Moderne Verführung

Kritik zur neuzeitlichen Jane Austen Verfilmung

Die Adaption eines Romanes wird in der Filmindustrie so häufig verwendet, wie in Tarantinos Filmen Blut spritzt (also unglaublich oft). Diesmal haben wir es mit der filmischen Umsetzung des Jane Austen Klassikers “Persuasion” zu tun. Und nicht nur das: Die Filmschaffenden bringen die Thematik in die Moderne. Begleiten wir also Moderne Verführung, wie es versucht den gefährlichen Balanceakt zwischen romantische Komödie und billiger Roman Verfilmung zu meistern.

 

Die Story von Moderne Verführung

Kommen wir aber erst mal zum Inhalt der ganzen Produktion. Wie schon erwähnt basieren wichtige Elemente der Geschichte auf dem Roman von Jane Austen. In Moderne Verführung wird die Geschichte nun in das 21. Jahrhundert geholt. Wren Cosgrove, unsere Protagonistin, arbeitet für KKl, einen Unternehmen das scheinbar Marketing-Kampagnen für andere Unternehmen übernimmt. Viel genaueres erfahren wir zwar nicht aber das reicht, um zu verdeutlichen, wir sind in unserer Zeit angekommen.

Überraschenderweise möchte ihr erfolgreicher Ex-Freund aus dem College die Dienste ihrer Firma für seine neue App buchen. Das verspricht ganz viele peinliche Momente, Missverständnisse und allerlei private Probleme. Neben ihrem Ex-Freund treten noch zwei Männer in Wrens Leben und so entsteht eine Art Speed-Dating Programm. Am Ende bleibt der Film der Romanvorlage treu und Wren entscheidet sich für ihren Ex-Freund, den sie nicht wirklich aufhören konnte zu lieben.

 

Unsere Kritik zu Moderne Verführung

Auf den ersten Blick wirkt es so, als ob der Film nur so von Klischees und schlechten Vorurteilen wimmeln würde. Und leider muss man das auch so bestätigen. Wren Cosgrove, gespielt von Alicia Witt, welche wirklich versucht das Beste aus ihrer Rolle zu machen, wird mit den ersten Aufnahmen direkt in die Schublade Mitte 30, karrierebewusst aber unglücklich, da sie als einzigen Partner nur ihren Kater hat, gezwängt. Und genauso eindimensional und klein werden alle anderen Charaktere gehalten.

Wir haben die zwei jüngeren Mitarbeiterinnen, die quasi die Ausgeburt von Social Media sind. Einen älteren weißen Mann, welcher unangebrachte und teilweise gemeine Sprüche raushaut und das, obwohl der Schauspieler, Mark Moses, deutlich mehr Potenzial zu bieten hätte. Ein lesbisches Ehepaar, dass quasi nur ihre Sexualität als Aushängeschild hat und natürlich – was darf bei einer RomCom nicht fehlen? Eine dunkelhäutige Person die hin und wieder einen “sassy” Spruch an den Tag legt.

Die großen Probleme von Moderne Verführung

Einseitige Charaktere gibt es in vielen Filmen. Und ja das macht das Erlebnis deutlich schlechter, dennoch schaffen viele Filme mit anderen Aspekten trotzdem zu überzeugen. Moderne Verführung schafft das leider nicht. Aber was macht es denn so falsch? Abgesehen von den Klischees und den Charakteren wirkt der Film zusammenhanglos. Man hat zwar vor Augen, dass es einerseits um das Firmenprojekt von Wren geht und andererseits um ihr Liebesleben und die drei Männer, die auf einmal in ihr Leben gestürzt sind.

Doch zu keiner Zeit wird im Film selbst groß Wert auf einen der Handlungsstränge gelegt. Es wirkt fast so als ob, Alicia Witt zwischen diesen beiden hängt, so wie Wren zwischen ihren Männern. Daneben schaffen es die Dialoge im Film, die Charaktere noch stumpfer wirken zu lassen, als sie sowieso schon sind. So wie die Szenen zusammengeschnitten wurden sind, wirkt die Handlung nur willkürlicher. Manche Szenen sind deutlich zu lang und bieten weder einen narrativen noch einen ästhetischen Mehrwert. Andere Szenen scheinen ohne großen Überlegungen aneinander geklebt worden zu sein. Manchmal hat man das Gefühl das Wren von einer Szene in die nächste reinfällt und selbst nicht weiß, was gerade los ist.

Vergebenes Potenzial

Ist denn jetzt alles schlecht an Moderne Verführung? Das kann man eigentlich nur mit einem Jein beantworten, wobei das Ja bei 75% liegt und das Nein bei den restlichen 25%. Der Film hat eigentlich mit seiner Vorlage Unmengen an Stoff und Ideen, die man auf die Leinwand hätte bringen können. Der Aspekt eine moderne Version des Klassikers im eigenen Stil zu erschaffen ist auch sehr interessant. Auch wie Wren ihre drei Männer der Herzen kennenlernt wirkt sehr natürlich und nahbar, so als hätte es jedem zufällig passieren können. Außerdem spielt Alicia Witt ihre Rolle der Wren, soweit sie die Dialoge tragen auch gut aus, nur fehlt der Figur Tiefe und mehr Facetten als: “Ach hätte ich doch nicht meinen damaligen Ex-Freund aus dem College verlassen für den ich meine ganze Karriere aufs Spiel gesetzt hätte.”

Tatsächlich sind die Flirtereien mit den anderen beiden Kandidaten, dem Partner ihres Ex-Freundes Sam Benson und dem von ihrer Tante hochangesehen Tyler Pratt, auch die spannendsten Gespräche im Film. Ebenfalls ist die schwangere Lizzie Lynch eine willkommene Abwechslung im Film, die als einzige wie eine reale Person wirkt und sich auch so benimmt. Doch wird in vielen Dialogen es trotzdem geschafft ihre Figur auf ihre Schwangerschaft zu reduzieren. Comedy findet dann ebenso eindimensional statt. Es werden häufig einfach Einzeiler gebracht, die im Endeffekt ein wenig flach oder peinlich rüberkommen. Etwas was mir aber sehr positiv im Kopf zurückgeblieben ist und den Film zwar nicht rettet, aber meiner Meinung dennoch erwähnt werden sollte, sind die Räumlichkeiten und die Szenenbilder. Vor allem die in den Büros des Unternehmens. Alles wirkt wie ein modernes, cooles New Yorker Start Up Unternehmen mit jungen Mitarbeitern. Zu keiner Zeit wirken die Szenenbilder schlecht gemacht und man merkt, dass sich die Leute dahinter etwas gedacht haben und sich große Mühe gemacht haben.

Was bleibt zu sagen?

Am Ende kann man den Film eigentlich nur das Prädikat “viel gewollt, aber nur wenig erreicht” geben. An allen Enden fehlt einfach sehr viel bzw. lässt sich noch einiges verbessern. Zusätzlich sei angemerkt, dass meine Version mit deutscher Synchronisation technisch nicht einwandfrei lief. Man hatte manchmal das Gefühl, dass Schüler aus der fünften Klasse die Dialoge übersetzt hätten, und manchmal fiel die Synchro ganz aus. Kaufen würde ich den Film nicht, falls er mal auf einem eurer Streaming-Dienste umsonst verfügbar sein sollte, könnt ihr ihn schauen, um selbst zu sehen, dass das Genre romantische Komödie noch viele mittelmäßige Filme auf Lager hat.

 

Informationen zu Moderne Verführung

  • Originaltitel: Modern Persuasion
  • Laufzeit: ca. 87 Minuten
  • Heimkinostart: 19. August 2021 digital/ 02. September 2021 DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 0 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Alicia Witt, Mark Moses, Li Jun Li, Liza Lapira

 

Trailer zu Moderne Verführung

Titelbild & Copyright: © Tiberius Film

  • Moderne Verführung – Kritik zur neuzeitlichen Jane Austen Verfilmung
    Fazit zu Moderne Verführung

    Moderne Verführung ist eine romantische Komödie wie jede andere. Nichts macht sie besonders oder lässt sie von anderen Genrevertretern abheben. Selbst mit vielen kleinen Referenzen zum Jane Austen Roman, schafft es der Film zu keiner Sekunde eine Geschichte zu erzählen, die man gerne erleben würde.

    Alexander Weinstein, Trainee

 

Keine einheitliche Handlung
Sinnfreie Dialoge
Technisch Fehlerhaft
Charaktere zum Vergessen

Ab in die Filmsammlung?

Wenn man 11 € hat, die man nicht braucht und unbedingt eine stumpfe romantische Komödie schauen möchte.

Share This Post
Deine Meinung?
00
Geschrieben von Alexander Weinstein
Hat den Kesselflug in weniger als 10 Parsec geschafft

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.