Persona 5 – Test zum zeitbasierten JRPG

Ganze acht Jahre mussten Persona Fans auf den neusten Ableger der Reihe warten. In Persona 5 schlüpfen wir in die Rolle eines Schülers, der neben dem stressigen Schulalltag auch noch allerlei Kämpfe mit Monster absolvieren muss. Für viele ist Persona 5 das beste JRPG aller Zeiten, da es viel mehr bietet als so manch anderer Vertreter des Genres. Ob wir diese Meinung teilen, erfahrt ihr in folgendem Test.

 

Die erwachsenste Story bisher 

Persona 5 versetzt euch gleich zu Beginn in die Rolle eines Highschool Schülers, der nach einem Akt der Zivilcourage fälschlicherweise bestraft wird. Für eure Bewährungszeit schicken euch eure Eltern nach Tokio, wo ihr Unterkunft bei einem mürrischen Café-Besitzer findet. Auch wenn ihr angehalten seid den Ball flach zu halten, lenken die Geschehnisse an eurer neuen Schule euch in eine ganz andere Richtung. Wie für Persona Spiele üblich konfrontiert euch die Geschichte mit sehr ernsten Themen wie physische und psychische Misshandlung, Selbstmord, Habgier und Selbstsucht. Mit einer bunten Gruppe an Freunden, die ihr im Verlauf des Spiels um euch versammelt, stellt ihr euch mit der Zeit diesen Problemen und den Personen, die für die Probleme verantwortlich sind. Deren Verlangen materialisiert sich in einer Schattenwelt in Form von Dungeons die spezifisch für die jeweilige Persönlichkeit sind. Mit eurer Diebesbande müsst ihr diese Festungen erobern und die Schuldigen zu echter Reue bewegen. In der Zwischenzeit solltet ihr aber auch nicht vergessen, die Zeit mit euren neu gefundenen Freunden zu genießen und selbst als Person zu wachsen.

Persona 5

Die Story konfrontiert euch mit allerhand ernsthafter Themen.

 

Wie ein flotter Tanz

In den letzten Jahren war der große Trend bekannte Runden basierte RPGs mehr in die Richtung Action RPG zu schieben. Das häufigste Argument war dabei immer, dass “Turn based” einfach veraltet und langsam sei. Persona 5 beweist meisterhaft, wie flott, durchdacht und variantenreich ein derartiges Kampfsystem sein kann. In seiner Grundstruktur bleibt alles beim bekannten Aufbau. Ihr bekommt Zugriff auf physische Attacken, Personas, Items und Verteidigung. Den Zugriff auf diese Optionen hat man allerdings sehr stark vereinfacht. Jede Option ist einem der Facebuttons zugewiesen und durch diesen einfachen Zugang fließen nach einer Eingewöhnungsphase die Kämpfe nur so vor sich hin. Die verbesserte Bedienbarkeit ist aber nicht die einzige positive Verbesserung. Aus der Shin Megami Tensei Hauptreihe hat man einige Features übernommen, die das Kampfsystem um interessante Optionen bereichern. Zum ersten Mal seit Langem ist es wieder möglich Fernwaffen einzusetzen, ein Feature, welches in den letzten beiden Persona Spielen nicht vorhanden war. Weit größere Bedeutung hat aber das Verhandlungssystem. Habt ihr den Schwachpunkt eines Dämons entdeckt und ihn niedergeschlagen gibt man euch die Möglichkeit mit den Dämonen zu sprechen. Drei Optionen stehen euch dabei zur Wahl, wobei “Gib mir Geld” und “Gib mir ein Item” selbsterklärend sind. Mit der “Lend me your power”-Option startet ihr ein Frage-Antwort-Spiel, gebt ihr die richtigen Antworten schließt sich euch der Dämon als neue Persona an. Antwortet ihr falsch, bekommt ihr besten Fall ein Item, im schlechtesten Fall ruft euer Gegner nach Verstärkung, was ganz schnell übel für euch enden kann. Alle drei Möglichkeiten lassen sich durch bestimmte Confidant Beziehungen verbessern. So könnt ihr mehrfach einen Gegner nach Geld fragen, seltenere Items erhalten oder im Fall falscher antworten einen weiteren Versuch erhalten um den Dämon zu überreden. Darüber hinaus gibt es noch viele nützliche Funktionen, die man leicht übersehen könnte. Mit L2 bekommt ihr Zugriff auf eine Analyse Funktion, um nach Schwächen eurer Gegner zu suchen und im Verlauf könnt ihr dort auch Partymitglieder während eines Kampfes austauschen. Habt ihr vergessen, welcher Zauber beim aktuellen Gegner besonders effektiv war? Kein Problem. Habt ihr die Schwäche des Gegners schon einmal herausgefunden, betätigt R1 und schon wird die passende Persona ausgewählt. Im Einsatz bietet Persona 5 das beste Kampfsystem in der gesamten Reihe und im JRPG Genre im Allgemeinen.

Persona 5

Das Kampfsystem sieht nur stylish aus es funktioniert auch hervorragend.

 

Personas bringen die Magie ins Spiel

Personas sind euer äquivalent für Magie und Verkörperungen eurer eigenen Persönlichkeit. Während die restlichen Partymitglieder nur auf eine Persona zurückgreifen können, hat der Hauptcharakter die Möglichkeit eine Vielzahl von Personas sammeln, nutzen und weiterentwickeln. Jede Persona hat dabei einen Typ, genannt Arcana. Jeder eurer Freunde verkörpert dabei ebenfalls einen Arcanatyp, was bei dem Beziehungssystem wichtig wird. Im Kampfeinsatz funktionieren Personas nach dem bekannten Schere-Stein-Papier Prinzip. Habt ihr die Schwächen eurer Gegner identifiziert, könnt ihr die Typen effizient gegeneinander ausspielen. Um eure Auswahl an magischen Mitstreitern zu erweitern, stehen euch mehrere Wege zur Verfügung. Neben den Verhandlungen während der Kämpfe könnt ihr aber auch neue Personas durch verschiedene Fusionsrituale herstellen. Je nachdem, wie hoch der Arcanalevel mit dem verbundenen Confidant ist, erhält die neue Persona Bonus XP und kann auch Fähigkeiten übernehmen. Auf diese Weise könnt ihr eine große Sammlung an Personas aufbauen, um für jede Situation gerüstet zu sein. Zudem motiviert das System, dass ihr nur Personas bis zu dem Maximallevel herstellen könnt, die eurem momentanen Level entsprechen. Denn mit der Zeit wächst somit die Auswahl an Personas, mit denen ihr in den Kampf ziehen könnt und ihr entdeckt sogar noch im späten Spielverlauf neue Personas.

Persona 5

Personas sind euer Zugang zur Magie.

 

Dungeons mit Persönlichkeit 

Wer mit den Vorgängern vertraut ist, weiß, wie langweilig der Tartarus Turm in P3 oder die endlosen Korridore in P4 waren. Die beiden Titel wurden dadurch zwar nicht schlechter, ein bisschen mehr Abwechslung hätte aber dennoch nicht geschadet. Persona 5 geht diesmal einen wesentlich besseren Weg. Die Hauptattraktionen sind diesmal die Dungeons einzelner Personen, die jedes Mal unterschiedlich aussehen und auch verschiedenste Mechaniken bieten. Jeder Dungeon wurde eigenständig designt und spiegelt die jeweilige Persönlichkeit der Person wider, deren Herz ihr stehlen wollt, wobei euch immer wieder neue Puzzles und Mechanismen erwarten. Das spezialisierte Design endet aber nicht beim Aussehen der Umgebungen. Die Feinde selbst sind immer passend zum Thema des Dungeons gewählt. Um diesen Festungen den begehrten Schatz zu entreißen, müsst ihr innerhalb einer Zeitvorgabe eine Route bis zur “Schatzkammer” sichern. Doch vollständig sind die zufallsgenerierten Dungeons nicht. Um Level zu grinden und Nebenmissionen zu erfüllen, besucht ihr Mementos. In der U-Bahn Anlage wird jedes Mal ein zufälliges Schienensystem angelegt, indem ihr euch in die Tiefe vorarbeiten müsst. Neben Feinden und Schätzen findet ihr hier auch Personen, die Bestandteil der Nebenmissionen sind. Mit eingebunden in Mementos ist das Wetter der realen Welt. So passiert es zum Beispiel, dass bei Pollenflug Monster schlafen in Mementos herumliegen und so einfacher zu überraschen sind. Zu lange solltet ihr euch jedoch nie in einem Teil des Dungeons aufhalten, denn ein mächtiges Wesen, der Reaper, wartet nur darauf euch anzugreifen.

Persona 5

Die Dungeons in Persona 5 bieten enorm viel Abwechslung viele tolle Rätsel.

 

Der Alltag eines Academy-Schülers

Als fleißiger Schüler ist es aber nicht nur unsere Aufgabe, Personas zu sammeln und Dungeons zu meistern. Denn als Schüler der Shujin Academy ist es unsere Pflicht durch Prüfungen zu kommen und die finalen Abschlussklausuren zu bestehen. Natürlich findet in Persona 5 ein für die Abschlussprüfung vorbereitender Unterricht statt, den wir täglich besuchen müssen. Im Unterricht werden dann Fragen gestellt, die wir beantworten müssen und teilweise abgewandelt in der Prüfung vorkommen. Doch der Alltag bietet unzählige Möglichkeiten, mit denen wir uns beschäftigen können. Nachmittags stehen uns viele Freizeitaktivitäten offen, in denen wir uns vergnügen können. Entweder können wir unsere Zeit im Badehaus vertreiben, im Burgerladen ein Wettessen veranstalten, einfach nur lernen, ein Buch lesen, und so weiter und so fort. Hinzu kommen zufällig getriggerte Events. Ein Beispiel: Wenn ihr in der Bahn einen Sitz ergattern könnt, habt ihr die Möglichkeit, ein Buch zu lesen und so seine Attribute zu steigern. Ihr merkt, dass euch eine Vielzahl an Aktivitäten zur Verfügung steht. All diese Aktivitäten steigern eines unserer fünf Grundattribute: Knowledge, Guts, Proficiency, Kindness und Charm. Steigern wir diese Attribute, eröffnen sich uns in Persona 5 neue Gesprächsmöglichkeiten und neue Handlungsoptionen, was jeden Spielstand zu einem einzigartigen Erlebnis macht. So könnt ihr beispielsweise die Kreide fangen, die euch der Lehrer an den Kopf wirft, oder bessere Waffen ergattern. Doch auch die Freizeitaktivitäten müssen bezahlt werden, so könnt ihr also Nebenjobs annehmen und euch euer Geld beim Servieren oder Verkaufen verdienen. Zusätzlich verbessern diese Nebenjobs eure Attribute, doch gegen das Geld, was ihr in den Dungeons verdient, ist der Lohn eher mickrig. Allerdings kosten die Nebenjobs und die Freizeitaktivitäten euch nur einen Teil des Tages, während der Besuch eines Dungeons euch einen kompletten Tag beansprucht. Denkt daher gut nach, wie ihr die Wochen in Persona 5 gestalten wollt. Komfortabel ist dabei die Schnellreise-Funktion des Spieles, mit der man sich sogar bis vor die Tür eines bestimmten Ladens teleportieren kann.

Persona 5

Die vielen Freizeitaktivitäten führen euch an die unterschiedlichsten Ort in Tokio.

 

Freundschaften müssen gepflegt werden

Doch euch bleiben nicht nur diverse Freizeitaktivitäten offen, ihr könnt euch sogar mit Freunden und Mitstreitern verabreden. Beim gemeinsamen Lernen oder Essen heimst ihr so neben den verbesserten Attributen eine gepflegtere Freundschaft ein. Die verbesserten Freundschaften eröffnen euch wieder eine Vielzahl von Vorteilen. Personas, die ihr entwickelt, können so zum Beispiel zusätzliche Level bekommen, wenn ihr sie fusioniert. Keinen besonderen Einfluss liefern euch allerdings die Chatverläufe mit euren Freunden. Dort könnt ihr zwischen einigen Antwortmöglichkeiten wählen, welche allerdings keinen Einfluss auf die Beziehung zu dem jeweiligen Kollegen haben. Während des Spiels lernt ihr zudem immer mehr Personen kennen, zu denen ihr Beziehungen aufbauen könnt. Doch nicht alle bereichern euch in eurem Kampfteam. Das soll dabei aber nicht heißen, dass ihr diese Charaktere ignorieren solltet. Gerade diese Charaktere bieten euch viele verschieden Boni, die euch im Verlauf sehr nützlich werden können. Daneben bekommt ihr auch deren Hintergrundgeschichten intensiver mit, die in Tiefe und Umfang mit denen der Hauptcharaktere mithalten können.

Persona 5

Das Design wird in allen Menüs konsequent durchgezogen.

 

Overkill für die Augen

So wie es in der Überschrift steht, so ist es auch gemeint. Persona 5 bietet eine komplette Reizüberflutung für euch. Neben einer freakigen Musik ist das Design extrem auffällig. Ihr dürft bei dem Spiel keine erstklassige Grafik erwarten, denn schon mit Kleinigkeiten wie Textboxen und Menüs werdet ihr bedient sein. Diese sind meist in schwarz/weiß/rot gehalten und wirken durch ihre Animationen sehr dynamisch. Somit bleibt euer Auge das ganze Spiel über beschäftigt, was es niemals monoton erscheinen lässt. Abwechslung bieten zudem animierte Zwischensequenzen, die teilweise wie im Anime ausschauen. Doch im Spiel wirkt alles eher wie im Comic, da sogar Geräusche mit Texten belegt werden, das Klingeln des Handys deutet sich beispielsweise als Piep Piep Piep an. Die Welt von Persona 5 bietet zudem einige Reize, doch wirklich Interagieren kann man mit ihr nicht. Außer den Objekten, die ihr in Dungeons zerstören könnt, könnt ihr nämlich nicht mit eurer Umwelt interagieren. Das ist ziemlich schade, vor allem bei der detailreichen Gestaltung der Welt.

 

Positiv:

Hier bekommt man das beste Kampfsystem der gesamten Persona Reihe
Die Story bietet viel Tiefe und erwachsene Themen ohne dabei Humor zu opfern
Fast endlos scheinende Vielfalt an Nebenbeschäftigungen
Jazz-lastiger Soundtrack der extrem gut zum Setting um die Diebesbande passt
Charaktere bieten interessante Hintergrundgeschichten und individuelle Beweggründe
Ausgezeichnetes Dungeonsdesign mit viel Abwechslung für Augen und Hirn

Negativ:

Optik und Design ist stark abhängig vom Geschmack des Spielers
Keine deutsche Sprachausgabe, die japanische nur nach gesondertem Download
Keine detaillierte Skalierung der Attribute
  • Persona 5
    “Bislang kam ich nicht in den Genuss eines Persona-Teils. Das bereue ich mit Persona 5 zutiefst! Der Umfang des Spieles beschäftigt mich viele Stunden, die Grafik und das Design des Spiels sind ein Augenschmaus für mich und die Charaktere mitsamt den behandelten dramatischen Themen ziehen mich in den Bann. Ich schlage mich Stunde für Stunde durch das Spiel, ohne auch nur jegliche Langeweile zu empfinden. Zudem ist der Wiederspielwert immens hoch, da jeder Tag individuell gestaltet und verplant werden kann. Nicht nur jeder Tag, auch das gesamte Leben des Protagonisten liegt in meiner Hand. In hoher Erwartung an Persona 6 kann ich sagen, dass Persona 5 zu einem der besten JRPG zählt und einen Maßstab in diesem Genre gesetzt hat.”
    Jasmin Paskuda, Redakteurin
  • Persona 5
    “Persona 5 konnte mich in allen Belangen überzeugen. Die Story bietet einen schnellen Einstieg und steigert sich dann mit jeder Minute. Die Charaktere fallen zu Beginn wieder in die typischen Archetypen der Vorgänger, entwickeln sich dann aber schnell über diese Grenzen hinaus zu eigenständigen Persönlichkeiten. Zudem bietet der fünfte Teil für mich die bisher erwachsenste Geschichte und behandelt viele ernste Themen. Beim Gameplay gab es in allen Bereichen Verbesserungen und neue Features, die man aus der Shin Megami Tensei Hauptreihe rübergeholt hat. All diese Features, wie Verhandlungen mit Dämonen, bereichern Persona und fügen sich nahtlos in das abwechslungsreichste Kampfsystem in der Geschichte der Reihe ein. In Verbindung mit der hervorragenden visuellen Präsentation und dem von Jazz geprägtem coolen Soundtrack, ist Persona 5 für mich das beste JRPG der letzten 10 bis 15 Jahre. Die JRPG Krone geht daher für mich ohne Zweifel an Persona 5 und jedes künftige RPG wird sich an diesem Beispiel messen lassen müssen.”
    Marco Schmandt, Redakteur

Persona 5 erhält den NAT-Games Award

Lohnt sich der Besuch der Shujin Academy?

Für alle Fans von JRPGs ist dieses Spiel ein Muss, da ihr gut und gerne 80 Stunden beschäftigt seid. Auch alle anderen Spieler sollten einen Blick auf Persona 5 werfen.

Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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