Obscuritas – Test zum Bitte-Bitte-erschrick-dich-jetzt-Horrorspiel

Horrorspiele sind nicht so mein Fall. Ich erschrecke mich schon bei der winzigsten Kleinigkeit, und wo manche sich aufgrund eines Adrenalinschubs gerne erschrecken und gerade deshalb Horror lieben, ist es nicht wirklich mein Lieblingsgefühl. Das heißt aber nicht, dass ich den Reiz von Horror nicht begreife, Resident Evil 4 ist eines meiner Lieblingsspiele aller Zeiten, obwohl ich mich an manchen Stellen am liebsten in eine Anstalt einweisen wollte. Der Titel dieser Review reicht aber bei Weitem nicht an die Resident Evil-Reihe heran, soviel sei schon mal verraten. Ich sage euch in diesem Test, ob Obscuritas trotzdem ein gutes Horrorspiel ist oder man sich aufgrund der Qualität des Spiels erschreckt.

 

Das beste Erbe der Welt: Ein altes Landhaus

Habt ihr zufällig eine reiche Tante oder einen reichen Onkel, die euch bei ihrem Ableben ihre alte Villa überlassen wollen? Nein? Seid froh, denn so entgeht ihr einem der klischeebelastendsten Horrorszenarien. Selbst Luigi kann davon ein Lied singen, alte Villen sind gruselig. Und auch Sarah, unsere Protagonistin, erlebt ebendies. Ihr Onkel Arthur vermacht ihr sein altes Landhaus, so schreibt er es in einem Brief, welchen Sarah im Intro voller Elan vorliest. Nein, eher nicht, die Synchronsprecherin klingt eher so, als ob sie zu ihrem Kaffee und Brötchen auch noch ein wenig Ritalin zum Frühstück geschluckt hätte. Aber ich schweife ab, Sarah begibt sich also zu besagtem Landhaus und findet schnell heraus, dass ihr Onkel eine Art Schnitzeljagd vorbereitet hat, um Sarahs Berechtigung für das Erbe zu prüfen. Dabei hat er wohl verheimlicht, dass es keine lustige Kindergeburtstagsschnitzeljagd wird, sondern eine dunkle Erschreckerschnitzeljagd geworden ist. Dunkle Gänge, gruselige Puppen, alles inklusive. Und so erkundet Sarah das Haus und erkundet deren Zimmer, um…ja, was eigentlich? Naja, viele Zimmer sind abgeschlossen und sie muss Rätsel lösen, um sie aufzuschließen. Schließlich will sie ja Zugang zum gesamten Landhaus haben und alle Räume nutzen, also müssen die Schlüssel gefunden werden. Einen Schlüsseldienst anrufen, um das zu umgehen, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Ich meine, das Haus gehört vor dem Gesetz ihr, sie hat es geerbt, also ist es ihr Recht, jeden Raum zu betreten. Stattdessen spielt sie das Spiel ihres Onkels, und erschreckt sich dabei unter anderem vor sich öffnenden Türen, kleinen Spinnen und Weckern. Super Erbe, Onkel Arthur, danke dafür.

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Das vielleicht gruseligste in Obscuritas: Diese Puppe!

 

BUH!

Na, habt ihr euch erschreckt? Was, wieso das denn nicht? Ich habe doch ganz laut BUH! gerufen. Hmm, vielleicht fehlt der grelle Lichtblitz? Das ist nämlich das Hauptschockmittel von Obscuritas. Ihr öffnet eine Tür, Lichtblitz. Ihr geht einen Gang entlang, Lichtblitz. Ihr hebt etwas auf, Lichtblitz. Nur selten versucht das Spiel, mit subtilem, psychologischem Horror zu glänzen. Der laute, In-die-Fresse-Schockeffekt ist einfach wirkungsvoller. Und die subtilen Horrorelemente sind nicht gerade beängstigend. Uh, da steht auf einmal eine Statue. Oh mein Gott, der Bärenteppich liegt anders. Dies sind so Details, die einem vielleicht nicht auffallen, denn was diese Veränderungen auslösen, ist sinnloses Rumgelaufe. Wenn ihr nicht weiterwisst und jeden Raum 20-mal betretet, dann kann es sein, dass etwas anders ist. Besonders, wenn die Lösung von Rätseln betroffen ist, ist das einfach nur nervig und spricht für schlechtes Gamedesign. Ein Beispiel: In einem Raum hebe ich eine Vase auf. Was soll ich damit machen? Keine Ahnung, einfach mal weitersuchen. Ein paar Räume weiter steht auch eine Vase. Interagieren kann ich mit ihr allerdings nicht. Sobald ich also ziellos durch den Abschnitt spaziert bin, jeden Raum mehrmals durchsucht habe, gehe ich wieder an der zweiten Vase vorbei. Und siehe da, auf einmal kann ich mit ihr interagieren und sie ebenfalls mitnehmen. Am Ende ist es tatsächlich ein Rätsel, wo ich welche Vase hinstellen muss, ein Bild informiert mich darüber. Ich habe mir dieses Bild mehrmals angesehen, aber erst nach dem 10-mal gibt Sarah einen kleinen Hinweis. Viel mehr hat Obscuritas nicht zu bieten, die Rätsel sind nur dann fordernd, wenn sie aufgrund solcher Angelegenheiten in die Länge gezogen werden. Den größten Teil des Spiels verbringt ihr damit, Schlüssel für verschlossene Türen zu finden. Einen Hinweis, welcher Schlüssel welche Tür öffnet, gibt es nicht. So lauft ihr durch nach dem Auffinden eines neuen Schlüssels alle verschlossenen Türen ab. Das hört sich leichter an als es ist, denn die Türklinke in den Fokus zu kriegen, um sie zu benutzen, ist einfach nur Hölle. Der Rest des Spiels beinhaltet ab und zu ein Schockeffekt mit lautem Geräusch und dem schon oft genannten hellen Blitz, das wars. Zur Verfügung habt ihr auch noch eine Taschenlampe, für die ihr immer wieder Batterien finden müsst, und Streichhölzer zum Entzünden von Kerzen.

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Kleinere, nicht wirklich fordernde Rätsel erwarten euch

 

Angriff der Pixelschatten

Der größte Horror kommt beim Anblick der Grafik. Lichteffekte, vor allem die von Lampen, sind so unrealistisch, und natürlich ist wenig Licht in einem Horrorspiel vonnöten, aber dann gibt man dem Spieler nicht die Möglichkeit, die Lampen einzuschalten, nur dass sie komische Schatten werfen. Apropos Schatten, bei genauerer Betrachtung kann man an ihrem Beispiel sehen, wie pixelig die Grafik eigentlich ist. Das Spiel kommt einfach viele Jahre zu spät. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch einige, seltene gute Lichteffekte in der verstaubten Villa. Ebenfalls positiv ist die Atmosphäre, die mit den Hintergrundsounds erzeugt wird. Diese wird aber nicht richtig genutzt, stattdessen verlässt sich das Spiel lieber auf den nächsten Jumpscare. BUH! Und, diesmal erschrocken? Nein? Naja, einen Versuch war es wert.

 

Andre Bürger von VIS Games hat uns darüber informiert, dass man die Pixelschatten je nach Systemleistung verhindern kann. Er gab den kleinen Tipp, dass man die Grafikeinstellungen alle auf HOCH setzt und die Echtzeit-Spiegelungen auf NIEDRIG. Dann würde das Spiel auch richtig gut aussehen und trotzdem performant laufen.

 

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Der Horror in Pixelform

 

Fazit:

Obscuritas ist die Videospielform eines Geisterhauses auf der Kirmes. Ihr lauft durch Gänge, erkundet Räume und werdet ab und zu mit einem lauten „BUH!“ erschreckt. Das macht auf der Kirmes vielleicht ein bisschen Spaß, hier allerdings eher nicht so. Horrorfans sind deutlich Besseres gewöhnt, alle anderen werden sich langweilen. Wenn ich etwas suchen will, dann sicher keine Schlüssel für verschlossene Türen, sondern vielleicht eher Ostereier. Der Fakt, dass ich als jemand, der sich superleicht erschrecken lässt, unbeeindruckt von diesem Titel bin, sollte Bände sprechen.

 

Good
  • Gute, düstere Atmosphäre,...
  • Einige gute Lichteffekte...
Bad
  • ... die nicht gut ausgenutzt wird
  • ... doch das restliche Licht ist einfach nur unrealistisch
  • Ein Jumpscare nach dem Anderen
  • Fummelige Steuerung
  • Keine fordernden, sondern schlecht designte Rätsel
  • Superschlechte Synchro
  • Langweilige Schlüsselschnitzeljagd
35
Maarten Cherek
Geschrieben von
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

1 Kommentar

  1. Hallöle! Hast du das Spiel auch bis zum Ende durchgezogen? Schließlich gehts doch nicht nur darum, Schlüssel für Türen zu finden..Ich habe Obscuritas zwar nicht gespielt, aber ein LP geschaut. Fand es nicht ganz so schlecht wie du es beschreibst, kommt natürlich immer auf die Erwartungen an. Ich bin da eher bescheiden und schau aus Spaß. Eines hätte ich allerdings zu fragen: Den letztendlichen Sinn, bzw. das Ende der Geschichte, was konntest du daraus erkennen?-falls du bis zum Ende gespielt hast. Ich habs nicht wirklich verstanden.
    Danke und frdl. Gruß, Ute

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