Resident Evil: Revelations 2 – Review zum episodischen Horror

Mit den letzten Teilen der Resident Evil Hauptreihe hatte Capcom einen eher actionlastigen Weg eingeschlagen – sehr zum Unmut der Fangemeinde. Resident Evil: Revelations, das ursprünglich für den Nintendo 3DS erschienen ist, hatte im Gegenzug mehr mit den originalen Teilen der Reihe gemein. Der Nachfolger Revelations 2 ist daher ein absoluter Hoffnungsträger der Survival Horror Gemeinde. Wie wir die Episoden erlebt haben, verrät unser Test.

 

Episode 1: In der Strafkolonie

In der ersten Episode treffen wir Serien Veteranin Claire Redfield wieder. Diese befindet sich gerade auf einer Veranstaltung von Terrasave, ihrem Arbeitgeber. Terrasave hat sich der weltweiten Bekämpfung von Bioterrorismus verschrieben. Mit an Bord ist auch Moira Burton, die Tochter von Serienurgestein Barry Burton. Nachdem Moira wütend ein Telefonat mit ihrem Vater beendet, wechseln sie und Claire ein paar Worte, bevor es plötzlich dunkel wird. Noch bevor den Anwesenden klar wird was passiert, wird der Raum, von einem Scheinwerfer, hell erleuchtet. Maskierte Soldaten seilen sich von Hubschraubern ab und eröffnen das Feuer. Kaum ist die Glasscheibe überwunden werden die Mitarbeiter, darunter Claire und Moira, entführt. Claire wird zudem eine unbekannte Substanz injiziert. Als wir wieder erwachen, finden wir uns allein in einer modrigen Zelle wieder. Plötzlich öffnen sich, wie von Geisterhand, unsere Zellen, sodass wir diese verlassen können. Kaum das wir einige Schritte gemacht haben, hören wir die vertraute Stimme von Moira, die in einer anderen Zelle eingesperrt ist. Doch nicht lange. Auch ihre Zellentür öffnet sich und eine weitere Tür ebenso. Eines steht also fest. Wir werden beobachtet, doch von wem? So machen wir uns also gemeinsam auf den Weg einen Ausgang zu finden. Doch plötzlich stellen sich uns immer wieder mutierte Menschen in den Weg und wollen uns ans Leben. Als wäre das nicht schlimm genug meldet sich dann auch noch eine Frauenstimme, über die Sprechanlage, um uns Wissen zu lassen, dass die Armbänder, die wir tragen, unseren Angstlevel anzeigen und das wir zu dem werden würden was wir fürchten. Um hier rauszukommen, werden wir wohl Hilfe benötigen. Und wer wäre besser geeignet als Barry, die Einmannarmee. Barry erreicht die Insel allerdings erst eine ganze Weile später und macht sich sofort auf die Suche nach seiner Tochter. Doch auch er ist nicht alleine unterwegs. Die kleine Natalia kreuzt Barrys Weg, und da er sie nicht allein lassen will, nimmt er sie kurzerhand mit. Das kleine Mädchen ist jedoch etwas mysteriös. Denn sie erzählt Barry, dass seine Tochter bereits Tod sei und seltsame Kopfschmerzen plagen die Kleine. Und dennoch hat Barry die Hoffnung Moira zu finden noch nicht aufgegeben.

Fazit:

Episode 1 bildet eine solide Basis zum Start. Die Story ist dabei zumindest einigermaßen interessant. Leider ist die Umgebung extrem trist und recht detailarm und die Gänge wiederholen sich optisch sehr schnell.

Claire und Moira versuchen aus dem Komplex zu entkommen.

Claire und Moira versuchen aus dem Komplex zu entkommen.

 

Episode 2: Betrachtung

Zurück bei unserem weiblichem Team setzen wir deren Suche nach einem Ausweg fort. Die beiden treffen dabei in einem Fischerdorf auf einige ihrer Terrasave Kollegen. Doch kaum wieder vereint beginnen einige von Ihnen zu mutieren. Claire und Moira müssen sich also gegen ihre eignen Freunde und Kollegen wenden. Als die Geschichte wieder zu Barry und Natalia wechselt muss Barry erfahren, dass Natalia ihre Eltern verloren hat. Und als ob dies nicht schon Problem genug wäre, macht auch die offensichtliche Beteiligung eines alten Bekannten, Barry Sorgen. Die Beiden entdecken ein Foto mit Albert Wesker und einer jungen Frau darauf. Und kaum spricht man vom Teufel stehen die Zwei auch schon einem seltsamen mutierten Wesen gegenüber.

Fazit:

In dieser Episode kann man sich etwas freier bewegen und der Actionanteil nimmt deutlich zu. In Sachen Story kommt allerdings auch hier noch nichts so richtig ins Rollen.

Barry macht sich auf die Suche nach Moira, zusammen mit Natalia.

Barry macht sich auf die Suche nach Moira, zusammen mit Natalia.

 

Episode 3: Das Urteil

Claire und Moira begeben sich auf die Suche nach Natalia, nachdem diese am Ende der letzten Episode verschwunden ist. Auf der Suche in einer Anlage stoßen die Beiden allerdings auf ein Hindernis in Form einer Statue. Die geheimnisvolle Frau spricht wieder zu Ihnen und verrät, dass Sie einige Dinge besorgen müssen, um weiterzukommen. Leichter gesagt als getan, denn zahlreiche Gefahren warten auf dem Weg. Genau so wie einige unbequeme Enthüllungen. Zurück bei Barry und Natalia können diese dem Wesen aus der letzten Episode mit Not entkommen. Das Wesen scheint darüber hinaus ein seltsames Interesse an Natalia zu haben. Barry vermutet, dass Alex Wesker das mysteriöse Wesen ist. Natalia bestätigt dies und enthüllt zudem, dass Alex auch die Aufseherin ist (die Frauenstimme in der Sprechanlage). Doch was will sie ausgerechnet von Barry’s Tochter? Auf dem Weg durch die Kanalisation finden sie Moiras Handy, darauf eine Nachricht der anscheinend im Sterben liegenden Moira.

Fazit:

Endlich entfaltet sich die etwas magere Story. Gerade Serienveteranen werden hier die eine oder andere Referenz wiederfinden und es gibt Resi-typische Rätsel. Jedoch macht der Rest erneut einen Schritt zurück. Der Story Mode macht, nach drei Episoden, einfach den Eindruck als wäre er das Beiwerk zum Raid Modus und nicht umgekehrt.

Moira kann sich zu Beginn nur mit einer Taschenlampe nützlich machen.

Moira kann sich zu Beginn nur mit einer Taschenlampe nützlich machen.

 

Episode 4: Die Verwandlung

In Episode 4 starten wir wieder mit den beiden Damen und deren letzter Mission. Claire und Moira sind dem Hauptturm der Insel nah und damit auch der finalen Konfrontation. Während sich die Beiden durch den Turm kämpfen, treffen sie einen alten Kollegen wieder, der sich allerdings sehr verändert hat. Als Claire sich in einer brenzligen Situation wiederfindet, steht Moira vor der Wahl, entweder ihre Freundin selbst um ihr Leben kämpfen zu lassen oder ihre Angst vor Pistolen zu überwinden. Egal wie ihr euch entscheidet, führt euch euer Weg früher als gedacht zu Alex Weskers, der Aufseherin. Die Zwei stellen die wahnsinnige Schwester von Weskers, doch bevor sie ihr auch nur entfernt nahe kommen können, erschießt sich diese selbst. Und als wäre das nicht schon verwirrend genug, startet plötzlich ein Alarm und die Selbstzerstörung wird eingeleitet. So bleibt dem Duo nur die Flucht, die allerdings nicht für beide gut ausgeht. Nach nur etwa zwanzig Minuten mit Claire und Moira springen wir wieder sechs Monate in die Zukunft zu Barry und Natalia. Diese haben ebenfalls den Schauplatz erreicht und finden den Turm in Schutt und Asche wieder.

Fazit:

Die Story kommt in der finalen Episode zu einem mehr als faden und unbefriedigenden Ende. Alles erscheint sehr lieblos und hastig abgehakt zu werden. Insgesamt hätte ich mir hier deutlich mehr von der Story erhofft, was allerdings für die anderen Episoden ebenso gilt.

Barry gibt sein bestes um die kleine Natalia zu beschützen.

Barry gibt sein bestes um die kleine Natalia zu beschützen.

 

Aus Alt mach neu

Wie bereits im fünften und sechsten Teil der Reihe seid ihr auch in Revelations zu zweit unterwegs. Dabei kann man Barrys Team doch als den actionlastigeren Part betrachten. Claire und Moira lassen es nämlich, im Vergleich, etwas ruhiger angehen. Capcom hatte in der Vergangenheit ja bekundet man wolle Revelations in die Richtung Survival Horror weiterentwickeln, während die Hauptreihe von Resident Evil weiter dem eher actionorientierten Ansatz folgen soll. Leider scheint sich Capcom nicht ganz an dieses Versprechen zu halten, denn mich persönlich erinnerte Revelations 2 eher an Resident Evil 5. Zwar mit deutlich weniger Gegnern und in engeren Arealen, im Großen und Ganzen aber doch sehr ähnlich. Mit welchem Team ihr auch unterwegs seid, es gibt immer einen aktiven und einen passiven Charakter. Während Claire und Barry eure Damage Dealer sind, leisten Moira und Natalia Support. Moira und Natalias Hauptaufgabe besteht darin Items aufzuspüren. Während sich Moira dafür einer Taschenlampe bedient, nutzt Natalia ihr übersinnliches Gespür. Dieses ermöglicht ihr auch durch Wände hindurch Feinde für Barry sichtbar zu machen. Wollt ihr den Monstern dennoch das Licht ausknipsen, stehen euch die üblichen Feuerknüppel zur Verfügung. Je nachdem wie fleißig ihr die Umgebungen durchsucht werdet ihr auf das ein oder andere Waffenupgrade stoßen. An einer der diversen Werkbänke im Spiel könnt ihr diese dann an einem eurer Schießeisen installieren. Die Erweiterungen reichen dabei von besserer Durchschlagskraft bis hin zu Explosivmunition. Ähnlich dazu hat auch euer Charakter selbst einen Skilltree. Mit Erfahrungspunkten erweitert ihr so eure Fähigkeiten und könnt schneller mit dem Messer attackieren oder Heilkräuter effektiver machen. Seltsam war für mich allerdings ein Upgrade, das mir einen Schadensbonus gewährte, sofern ich nach jedem Kill die Waffe wechselte. Das bedeutet, dass diese Fähigkeit euch keinerlei Vorteil bringt, solltet ihr nicht immer die Waffe wechseln.

Über den Skill Tree verbessert ihr eure Fähigkeiten.

Über den Skill Tree verbessert ihr eure Fähigkeiten.

 

Geteilter Horror ist halber Horror

Was mir aber neben diesem seltsamen Perk am Meisten negativ auffiel, hängt mit dem Koop Modus zusammen. Habt ihr jemanden zur Hand, könnt ihr zu zweit lokal miteinander spielen. Auf diese Weise macht das Spiel auch wirklich Spaß. Während einer zum Beispiel mit Claire Gegner ausschaltet, kann der Andere mit Moira die Monster mit der Taschenlampe blenden. Anders sieht es leider aus, wenn ihr alleine spielt. Euer computergesteuerter Anhang geht zwar nicht bei jedem Angriff sofort zu Boden, allerdings solltet ihr keinerlei wirkliche Hilfe erwarten. Ihr könnt zwar jederzeit per Tastendruck die Charaktere wechseln, in einer hektischen Situation hilft euch das jedoch in keiner Weise. Hier hätte die KI eine große Schippe drauflegen müssen, um wenigstens halb so effizient zu sein, wie ein echter Mitspieler. Allein fühlt es sich mehr so an, als hätte man euch einige Fähigkeiten genommen und ausgelagert, was sehr schade ist.

Nur zusammen seid ihr wirklich effektiv. Nur schade das euch die KI keine Hilfe ist.

Nur zusammen seid ihr wirklich effektiv. Nur schade das euch die KI keine Hilfe ist.

 

Resident Evil meets RPG

Fans des Mercenary Modes vergangener Titel werden wohl die meiste Zeit im Raid Mode verbringen. Hier schnappt ihr euch einen Charakter und startet einen der “All you can shoot”-Level. Bis Level 100 könnt ihr euch auf verschiedenen Maps mit immer stärker werdenden Gegnern messen. Dankbarerweise sind die Maps alle speziell für den Raid Mode entworfen und wurden nicht aus dem Hauptspiel recycelt. Serienveteranen werden auch viele Örtlichkeiten aus vergangenen Spielen erkennen. Auch bekannte Monster, wie die Hunter, findet ihr nur hier. Dabei ist der Raid Mode keinesfalls wie der Hauptpart des Spiels. Dieser Modus hat mehr von einem RPG. Gegner haben, wie ihr, Stats und werden genau wie ihr immer stärker. Auch trefft ihr im Verlauf Gegner mit Modifiern zum Beispiel in der Form, dass ihr nur mit Feuer Schaden macht etc. Dieses System kann durchaus ein wenig süchtig machen, denn es motiviert sehr stark und man will immer weiter aufleveln. Weitere Charaktere schaltet ihr unter anderem durch Fortschritte im Story Mode frei und könnt so auch mit Hunk oder Albert Wesker Monster jagen. Besonderes Suchtpotenzial entfaltet sich, wenn ihr eine neue Waffe erhaltet und dann Stunden damit verbringt auszutesten, welche Perks in Kombination mit dieser Wumme am Besten funktionieren. Unabhängig von Story Skilltree könnt ihr hier auch wieder euer Alter-Ego aufbauen. Ich würde sagen, dass der Raid Mode daher das eigentliche Highlight von Revelations 2 ist.

Der Raid Mode ist das eigentliche Highlight in Revelations 2.

Der Raid Mode ist das eigentliche Highlight in Revelations 2.

 

Trister Horror für Augen und Ohren

Revelations 2 sieht zwar nicht schlecht aus, aber obwohl dieser Teil kein Port ist, sieht er dennoch ein wenig danach aus. Animationen wirken manchmal etwas steif, die Texturen sind recht trist und wiederholen sich enorm schnell. In Verbindung mit den sehr ähnlich wirkenden Räumen wird das Ganze dann schnell langweilig. Das Gleiche gilt für das Design der Monster, die allesamt eher wenig mit klassischen Zombies zu tun haben. Besonders in den Kampagnen von Barry werdet ihr häufig mit recycelten Bossen konfrontiert oder Monstern, die zumindest optisch, kaum Unterschiede zu bekannten Gegnern aufweisen. Dieser Mangel an Variationen zieht sich auch in den Bereich der Soundeffekte. Vor allem die Monster weisen kaum einzigartige Laute auf. Fans der alten Spiele wissen sicher noch wie angespannt man war, wenn man einen Raum betrat und das schmatzende Geräusch eines Lickers vernahm. Dieses Gefühl hatte ich hier nie. Alle Monster werden hier anscheinend von der gleichen generischen Soundpalette gespeist. Einzig einige der Waffen können blind, anhand des Sounds, unterschieden werden.

Fazit:

Auch Revelations 2 scheint sich etwas mehr vom Survival Horror zu entfernen. Insgesamt kommt während der vier Episoden nie wirkliche Horroratmosphäre auf. Einzig der Raid Mode vermag dem Titel Wert zu verleihen und dieser hätte auch am Besten der einzige Mode im Spiel sein sollen. Für den Raid Mode gibt es eine absolute Empfehlung, nicht aber für den Story Mode.

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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