Prison Architect – Test zum Konsolen-Gefängnis

Nach über drei Jahren im Early-Access auf dem PC wurde der britische Entwickler Double Eleven Limited von Introversion Software damit beauftragt, Prison Architect auf die PlayStation 4, Xbox One und Xbox 360 zu portieren. Eine Aufbau-Simulation mit Strategieanteil soll auch auf einer Konsole laufen? Tropico 5 hat es recht erfolgreich vorgemacht, dass man auch mit einem Controller und den richtigen Menüs für ordentliches Gameplay sorgen kann. Wie also funktioniert das Gefängnisspiel auf der Konsole? Wir haben uns die PlayStation 4-Version einmal genauer angesehen und waren begeistert.

 

Knastgeschichten zum Aufwachen

Wer das Gesetz bricht, der wird verurteilt und wandert dann in den Knast. Bereits im Hauptmenü gibt es die Möglichkeit zwischen den Gefängnisgeschichten oder einem neuen Spiel zu wählen. Erstere stellen die Kampagne und gleichzeitig das Tutorial dar. Hier gilt es in fünf aufregenden Kapiteln, nacheinander die verschiedenen Managementsysteme des Spieles und der Gefängnisse zu lernen. Angefangen von den grundlegenden Baumaßnahmen für Räume und Versorgung, über die Bedürfnisbefriedigung der Insassen, bis hin zur medizinischen Behandlung und Bestrafungen. Alle Aufgaben und Ziele werden dank einer kleinen Geschichte rund um bestimmte Häftlinge ziemlich interessant und eindeutig dem Spieler näher gebracht. Als Beispiel: Während eines schweren Brandes in der Küche wird ein Mafiaboss lebensgefährlich verletzt. Es gilt nicht nur herauszufinden, wer die Tat begangen hat, sondern auch, wie schnell eine neue Küche für Essen in die Anstalt kommt. Oder aber es muss ein Massenaufstand inklusive Geiseln wieder beendet werden. Wir empfehlen übrigens mit dem Start der kleinen Kampagne, da man hier alle notwendigen Informationen für ein gutes Gefängnis erhält. Wer sich lieber direkt ins Bauen stürzen möchte, der muss ein neues Spiel als Gefängnisarchitekt beginnen. Hier bekommt man die Wahl zwischen verschiedenen Direktoren, die allesamt unterschiedliche Eigenschaften mit in das Spiel bringen. Neben einem neutralen Direktor, der auch keinerlei Vor- oder Nachteile mitbringt, gibt es z.B. den “Friedensstifter”, der eine Begabung für Beruhigung besitzt und somit die Insassen weniger Ärger anfangen. “Hunter McGreevy” bietet den Häftlingen direkt die Möglichkeit zu arbeiten, was den Export des Gefängnisses und somit die Finanzen steigert. Für welchen Charakter man sich letztendlich entscheidet, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Es ist aber sehr lohnenswert alle einmal auszuprobieren, da sich das Gameplay dank der verschiedenen Vorteile teils stark unterscheidet.

In Flagranti erwischt und vom Ehemann erschossen... nur eine Geschichte von fünf!

In Flagranti erwischt und vom Ehemann erschossen… nur eine Geschichte von fünf!

 

Hiermit lässt es sich arbeiten

Insgesamt bietet das Spiel drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Diese unterscheiden sich in der Größe des Gefängnisses, des Startgeldes, der Aufnahmezahlungen und der bereitgestellten Map. Man kann aber auch seinen eigenen Grad erstellen, indem man beispielsweise unbegrenzt Geld ein- und Strafen ausschaltet. So lässt sich quasi der unbegrenzte Sandkasten-Modus aktivieren. Wer aber kein Bock aufs Bauen hat, der kann quasi nur den Gefängnisdirektor spielen und in eines der 19 vorgefertigten Gefängnisse ziehen. Diese wurden teilweise von Usern, aber auch von Konsolenentwickler Double Eleven Limited erstellt. Besonders interessant sind die drei Gebäude “The Motherboard”, welches aussieht wie ein Computer-Motherboard, “The Lap of Luxury”, eine Art Festival-Platz, wo die Zellen Zelte darstellen, und “The Penaldome”, eine Mischung aus Pentagon und einem Außenposten der US-Navi. Bauen wir einen schönen Knast, gibt es genügend Unterhaltung und gutes Essen für die Insassen, sind diese glücklich und bereiten uns weniger Probleme im Alltag. Machen wir dies nicht, müssen mehr Wärter herumlaufen als Betrunkene auf der Wiese. In einer Bedürfnisübersicht können wir die allgemeine Stimmung der Insassen in vielen unterschiedlichen Punkten genauestens untersuchen. Wichtig ist es aber auch, stetig neue Verbrecher hinter unseren schwedischen Gardinen zu verstauen, da diese auch regelmäßig Geld in die Kassen spülen und somit unsere Finanzen hochhalten. Je mehr Inhaftierte wir haben, umso mehr Kohle bekommen wir. Allerdings muss neben ausreichend Platz auch mehr Personal her – das kostet Geld. Es ist also spannend einen gesunden Mittelweg zu finden, ohne dabei einen Besuch von Peter Zwegat zu erwarten. Hierbei kommt das Managementfeature nicht zu kurz und fordert oftmals unsere Nerven, wenn es wieder zum Ausbruch eines Inhaftierten kommt.

Im Pausebildschirm sehen wir eine ausführliche Statistik über unser Gefängnis.

Im Pausebildschirm sehen wir eine ausführliche Statistik über unser Gefängnis.

 

Danke für diese Portierung!

Das Bauvorhaben ist relativ simpel. Bevor wir groß drauflos bauen, können wir ein Stückchen Kreide in die Hand nehmen und das sicherste Gefängnis der Welt planen. Erst wenn wir mit der Skizze zufrieden sind, wird mit dem Bau begonnen. Neben dem Bauvorhaben gibt es eine To-Do-Liste mit Aufgaben, die uns mehr Kohle in die Kassen spülen lässt, sollten wir diese erledigen. Doch jetzt kommt die große Frage aller Fragen in diesem Test: Wie gut ist die Steuerung mit dem Controller? Wir waren schon skeptisch, als das Muster kam und das Spiel erstmals auf der PlayStation 4 startete. Die Skepsis war dann aber nicht von langer Dauer, denn Double Eleven hat wirklich großartige Arbeit geleistet. Es wäre jetzt vollkommen überzogen über sämtliche Bauweisen zu sprechen, also halten wir uns kurz! Mit dem Steuerkreuz wird das entsprechende Hauptmenü geöffnet. Oben sind die Berichte, Rechts die Gefängnisleitung (sprich Personal etc.), Unten werden Notdienste ausgerufen (sprich Feuerwehr, Sondertrupp, Razzia etc.) und Links ist das Baumenü. Mit L1 öffnen wir die To-Do-Liste und mit Dreieck können wir die Zeit beschleunigen. Den Curser bewegen wir mit dem linken Analogstick, mit dem rechten die Kamera. Einfacher hätte man die PC-Steuerung nicht umsetzen können.

Der Anfang eines großen Imperiums.

Der Anfang eines großen Imperiums.

 

Hier kann man gerne einziehen

Optisch sieht Prison Architect mehr nach einem interaktiven Comic aus als nach einem hochkarätigeren Triple-A-Titel. Dies ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn auch der etwas ungewohnte Grafikstil macht einiges her. Zwar sind ein paar Animationen der Personen ab und an etwas komisch, beispielsweise wenn ein Wärter wie durch Geisterhand über den Billardtisch fliegt. Solche Momente gehören aber der Seltenheit an. Die richtige Gefängnisstimmung kommt aber erst dann auf, wenn viele Insassen, Wärter und weitere Mitarbeiter hinter den schwedischen Gardinen hausen. Denn jeder der Häftlinge hat eine eigene Persönlichkeit, die sehr interessante Hintergrundgeschichten über das Leben einzelner Personen erzählt. So kann man auch sehen, wie gefährlich diese sind und welche Vergangenheit in anderen Gefängnissen vorhanden war. Dies sind alles Kleinigkeiten, die das Spiel so lebhaft machen. Introversion Software hat großartige Arbeit geleistet.

 

Fazit:

Seit Prison Break habe ich ein Fable für Gefängnisse und die Menschen, die dort leben. Ich könnte stundenlang Dokumentationen über den Knast anschauen, ohne dass mir auch nur ansatzweise langweilig wird. Deshalb bin ich umso mehr auf die fünfte Staffel von Prison Break gespannt, die im Frühjahr 2017 endlich kommen soll. Aber nun weg von der Serie und hin zum getesteten Spiel. Prison Architect ist grandios. Bereits in der Early-Access-Phase habe ich den Titel stundenlang gespielt und die Entwicklung mitverfolgt. Ein knappes Dreivierteljahr später kam nun auch die Konsolenversion und konnte mich wieder überzeugen. Genau so muss eine Portierung eines solchen Spieles aussehen. Die Menüs sind übersichtlich, die Steuerung ist einfach und das Managementsystem logisch. Auch an den Spielmodi haben die Entwickler noch etwas rumgeschraubt, sodass man für knapp 30€ beruhigt zugreifen kann. Für alle Fans von Aufbauspielen und Gefängnissen ist dieser Titel ein “Must Have”!

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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