höhlen mit jeder Menge Rätsel und einer Lara, die wirklich genial aussieht. Wie genial lest ihr nun in unserem Test.

 

Sekt oder Sekte?

Die Geschichte setzt genau da an, wo Tomb Raider aufhörte. Die Vorfälle auf der Insel Yamatai sitzen auch noch ein Jahr später ziemlich tief. Um dies alles zu verarbeiten, geht sie den Forschungen ihres Vaters nach. Dieser war nämlich auf der Suche nach einem Artefakt, welches das ewige Leben bieten soll. Die Reise geht also nach Sibirien, wo ihr Vater eine heiße Spur gefunden hat. Allerdings gibt es auch noch Konkurrenz von der Trinity-Sekte. Die waren schon für das Chaos im letzten Teil verantwortlich und gehen deshalb bekanntlich über Leichen, um ebenfalls das Artefakt zu erhalten. So beginnt für Lara ein Kampf gegen die Sekte und für den letzten Willen ihres Vaters. Das Abenteuer beginnt an einer Eiswand. Hier gilt es mit letzter Kraft auf den Berg hinaufzukommen. Doch es wäre zu schön, wenn wir es einfach so schaffen würden. Nur noch wenige Meter, plötzlich reißt die Eiswand ein und wir fallen mit ihr in die Tiefe. Immerhin denken wir mit und ein Seil, befestigt an unserem Begleiter, kann uns aufhalten.  Als schließlich auch noch eine Lawine uns überrollt, setzt das Spiel etwa zwei Wochen zuvor mit einer kleinen Rückblende an. Wir sind in der legendären Stadt Kitesch, wo Laras Vater das Artefakt vermutet. Auch die Trinity-Sekte schießt schon wieder fleißig auf uns, bis wir an einem Felsvorsprung letztendlich Halt finden. Dies ist gleichzeitig unser Jackpot, denn an genau diesem Vorsprung befindet sich der Eingang zur Höhle. Bereits jetzt haben wir alles gesehen, was wir von einem Tomb Raider erwarten. Eine junge, sehr hübsche, Lara Croft, Klettereinlagen mit Wendungen, kleine Rätsel und Grabkammern mit Gemälden und Schätzen. Am eigentlichen Spielprinzip hat sich also nicht vieles verändert. Die bekannten Fels- und Gletscherwände sind erneut dazu da, um an ihnen hochzuklettern. Auch Pfeil und Bogen sind wieder mit im Gepäck, damit die Tiere und Trinity-Anhänger um die Ecke gebracht werden können. Aber auch verschiedene Waffen stehen uns zur Verfügung. Beispielsweise eine Pistole, eine Schrotflinte oder Gewehre. Natürlich dürfen die selbst gebauten Bomben und Molotowcocktails nicht fehlen. Das Crafting findet ebenfalls wieder Einzug, so können wir Pfeile oder Medikits generieren, damit wir immer genügend Power haben. Dazu müssen vorher natürlich die Gegenstände wie etwa Holz, Felle oder Beeren eingesammelt werden. An den Schnellreisepunkten können wir dann in unserem Inventar die verschiedenen Dinge zusammensetzten und herstellen.

Bereits am Anfang gibt es eine große Gefahr für Lara.

Bereits am Anfang gibt es eine große Gefahr für Lara.

 

Rätsel, Artefakte, Rätsel, Schätze, Rästel

Die sinnfreien Ballereien gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Rise of the Tomb Raider orientiert sich eher bei Indiana Jones, als bei Nathan Drake. Trotzdem gibt es viele Klischees, die innerhalb der Geschichte spürbar sind. Dies soll uns aber nicht davon abhalten, die größtenteils optionalen Gräber und Höhlen zu erkunden. Diese gab es zwar auch schon im Vorgänger, waren allerdings recht eintönig und wenig fordernd. Dies haben auch die Entwickler gemerkt und geändert. Zwar gibt es jetzt nicht an jeder Ecke eine Höhle, dafür unterscheiden sich alle sowohl optisch als auch von den Rätseln her. Zudem sind viele größer geworden und bieten somit nun mehr Platz zum Erkunden. In der Story gibt es zudem auch ein paar Rätsel, welche aber einfacher gestaltet sind, als in den dicken Schatzkammern. So wurde eine gute Balance gefunden. In einem Tomb Raider darf die Suche nach zahlreichen Sammelgegenständen nicht fehlen. Es dürfen wieder Wandgemälde analysiert, Relikte und Dokumente eingesammelt werden. All diese Dinge geben uns weiteres Wissen über die Orte und das Artefakt. Kleinere Münzschätze bringen uns etwas Geld aufs Konto, womit wir dann neue Ausrüstung und Waffen beim Schwarzhändler erwerben können. Neben dem Erkunden gibt es aber auch eine Menge Nebenaufgaben, die uns die Zeit vertreiben. Die verschiedenen Gebiete stellen Nebenaufgaben zur Verfügung, die uns dann zusätzlich Erfahrungspunkte und etwas Kleingeld bringen. Beispielsweise müssen wir Sowjetflaggen in der Umgebung abreißen oder den Bewohnern der Taiga unterstützen Transmitter zu zerstören.  All diese Aufgaben sind nicht nur zum Abarbeiten da, sondern sind sinnvoll in die Welt und die dazu passende Geschichte integriert. Egal was wir absolvieren, es hilft immer im Kampf gegen die Trinity. Zudem sind sie abwechslungsreich und bieten eine Menge zusätzlicher Spielzeit. Insgesamt kann man schon so seine 20-25 Spielstunden in Rise of the Tomb Raider stecken, bis man nicht nur das Ende, sondern auch viele Gräber, Nebenaufgaben und Sammelobjekte gesehen hat.

Die toll inszenierten Gräber und Höhlen machen endlich wieder Spaß zu erkunden.

Die toll inszenierten Gräber und Höhlen machen endlich wieder Spaß zu erkunden.

 

Schlaue Söldner stehen uns im Weg

Doch auch der Kampf gegen schwer bewaffnete Soldaten ist natürlich wieder mit an Bord. Je näher wir zum Ziel kommen, umso mehr Gegner stellen sich uns in den Weg. Aber keine Angst, wir müssen nicht immer gleich drauf losballern. Das Spiel bietet uns mehrere Möglichkeiten, die Feinde zu erlegen. Beispielsweise locken wir die Söldner in eine Ecke, um sie dann lautlos umzubringen. Dank Laras Fähigkeiten können wir uns aber auch Bomben zusammenbauen und diese gezielt gegen Gegner einsetzen. Beispielsweise an einer Leiche. Sobald sich nun ein neuer Gegner seinem gefallenen Kameraden nähert, explodiert die Bombe, kluge Sache! Aber wir haben natürlich auch die Möglichkeit einfach direkt mit unserer Knarre in den Hof voller Gegner zu stürmen und dank der Deckungen die Gegner im offenen Feuer zu erschießen. Egal welche Variante wir wählen, ans Ziel kommen wir bei beiden Möglichkeiten. Die Schießereien sind zwar etwas besser als noch im Vorgänger, allerdings sind diese auch richtig schlau und wechseln die Positionen, rücken schnell vor und werfen ebenfalls Granaten. Also Aufpassen oder gleich zum Sam Fischer werden. Besonders kritisch wird es dann auch noch im Bezug zur Steuerung. Diese ist nämlich in vielen Situationen viel zu ungenau und arg fummelig. Insbesondere beim Klettern kann es schon so zu manchen Frustmoment kommen. Auch bei den verschiedenen Rätseln gibt es oft ein Kameraproblem, was dazu führte, dass wir in einen Abgrund fallen, ärgerlich. Eine freie Speicherfunktion gibt es nicht, deshalb ist es umso frustrierender, wenn wir kurz vor dem Ziel abstürzen und alles noch einmal spielen dürfen. Auch das im Vorfeld groß angepriesene Feature für das Erlernen von Sprachen ist etwas zu einfach geraten. Einzig das Interagieren mit den Wandtafeln bringt uns in unserer Anzeige ein Stück nach vorn.

Verschiedenste Orte gilt es zu entdecken.

Verschiedenste Orte gilt es zu entdecken.

 

Multiplayer gestrichen!

Dieses Mal fehlt der im Vorgänger bekannte Multiplayer-Modus. Ausgerechnet mir hat dieser doch so viel Spaß bereitet. Immerhin gibt es Online-Bestenlisten, in denen wir uns mit anderen Spielern auf der Welt anhand der Punktzahl messen können. Als zweiten Spielmodus neben der Geschichte gibt es noch den Menüpunkt Expeditionen. Jedes Mal, wenn wir einen Abschnitt in der Story erfolgreich abgeschlossen haben, erhalten wir Expeditionskarten. Diese schalten uns neue Modi und Items frei. Beispielsweise müssen wir einen Level ohne Schaden beenden, Rätsel in einer bestimmten Zeit lösen oder einen Leveln mittels Speedrun schnell durchzulaufen. Zusätzlich werden die Gegner mit neuen Eigenschaften ausgestattet und können beispielsweise jedem Nahkampf ausweichen. Dies gibt dann am Ende mehr Punkte auf das eigene Konto. Aber auch Modifikationen an Lara können durchgeführt werden. So ist es möglich, dass sie mit einem Riesenkopf durch den Level rennt. Insgesamt gibt es knapp 300 dieser Karten. Wer sie nicht alle erspielen möchte, kann diese auch im In-Game-Store für je 1,99€ kaufen. Aber Vorsicht: es kann durchaus passieren, dass einige Karten bereits eine Mission aus der Kampagne enthält, die ihr noch nicht gespielt habt.

Kein Multiplayer mehr, dafür alte Sowjet-Lager.

Kein Multiplayer mehr, dafür alte Sowjet-Lager.

 

Lara, willst du meine…

Dieses Mal sind wir nicht nur auf einer Insel gefangen, sondern erleben die ganze Vielfalt der sibirischen Wildnis. Bereits in den ersten Minuten geht es zwischen Schneelandschaften und tropischer Wüster hin und her. Aber auch grüne Täler mit Wäldern und Flüssen werden Teil der Geschichte. Zudem gibt es Ausflüge in die Ruinen der Sowjet und wieder zurück in die Gletscherhöhlen. Alles sieht dabei extrem lebendig und schön aus. In den Wäldern und Schneelandschaften laufen Tiere herum, der angesprochene Fluss fließt durch die Landschaft und auch das Wetter wechselt stetig von Wolkenbruch in Sonnenschein. Wenn dies noch nicht genug wäre, gibt es auf der Xbox One all das in extrem scharfer Textur zu sehen. Dank der etlichen Details kann die Xbox One endlich mal zeigen, was sie so zu bieten hat. Die verschiedenen Abschnitte sind perfekt in die Welt integriert, dass man selbst Felswände erst von ganz nah sehen kann. Besonders interessant wird es, besonders für uns Männer, beim genaueren Hinschauen auf Lara. Denn die sieht in jeder Lage einfach heiß aus. Seien es die Haare im Wind oder die nassen Klamotten nach dem Tauchgang im Wasser, Lara ist einfach noch authentischer, was nun auch besser zur Geschichte und zu ihren Taten passt. Weinen gehört zu ihrer Vergangenheit! Hier hat das Team von Crystal Dynamics wirklich ordentliche Arbeit geleistet. Eine kleine Anmerkung zur deutschen Stimme von Lara: dieses Mal gibt es nicht Nora Tschirner als Stimme, sondern Maria Koschny. Die ist bekannt als Synchronstimme von Jennifer Lawrence.

Lara sieht einfach unglaublich aus... nicht nur von den Texturen her.

Lara sieht einfach unglaublich aus… nicht nur von den Texturen her.

 

Fazit:

Endlich wieder durch die ganzen Höhlen und Grabkammern trudeln und dabei Schätze einsammeln. Dazu eine Lara, die nicht mehr alle zwei Minuten ans Lagerfeuer geht und sich ausheult. Es gehört halt dazu, wenn man gegen eine Organisation kämpft, gegnerische Truppen umzulegen. Dies hat sie nun auch mitbekommen und geht mit Rise of the Tomb Raider in die beste Richtung seit dem Start der Reihe. Klar ab und an gibt es mal eine Beschwerde, warum es in Sibirien so kalt wäre, darüber kann ich aber hinwegsehen. Insgesamt hat Microsoft hiermit sicherlich einen der besten Deals der letzten Jahre herausgeschlagen, auch wenn es nur für ein Jahr ist. Im März soll bereits die PC-Version folgen. Langeweile gibt es im neuen Tomb Raider nicht, dafür sind die Ortschaften abwechslungsreich gestaltet, es gibt eine Menge an Nebenaufgaben und eine Menge Wege an sein Ziel zu kommen. Und um auf die Frage zurück zukommen: Lara willst du meine Frau werden?

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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