Pro Evolution Soccer 2018 – Test zum diesjährigen Konami-Kick

Wenn die ersten Blätter von den Bäumen fallen, es draußen wieder früher dunkel und kühler wird, dann werden die Fußballfans wieder ganz heiß. Denn dann wissen sie, dass der neue Ableger von Pro Evolution Soccer erscheint und sich wieder Nächte vor dem heimischen TV anbahnen. So auch in diesem Jahr. Nachdem in den letzten Jahren die FIFA Reihe der PES Reihe immer mehr den Rang abgelaufen hat, will Konami nun zum Konterangriff ansetzen. Ob ihnen das gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test zu Pro Evolution Soccer 2018.

 

Bewährte Spielmodi

Wer schon einmal ein Pro Evolution Soccer in den letzten Jahren gespielt hat, der wird sich in den verschiedenen Spielmodi sofort heimisch fühlen. Denn es gibt wieder ein Schnelles Spiel, verschiedene Turniere (Champions League, Euro League, eigene erstellbare und viele mehr), den Werde zur Legende Spielmodus, Meisterliga und Konamis Pendant zu Fifas Ultimate Team, den My Club Spielmodus. Neu hinzu gekommen sind in diesem Jahr die Zufallsbegegnungen, bei denen man ein zufälliges Team ausgewählt bekommt und gegen ein anderes zusammen gestelltes Team antritt. Ebenfalls neu ist der 3 vs 3 Koop Modus, der sowohl online als auch offline funktioniert. Beide neuen Modi entfalten besonders in einer geselligen Runde ihren vollen Spielspaß und runden die etablierten Spielmodi locker auf. Wer gerne mit seinen Freunden vor dem TV eine Runde spielt, bekommt mit den beiden Spielmodi das beste Werkzeug. Doch wer PES langfristig spielen will, der verbringt die meiste Zeit entweder in der Meisterliga, Werde zur Legende oder in My Club. Bei der Meisterliga und dem Werde zur Legende Modus hat sich im Vergleich zum Vorjahr relativ wenig verändert. Noch immer übernimmt man in der Meisterliga die Kontrolle über einen Verein, tätigt Transfers und spielt so Saison für Saison. Im Werde zur Legende Modus sieht es ähnlich aus, auch hier übernimmt man die Kontrolle eines eigenen selbst erstellten Spielers und spielt seine Spielerkarriere inklusive Transfers und weiteres nach. Gerade in Anbetracht, dass Fifa mit The Journey einen storylastigen und interessanten Spielmodus um Alex Hunter kreiert hat, wirkt der Werde zur Legende Spielmodus relativ blass und langweilig. Mehr Mut in Richtung Innovation seitens Konami wäre hier in Anbetracht der Konkurrenz angebracht gewesen. Viele kleine Verbesserungen hat der My Club Modus spendiert bekommen. Hier erhält man zu Beginn eine eher schwache Truppe und kann diese mittels Scouts stetig weiter verbessern. Diese Scouts kann man mit einer Ingame Währung anheuern und diese dann zufallsbasiert nach neuen Sportlern suchen lassen. Allerdings kann man nun deutlich mehr Faktoren bestimmen, nach denen die Scouts suchen sollen. Diese suchen nun nach Position, Liga, Herkunft und Alter die Spieler aus. Welchen Spieler man allerdings erhält, bleibt jedoch dem Zufall überlassen. Damit steigt auch immer die Spannung, welchen Spieler man erhält. Ebenso bekommt man den Trainer, nach dessen Taktik sich die Mannschaft fügen muss. Dies ähnelt dem FIFA Ultimate Team, doch unterscheidet sich in vielen Elementen deutlich. Gerade, dass die Spieler nach jedem Spiel Erfahrungspunkte erhalten und so auch eher schlechte Kicker immer besser werden, macht den Modus einzigartig. Wie in den letzten Ablegern auch, kann man sein zusammen gestelltes Team gegen andere Teams anderer Spieler antreten lassen und so mehr Geld für bessere Scouts und damit auch bessere Spieler verdienen. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, man kann in Ligen, Turnieren und normalen Freundschaftsspielen in unterschiedlichen Vorgaben und Schwierigkeitsgraden teilnehmen und so unterschiedliche Belohnungen erhalten.

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Andrés Iniesta ist dank der FC Barcelona Kooperation komplett lizensiert.

 

Seit jeher die größte Stärke der Reihe: das Gameplay

Wenn man Fußball-Enthusiasten fragt, was die PES Reihe seit je her von der FIFA Reihe unterscheidet, kommen wahrscheinlich alle auf die selbe Antwort: das überaus gelungene Gameplay und die vielen taktischen Möglichkeiten. Seit vielen Jahren ist die Reihe in dem Punkt dem Konkurrenten FIFA überlegen. Und auch in diesem Jahr punktet die Reihe mit einem realistischeren und taktischerem Gameplay. Egal wie man spielen möchte, ob nach Guardiolas Tikki Takka Fußball, mit starkem Flügelfokus oder nach Kick and Rush Prinzip, alle Möglichkeiten lassen sich bis ins kleinste Detail einstellen und können zum Sieg führen. Dabei kann man selbst mitten im Spiel per Tastendruck aus mehreren offensiven und defensiven Taktischen Anweisungen wechseln, die einen spürbaren Einfluss auf das Verhalten auf dem Spielfeld haben. So kann man sich stets bestens auf neue Situationen einstellen und ist somit für jeden Gegner gewappnet. Taktik-Füchse, die sich austoben möchten, sind bei PES genau richtig. Das Spiel wurde nun merklich langsamer und wuchtiger gestaltet. Dadurch, dass das Spiel langsamer geworden ist, besitzt nun das Aufbauspiel eine deutlich wichtigere Rolle. Denn die Spieler und der Ball haben nun ein spürbar höheres Gewicht, was man bei allen Aktionen merkt: Bei Dribblings, die nun langsamer ablaufen, bei den nun wuchtigeren Zweikämpfen und den langsameren Pässen. Mit diesen kleinen Änderungen fühlt sich PES noch einmal einen Ticken realistischer und dynamischer an als in den letzten Jahren. Dazu tragen zudem die neuen Animationen der Spieler bei. Dabei ist es ein Augenschmaus für jeden Fußballfan zu sehen, wie die Verteidiger in den Zweikampf gehen, Spieler wie Messi oder Ronaldo in die Dribblings gehen oder wie Stürmer wie Griezmann artistisch den Ball ins Tor schießen. Ebenfalls verbessert wurde die KI der Torwarte im Spiel. In den letzten Ablegern hatten sie des Öfteren hier und da kleine Aussetzer, die im realen Sport nie so passiert wären. Nun parieren die Neuers und Buffons im Spiel grazil und reflexartig auch die Schüsse und Kopfbälle aus kurzer Distanz, die in den letzten Ablegern zu oft für Torerfolge gesorgt haben.

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Die Stadien der Vereine werden prachtvoll dargestellt.

 

Präsentation und Lizenzen

Generell ist die Optik des neuen PES Ablegers über jeden Zweifel erhaben. Nicht nur die Starspieler wir Neymar, Messi oder Suarez sehen ihren realen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich, sondern auch die zweite und dritte Reihe an Sportlern erkennt man als Fußballfan sofort. Besonders viel Mühe haben sich die Entwickler bei den Vereinen FC Barcelona, FC Liverpool und Borussia Dortmund gegeben. Denn bei diesen  Vereinen ist die PES Reihe eine Partnerschaft eingegangen und damit sind diese voll lizenziert. Es sehen nicht nur alle Spieler der Mannschaften ihren Vorbildern zum Verwechseln ähnlich, sondern auch die Stadien der Vereine werden prachtvoll dargestellt. So zelebrieren die Fans im Publikum ihre Mannschaft mit eigens kreierten Bannern und sorgen damit für eine einmalige Atmosphäre. Wenn die Spieler aus dem Spielertunnel der Anfield Road marschieren und die Fans „You`ll Never Walk Alone“ anstimmen, dann bekommt wohl jeder Fußballfan Gänsehaut. Schade, dass nicht alle Teams in so einem Licht präsentiert werden wie diese drei. Denn wenn man auf die PES Reihe zu sprechen kommt, dann erwähnt man zwar das realistische und taktische Gameplay, kommt aber auch schnell auf den größten Manko der Serie zu sprechen: den fehlenden Lizenzen. In diesem Jahr hat man wenigstens ein paar mehr Mannschaften ins Spiel gepackt. So sind die brasilianische und chilenische Liga voll lizenziert mit an Bord. Doch das tröstet nicht darüber weg, dass viele europäische Spitzenmannschaften es nicht oder nur unter anderem Namen ins Spiel geschafft haben. Die Topmannschaften, die mit originalen Namen, Logos und Trikots auflaufen, kann man an mehreren Händen abzählen. Immerhin sind die erste und zweite französische Liga und die holländische Liga voll lizenziert dabei. In anderen Ligen sieht es eher mau aus, in der englischen Liga sind nur der FC Liverpool und der FC Arsenal mit den richtigen Namen vertreten. Der Rest besteht aus fantasievollen Club Namen, bei denen lediglich die Spieler mit den richtigen Namen auftreten. Falls es die Lieblingsmannschaft überhaupt ins Spiel geschafft hat, denn gerade deutsche Fans müssen hier Abstriche machen. Denn obwohl PES die Champions League und Euro League Lizenz besitzt, sind Mannschaften wie Bayern München oder Hoffenheim nicht im Spiel enthalten, auch nicht unter einem Fantasienamen. Lediglich der BVB, RB Leipzig und Schalke 04 sind aus deutscher Sicht mit an Bord. Jedoch gibt es einen umfangreichen Editor bei dem man Wappen, Logos, Spieler etc. kreieren kann. Mittels USB Stick kann man sich auch Kreationen anderer Spieler herunterladen und auf die Konsole portieren. Ebenfalls wenig Verbesserung macht die Reihe bei der Struktur des Menüs und den deutschen Kommentatoren. Da Hansi Küpper und Markus Hagemann viele entscheidende Situation entweder falsch bewerten (ein missglückter Torschuss der 20 Meter neben das Tor geht, als packenden Torschuss betiteln) oder zu emotionslos vortragen und sich deren Floskeln schnell wiederholen, nerven sie mit steigender Spielzeit. So habe ich die Kommentatoren nach einigen Spielen ausgeschaltet. Bei der Struktur des Menüs zieht Konami ihr bewährtes Prinzip der vergangenen Jahre erneut durch. Das Kachelsystem wird nicht jedem gefallen und ist auch nicht gerade übersichtlich gestaltet.

 

 

 

 

Positiv:

Gelungenes langsameres und damit noch einmal realistischeres Gameplay
Ansehnliche Animationen der Spieler
Liverpool, Barca und BVB werden eindrucksvoll in Szene gesetzt
Taktisch viele Einstellmöglichkeiten
My Club Modus mit sinnvollen Neuerungen
Umfangreicher Editor bei denen man leicht Spieler, Logos etc frei erstellen kann
Neue Spielmodi wie 3 vs 3 und Zufallsbegegnung lockern Couchabende mit Freunde auf

Negativ:

Viele fehlende Lizenzen europäischer Mannschaften
Deutsche Kommentatoren stellenweise mit deutlichen Fehlern
Langweilige Menüs
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58909″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Kevin Kreisel, Redakteur”]

“Wie jedes Jahr stellt sich die Frage FIFA oder PES. Und jedes Jahr wird die Entscheidung schwieriger. Zwar hat der diesjährige PES Ableger weiterhin die bekannten Stärken, das realistische und taktische Gameplay und hat dies mit dem langsameren Gameplay und den neuen Animationen noch einmal sinnvoll weiter verbessert, doch bleiben die Makel der Reihe weiterhin bestehen. Denn FIFA hat gerade was die Modi angeht mit The Journey eine storylastige Kampagne geschaffen, die der PES Reihe  in der Form schmerzlichst fehlt. Zwar gibt es mit dem Werde zur Legende Spielmodus einen der in die selbe Richtung geht, doch dieser bietet keine Geschichte und ist auch nicht toll inszeniert. Auch die Meisterliga muss sich dem Managermodus der FIFA Reihe geschlagen geben. Zusätzlich kommt noch das Lizenz Problem der Reihe zu tragen. Somit kann ich PES 2018 diejenigen empfehlen denen das Spiel wichtiger ist als das drum herum. Wenn ihr euch taktisch ausprobieren wollt und auf die ein oder andere Lizenz verzichten könnt , dann ist PES genau richtig.”

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Ab in die Sammlung?

Wenn euch das Spiel auf dem Feld mehr begeistert, als das drum herum und ihr über die ein oder andere fehlende Lizenz hinweg schauen könnt, dann ist Pro Evolution Soccer 2018 eure Fussballsimulstion.

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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