Riding Star 3D: Champion im Sattel – Review zum Pferdeabenteuer

Endlich darf ich auch mal so ein Nintendo 3DS Titel ausführlich spielen und testen. Wir haben schon über einige Titel aus dem Hause Treva berichtet und möchten natürlich auch den neusten Teil Riding Star 3D nicht außer acht lassen. Dieses Mal darf der Chefredakteur selbst die Hufen schwingen und mit seinem Pferd einen Titel nach dem anderen abräumen. Ob das Spiel auch wirklich der Champion der Pferdespiele ist, lest ihr jetzt im Test.

 

Für Kinder mit Erfahrung gemacht

Bevor wir nun kritisch an die Sache herangehen, müssen vorher noch ein paar Dinge erwähnt werden. Fakt ist, dieses Spiel ist für Kinder ausgelegt. Die brauchen keine grafischen Wunderwerke in ihren kleinen wachsenden Augen erleben. Auch Realismus sollte man nicht zu hoch ansetzen, damit das Kind auch noch eine kleine eigene Vorstellung im Kopf behält. Wenn man eine nette Comic-Grafik, echte Pferderassen und ansatzweise originalgetreue Dinge aus dem Pferdeleben in so ein Spiel packen würde, könnte man es sicherlich ohne große Angst seiner Tochter unterm Weihnachtsbaum hinlegen. Und da sind wir auch schon beim Problem. In Riding Star 3D finden wir genau eines der erwähnten Dinge wieder: die nette Comic-Grafik… das war es auch schon. Nach dem kurzen Ladebildschirm mit den Entwicklern und dem Publisher Trema müssen wir eine Sprache festlegen. Immerhin kann man das Spiel neben Deutsch auch auf Englisch, Italienisch, Französisch oder Spanisch spielen. Wer seinen Stylus gerade nicht zur Hand hat und das Touchpad nicht berühren möchte, kann gerne auch mit dem Analogstick oder den Pfeiltasten navigieren. Allerdings gibt es hier schon das erste Problem. Gehen wir mit dem Pfeil nach rechts, wählt das Spiel nicht etwa die nächste Sprache neben der bereits vorbelegten aus, sondern überspringt einfach eine. Das erinnert mich immer daran, wenn ich von meinem Urlaub eine DVD mit einem DVD-Menü erstelle. Dort müssen nämlich auch die Menübewegungen hinterlegt werden, sonst spinnt der Cursor herum. Guter Einstand. Naja, was noch nicht ist, kann ja eventuell werden. Nachdem wir die Sprache erfolgreich ausgewählt haben, kommen wir in das (nicht) übersichtliche Hauptmenü. Dort können wir zwischen Spiel laden, Hotseat-Modus, Teamplay und Neues Spiel wechseln. Dieses Mal allerdings nur mit dem Touchpad. Die Tasten funktionieren hier leider nicht. Zu Beginn des Spieles legen wir unseren Namen und unser Geschlecht fest. Danach suchen wir uns ein Pferd aus, welches außer der Fellfarbe und dem Namen sich keineswegs verändert. Insgesamt stehen uns ganze fünf Namen zur Verfügung. Die Einrichtung ist fertig. Warum wir unser Pferd nicht selber benennen können, bleibt genauso ungeklärt, wie die Tatsache, dass ein Kind mit diesem unübersichtlichen Menü überhaupt nicht zurecht kommt. Im Hintergrund wird übrigens in Dauerschleife eine Art schlechter Westernsong gespielt. Dieser soll wohl das Leben auf dem Bauernhof darstellen. Naja, wäre das nun das offizielle Spiel zu ‘Der Schuh des Manitu’ hätte ich mich sicherlich gefreut. Die Überschaubarkeit nimmt auf unserem Hof leider kein Ende. In unserem Stall können wir unser Pferd pflegen. Das Tutorial bietet uns Informationen, wie wir das Spiel eigentlich spielen müssen. Doch dann kommt auf einmal Spiel speichern und ich frage mich, warum man dies nicht einfach ans Ende packt. Denn direkt nach der Speichermöglichkeit kommen weitere Spielinhalte wie das Training und das Turnier. Da versteh mal einer die Entwickler bei der Menüerstellung.

Unser Pferd muss auch gesäubert werden, nur so bekommen wir mehr Punkte.

Unser Pferd muss auch gesäubert werden, nur so bekommen wir mehr Punkte.

 

So müssen Pferde behandelt werden

Im Stall können wir nun unser Pferd genauer beobachten. Außer ein wenig Kopf-Bewegungen, tut sich da allerdings gar nichts. Doch wir können unser Leib und Gut sauber machen, es streicheln und striegeln, die Hufe vom Dreck befreien und dem Tier etwas zu essen geben. Das Putzen wird mit einem 8-Bit Ton und braunen Staubwirbeln dargestellt. Beim Streicheln kommt nur noch Ton und beim Hufe auskratzen sehen wir in einzelnen Pixeln, wie der Dreck nach ewigen Rumgewische auf dem Touchpad verschwindet. Wenn wir dem Pferd etwas zu essen geben, dreht es sich einmal in die Kiste neben sich und das wars. Was es frisst und  wie es frisst, sehen wir leider nicht. Man muss das langweilig sein, immer und immer wieder das selbe zu essen. Immerhin gibt es Vertrauenspunkte, wenn wir unser Pferd regelmäßig pflegen. So können wir mehr Vertrauen aufbauen und so mehr Wettkämpfe gewinnen. Hatte ich schon die Westernmusik erwähnt? Innerhalb der mehrstündigen Testphase (der Nintendo 2DS lag einfach nur mit ‘Ton an’ neben mir auf dem Schreibtisch) gab es tatsächlich nur diesen einen Westernsong. Mensch, da hat man sich ja richtig Mühe gegeben. Immerhin gibt es ein Tutorial. So wird es zumindest im Spiel deklariert. Was danach allerdings kommt, will man keinem Unwissenden zutrauen. Für Kinder, die eventuell noch nicht richtig Lesen und Schreiben können, ist das einfach unverschämt. Wenn man schon ein Tutorial in Schriftform, ohne Bilder, bereitstellt, sollte man zumindest eine Vertonung erwarten, damit auch die jüngeren Kinder verstehen, was dort nun gemeint ist. Zudem sind die Texte sogar so lang, dass die einmal sogar knapp über den Bildschirmrand standen. Immerhin wird der Unterschied zwischen Galopp und Schritt erklärt. Innerhalb von neuen Lektionen wird das komplette Gameplay erklärt. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Hälfte dieser Lektionen nur einzelne Textabschnitte und als Bindesätze zwischen den eigentlichen Erklärungen darstellen, kann man leider nicht mehr so viel Inhalt erwarten. Und tatsächlich, Inhalte gibt es kaum.

Dressurreiten macht genauso wenig Spaß, wie der Rest vom Schützenfest.

Dressurreiten macht genauso wenig Spaß, wie der Rest vom Schützenfest.

 

Wer hat denn die Abwechslung gestohlen?

Bevor wir einige Turniere antreten können, muss unser Pferd einige Trainingseinheiten absolvieren. In insgesamt drei verschiedenen Trainings, können wir unsere Fähigkeitspunkte erhöhen. Ob Übungen für Geschwindigkeit, Ausdauer oder Sprungkraft, alle drei Modi sind ein und daselbe. Einzig die Hürden stehen in den drei Bereichen an verschiedenen Stellen. Richtige Abwechslung suchen wir hier vergebens. Achja, habe ich schon erwähnt, dass das Auswahlmenü gar keinen Sinn hat? Wenn wir nämlich die Sprungkraft trainieren möchten, müssen wir dies in einem neuen Menü noch mal bestätigen. Macht schon Spaß durch etliche Menüs zu klicken. Nach erfolgreichen Training wartet übrigens keine Anzeige, wie gut wir waren, sondern wir landen direkt wieder im Menü. Wenigstens gibt es einen anderen Musiktrack während des Laufens. Haben wir erstmal genügend Punkte antrainiert, geht’s ins Turnier. Dort können wir zwischen Springturnier, Dressur, Military und Pferdewechsel hin und her wechseln. Viel Auswahl gibt es nicht, in jedem Bereich stehen uns ganz fünf Turniere zur Verfügung, die zum Teil erst bei 80 Fähigkeitspunkten betreten werden können. Beim Military stehen sogar nur drei zur Auswahl. Das Spiel protzt nur so von Inhalten. Immerhin haben noch zwei Multiplayer-Modi den Weg in das Spiel gefunden. Diese sind inhaltlich genauso aufgebaut, wie das Hauptspiel und werden offline an einem Nintendo 3DS gespielt. Online-Funktionen fehlen leider komplett. Die Animationen des Pferdes und dessen Reiter sehen übrigens genauso doof aus, wie das Spiel an sich. Wenn wir schon mal in einem Stadion sind, sehen wir zwar die Tribüne, das Publikum fehlt komplett. Genauso wie der Sound und andere Teilnehmer mit ihren Pferden. Im Pressetext steht: Zitat: Sowohl die beeindruckende 3D Ansicht, als auch der Realismus im Umgang mit dem Pferd und der Steuerung beim Reiten sorgen für ein authentisches Erlebnis. Die 3D-Ansicht konnten wir leider nicht direkt testen, da zum Testzeitpunkt leider nur ein Nintendo 2DS zur Verfügung stand. Die Modelle sehen aber für DS-Verhältnisse in Ordnung aus. Wir haben zwar schon einiges Besseres gesehen, richtig schlecht ist es aber nicht geworden. Dennoch, den Realismus aus dem Pressetext haben wir leider vergeblich gesucht. Vielleicht haben die Entwickler ihn auch einfach vergessen einzubauen.

Immerhin ein Stadion, nur die Punktrichter, Schiedsrichter, das Publikum und die Gegner fehlen. Tolles Turnier!

Immerhin ein Stadion, nur die Punktrichter, Schiedsrichter, das Publikum und die Gegner fehlen. Tolles Turnier!

Fazit:

Ich hatte große Hoffnungen, dass meine Redakteure einfach nur keine Lust auf Pferde haben und die letzten Teile deswegen schlechter bewertet haben. Leider muss ich mich deren Meinung anschließen. Was hier geboten wird, ist leider nicht mal für Kinder im jungen Alter geeignet. Wenn dann auch noch, wie im Pressetext vermerkt ist, Erwachsene dieses Spiel spielen sollen, dann muss da schon einiges mehr als Inhalt und vor allem Realismus her. Nicht mal für Zwischendurch reicht dieses Spiel aus. Wer seinem Kind eine Freude machen möchte, der lässt dieses Spiel einfach im Regal stehen und wartet lieber auf einen neuen Ableger von Bibi und Tina.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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