Mafia: Definitive Edition – Test zum Remake des Gangster-Epos

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Mafia: Definitive Edition - [PlayStation 4]
  • Lost Heaven, 1930. In einer schicksalhaften Nacht gerät der hart arbeitende Taxifahrer Tommy Angelo in Kontakt mit der italienischen Mafia und erhält einen Blick in eine Welt, die unmöglich zu ignorierende Belohnungen verspricht. Ein geliebter Klassiker, originalgetreu neu erschaffen und erweitert
  • VORBESTELLER-BONUSPACK: Das Chicago-Outfit-Paket (enthält: die Smith V12 Limousine, eine goldene Halbautomatikpistole in Form eines Waffenskins und das Outfit "Der Don")
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 18 Jahren

Releasedatum: 25. September 2020

Genre: Action-Adventure

USK: ab 18 jahren

Publisher: 2K Games

Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One

In einer Zeit, in der Neuauflagen von populären und zuweilen auch unbekannteren Spielereihen zum guten Ton gehören, darf sich nun auch 2K Games’ allmählich in Vergessenheit geratene Mafia-Trilogie über eine Wiederveröffentlichung freuen. Während Mafia 2 und 3 lediglich als leicht aufpoliertes Remaster ein Wiedersehen feiern dürfen, hat Entwickler Hangar 13 dem altersschwachen Original direkt das Rundum-Sorglos-Paket spendiert und eine allumfassende Frischzellenkur verpasst. Warum sich die Rückkehr in die fast 20 Jahre alte Welt von 2Ks Mafiosi lohnt und was den Titel auch heute noch spielenswert macht, erfahrt ihr in unserer Review.

 

Vom Tellerwäscher zum Mafioso

Mafia: The City of Lost Heaven erschien ursprünglich bereits im Jahr 2002 für die mittlerweile betagteren PlayStation 2, Xbox und den PC. Das Actionspiel der tschechischen Firma Illusion Softworks stand seiner Zeit stellvertretend für eine beeindruckende Spielewelt und spannendes Storytelling im angesagten Mafia-Setting. Nach gut 18 Jahren ist das Original zwar noch immer spielenswert, aber dank zahlreicher fummeliger Gameplaypassagen und beinharter Spielabschnitte wohl kaum noch spielbar. Das dachte sich offenbar auch Publisher 2K Games und engagierte flux Spieleschmiede Hangar 13, die mit der Entwicklung von Mafia 3 bereits wertvolle Erfahrung sammeln konnten, für ein allumfassendes Remake des in die Jahre gekommenen Klassikers. Zwar hat man das Actionspiel im Rahmen der Definitive Edition einer Generalüberholung unterzogen und mit massig Neuerungen ausgestattet, im Kern ist der einstige Oldtimer aber noch gut zu erkennen.

Einmal mehr verschlägt es uns also in die fiktive Stadt Lost Heaven der 1930er Jahre. In der Haut des ärmlichen Taxifahrers Tommy Angelo gehen wir zunächst zwar einem niederen, aber zumeist ehrlichen, Dienstleistungsgewerbe nach. Eines Nachts sollte sich dies jedoch ändern: Nicht ganz freiwillig macht Angelo Bekanntschaft mit der hiesigen Mafia und findet – eine unglückselige Verkettung von Ereignissen später – schließlich Zugang zum Mafia-Clan von Don Salieri. Mafia erzählt dabei die Geschichte vom Aufstieg und Fall des jungen Italieners in der Salieri-Verbrecherfamilie und umfasst eine Zeitspanne von rund 8 Jahren. Das Spiel wählt hierzu bewusst eine antichronologische Erzählweise, springt sinnvollerweise immer wieder zwischen Gegenwart und Rückblenden und hebt so die Schlüsselmomente im Leben unseres Protagonisten hervor. Gerade die Charakterentwicklung der einzelnen Statisten profitiert enorm von der episodischen Erzählung und beflügelt die Dramaturgie um ein Vielfaches. Mafia: Definitive Edition steht seiner Vorlage in Sachen Pacing in nichts nach und präsentiert Spielern eine durchweg packende Storyline ohne nennenswerte Längen.

Die Gesichtsanimationen und die Charaktermodelle sind fast ausnahmslos schön in Szene gesetzt.

 

Masse statt Klasse?

Und genau das ist wohl auch notwendig, bietet die Definitive Edition trotz zahlreicher neu kreierter Gameplay-Elemente spielerisch doch nur wenig Motivation. Getreu seinem Original setzt zwar auch das Remake auf spielerische Vielfalt und überzeugt mit abwechslungsreichem Missionsdesign, wirklich tiefgründig oder gar umfangreich kommen die einzelnen Gameplaypassagen aber leider nie daher. An oberster Stelle stehen hier rasante Autorennen und Verfolgungsjadgen in stilgetreuen Boliden der 1930er Jahre. Das Fahrgefühl und die Fahrphysik fallen gerade zu Beginn zwar noch etwas gewöhnungsbedürftig aus, fangen den Charme der damaligen Zeit aber durchweg gut ein und machen in diesem Kontext geradezu Sinn. Insgesamt könnt ihr aus über 60 verschiedenen Fahrzeugen mit ihren ganz individuellen Eigenheiten wählen, inklusive ausgewählter Motorräder, die indes sogar ihr Seriendebüt feiern.

Ähnlich wie im Genrekönig Grand Theft Auto könnt ihr euch Fahrzeuge vom Straßenrand stehlen, direkt ihren Besitzern entwenden und in eurer Garage jederzeit für eine kleine Spritztour zwischenspeichern. Mafia ist jedoch, anders als es vielleicht seine beiden Sequels nahelegen, keineswegs ein Open-World-Spiel im herkömmlichen Sinne, setzt aber dennoch auf eine erkundbare und bestens ausmodellierte Spielwelt. Die Geschichte und der Spielablauf gestalten sich über die gesamte Spielzeit so linear, dass ihr als Spieler lediglich von Mission zu Mission entsandt werdet, ohne nennenswerte Gelegenheiten die Umgebung überhaupt zu erkunden. Die fehlende Freiheit ist zwar sehr schade, aber mehr als eine wunderschöne und detailierte Kulisse ist Lost Heaven dann ohnehin auch nicht. Wirft man einmal einen Blick hinter die Fassade, erschließt sich rasch ein tristes Bild. Lost Heaven bietet wunderschöne Szenerien und Schauplätze, wirkt jedoch gleichsam leblos und kahl. Gerade im Vergleich mit aktuellen Produktionen fällt schnell auf, wie wenig die Stadt über ihre Optik hinaus zu bieten hat: Kaum Nebenbeschäftigungen, eine überschaubare Anzahl an aktiven NPCs und keinerlei begehbare Gebäude – das an Chicago angelehnte Lost Heaven lädt nur auf den ersten Blick zum Erkunden ein, verliert jedoch allzu schnell seinen Reiz und bleibt lediglich eine atmosphärischer Raum für rasante Autofahrten. Sollte euch dann doch einmal der Entdeckerdrang über Gebühr packen, stellt euch Hangar 13 immerhin noch einen Free-Roam-Modus zur Verfügung, in dem ihr die Stadt nach Lust und Laune abgehen könnt. Ein zugegebenermaßen netter Bonus, der allerdings nur Hardcore-Fans über die Maßen hinaus beschäftigen dürfte.

Actionreiche Verfolgungsjagden sind hier an der Tagesordnung. Wer die 30er mag, der darf sich währenddessen mit einer Hand voll Radiosendern von zeitgemäßer Musik berieseln lassen.

 

Deckungsshooter für Neulinge

Nebst unterhaltsamen Rennpassagen ist Tommy Angelo häufig genug auch zu Fuß unterwegs und geht dem alltäglichen Leben eines Aushilfsgangsters nach. Vom Schutzgeldeintreiben über Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Mafia-Familien bis hin zu hinterhältigen Attentaten ist unser Protagonist in so einigen Geschäftsbereichen tätig. Generell sind die einzelnen Gameplay-Mechaniken in jeder Hinsicht simpel gehalten und bieten überraschend wenig Tiefgang. Während die kleinen Schleichabschnitte allgemein sehr verzeihend daherkommen und euch nur seltenst vor eine wirkliche Herausforderung stellen, sind die eingestreuten Faustkämpfe auf gerade einmal zwei Buttons beschränkt und steuern sich erstaunlich undynamisch. Hangar 13 kratzt hier leider nur an der Oberfläche heutiger Standards und bietet dem Spieler eher seichte Minispielkost, die glücklicherweise über die vielen hochwertigen Zwischensequenzen halbwegs gut getragen wird. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt des Spielgeschehens sind die actionreichen Schussgefechte: In bester Deckungsshooter-Manier rennt ihr von Deckung zu Deckung und versucht eure Feinde aus selbiger herauszulocken. Das Navigieren zwischen den unterschiedlichen Covermöglichkeiten klappt mal mehr, mal weniger gut. Die Deckungsmechanik zeigt sich ähnlich wie schon das Gunplay bisweilen hakelig und unausgereift. So ist das Schießen in geduckter Haltung beispielsweise nicht aus allen Positionen heraus möglich, während euch die Kamera in hektischen Situationen nur allzu gerne einen Strich durch die Rechnung macht.

Mafia: Definitive Edition ist, genau wie seine Vorlage, kein besonders guter Shooter, will aber in erster Linie auch gar keiner sein. Die rudimentäre Auswahl an Waffen, das vereinfachte Gunplay und die schlauchartigen Level locken im Jahr 2020 zwar keinen Shooter-Enthusiasten mehr hinterm Ofen hervor, schaffen aber ihr Mindestes, um den Spieler kurzweilig bei Laune zu halten. Neben all den Actioneinlagen nimmt sich Mafia aber auch immer wieder Zeit für ruhigere, bedächtigere Momente, die euch Gelegenheit zum Reflektieren geben und das Tempo dankenswerterweise an geeigneten Stellen drosseln. So dürft ihr mal eure Liebste nach Hause begleiten, den Taxifahrer spielen oder gar euren betrunkenen Kameraden nach Hause chauffieren. Gerade in diesen Momenten wird deutlich, wie sehr das gelungene Storytelling von seinen Dialogen lebt. Für das Remake hat sich Hangar 13 nämlich alle Mühe gemacht das Original gründlich aufzupolieren: Neue Motion-Capture-Aufnahmen, frische Cutscenes, neue Dialogtexte und natürlich eine komplett neue Vertonung mitsamt neuer Sprecher. Darüber hinaus hat man die Gelegenheit genutzt, kleinere Passagen sinnvoll umzuschreiben und der Geschichte so an den richtigen Stellen Feinschliff verpasst, ohne dem Original-Werk in irgendeiner Weise respektlos zu begegnen. Hier hat die Spieleschmiede ohne Frage Fingerspitzengefühl bewiesen und einen durchaus guten Mittelweg sowohl für langjährige Fans als auch Neueinsteiger gefunden. Die aufwändige Überarbeitung hat sich sichtlich gelohnt. Der neu besetzte Cast ist stimmig, die Inszenierung erfrischend modernisiert und packend. Das zeigt sich auch in der Spielzeit: Die rund 20 abwechslungsreichen Missionen wissen gut über rund 10 Stunden zu unterhalten, wenngleich der spielerische Anspruch überschaubar bleibt.

Neben gängigen Schießeisen wie Schrotflinten oder Revolvern dürft ihr ab und an auch Molotov-Cocktails gegen eure Feinde einsetzen.

 

Keinen Tag gealtert

Wer das 2002er Original seiner Zeit gespielt hat, dem dürften wohl insbesondere einige beinharte, fast schon unfaire Rennpassagen im Gedächtnis geblieben sein. Und das nicht zu Unrecht: Generell gilt der Titel auch aus heutiger Sicht noch als eine der schwierigsten Herausforderungen, die Spieler nicht selten zur Weißglut treibt. Die Definitive Edition geht glücklicherweise deutlich behutsamer an diese Thematik heran und bietet von vornherein einen ausgeglicheneren Schwierigkeitsgrad. Während der Fahrmodus bei weitem nicht mehr so simulationslastig ausfällt, reagiert die Polizei deutlich humaner auf Verkehrsverstöße und verfolgt euch nicht schon nach kleinsten Geschwindigkeitsübertretungen oder dem Überfahren einer roten Ampel. Wer dennoch dem masochistischen Treiben frönen möchte, darf jederzeit in den Einstellungen auf die klassische Schwierigkeit umstellen.

Die aber wohl größte und beeindruckendste Veränderung hat Mafia im Rahmen seiner grafischen Präsentation vollführt. Hangar 13 hat für die Definitive Edition von Grund auf neue Assets erstellt und als neue Basis die aus Mafia 3 bekannte Engine weitestgehend überarbeitet. Die Stadt Lost Heaven bietet beeindruckende Wetter- sowie Lichteffekte. Allem voran die wunderschönen Neonlichter und Reflektionen in Gläsern oder Pfützen kitzeln eine grafische Brillanz aus 2Ks Engine heraus, die stellenweise gut und gerne mit aktuellen Produktionen mitzuhalten weiß. Da lässt sich nur allzu gerne darüber hinwegsehen, dass das Beleuchtungsmodell je nach Setting schon einmal etwas übers Ziel hinausschießt und insbesondere Gesichter nicht ganz korrekt ausleuchtet. Von technischer Seite gibt es am Remake generell nur wenig zu meckern. Hin und wieder nachladende Texturen und Pop-Ups sind zwar insbesondere auf der leistungsstarken Xbox One X ein kleines Ärgernis, stören den Spielfluss aber nur marginal. Einzig die längeren Ladezeiten, die ihr nach eurem Ableben in Kauf nehmen müsst, sowie die stellenweise dümmliche KI nagen unnötigerweise am eigenen Geduldsfaden.

Mafia: Definitive Edition - [PlayStation 4]
  • Lost Heaven, 1930. In einer schicksalhaften Nacht gerät der hart arbeitende Taxifahrer Tommy Angelo in Kontakt mit der italienischen Mafia und erhält einen Blick in eine Welt, die unmöglich zu ignorierende Belohnungen verspricht. Ein geliebter Klassiker, originalgetreu neu erschaffen und erweitert
  • VORBESTELLER-BONUSPACK: Das Chicago-Outfit-Paket (enthält: die Smith V12 Limousine, eine goldene Halbautomatikpistole in Form eines Waffenskins und das Outfit "Der Don")
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 18 Jahren

 

Positiv:

Spannende Storyline
Abwechslungsreiche Missionen
Wunderschöne Neuinterpretation von Lost Heaven
Gelungene Atmosphäre der 1930er Jahre
Schicke Reflektionen und Beleuchtungsmodell
Verschiedene Schwierigkeitsgrade

Negativ:

Lange Ladezeiten
Nachladende Texturen und Pop-Ins
Seichte Gameplay-Kost ohne nennenswerten Tiefgang
  • Mafia: Definitive Edition
    “Hangar 13 hat den Serienerstling Mafia an den richtigen und vor allem relevanten Stellen angepackt: Die Definitive Edition ist eine respektvolle Umsetzung, die das Original in angemessenem Maße würdigt, aber gleichsam um genügend Komfortfunktionen erweitert und sogar kleinere Versäumnisse wiedergutmacht. Dennoch merkt man dem Titel die 18 Jahre, die er auf dem Buckel hat, bisweilen deutlich an. Reduzierte Gameplayabschnitte, ein veraltetes Leveldesign und wenig Freiheiten sind auch im Jahr 2020 keine erstrebenswerten Designentscheidungen mehr. Nichtsdestotrotz gelingt 2K Games mit der Mafia: Definitive Edition eine kleine Liebeserklärung an das Original und damit eines der wohl aktuell besten Mafia-Spiele auf dem Markt. Ein wenig Träumerei sei an dieser Stelle dann noch erlaubt: Nach dieser gelungenen Umsetzung wären die Wege doch bestens geebnet für einen vollwertigen vierten Serienteil, oder?”
    Yvonne Engelhardt, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Fans von Tony Montana, Don Vito Corleone und Co. dürfen sich diese spielerische Umsetzung eines Mafia-Epos nicht entgehen lassen. Die Definitive Edition bietet eine schöne Auffrischung für alteingesessene Spieler und die aktuell beste Möglichkeit für Neulinge diesen Klassiker nachzuholen.

Yvonne Engelhardt
Geschrieben von
findet irgendwann alle 7 Dragonballs.

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