Pokémon Sonne und Mond – Test zu den Jubiläumseditionen

Pokémon ist eine der größten Marken Nintendos, wenn nicht sogar größer als Mario. Und da dieses Franchise in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, gibt es keinen perfekteren Zeitpunkt, als neue Spiele in der Hauptreihe herauszubringen. Nach dem Wahn von Pokémon GO, der auch verloren gegangen Fans zum Franchise zurückholen konnte, erscheinen nun mit Sonne und Mond zwei Editionen, die viele Veränderungen versprechen. Ob diese der Reihe gut tun werden oder man lieber bei alteingesessenen Traditionen bleiben sollte, dies verraten wir euch in unserem Test.

 

Diese verflixten Habitak

Das 20-jährige Jubiläum ist schon ein Meilenstein, deswegen lohnt es sich, mal einen Blick zurückzuwerfen. Schauen wir also mal auf die Rote und Blaue Edition. Man geht aus seinem Haus, betritt das hohe Gras und bekommt dann von Professor Eich ein Pokémon geschenkt. Dann macht man sich auf den Weg, um alle acht Arenaleiter zu besiegen und Champion der Pokémon-Liga zu werden. Auf dem Weg dorthin begegnet man der kriminellen Organisation Team Rocket, welche starke Pokémon stehlen wollen. Warum? Davon erfährt man nicht sehr viel, sie sind halt böse. Storytechnisch war das schon alles, was man von den ersten Editionen von Pokémon erwarten konnte. 20 Jahre später werden wir beim Starten von Sonne und Mond direkt in die Story geschmissen. Wir ziehen von Kanto ( Die Region aus Rot und Blau, nette Anspielung an die ersten Teile ) nach Alola, eine sehr offensichtlich von Hawaii inspirierte Region. Dort treffen wir allerlei farbenfrohe Charaktere, von dem sehr T-Shirt-resistenten Professor Kukui über den immer lachenden Hau bis hin zur geheimnisvollen Lillie, welche ein seltsames Pokémon in ihrer Tasche herumschleppt. Und hier beginnt auch die sehr interessante Geschichte von Sonne und Mond. Lillie möchte ihr „Wölkchen“ zu allen Ruinen Alolas führen, da sie das Gefühl hat, dass dies sehr wichtig für Wölkchen ist. Doch auf dem Weg zur ersten Ruine, noch bevor wir unser erstes Pokémon erhalten haben, wird Wölkchen von wilden Habitak angegriffen. Bei einem Rettungsversuch stürzen wir von der Hängebrücke, werden aber von Kapu-Riki, dem Schutzpatron der Insel Mele-Mele, gerettet. All dies passiert in den ersten Minuten von Sonne und Mond, und präsentiert viel mehr Storyplot als jedes Pokémon-Spiel zuvor in der Anfangsphase. Dies ist zwar durchaus schön, können sich aber vor allem zu Beginn sehr strecken. Der Anfang von Sonne und Mond ist durchzogen von Unterbrechungen und Cutscenes, bis ihr mit euren Pokemon auf Reisen geht, vergehen schon mal gute zwei Stunden. Doch wenn ihr erst mal von allen Tutorials losgelassen werdet, können das Abenteuer und eure Inselwanderschaft beginnen.

Es geht actionreich los

Es geht actionreich los

 

Die Inselwanderschaft von Alola

Mit der Inselwanderschaft erleben wir die wahrscheinlich größte und bedeutsamste Neuerung, die es je in den Hauptspielen der Pokémon-Reihe gegeben hat. Arenen und deren Arenaleiter gibt es nicht mehr. Euer Ziel ist es nicht länger, acht Orden zu sammeln und die Pokémon-Liga herauszufordern. Letztere gibt es sogar noch gar nicht auf Alola, doch Professor Kukui hat da etwas geplant. Zuvor müsst ihr jedoch die Prüfungen der Inselcaptains absolvieren, und diese unterscheiden sich deutlich von den sonst so selbsterklärenden Arenaleiterkämpfen. Jeder Captain hat eine andere Aufgabe für euch. So müsst ihr für Ilima alle wilden Pokémon in einer Höhle besiegen. Kiawe hat ein kleines Memory-Tanzspiel für euch, Maho schickt euch auf Zutatensuche und bei Chrys gibt es ein kleines Soundquiz. Diese Prüfungen sind zwar eine nette Abwechslung, in manche sind bei der Entwicklung aber deutlich mehr Zeit und Ideen geflossen. Oft sind sie auch viel zu einfach, man hätte es dem Spieler wirklich etwas schwerer machen können. Als Beispiel nehmen wir mal die Feuerprüfung von Kiawe, bei der wir zwei Tänze beobachten und den Unterschied bemerken sollen. Diese sind aber so dermaßen offensichtlich, dass man sich das Spielchen auch hätte sparen können. Herausfordernder sind da die Totem-Pokémon, die am Ende jeder Prüfung auf einen warten. Sie haben verbesserte Werte und rufen ein Helfer-Pokémon, sind also schwerer zu besiegen. Dieses Feature, bei dem Pokémon um Hilfe rufen, können auch normale, wilde Pokémon verwenden. Wenn ihre KP im roten Bereich sind, dann rufen sie um Hilfe, und oft taucht auf welche auf. Dies kann sehr nervig werden, vor allem, wenn man ein Pokémon fangen möchte. Denn sind zwei Pokémon auf dem Bildschirm, muss eines besiegt werden, damit man überhaupt wieder einen Pokeball werfen kann. Doch um ein Pokémon zu fangen, muss man es am besten schwächen. Doch geschwächte Pokémon rufen um Hilfe. Ihr merkt schon, da kann man in einen Teufelskreis geraten, aus dem man nicht immer rauskommt. Also das gegnerische Pokémon am besten vergiften, paralysieren oder einschläfern, dann kann es nicht um Hilfe rufen.

Eine Inselprüfung in der Abendröte, einfach nur atmosphärisch

Eine Inselprüfung in der Abendröte, einfach nur atmosphärisch

 

Eine Neuerung nach der Anderen

Während die Inselwanderschaft etwas am Grundgerüst des Pokémon-Franchise rüttelt, bleibt im Grunde alles, wie man es kennt. Wer schon einmal Pokémon-Kämpfe bestritten hat, der wird sich hier recht schnell zurechtfinden. Dennoch gibt es viele Neuerungen, die sich ins Gameplay einschleichen, aber nie zu aufgedrückt wirken, sondern sich perfekt in das Gesamtbild einfügen. Natürlich meine ich damit unter anderen auch die ganzen neuen Attacken und Fähigkeiten sowie die neuen Pokémon, von denen fast alle spitze designt wurden. Nur einige Ausnahmen sind optisch nicht besonders ansprechend, wie zum Beispiel der absolut hässliche Psychofisch Knirfish oder die Alola-Form von Digdri, welche auch gut in einer L’Oréal-Werbung hätte vorkommen können. Wo wir gerade bei Alola-Formen sind, dies sind alte Pokémon aus der ersten Generation, welche sich in Alola anders entwickeln, anders aussehen und andere Typen und Fähigkeiten besitzen. Leider wurden fast alle von diesen Formen, ebenso wie viele der neuen Pokémon, bereits in Trailern vorgestellt, da bleibt im eigentlichen Spiel wenig Raum für Überraschungen. Aber genug von neuen oder nicht so neuen Pokémon, Sonne und Mond haben noch viele andere Neuigkeiten zu bieten. Das reicht von kleinen Tweaks im Interface, wo man sich nun jederzeit die Statusveränderungen anschauen kann, bis hin zu vielen Gameplayelementen, die man nutzen kann, aber für den Spielverlauf nicht unbedingt nutzen muss. Im Pokemon Resort zum Beispiel könnt ihr verschiedene Inseln aufleveln, eure Pokémon diese besuchen lassen und dann die Vorteile genießen, wie eine steigende Zuneigung oder seltene Items, welche eure Pokémon für euch aus einer Mine herausholen. Oder ihr besucht den Festival-Plaza, in dem die Online-Features geboten werden und ihr Buden aufstellen könnt, an denen ihr wiederum für Festival-Münzen Dienste in Anspruch nehmen könnt. Oder ihr sucht eine Foto-Stelle, wo ihr mit eurem Rotom-Pokedex (Ein sprechendes Pokémon, welches euch auf eurem Abenteuer hilft) Fotos von wilden Pokémon machen könnt. Anschließend könnt ihr im Battle Dome in einem Battle Royale antreten, in dem vier Pokémon gleichzeitig gegeneinander kämpfen. In den Kämpfen selbst könnt ihr nun eine von vielen mächtigen Z-Attacken verwenden, die nicht nur imposant aussehen, sondern auch drastischen Schaden verursachen. Sie sollen ein wenig die Mega-Entwicklung ablösen, da man sie auch mit einem Item auslöst und man auch nur eine pro Kampf ausführen kann, doch irgendwie fühlten sich die Mega-Entwicklungen befriedigender an, da man die Veränderungen am Pokémon selbst gesehen hat. Nichtsdestotrotz sind die Z-Attacken dennoch eine spaßige Neuerung. Nach den actionreichen Kämpfen gönnt ihr euren Pokémon eine Pokepause, und streichelt und füttert sie, damit es ihnen wieder gut geht. Doch das Abenteuer muss weiter gehen, also rauf auf euer Pokemobil, welche in diesen Spielen die VMs ersetzen. Nie mehr müsst ihr einem Pokémon unbedingt eine Attacke beibringen, um versteckte Orte zu erreichen, dies erledigen jetzt Leih-Pokémon für euch. Ihr merkt schon, Pokémon Sonne und Mond strotzt nur so vor neuen Features, die alle auf ihre eigene Art ihren Charme versprühen.

Der Festival-Plaza ist nur einer von vielen neuen Orten, die ihr erkunden könnt

Der Festival-Plaza ist nur einer von vielen neuen Orten, die ihr erkunden könnt

 

Der Hawaii-Flair

Pokémon Sonne und Mond spielen in einer tropischen Region, und dies merkt man der Optik deutlich an. Pokémon-Spiele waren natürlich immer cartoonig und seit dem Gameboy Color schön farbenfroh, doch Sonne und Mond leuchten in einem ganz neuen Licht. Viele Attacken wurden grafisch noch ein wenig überarbeitet, die Cutscenes werden mit schönen und für den 3DS ungewohnten Kamerafahrten in Szene gesetzt. All diese grafische Power macht sich aber anscheinend auch negativ bemerkbar, vor allem auf alten 3DS-Systemen. Stellt euch mal folgendes Szenario vor: Ein Doppelkampf, also vier Pokémon auf einem Feld, es hagelt und ein Elektro-Feld wurde ausgelegt. Ein Pokémon greift nun mit einem Flammenwurf an. So viele Animationen auf einem Bildschirm zwingen normale 3DS-Systeme sofort in die Knie, und auch manche New 3DS-Geräte lassen leichte Ruckler vermerken. Performancetechnisch läuft der Rest des Spiels einwandfrei, aber solche gelegentlichen Einbrüche, besonders in ebenjenen Doppelkämpfen, fallen leider negativ auf, besonders wenn man bedenkt, dass bei den Pokémon-Weltmeisterschaften meist in Doppelkämpfen gespielt wird. Trotzdem, der Rest der Präsentation von Sonne und Mond ist einfach nur einwandfrei, mit einem der besten Soundtracks, welche die Pokémon-Reihe je hervorgebracht hat. Besonders das Schutzpatron- und das Top 4-Theme sind meine Favoriten.

Spannenden Kämpfer zwischen tropischen Palmen, was will man mehr?

Spannenden Kämpfer zwischen tropischen Palmen, was will man mehr?

 

Das erschwerte Leben eines Competitive-Spielers

Ich möchte noch einmal einen kurzen Blick in die kompetitive Schiene von Pokémon blicken. Auch hier hat Game Freak einige Features eingebaut, allerdings auch einige gestrichen, sodass ich als Online-Spieler mal ein paar Takte dazu sagen möchte. Zunächst einmal das schon angesprochene überarbeitete Interface. In einem Online-Kampf kommt es einem sehr zugute, dass man sehen kann, wie viele Angriffsboosts man bereits erhalten hat, wie lange der Regen noch anhält und welche Pokémon der Gegner mitgebracht hat. In diesem Sinne ist es in Sonne und Mond leichter denn je, ins Online-Spiel einzusteigen. Doch das Züchten von perfekten Pokémon und generell das Trainieren ebendieser auf Level 100 wurde erschwert. Es gibt keine Kampf-Restaurants wie in X/Y, die Kampfbuffets sind längst nicht so effizient. Es gibt auch keine Geheimbasen, in denen man gegen Heiteira antreten und seine Level in die Höhe schießen lassen kann. Man muss halt immer wieder die Top 4 besiegen, und dieser Prozess ist nicht wirklich unterhaltsam und lange nicht so schnell wie vorangegangene Methoden. Und dann wäre da noch das Super-Spezialtraining. Mit den neuen Items Silberkronkorken und Goldkronkorken könnt ihr die versteckten Werte der Pokémon, die DV, auf den Höchstwert setzen. Allerdings nur, wenn euer Pokémon auf Level 100 ist, wo wir wieder beim anfänglichen Problem wären. Dazu kommt noch die Tatsache, dass Pokémon Bank erst Ende Januar seine Pforten öffnet, womit man seine bislang gezüchteten kompetitiven Pokémon erst drei Monate nach Release auf Sonne und Mond übertragen kann. Und so wurden einige Aspekte für Online-Spieler zwar erleichtert, andere jedoch deutlich erschwert.

Positiv:

Eine farbenfrohe, tropische Spielwelt, die zum Erkunden einlädt
Die klassischen Pokémon-Kämpfe mit vielen neuen Elementen
Tolle Liste von Neuerungen, vom Pokémon-Resort über den Festival-Plaza bis zum Pokémon-Sucher
Die Inselwanderschaft ist eine gelungene Abwechslung zu den bisherigen Arenen
Fast alle neuen Pokémon sind klasse designed
Mal wieder ein gelungener Soundtrack inklusive Tracks mit Wiedererkennungswert

Negativ:

Die meisten Inselprüfungen sind zwar abwechslungsreich, aber leider sehr einfach
Vor allem alte 3DS-Systeme bekommen Performance-Probleme
Besonders der Anfang streckt sich schon ziemlich zäh in die Länge
Competitive-Spieler haben es nicht leicht, ihre Pokémon auf Level 100 zu bekommen
  • Pokémon Sonne und Mond – Test zu den Jubiläumseditionen
    “Es geht im Internet die stark vertretene Meinung umher, dass Pokémon Sonne und Mond die besten Pokémon-Spiele aller Zeiten sind. In manchen Aspekten kann man diese Ansicht durchaus teilen. Die Inselwanderschaft bringt frischen Wind, die neuen Pokémon sind toll, die Story ist spannend und die Präsentation bis auf einige Lags einfach nur grandios. Auch die vielen neuen Features wie das Pokémon-Resort oder die Z-Attacken sorgen für eine spaßige Abwechslung. Alles in allem also ist Pokémon Sonne und Mond sowieso ein Muss für jeden Pokémon-Fan, aber auch Neulinge sollten hier mal überlegen, ob sie vor allem nach dem Hype um Pokémon GO mal schauen sollten, wie ein „richtiges“ Pokémon-Spiel auszusehen hat. Competitive-Spieler werden allerdings einiges zu meckern haben, besonders das langsame Grinden auf Level 100 kann echt anstrengen.”
    Maarten Cherek, Redakteur
  • Pokémon Sonne und Mond – Test zu den Jubiläumseditionen
    “Mit Pokémon Sonne und Mond haben Nintendo und Game Freak viele Neuerungen gewagt, die den Nintendo 3DS in die Knie zwingen. Dies ist positiv sowie negativ gemeint. Schaut man sich die farbenfrohe und prächtige Insel an, vergisst man schon mal schnell, dass es hier um eine ernst zunehmende Reise geht und ihr euch nicht im Urlaub befindet. Auch das Design der neuen Generation ist besser gelungen als so manche davor. Allerdings schwenkt der Handheld bei so manchem Herrscherpokémonkampf oder dem Battle Royale die weiße Fahne und ihr findet euch in deiner Diashow wieder. Trotz technischer Macken und dem einen oder anderen neuen Konzept, das man sich hätte sparen können, ist Pokémon Sonne und Mond definitiv einer der starken Vertreter der Reihe und gehört in jedes Spieleregal eines Taschenmonsterfans.”
    Jasmin Paskuda, Redakteurin

Auf nach Alola?

Wer schon seit 20 Jahren kleine Taschenmonster sammelt, der ist eh bereits schon Inselwanderschafts-Champion geworden. Aber auch Novizen oder Unentschlossene und selbst jene, die sich bislang nur für Pokémon GO begeistern konnten, sollten sich vor allem jetzt zu den Feiertagen ein Ticket nach Alola ziehen.

Maarten Cherek
Geschrieben von
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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