Rime – Test zum magischen Puzzle-Adventure

Vor vier Jahren sahen wir das erste mal einen Trailer zu Rime. Es sah aus wie eine Mischung aus dem Team Ico-Spielen, Journey und The Wind Waker. Der Look und die Präsentation wussten schon mal zu überzeugen, aber wie sieht es mit dem fertigen Produkt aus? Ob Rime dem Hype seiner Trailer gerecht werden kann, das verraten wir euch in diesem Test.

 

Der verlorene Prinz

Ja, Rime hat eine Story, allerdings wird diese recht verworren erzählt. Es kommt komplett ohne Sprach- und Textausgabe daher, auch ein HUD gibt es nicht. Alles, was uns das Spiel erzählen will, finden wir bei unserer Erkundung selbst heraus, ohne Hilfe eines NPCs oder eines Monologs unseres Hauptcharakters. Wo wir gerade von ihm sprechen, unser Protagonist ist ein kleiner namenloser Junge, der an einen Strand gespült wird. Anscheinend hat er einen Schiffsbruch erlitten. Gelandet ist er auf einer Insel voller Magie und Wunder, mit einem gigantischen Turm, der ihn auf mysteriöse Art und Weise anzieht. Nur wenn wir alle versteckten Hinweise und Sammelobjekte entdecken, lüftet sich die Geschichte um einen verloren gegangenen Prinzen, der bei einem Segelausflug verschwunden ist. Auf der einen Seite ist es ja nett, dass man sich seine Puzzlestücke der Geschichte selbst zusammensuchen muss, aber auf der anderen Seite seid ihr auch oft nur ziellos am herumrennen, um vielleicht noch einen versteckten Gegenstand zu finden. Wahre Substanz gibt es am Ende trotzdem nicht, alles bleibt sehr suggestiv. Es gibt Schlüssellöcher, die einen Abschnitt aus dem Leben des Jungen zeigen, versteckte Spielzeuge, mit denen er gespielt hat, oder Passagen eines Schlafliedes, an welches er sich erinnert. Im Großen und Ganzen ist das Storytelling von Rime nichts Halbes und nichts Ganzes.

Die Story des schiffbrüchigen Prinzen müsst ihr euch anhand solcher Wandgemälde selbst zusammenreimen

 

Seichtes Rätselraten

Wenn man Rime beschreiben möchte, dann am ehesten als einen Walking Simulator. Diese Beschreibung ist dann doch ein wenig zu simpel, denn es bietet schon ein bisschen mehr als nur durch eine magische Spielwelt zu wandern, auch wenn das der Hauptaufhänger ist. Die in der Einleitung erwähnten Vergleiche zu Journey, Team Ico und Zelda passen da schon eher. Rime bietet euch einige Jump’n’Run-Passagen an der einen Stelle, an der anderen gibt es Kletterabschnitte. Und natürlich Rätsel, unzählige Rätsel. Und da kommt der Vergleich mit Zelda ins Spiel. Denn obwohl die Rätsel nett designt sind, recht abwechslungsreich gestaltet wurden und sinnig in die Spielwelt passen, erreichen sie doch nie das Niveau, welches zunächst angenommen wird. In Zeldaspielen gibt es ja am Anfang immer Rätsel, welche die Spieler mit der Mechanik vertraut machen und sie langsam an schwerere Kopfnüsse heranführen. In Rime fühlt sich fast jedes Rätsel so an, richtig knifflig wird es nie. Der Clou bei den Rätseln ist, dass fast alle Mechanismen mit der Stimme des Helden ausgelöst werden. Da gibt es runde Steine, die eure Stimme an ein bestimmtes Ziel transportieren, Vasen, die bei eurem Schrei zerbrechen oder Flammen, die von eurem Ruf entzündet werden. Trotz dieses Gimmicks fällt der Groschen leider immer recht schnell, und so stürmt ihr von Rätsel zu Rätsel, ohne euer Hirn großartig anstrengen zu müssen. Somit ist Rime nicht als ein Puzzleabenteuer im klassischen Sinne anzusehen, sondern eben als Walking Simulator mit seichten Rätseleinlagen.

Die große, grüne, leuchtende Kugel hat sicher eine wichtige Bedeutung

 

Magische Welten

Wenn ein Wort Rime umfassend beschreiben könnte, dann ist es Magie. Vom ersten Moment an, in dem ihr die Insel betretet, werdet ihr mit Ereignissen konfrontiert, die einfach nur zum Staunen anregen sollen. Jede neue Welt, die ihr betretet, soviel sei schon mal verraten, lässt euch aufs neue den Blick überall hinschweifen. Vor allem der Turm, den ihr zu Beginn des Spiels betretet, strahlt eine besondere Aura aus. Ihr trefft allerlei Wesen, manche eher freundlich wie euer kleiner Fuchsbegleiter, andere bösartig. So müsst ihr euch vor einem riesigen Greifvogel, schattenhaften Wesen und stapfenden Robotern verstecken. Ein Kampfsystem hat Rime nicht, und so ist Flucht der einzige Weg. Die Gegner müssen dann wohl auf andere Art und Weise ausgeschaltet werden. Wenn ihr nicht gerade Rätsel löst oder euch vor fiesen Monstern verschanzt, erkundet ihr die Welt. Schließlich wollt ihr alle möglichen Sammelsurien finden, nicht wahr? Wie schon erwähnt, gibt es davon unzählige. Zu finden sind folgende Sachen: Spielzeuge, neue Kleidung, leuchtende Schlüssellöcher, Muscheln für ein Schlaflied und Bruchstücke von zerbrochenen Emblemen. Das alles ist schon eine ganze Menge und wenn ihr nicht jeden Winkel der Insel durchsucht, wird euch definitiv einiges durch die Lappen gehen. Ingamebelohnungen wie zum Beispiel neue Fähigkeiten gibt es dafür allerdings nicht, alle Sammelobjekte sind wie bereits erwähnt für die Vertiefung der Story gedacht. Wenn diese nicht so klischeebelastet und besser erzählt wäre, dann wäre dies wirklich ein guter Anreiz gewesen. So kann ich euch nur raten: Nehmt mit, was ihr findet, macht aber keine stundenlangen Ausflüge nur für ein Emblembruchstück.

Vom ersten Moment an strahlt die Insel etwas Magisches aus

 

Atmosphärisches Meisterwerk

Es gibt einen Aspekt, den Rime absolut perfekt umgesetzt hat: Die Atmosphäre. Der Cell Shading Look war die perfekte Wahl für die Präsentation der mystischen Ereignisse, welche hier dargeboten werden. Untermalt wird die bildhübsche Optik von einem Soundtrack, bei dem man eigentlich nur dahinschlummern möchte. Hier und da gibt es einige kleinere Ruckler und Soundfehler, die einen teilweise aus der Welt hinausziehen, aber ansonsten ist die Präsentation absolut spitze. Es tut dem Spiel auch sehr gut, dass es keinerlei HUD gibt, keine Minimap, keine Bildschirmtexte, schlichtweg gar nichts. Lediglich hier und da tauchen am Anfang die Tasten auf, die ihr drücken müsst, aber auch nur, um euch in die Steuerung des Spiels einzufinden. Der Rest des Spiels ist so pur, wie ihr es euch nur vorstellen könnt.

 

Positiv:

Großartige Atmosphäre
Nette Rätsel
Viele Sammelobjekte
Mischung aus Klettern, Puzzlen, Stealth und Erkundung
Sehr beruhigendes Spielerlebnis

Negativ:

Für den Preis von 35€ zu wenig Umfang
Rätsel werden nie wirklich schwierig
Kleine technische Problemchen
Story zu seicht und nicht gut genug dargelegt
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58910″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Maarten Cherek, Redakteur”]

“Rime ist das perfekte Spiel für den Feierabend nach einem anstrengenden Arbeitstag. Es zieht euch in seine magische Welt, ohne euch großartig zu überfordern. Die Rätsel sind interessant und abwechslungsreich, jedoch nichts wirklich neues und auf jeden Fall sehr extreme seichte Kost. Schwere Kopfnüsse müsst ihr hier nicht erwarten. Wenn ihr ein Spiel mit einer tiefgründigen Story sucht, seid ihr hier auch fehl am Platz. Zudem ist Rime ein recht kurzes Spiel, und für den aktuellen Preis von 35€ bietet es viel zu wenig Umfang. Dieser Indie-Titel braucht eine Preissenkung und gehört dann auf jeden Fall in die Sammlung eines jeden Walking Simulator-Fans.”

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Ab auf die Insel?

Aktuell würde ich noch nicht zum Kauf raten. So wunderschön Rime auch sein mag, es ist für seinen Umfang derzeit einfach noch zu teuer. Aber wenn es irgendwann mal einen Deal gibt, dann solltet ihr auf jeden Fall zuschlagen.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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