Monster Hunter

Kritik zum Monsterspektakel im Kino

Monster Hunter. Eine Spielereihe, die in 17 Jahren über 20 Titel hervorgebracht hat. Eine Reihe, die Millionen Fans in ihren Bann gezogen hat. Und auf der anderen Seite steht Paul W.S. Anderson. Ein Regisseur, der mit Mortal Kombat und der Resident Evil-Reihe bereits einiges an Erfahrung mit Spieleverfilmungen hat. Und ein Mann, der nicht unbedingt dafür bekannt ist, sich wirklich an seine Vorlage zu halten. Ob er hier eine würdige Hommage geschaffen hat, oder die Spielereihe schlimmer massakriert als es dort mit irgendeinem Monster möglich wäre, das erfahrt ihr in unserer Kritik.

 

Die Story von Monster Hunter

Eine Gruppe US Army Ranger gerät auf der Suche nach einer fehlenden Einheit durch ein Portal in die Neue Welt, in der riesige Monster leben. Um in ihre Welt zurückzukehren, müssen die Soldaten sich nicht nur gegen diese Monster verteidigen, sondern auch mit den Bewohnern der Welt zusammenarbeiten, um ihr Ziel zu erreichen.

 

Unsere Kritik zu Monster Hunter

Spieleverfilmungen haben nicht gerade einen guten Ruf, und das leider oft zurecht. Viel zu oft begreifen die Filmschaffenden nicht, was ein Spiel ausmacht und fokussieren sich in ihren Verfilmungen auf ganz andere Aspekte als die, die die Fans sehen wollen. Auch Paul W.S. Anderson hat dies in seiner Resident Evil-Reihe bereits getan. Hier unterbietet er sich aber noch einmal selbst. Und das so kolossal, dass wir das Ganze der Reihe nach durchgehen müssen, um nicht den Überblick über sein Scheitern zu verlieren.

Amerikanischer geht’s nicht

Beginnen wir mit unseren Protagonist:innen. Diese sind Soldaten der US-Armee, genauer gesagt Ranger. Natürlich. Was auch sonst. Exotische Monsterjäger wie in den Spielen? Nein, die dürfen bestenfalls Nebencharaktere sein. Und natürlich wird die Anführerin der Ranger, Artemis, von Milla Jovovich gespielt, Paul W.S. Andersons Frau. Das soll übrigens keine Kritik an ihr sein, aber dabei sollte man schon hellhörig werden wenn man darüber nachdenkt, worauf hier der Fokus liegt.

Kapitalismus für alle

Nachdem wir nun unsere Protagonist:innen kennengelernt haben, kommen wir zur anderen Seite: Den Monsterjägern. Genauer gesagt, eigentlich nur zu einem von ihnen, nämlich Hunter. Das ist nämlich der einzige der Jäger, der mehr als 10 Minuten Screentime bekommen hat. Der ist zwar ein mehr als fähiger Kämpfer, wird aber sonst als totaler Trottel dargestellt. Erst als Artemis ihm einen Herschel’s Schokoriegel (ganz unauffälliges Product Placement) zeigt, scheint er das erste Mal so etwas wie eine Gesellschaft kennenzulernen. Dass so etwas natürlich längst in seiner Welt existiert wird gekonnt ignoriert. Stattdessen wird die vom Thailänder Tony Jaa gespielte Figur wie ein Steinzeitmensch portraitiert, dem die weiße Frau zeigt wie die Welt funktioniert. Lediglich Ron Perlmans Charakter des Admirals, der Anführer der Jäger, ist auf einem ähnlichen Level wie Artemis. Dafür sieht er aus wie das uneheliche Kind von Cloud Strife und Donald Trump.

Ja und was ist jetzt mit den Monstern?

Aber kommen wir endlich mal zu den eigentlichen Stars: Den Monstern. Blöd nur, dass die Monster sich hier mit den Jägern darum streiten dürfen, wer weniger wichtig ist. Ja das ist richtig, die Monster sind hier nicht die Hauptattraktion. Anstatt epischer Kämpfe zwischen einer koordinierten Gruppe von Jägern gegen ein riesiges Monster in einer bunten Welt inszeniert Paul W.S. Anderson wie einen schlechten Survival-Horror. Keine Kämpfe, sondern düstere Höhlen und haufenweise Jump-Scares. Wobei Scare hier das falsche Wort ist, da man die jedes Mal schon von weitem kommen sieht und nicht erschrocken, sondern eher gelangweilt bis genervt ist. Tatsächlich dauert es ganze 60 (!) Minuten, bis es zum ersten richtigen Kampf zwischen Mensch und Monster kommt. Wer denkt, jetzt ginge es endlich los, wird allerdings schnell enttäuscht, denn die Kämpfe sind schnell abgehandelt.

Ein beleidigendes Finale

Überhaupt gibt es davon nur zwei: den kurzen nach über der Hälfte des Films, und den nicht ganz so kurzen am Ende. Dieser ist dafür noch viel schlimmer, denn nach vielleicht zwei Minuten wird der ganze Kampf aus der Monsterwelt wieder in die Menschenwelt verfrachtet, damit – wer auch sonst – das US-Militär nochmal mitmischen darf. Wer an dieser Stelle bereits das Popcorn aufgegessen hat, kann sich glücklich schätzen, denn dann habt ihr eine Kotztüte direkt griffbereit. Bisher wirkte es so, als hätte Paul W.S. Anderson einfach keine Ahnung von den Spielen. Jetzt macht er aber so offensichtlich das genaue Gegenteil von dem, was die Spiele ausmacht, und es ist regelrecht beleidigend. Den ganzen Film über wartet man darauf, dass endlich dieser große Kampf kommt, wie man ihn kennt, und wenn man dann nach 90 Minuten denkt er sei endlich gekommen – passiert das. Und auch hier ist das Monster erstaunlich schnell und erschreckend wenig unterhaltsam abgefrühstückt.

Das reicht aber nicht, es muss nochmal nachgetreten werden. Als noch ein weiteres Monster auftaucht, und die Jäger – dankenswerterweise ohne Militär – zum Angriff blasen, kommt direkt der Abspann. Ich selbst habe nie einen Teil der Reihe gespielt, aber sogar ich habe den riesigen Stinkefinger gesehen, den Anderson hier den Fans der Reihe zeigt. Dieser Film ist nicht nur wahnsinnig schlecht, sondern auch dreist, beleidigend, und tritt ein eingesessenes Franchise mit Füßen.

Gibt’s denn auch was positives?

Ja, das gibt es tatsächlich. Optisch macht der Film einiges her. Die Ausstattung ist sehr detailreich und nah am Original – wenigstens etwas – und die Monster sehen wirklich beeindruckend aus. Schade nur, dass man sie so wenig zu Gesicht bekommt, hier wäre einiges mehr möglich gewesen. Auch die Effekte sind gut gemacht, wobei der Zeitlupen-Effekt in den Actionsequenzen nach dem dritten Mal in den ersten 15 Minuten schnell ausgelutscht ist.

Informationen zu Monster Hunter

  • Originaltitel: Monster Hunter
  • Laufzeit: ca. 103 Minuten
  • Kinostart: 1. Juli 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Milla Jovovich, Tony Jaa, Ron Perlman, Meagan Good, Tip “T. I.” Harris, Diego Boneta, Josh Helman, Jin Au-Yeung

Trailer zu Monster Hunter

Fazit zu Monster Hunter

von Lennart Hoffmann

“Ich würde mich nie als Fan der Monster Hunter Spiele bezeichnen, geschweige denn einen erfahrenen Spieler. Trotzdem habe ich schnell gemerkt, dass dieser Film bis auf den Titel und ein paar Monsternamen nichts mit der Spielereihe gemeinsam hat. Stattdessen wird alles, was die Spiele ausmacht, ignoriert oder mit Füßen getreten. Von Langeweile bis Wut war alles an Emotionen bei mir vorhanden, nur Unterhaltung sucht man hier vergebens.”

Keinerlei Verständnis dafür, was die Spiele ausmacht
Optisch nett, inhaltlich katastrophal
Nichtmal gut in dem, was der Film sein möchte (statt guter Spieleverfilmung)
Dauert keine zwei Stunden, fühlt sich aber an wie vier

Ab in die Filmsammlung?

Fans der Spiele werden sich von diesem Film beleidigt fühlen, und das vollkommen zurecht. Wer einen schlechten Monsterfilm sucht, oder ein Fan von Paul W.S. Andersons bisherigen Filmen ist, empfindet diesen Film vielleicht nicht als reine Zeitverschwendung.

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10
Geschrieben von Lennart Hoffmann
diskutiert mit Tarantino über Trinkgeld.
1 Kommentar
  1. Oha. Wenn Spielefans ne Kritik zu einem Film schreiben der nicht ihren Erwartungen entspricht. Und wenn dann noch der Regisseur der von dieser Spezies verhasste Paul W.S. Anderson ist und seine nicht minder bei besagter Fraktion beliebten Ehefrau Milla Jovovich die Hauptrolle spielt, kann sich der Normalo in der Regel auf einen Verriss gefasst machen. Ich selbst bin weder Gamer, noch kenne ich irgendein Spiel. Aber ich bin Riesen Fan der Familie Jovovich/Anderson. Einfach weil die beiden liefern was ich liebe. Action. Und das seit Jahren. Mir ist Wurscht welche Vorlage Paul dient. Hauptsache er setzt seine Milla gut in Szene. Ich kann zwar durchaus verstehen das Fans der Spiele ne 1:1 Umsetzung wünschen. Aber einfach mal akzeptieren das Anderson nur lose auf die Vorlagen eingeht und sonst sein eigenes (Film) Universum schafft fällt besagter Gruppe leider nicht ein.

    Glücklicherweise gibts außerhalb des Gamer-Universum noch normale Kinogänger die zu allem Übel 😉 auch noch Fan der beiden sind und die Resident Evil Filme z.B. zu einem großen Erfolg werden ließen (nicht umsonst durfte das Erfolgsgespann ganze 6 mal ran). Ich bin einer von denen die ihretwegen ins Kino gehen. Ich will Milla in Action bewundern. Und ich weiß das Paul liefert. Mehr geht einfach nicht.

    Viele Grüße

    Antworten

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