Nefarious – Test zum Jump’n’Run als Bösewicht

Ihr habt euch gerade durch ein superschweres Level geballert. Oder ihr habt das Ende eines schweren Dungeons erreicht. So oder so, ihr steht nun vor eurem Bossgegner, euer letztes Hindernis. Doch was, wenn IHR dieser Bossgegner seid? Der fiese Bösewicht, der die Prinzessin entführt und gigantische Roboter baut, um sich des Helden zu entledigen. Nefarious geht exakt diese Idee an, und so spielt ihr einen fiesen Fiesling, der sich gleich ALLE Prinzessinnen schnappen will. Wie fühlt es sich an, mal den Antagonisten zu spielen? Das verraten wir euch in unserem Test.

 

Hier kommt Crow, der fieseste Wicht von allen

Crow hat keine Wahl: Er ist böse. Seine ganze Familie war böse, also muss er es ja auch sein. Aber das macht nichts, Crow ist gerne ein Bösewicht. Und er hat den fiesesten Plan überhaupt geschmiedet, um endlich die Weltherrschaft zu erringen. Entführ fünf verschiedene Prinzessinnen und entfessle damit eine uralte, magische Macht. Klingt plausibel, und so beginnt das große Kidnapping. Angefangen mit Crows Lieblingsopfer, Prinzessin Mayapple, welcher auch gleichzeitig seine beste Freundin ist. Mayapple hat nämlich die Angewohnheit, sowohl Freund als auch Feind zum Go-Karten, golfen oder Tennis spielen einzuladen. Ihr merkt schon, Nefarious nimmt sich selbst nicht allzu ernst und nimmt alle möglichen Videospielklischees auf die Schippe. Egal ob es nun um Anweisungen an die Untergebenen geht, bei denen sie nicht mehr so nah an roten Fässern stehen sollen, oder der Megaman-ähnliche Held, der mit der Prinzessin Schluss macht und die Rettung aufgibt, das Spiel strotzt nur so vor cleverem Humor. Wenn dann plötzlich eine Prinzessin zu stark ist, und Crow sich dann lieber ihren Bruder schnappt, oder eine andere Prinzessin einen strikten Kidnapping-Terminplan hat, dann ist das Chaos perfekt. Die Story von Nefarious ist erstaunlich ausgereift, mit vielen humoristischen Kniffen und Wendungen, und sorgt immer mal wieder für den ein oder anderen Lacher.

Nefarious

Es ist schon schlimm, wenn der Held nicht mehr kämpfen will, wo ist denn da der Spaß?

 

Du bist der Endgegner

Das Gameplay von Nefarious besteht aus einem Grundstein, der da 2D-Jump’n’Run-Shooter lautet, zusammen gemixt mit allen möglichen anderen Überraschungen. So spielt ihr in den meisten Levels von links nach rechts, schießt oder schlagt auf eure Gegner ein, sammelt Geld und andere versteckte Goodies und springt über Hindernisse. Diese versteckten Gegenstände sind immer drei Kronen, die nur für euren Score interessant sind, und eine Schallplatte, die eine neue Melodie für eure Jukebox freischaltet. Die Level selbst sind nicht nur mit vielen Gegnern gefüllt, sondern auch mit so Schnickschnack wie Sprungpads, Kanonen, Lavagruben, zerstörbaren Blöcken, Laserstrahlen und, und, und. Manche Stellen sind etwas unfair, wenn besonders viele Gegner gleichzeitig auf euch stürzen, aber im Grunde ist Nefarious ein recht einfaches Spiel, zumindest bis zum letzten Level. Der Clou ist jedoch, dass immer mal wieder ein etwas anderes Gameplay hier und da mit eingebracht wird. Ehe ihr euch verseht, befindet ihr euch plötzlich in einem U-Boot und erkundet eine Unterwasserwelt. Oder ihr startet urplötzlich eine Autoscrollsequenz. Das Besondere sind jedoch natürlich die Bosskämpfe, da IHR ja der eigentliche Endboss seid. Ihr müsst euch hier nicht nur gegen die Helden wehren, die ihre Prinzessin beschützen wollen, sondern auch gegen konkurrierende Fieslinge. Und so sitzt ihr plötzlich in einem Roboter, und müsst mit euren Fäusten den Wikingerhelden plattmachen. Oder ihr befindet euch in einem rundenbasierten Japano-RPG-Kampf, wo ihr drei Helden mit euren Spezialattacken angreifen müsst. Oder aber ein definitiv von Dr. Wily aus Megaman abgeschauter Endkampf, wo ihr in einem fliegenden Raumschiff sitzt und mit einer Abrissbirne hantiert. Diese Ideen sind zwar clever, jedoch wurde das volle Potenzial hier nicht komplett ausgeschöpft. Kämpfe sind meist recht einfach und sehr schnell zu Ende, und am Ende wollte man vielleicht doch ein wenig mehr Zeit in diesem tollen Superroboter verbringen. Woran es jedoch nichts zu bemängeln gibt, ist, wie diese Bosskämpfe steuerungstechnisch umgesetzt sind. Man versteht im Handumdrehen, was von einem verlangt wird. Dagegen ist die normale Jump’n’Run-Steuerung in den Levels ein wenig hakelig, vor allem wenn man Bombensprünge ausprobiert. Außerdem hat Crow nur zwei Möglichkeiten, anzugreifen: Einen Schlag und ein Projektil. Klar, ihr könnt euch neue Upgrades dafür kaufen, sodass euer Schlag nun explodiert oder eure Granaten haften bleiben, so kreativ wie zum Beispiel in der Megaman-Reihe werden die Fähigkeiten jedoch leider nie. Zusätzliche Fähigkeiten gibt es nur, wenn ihr gerade eine gekidnappte Prinzessin bei euch habt. Die Insektenprinzessin verleiht euch zum Beispiel einen Supersprung, der Feuerprinz verwandelt den Rauch eurer Granaten in benutzbare Plattformen. Diese Fähigkeiten sind jedoch nur temporär, solange ihr den jeweiligen Abschnitt der Entführung spielt, und zählen leider nicht als dauerhafter, ausrüstbarer Skill.

Nefarious

Ein Bienenkrieger mit Degen hat doch gegen Granaten keine Chance

 

Und noch ein Cartoonspiel

Ein Spiel, in dem ein überzogener Antagonist die Hauptrolle spielt, Megaman-ähnlich durch die Level hüpft und welches vor Humor nur so überquillt …welchen Grafikstil dürfen wir denn hier erwarten? Na, ein Cartoonlook natürlich. Das mag jetzt vielleicht etwas negativ klingen, so nach dem Motto „Nicht NOCH ein Indiegame mit Cartoongrafik“, aber glaubt mir, das ist es nicht. Der Look passt perfekt zu Nefarious, ich bin sogar davon überzeugt, dass jeder andere Grafikstil für diese Art von Spiel, fehl am Platz gewesen wäre. Die Charaktere erhalten alle ihre eigene Persönlichkeit durch die vielen handgezeichneten Gesichtszüge, die Level haben immer wieder interessante und oft auch witzige Details im Hintergrund, und generell sorgt der farbenfrohe Look einfach nur für ein wenig zusätzlichen Spaß. Dazu kommt der ohrwurmerzeugende Soundtrack, den Track aus der Eiswelt werde ich auch noch in ein paar Wochen im Kopf haben. Beim Abmischen der Soundeffekte wurde vielleicht ein wenig geschlampt, manche Effekte sind etwas zu laut im Gegensatz zu anderen, aber alles in allem passt das Gesamtprodukt schon zusammen.

Nefarious

Endlich kann ich mal jemanden zermatschen, anstatt zermatscht zu werden

 

Positiv:

Sehr viel Humor
Interessante Bosskämpfe
Ab und zu die ein oder andere Gameplayüberraschung
Das Konzept Gut und Böse wird mal auf den Kopf gestellt
Passende Comikoptik
Überraschend durchdachte Story mit lustigen Twists
Viele Lieder im Soundtrack verursachen Ohrwürmer

Negativ:

Die interessanten Bosskämpfe sind viel zu schnell abgefertigt
Nur zwei Hauptangriffe, schlagen und Granaten abfeuern
Steuerung manchmal hakelig
Soundmischung nicht immer perfekt, manche Effekte sind zu laut
Es gibt manch unfaire Stellen, bedingt durch schiere Gegneranzahl
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58910″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Maarten Cherek, Redakteur”]

“Mit Nefarious bekommt ihr für 15 € ein solides 2D-Jump’n’Run, welche an einigen Ecken nicht ganz ausgereift ist, jedoch eine Menge Spaß und vor allem Humor mit sich bringt. Der Ansatz, zur Abwechslung mal den Bösewicht zu spielen, ist definitiv interessant und wird oft auch im Spiel selbst angesprochen, und selbst ohne diese Tatsache wäre Nefarious ein recht gutes Spiel. Erwartet nur keinen Zeitfresser, wie die meisten Indie-Fun-Titel ist auch dieser ein eher kurzweiliger Spaß.”

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Mal den Bösen spielen?

Ein lustiges 2D-Jump’n’Run für 15€, ein recht gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Nefarious ist in vielen Verhältnissen der bessere spirituelle Nachfolger von Megaman anstatt Mighty No. 9. Es spricht also vieles für einen Kauf dieses Indie-Titels.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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