RIDE 2 – Test zu Milestones neuem Racer

Entwickler Milestone hat in der jüngeren Vergangenheit schon einige Motorrad Rennspiele hervor gebracht. Neben Valentino Rossi: The Game oder MXGP 2 fand Ride bereits im letzten Jahr seinen Weg in die Händlerregale. Ride versuchte, das Forza für den Motorrad Rennsport zu werden. Doch diese Ansprüche waren zu hoch gesetzt. Mit der arcadigen Steuerung und vielen weiteren Kritikpunkten wurde daraus nichts. Nun erscheint Ride 2 und soll alles besser machen. Ob es Milestone nun gelungen ist, dass Forza für Motorrad Fans zu machen, erfahrt ihr in unserem Test zu Ride 2.

 

Mit Vollgas voraus!

Auf den ersten Blick macht das Spiel alles richtig. Fast 200 lizenzierte Motorräder, 30 Strecken und viele Anpassungsmöglichkeiten sorgen zu Beginn bei Rennsportfans für Begeisterung. Doch diese erlischt auch schnell, wenn man seinen eigenen Fahrer erstellen möchte. Denn bei der Charaktererstellung kann man gerade einmal den Namen, die Nationalität und die Hautfarbe des eigenen Fahrers festlegen. Im späteren Verlauf lässt sich der eigene Fahrer noch mit zahlreichen Kleidungsstücken ausstatten. Wer mit lässiger Jeans um den Nürburgring heizen möchte, kann dies machen. Zu Beginn des Spiels sucht man sich nach einem kurzen Rennen aus einem von vier Fahrzeugen, ein passendes heraus. Hier hat man die Wahl zwischen einer kleinen 125-ccm-Maschine oder einer der stärkeren PS- lastigen Maschinen. Unerfahrene Spieler sollten mit der 125er beginnen und ein Gefühl für die Steuerung und des Fahrzeuges entwickeln. Denn wer mit dieser bereits Probleme hat, schnell und ohne Fehler über die Strecken zu fahren, der wird in den höheren und schwierigeren Klassen erhebliche Probleme haben. Im Spiel stehen mehrere Spielmodi wie beispielsweise Schnelles Rennen oder World Tour zur Auswahl. World Tour ist dabei der Karrieremodus. Eine Geschichte wird in dieser allerdings nicht erzählt. Vielmehr muss man sich in einer Rangliste nach und nach an die Spitze fahren. Bis man Platz 1 erreicht, können etliche Stunden vergehen. Denn die Rangliste umfasst mehr als 300 Fahrer, welche ebenfalls nicht untätig sind und sich auf Punktejagd befinden. Fährt man mehrere schlechte Rennen hintereinander, kann es auch mal vorkommen, dass die Kontrahenten an einem in der Rangliste vorbeiziehen. Die World Tour besteht dabei nicht nur aus einfachen Rennen, die eine gewisse Anzahl an Runden umfassen, sondern auch aus diversen Herausforderungen. In einigen Herausforderungen muss man eine bestimmte Rundenzeit unterbieten, eine bestimmte Anzahl an mitfahrenden Gegnern überholen oder in einem Hindernisparcours möglichst wenig Pylonen umfahren. Erfüllt man die Aufgaben der Herausforderungen, erhält man sogenannte Tokens. Diese sind enorm wichtig. Denn mit den Tokens kann man für sein virtuelles Rennteam neue Fahrer rekrutieren. Sein Team kann man selbst benennen. Zu Beginn sind einige Rennfahrer bereits vertreten. Allerdings sind diese Fahrer noch Anfänger. Durch die Tokens kann man dann bessere Fahrer für sein Team rekrutieren und so sein Team stetig weiter verbessern. Das Team ist ebenfalls sehr wichtig. In einigen Rennen wird die Gesamtplatzierung aus den Teamfahrern ermittelt. Erreicht man beispielsweise den ersten Platz und der Teamkollege den letzten, erhält man weniger Punkte. Sind allerdings beide Fahrer unter den besten Fünf, sieht dies schon besser aus. Mit jeder erfolgreich abgeschlossenen Herausforderung erhält man neben den Punkten für die Herausforderung auch Credits. Mit den verdienten Credits kann man seine Rennboliden modifizieren oder ein neue kaufen. Insgesamt können beinahe 200 verschiedene lizenzierte Motorräder von vielen namenhaften Herstellern gekauft werden. Die gekauften Bikes können später auch noch weiter aufgetunt werden. So kann man das Design verändern, Reifen wechseln, neue Teile in den Motor einbauen, Felgen austauschen oder bessere Bremsen verbauen. Insgesamt stehen über 1000 verschiedene Teile zum Umbauen parat. Bei der Auswahl des Designs stehen einem 600 zur Auswahl. Allerdings lassen sich die Bikes nicht selbstständig einfärben, dadurch ist man auf die unterschiedlichen Designs angewiesen. Eine freie Wahl wäre hier passender gewesen. Neben dem World Tour Modus gibt es auch einen Multiplayer Modus. In diesem kann man unterschiedliche Rennvarianten auswählen und gegen bis zu elf weitere Spieler antreten.

Die Weltrangliste zu erobern ist das Ziel in der World Tour.

Die Weltrangliste zu erobern ist das Ziel in der World Tour.

 

Ab auf die Strecke.

Größter Kritikpunkt von Ride 2 ist die etwas zu träge Steuerung. Zwar kann man in den Einstellungen viele Kleinigkeiten ein- und umstellen, an der trägen Steuerung ändert dies jedoch nichts. Am meisten fällt die träge Steuerung an der Ideallinie auf. Diese sollte man am besten fahren, um die schnellsten Runden zu erzielen. Durch die träge Steuerung ist es allerdings schwer, diese konstant zu fahren. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich an die Trägheit des Boliden und kommt dadurch eleganter durch die teils anspruchsvollen Strecken. In den Einstellungen kann man die KI-Stärke einstellen, die Ideallinie ein- oder ausschalten oder verschiedene Fahrhilfen einsetzen. Bei einem Rennspiel lassen sich Fahrfehler und die dazu gehörenden Unfälle nicht immer vermeiden. Auch in Ride 2 wird man des Öfteren mal im Kiesbett landen. Normalerweise wäre dann ein Rennen sofort gelaufen, denn Unfälle kosten wertvolle Zeit, die man in den restlichen Runden einholen muss. Doch dafür gibt es das Rückspul Feature. Dieses kennt man aus etlichen Rennspielen der Vergangenheit und es hat auch seinen Weg in Ride 2 gefunden. Mit dieser Rückspul Funktion kann man die Zeit, bis vor dem Unfall zurückspulen und dafür sorgen, dass dieser nicht erst entsteht. Rennsimulationen haben den Ruf nicht für jedermann zu sein. Für diesen Ruf sorgen meist ein schwerer Einstieg, hoher Schwierigkeitsgrad und der Simulationsanspruch an sich. Da Ride 2 eine Rennsimulation ist, kann man die Punkte auch hier übertragen. Doch zahlreiche Hilfen sorgen auch dafür, dass Einsteiger halbwegs gekonnt über die Strecken fahren. Schaltet man Hilfen wie Stabilisierung des Fahrzeugs oder die Abbremshilfe ein, dann spielt sich Ride 2 relativ arcadig. Auch die Ideallinie nimmt einen hilfreich an die Hand und zeigt einem, an welchen Stellen man Bremsen und Beschleunigen sollte.  Schaltet man alle Hilfen aus, spielt sich Ride sehr simulationslastig. Wenn man mit diesen Einstellungen spielt, muss man besonders auf die verschiedenen Bremspunkte und den Kurvenwinkel achten und im richtigen Moment beschleunigen.

Der Start kann schon über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Der Start kann schon über Sieg oder Niederlage entscheiden.

 

Maue Präsentation, gelungene Streckenauswahl.

Technisch präsentiert sich Ride 2 sehr solide. Zwar kann man das Spiel nicht mit einem Triple A Racer wie Forza oder Gran Turismo vergleichen, geht aber für ein Spiel mit eher mittlerem Budget vollkommen in Ordnung. Fotorealistische Grafik kann man nicht ganz erwarten. Dies wird bereits durch einen Blick auf die Motorräder ersichtlich. So sind die Texturen und besonders die Animationen der Zuschauer nicht ganz zeitgemäß. An diesen Stellen merkt man, dass bei der Entwicklung nicht so viel Geld parat stand. Großes Augenmerk wurde auf die Erzielung einer durchweg konstanten Bildrate gelegt, die während des Tests nie merklich eingebrochen ist. Gelungen sind auch die Auswahl der Strecken und deren Präsentation. So gibt es in Ride 2 rund 30 verschiedene Strecken, die man in verschiedenen Abschnitten und unterschiedlichen Wetterbedingungen abfahren kann. Die Streckenauswahl ist dabei sehr variantenreich. Diese reicht von Rennstrecken auf flachem Terrain, bis hin zu Gebirgsstrecken und Stadtstrecken. Weniger gut in Ride 2 sind die Ladezeiten. Besonders beim Start und nach dem Rennen sind lange Ladezeiten nicht selten. Besonders wenn man schnell noch ein Rennen fahren möchte, sind die lange Warterei etwas ärgerlich. Während der Ladezeiten gibt es zu jedem Modell einen recht langen Text zu den Motorrädern zu lesen. Wer ein Faible für Motorräder hat, wird hier nette kleine Details zur Entstehungs- oder die Firmengeschichte des Herstellers erfahren. Audiotechnisch macht das Spiel nicht sonderlich viel verkehrt aber auch nicht alles gut. Die Motorengeräusche sind lediglich nur durchschnittlich und hat man in vergleichbaren Titeln schon besser gehört. Hier fehlt etwas der Druck hinter den Motoren. Jedoch ist der Unterschied zwischen einer PS-armen Maschine und einer PS-lastigen Maschine hörbar. Ein nettes Feature, ohne das heutzutage kaum ein Rennspiel auskommt, ist der Fotomodus. Während des Rennens kann man zu jederzeit das Spiel pausieren und den Fotomodus aktivieren. In diesem kann man die Kamera in einem bestimmten Gebiet frei bewegen, justieren und verschiedene Filter aktivieren, um ein passendes Foto zu schießen.

Online gibt es stets wechselnde Ziele.

Online gibt es stets wechselnde Ziele.

 

Fazit:

Im Vergleich zum Vorgänger Ride fällt einem vor allem der größere Umfang auf. Mehr Motorräder, mehr Strecken, eine größere Motorradanpassung usw.. Entwickler Milestone hat konsequent an den Schwachstellen des Vorgängers gearbeitet. Zusätzlich bietet Ride 2 mehr Modi und den motivierenden World Tour Modus. Größter Kritikpunkt ist die etwas schwerfällige Steuerung, an die man sich erst mal gewöhnen muss. Auch die langen Ladezeiten und die maue Präsentation sind ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Aber die gelungene Rennstreckenauswahl und das tolle Geschwindigkeitsgefühl machen diese Punkte wieder wett. Entwickler Milestone hat insgesamt einen stimmigen Renntitel geschaffen. Wer ein Motorradspiel sucht, ist bei Ride 2 gut aufgehoben.

 

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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