Rainbow Six: Siege – Test zum Taktik-Shooter des Jahres

Ein Konzepttrailer von der E3 im Jahr 2011 zeigte den eigentlichen neusten Teil der Rainbow Six-Reihe. Die Kritik an den Szenen war groß, die Old-Gen zu alt und die Freude an der PS4 und Xbox One für die Entwickler von Ubisoft Montreal zu hoch. Also entschloss Ubisoft Rainbow 6: Patriots einzustampfen, um daraufhin 2014 mit Rainbow Six: Siege den wirklich neusten Teil zu präsentieren. Bereits in der ersten Präsentation war eines ganz klar: Siege wird den Multiplayer-Koop in den Fokus rücken und ein wenig zu den alten Taktikstärken zurückfinden. Doch kann das Spiel wirklich überzeugen? Wir haben den Test gemacht und sagen euch kurz vor Weihnachten, ob ihr bei dem Titel beruhigt zugreifen könnt.

 

Das kann der “Singleplayer”

Das Wichtigste zuerst: Wenn ihr Rainbow Six: Siege nur wegen des Singleplayers kaufen wollt, solltet ihr es euch vielleicht noch einmal genauestens überlegen. Schließlich ist in dem Spiel kaum bis gar kein Singleplayer vorhanden. Beispielsweise eine Kampagne mit einer toll inszenierten Geschichte rund um das Team Rainbow Six sucht man bei Siege vergebens. Einzig elf kurze Trainingseinsätze dienen als kleine Vorbereitung auf den PVP-Modus. Diese können offline gespielt werden und zeigen die Grundmechaniken des Gameplays. Hier gilt es verschiedene Ziele zu erreichen, Terroristen zu töten, Geiseln zu retten, Bomben zu entschärfen und die Vorbereitung auf einen Angriff zu planen. Das Team der Antiterror Spezialisten wird in Form eines kurzen Intros vorgestellt. Von den originalgetreuen Charakteren aus dem Tom Clancy Universum oder vom Team Rainbow fehlt jede Spur. Eines hätten wir fast vergessen: die Terroristenjagd kann man alleine oder mit Freunden im Koop spielen. Hier gilt es alle KI-Terroristen zu eliminieren. Doch Vorsicht, die KI ist gar nicht so übel. Schließlich sind die Gegner im Angriff schnell, präzise, werfen Granaten und verstecken sich hinter Objekten. Ein paar Runden macht dieser Modus Spaß, danach gibt es allerdings nichts mehr, was man offline erleben kann. Also nochmals der Hinweis: Wenn ihr Rainbow Six: Siege nur wegen des Singleplayers kaufen wollt, solltet ihr es euch vielleicht noch einmal genauestens überlegen.

Vor jeder Runde können die Angreifer mit Hilfe einer ferngesteuerten Drohne sehen, wo sich die Gegner befinden.

Vor jeder Runde können die Angreifer mit Hilfe einer ferngesteuerten Drohne sehen, wo sich die Gegner befinden.

 

Name nur leichtes Beiwerk

Das Herzstück von Siege ist also der Multiplayer PVP-Modus. Hier gilt es als Antiterror-Einheit gegen unsere eigenen Kollegen zu kämpfen und entweder Bomben zu entschärfen oder Geiseln zu befreien. Die Gegenseite muss dies dann natürlich verhindern. Auch hier fehlt vom Team Rainbow jede Spur. Alle Spielfiguren, welche wir in einem Match auswählen können, gehören der Spetznatz, SAS, GIGN, GSG9 oder dem FBI an – nichts besonders also. Hier wird schnell klar, dass Ubisoft den Namen Rainbow Six nur aus Marketinggründen genommen hat, damit der Taktik-Shooter mehr Abnehmer findet. Dies soll nun nicht heißen, dass Siege ein schlechtes Spiel geworden ist, nur der Umfang hätte am Release für einen Vollpreistitel durchaus größer sein können. Immerhin haben es elf Karten auf die Disc geschafft, die sich allesamt sehr ähnlich spielen. Die Schauplätze sind meistens drinnen, entweder in einem Apartment, einer Polizeistation oder einer Lagerhalle. Dazu kommt, dass die Korridore sehr eng und verwinkelt sind. Zudem kann man sich leicht verschanzen, denn nur ein paar Kugeln und man darf sich die Runde in der Sicht des Teamkollegen weiter anschauen. Die Grundebene für Taktik steht also schon mal. Die Angreifer müssen vorsichtig vorgehen und keinen Winkel außer Acht lassen. Denn die Stärke des Spieles ist das clevere Vorgehen und die Vorbereitung gegen das Gegnerteam.  Die Verteidiger müssen in der Vorbereitung dafür sorgen, dass Fallen vor Türen gesetzt, Wände hochgezogen und starke Türen verrammelt werden. Hier eine Sprengfalle, da einen Schutzwall. Auch hier zählt das taktische Vorgehen. Ist eine Tür nicht verriegelt, kann es durchaus passieren, dass die Gegner genau durch diese Tür durchgehen und das Team erledigt. Nur wer im Team perfekt zusammenspielt, wird die Runde für sich entscheiden.

Taktisches Vorgehen ist extrem wichtig. Nur wer langsam ans Ziel kommt, kommt auch lebend an.

Taktisches Vorgehen ist extrem wichtig. Nur wer langsam ans Ziel kommt, kommt auch lebend an.

 

Es ist eben kein Call of Duty

Respawns während einer Runde gibt es nicht. Wer gefallen ist, ist gefallen! Deshalb ist es umso wichtiger, dass man auch auf die Wände im Auge behält. Denn diese sind leicht zerstörbar. Egal ob mit einem Hammer, mit den eigenen Sturmgewehren, Granaten oder Sprengstoff, beinahe alle Wände der Level können vernichtet werden. Besonders gut hat uns das Schussgefühl gefallen. Generell sind alle Waffen und Objekte wirklich toll umgesetzt. Siege schränkt uns bei der Spezialistenwahl allerdings stark ein. Zwar sind im Spiel insgesamt 20 der sogenannten Operator vorhanden, alle von Anfang an spielen können wir aber nicht. Mit jedem Match schalten wir “Renown” frei, unsere Spielwährung. Nur mithilfe dieser Währung können dann neue Figuren und Aufsätze freigeschaltet werden. Dies funktioniert bei einem Call of Duty wesentlich besser und schneller. Denn bis wir erst mal die notwendige Punktzahl für einen weiteren Operator freigespielt haben, dauert es seine Zeit. Grund genug für Ubisoft die Mikrotransaktionen mit in das Spiel zu implementieren. Wer schneller an die Operator kommen möchte, kann sich die Ingame-Währung auch einfach kaufen. Doch bei einem Taktik-Shooter möchte man Waffen, Aufsätze, verschiedene Granaten, Sprengfallen und Objekte so kombinieren, dass man seine eigene Taktik in das Match bringt. Hier fühlt man sich stark eingeschränkt. Hat man allerdings erst mal die Wahl zwischen neuen Operatoren, muss man sich für die Offensive oder Defensive entscheiden. Denn jeder spielt sich immer etwas anders – Experimentieren wäre hier schöner gewesen.

Die Angreifer nutzen jede Gelegenheit und gehen auch durch Fenster, wenn es sein muss.

Die Angreifer nutzen jede Gelegenheit und gehen auch durch Fenster, wenn es sein muss.

 

Mit den Ohren du lauschen sollst

Wie bereits mehrfach erwähnt gehört Teamwork im gesamten Spiel an die Tagesordnung. Wer sich nicht mit den anderen Spielern unterhält oder zumindest abspricht, der landet schnell auf dem Friedhof. Teamspeak, Skype oder das PSN sollten bei Siege also an der Tagesordnung stehen. Am besten ist es natürlich, wenn man mit Freunden zusammenspielt. Dank des grandiosen Sounddesigns hört man jeden Gegner bereits über die Treppe oder den Flur kommen. So ist es genauso wichtig einfach mal still in der Ecke zu hocken und zu horchen, was im Nebenzimmer wohl gerade passieren mag. Dadurch entsteht eine unglaublich dichte Atmosphäre, die genauso überlebenswichtig ist, wie die richtige Taktik gegen den Gegner. Wer blöde drauf losläuft und wie in Call of Duty versucht die Gegner schnellstmöglich alle nacheinander zu erledigen, der sollte lieber die Finger von Rainbow Six lassen. Grafisch reißt das Spiel sicherlich keine Bäume raus, dafür ist die Bildrate konstant hoch, was dem Shooter nur zugutekommt. Die Texturen sind an einigen Stellen etwas matschig, der Rest ist aber recht gut umgesetzt. Immerhin gibt es seitens Ubisoft bereits Ankündigungen zu kostenlosen Inhalten. Einen Season-Pass kann man trotzdem bereits kaufen. Was das dann für kostenlose Inhalte sein werden, steht aktuell noch nicht fest.

Fast alle Wände im Spiel sind zerstörbar.

Fast alle Wände im Spiel sind zerstörbar.

 

Fazit:

Rainbow Six: Siege ist eine Alternative zu den bekannten den Shootern, die es derzeit auf dem Markt gibt. Wer auf Taktik steht und bereits mit Counter Strike: GO warm wurde, der kann bei Siege sofort und beruhigt zugreifen. Die taktischen Möglichkeiten innerhalb eines Matches sind wirklich toll umgesetzt. So spielt sich jede Runde anders, was sowohl vom Team, von der Ausrüstung, von der Karte und von den Gegnern abhängt. Wer einen Singleplayer mit Multiplayer ala Call of Duty sucht, den müssen wir hier enttäuschen. Das will Siege nicht und das ist Siege auch nicht. Einzig eine Koop-Kampagne wäre auf Grund mangels Umfang wünschenswert gewesen. Schlussendlich ist Siege einer der besten Taktik-Shooter der letzten Jahre.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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