Prison Architect: Aficionado Bonus-Edition – Test zur Sonderedition des Knasts

Nach über drei Jahren im Early-Access erschien die fertige Version von Prison Architect im letzten Jahr endlich auf Steam. Mittlerweile ist erneut einige Zeit vergangen und endlich steht die PC-Retail-Version im Laden bereit. Mit der Aficionado Bonus-Edition geht Astragon einen ähnlichen Weg wie beispielsweise Headup Games mit ihren Indie-Veröffentlichungen. Man nehme das Spiel, lege es in eine Box und packt dazu noch ein paar physische Extras. Wir haben uns die Version mal genauer angesehen und sagen euch in unserem Test, ob sich ein, eventueller erneuter, Kauf lohnt.

 

Knastgeschichten zum Aufwachen

Wer das Gesetz bricht, der wird verurteilt und wandert dann in den Knast. Bereits im Hauptmenü gibt es die Möglichkeit zwischen den Gefängnisgeschichten oder einem neuen Spiel zu wählen. Erstere stellen die Kampagne und gleichzeitig das Tutorial dar. Hier gilt es in fünf aufregenden Kapiteln, nacheinander die verschiedenen Managementsysteme des Spieles und der Gefängnisse zu lernen. Angefangen von den grundlegenden Baumaßnahmen für Räume und Versorgung, über die Bedürfnisbefriedigung der Insassen, bis hin zur medizinischen Behandlung und Bestrafungen. Alle Aufgaben und Ziele werden dank einer kleinen Geschichte rund um bestimmte Häftlinge ziemlich interessant und eindeutig dem Spieler näher gebracht. Als Beispiel: Während eines schweren Brandes in der Küche wird ein Mafiaboss lebensgefährlich verletzt. Es gilt nicht nur herauszufinden, wer die Tat begangen hat, sondern auch, wie schnell eine neue Küche für Essen in die Anstalt kommt. Oder aber es muss ein Massenaufstand inklusive Geiseln wieder beendet werden. Wir empfehlen übrigens mit dem Start der kleinen Kampagne, da man hier alle notwendigen Informationen für ein gutes Gefängnis erhält. Wer sich lieber direkt ins Bauen stürzen möchte, der muss ein neues Spiel als Gefängnisarchitekt beginnen. Hier bekommt man die Wahl zwischen verschiedenen Direktoren, die allesamt unterschiedliche Eigenschaften mit in das Spiel bringen. Neben einem neutralen Direktor, der auch keinerlei Vor- oder Nachteile mitbringt, gibt es z.B. den “Friedensstifter”, der eine Begabung für Beruhigung besitzt und somit die Insassen weniger Ärger anfangen. “Hunter McGreevy” bietet den Häftlingen direkt die Möglichkeit zu arbeiten, was den Export des Gefängnisses und somit die Finanzen steigert. Für welchen Charakter man sich letztendlich entscheidet, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Es ist aber sehr lohnenswert alle einmal auszuprobieren, da sich das Gameplay dank der verschiedenen Vorteile teils stark unterscheidet.

Alles fängt an mit ein paar Zellen und den nötigsten Räumen.

 

Hiermit lässt es sich arbeiten

Insgesamt bietet das Spiel drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Diese unterscheiden sich in der Größe des Gefängnisses, des Startgeldes, der Aufnahmezahlungen und der bereitgestellten Map. Man kann aber auch seinen eigenen Grad erstellen, indem man beispielsweise unbegrenzt Geld ein- und Strafen ausschaltet. So lässt sich quasi der unbegrenzte Sandkasten-Modus aktivieren. Bauen wir einen schönen Knast, gibt es genügend Unterhaltung und gutes Essen für die Insassen, sind diese glücklich und bereiten uns weniger Probleme im Alltag. Machen wir dies nicht, müssen mehr Wärter herumlaufen als Betrunkene auf der Wiese. In einer Bedürfnisübersicht können wir die allgemeine Stimmung der Insassen in vielen unterschiedlichen Punkten genauestens untersuchen. Wichtig ist es aber auch, stetig neue Verbrecher hinter unseren schwedischen Gardinen zu verstauen, da diese auch regelmäßig Geld in die Kassen spülen und somit unsere Finanzen hochhalten. Je mehr Inhaftierte wir haben, umso mehr Kohle bekommen wir. Allerdings muss neben ausreichend Platz auch mehr Personal her – das kostet Geld. Es ist also spannend einen gesunden Mittelweg zu finden, ohne dabei einen Besuch von Peter Zwegat zu erwarten. Hierbei kommt das Managementfeature nicht zu kurz und fordert oftmals unsere Nerven, wenn es wieder zum Ausbruch eines Inhaftierten kommt.

Wenig später werden auch die letzten freien Ecken voller schwedischer Gardinen sein.

 

Einfacher Aufbau vom Knast

Das Bauvorhaben ist relativ simpel. Bevor wir groß drauflos bauen, können wir ein Stückchen Kreide in die Hand nehmen und das sicherste Gefängnis der Welt planen. Erst wenn wir mit der Skizze zufrieden sind, wird mit dem Bau begonnen. Neben dem Bauvorhaben gibt es eine To-Do-Liste mit Aufgaben, die uns mehr Kohle in die Kassen spülen lässt, sollten wir diese erledigen. Das Menü ist stets übersichtlich gestaltet und bietet einen guten Überblick über alle möglichen Objekte für die eigenen schwedischen Gardinen. Prison Architect orientiert sich hierbei bei seinen Genre-Kollegen und kann dadurch ebenfalls punkten. Innerhalb von wenigen Klicks findet man sich direkt zurecht und dem Aufbau steht nichts mehr im Wege.

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Inhalt der Aficionado Bonus Edition für den PC.

 

Hier mag man gerne einziehen

Optisch sieht Prison Architect mehr nach einem interaktiven Comic aus als nach einem hochkarätigeren Triple-A-Titel. Dies ist aber gar nicht weiter schlimm, denn auch der etwas ungewohnte Grafikstil macht einiges her. Zwar sind ein paar Animationen der Personen ab und an etwas komisch, beispielsweise wenn ein Wärter wie durch Geisterhand über den Billardtisch fliegt. Solche Momente gehören aber der Seltenheit an. Die Gefängnisstimmung kommt erst dann richtig auf, wenn viele Insassen, Wärter und weitere Mitarbeiter hinter den schwedischen Gardinen hausen. Denn jeder der Häftlinge hat eine eigene Persönlichkeit, die sehr interessante Hintergrundgeschichten über das Leben einzelner Personen erzählt. So kann man auch sehen, wie gefährlich diese sind und welche Vergangenheit in anderen Gefängnissen vorhanden war. Dies sind alles Kleinigkeiten, die das Spiel so lebhaft machen. Introversion Software hat großartige Arbeit geleistet.

 

Die zusätzlichen physischen Inhalte der Aficionado Bonus-Edition sind in einer guten Qualität und stellen insgesamt eine nette Bereicherung der normalen Retailfassung dar. Für alle Fans seit Early Access auf jeden Fall eine gute Ergänzung zur digitalen Version. Einziger Nachteil: Das Artbook liegt nur in digitaler und englischer Form vor (dies steht so allerdings auch auf der Verpackung, was wiederum lobenswert ist).

 

Positiv:

Sehr gute Tutorial-Einstiegs Kampagne mit fünf Kapiteln
Ordentlicher Planungsmodus für den perfekten Knast
Klasse Gefängnisatmosphäre
Verschiedene Spielmodi verfügbar
Verbrecher haben alle verschiedene Persönlichkeiten
Stimmungsvolle Comic-Optik

Negativ:

Ab und an treten noch immer Fehler bei Bauten oder Aktionen auf
Kleinere Übersetzungsfehler
Das Artbook ist nur digital und auf Englisch (Positiv daran: Es steht auf der Verpackung direkt mit drauf)
  • Prison Architect: Aficionado Bonus-Edition – Test zur Sonderedition des Knasts
    “Seit Prison Break habe ich ein Faible für Gefängnisse und die Menschen, die dort leben. Ich könnte stundenlang Dokumentationen über den Knast anschauen, ohne dass mir auch nur ansatzweise langweilig wird. Deshalb bin ich umso mehr auf die fünfte Staffel von Prison Break im April gespannt. Aber nun weg von der Serie und hin zum getesteten Spiel: Prison Architect ist grandios. Bereits in der Early-Access-Phase habe ich den Titel stundenlang gespielt und die Entwicklung mitverfolgt. Knapp drei Jahre später kam die Konsolenversion und konnte mich wieder überzeugen. Wer ebenfalls von Anfang an dabei ist, der sollte sich auf jeden Fall die Retailfassung des Spieles ins Regal stellen. Für knappe 20€ kann man beruhigt ein zweites Mal zugreifen. Für alle Fans von Aufbauspielen und Gefängnissen ist dieser Titel zudem ein “Must Have”!.”
    Tobias Liesenhoff, Chefredakteur

Anmerkung zum Test: Der Text basiert auf der im Juli 2016 getesteten PS4-Version von Tobias.

Ab in die Sammlung?

Wer Gefängnisse und Aufbauspiele mag, der kommt um Prison Architect nicht herum. Wer das Spiel bereits digital besitzt, sollte dennoch ein Auge auf die Aficionado Bonus-Edition und deren Inhalte werfen.

Tobias Liesenhoff
Geschrieben von
freut sich auf das neue Jahrzehnt.

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