Madden NFL 15 – Review zum Football-Ereignis des Jahres

Wie in jedem Jahr eröffnet Madden die neue Sportspiel-Saison von Electronic Arts. Doch nachdem im letzten Jahr ein nicht so guter Teil, auch auf den neuen Konsolen, Platz fand, war die Erwartung in diesem Jahr natürlich umso größer, dass Madden NFL 15 dieses Mal etwas mehr als nur eine Portierung bietet. Schluss also mit den Ergebnissen! EA räumt mit dem neusten Madden NFL 15 endlich die Fehler auf und kann trotz fehlender deutschen Synchronisation überzeugen. Doch was hat uns so überzeugen können? Lest es in unserem Test.

 

Ich suche nach dem Rechteckigen…

Eines muss ich direkt vorweg einmal loswerden: Ich hatte vor dem Spielen von Madden NFL 15 keine Ahnung vom amerikanischen Football. Ich habe auch nach dem Spielen von Madden 15 nicht wirklich die Ahnung von den ganzen Spielern. Weiß nun aber in etwa, wie und vor allem, worum es in dieser Sportart geht. Das lag zum einen daran, dass mich das Spiel direkt in einen Super Bowl katapultierte. Im Januar 2015 stehen die Jungs auf einem frostigen Boden in North Carolina. Dort verpassen die Caroliner Panthers fast den Sieg und somit den Gewinn. Denn kurz vorm Abpfiff des letzten Viertels muss die Mannschaft gegen die Seattle Seahawks an den Start. Es bleiben nur noch eineinhalb Minuten, um den Touchdown hinzulegen und damit die letzten wichtigen Punkte einzusammeln. Ein echter Sprung ins kalte Wasser für jeden, der noch nicht einmal Football gesehen hat. Man wird nervös. Was soll man nun drücken? Was passiert, wenn man etwas falsches drückt. Doch genau hier beginnt nicht nur das Spiel, sondern auch die große Stärke des Spieles. Da leider eine deutsche Übersetzung komplett fehlt (sowohl in allen Menüs, als auch im kompletten Spielverlauf, sind alle Texte auf Englisch) macht Madden NFL 15 nur dann Sinn, wenn man Englisch kann oder Ahnung von Football hat. Dennoch bietet EA Sports hier eine gute Einführung, die nicht kompliziert ist, sondern die wesentlichen Schritte und Aktionen der Spieler darstellt. So konnte selbst ich den Panthers zum entschiedenen Sieg verhelfen. Die unzähligen Drills und die Technik hinter den Spielzügen werden dabei spielerisch in verschiedenen Tutorial-Missionen erklärt. Dabei lernen Neulinge worauf man bei einem Angriff oder bei der Verteidigung zu achten hat. Auf den ersten Blick sieht das zwar sehr trocken aus, macht im Spielverlauf aber eine Menge Spaß. Das erlernte Wissen kann dann im neuen “Gauntlet-Modus” abgefragt und noch einmal getestet werden. Dabei müssen unterschiedliche Drills zufällig und durcheinander absolviert werden. Das geht so lange, bis man vier Fehlversuche hingelegt hat. Leider findet die Madden-Reihe in Deutschland nicht so die Beachtung, wie sie es in den USA erhält. Gespielt wird American Football auf einem ca. 110 Meter langen Feld (auch 120 Yards), wovon jeweils zehn Yards immer die Endzone bilden und der Rest das reguläre Spielfeld darstellt. Hinter jeder Endzone befindet sich ein knapp drei Meter hohes Tor, in das der Football bei einem Fieldgoal geschossen werden muss. Schafft die Mannschaft dies, gibt es drei Punkte. Schafft die Mannschaft die gegnerische Endzone zu betreten, gibt es dafür gleich sechs Punkte und die ganze Aktion nennt sich Touchdown. Es gibt vier Viertel mit je 15 Minuten Spielzeit. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt das Match und gegebenenfalls den Super Bowl. Das sollte für den Einstieg und für das virtuelle Footballspiel auch bei Neulinge erst einmal reichen.

Ein schonungsloser Kampf um den SuperBowl.

Ein schonungsloser Kampf um den Super Bowl.

 

Was hat sich denn verändert?

Das Training und die Einführung wurden auch für Anfänger angepasst. Doch neben dieser schönen Neuerung gibt es auch im Gameplay einige wichtige Veränderungen. Die Defensive wurde komplett überarbeitet und bietet eine neue Kameraperspektive, in der man direkt per Knopfdruck in das Geschehen einen Einblick erhält. Startet danach der gegnerische Zug, muss nur noch schnellstmöglich die rechte Schultertaste gedrückt werden und schon kämpfen wir uns durch die Leute zum Quarterback. Dabei ist es uns natürlich erlaubt, die Gegner zu tackeln und diese aufzuhalten oder mit unseren Spielern zu blockieren. Über die Intensität und Position des Tacklings entscheiden schließlich ebenfalls wir. In einer Art Quicktime-Event müssen wir uns gegen den Verteidiger durchsetzen. Im richtigen Moment müssen wir dann die entsprechende Taste drücken, damit die Chance größer wird, durch die Gegner zu huschen. Denn das Verhalten der KI ist nun deutlich logischer und somit auch strategischer, als noch im Vorgänger. Das Ultimate Team findet auch in Madden wieder Platz. Wie in jedem Sport-Franchise von EA öffnet man Booster-Packungen, in denen verschiedene Spieler, Arenen, Trainer oder sonstige Sammelgegenstände stecken. Je höher und je mehr man von solchen Packungen hat, desto erfolgreicher wird man gegen andere Spieler auf der Welt. Mit seinen eigenen Karten erstellt man dann sein ultimatives Team und kann so Online um den Super Bowl antreten. Riesen Nachteil: Es ist sehr verlockend sich mit echtem Geld neue Booster zu erwerben und so Electronic Arts noch einmal etwas Geld zu geben, nur um der beste Spieler auf dem Planeten zu sein. Dies ist leider nicht die feine englische Art, beliebt bei den Fans ist dieser Modus aber dennoch. Wer nicht unbedingt der Football-König werden möchte, kann auch in diversen Offline-Aufgaben und wöchentlich wechselnden Zielen seine Mannschaft trainieren. Das Ultimate Team war trotz der Mikro-Transaktionen noch nie so motivierend wie im neusten Ableger. Wie auch bei FIFA, gibt es einen Karriere-Modus, indem man sich in die Rolle eines bestimmten Spielers, Coach oder Managers begibt und so versucht sein Team zum Sieg zu verhelfen und die Hall of Fame zu erreichen. Die Spieler-Karriere zeigt leider keine großen Neuerungen und ist ähnlich langweilig, wie der Modus aus FIFA. Man springt von Spiel zu Spiel, darf keine Interviews nach den Spielen führen und kann neben den Spielen höchstens mal beim Training erscheinen. Hier fehlt es leider noch an Abwechslung, welche die Langzeitmotivation am Leben erhält. Wem das offline und alleine dann doch zu langweilig wird, kann die Karriere auch online spielen.

Unser Ziel ist erreicht: Wir sind die Könige im Football.

Unser Ziel ist erreicht: Wir sind die Könige im Football.

 

Schön – Next-Gen – Madden!

Im Vergleich zum direkten Vorgänger hat sich technisch auch noch einmal etwas getan. Besonders das Umfeld hat sich stark verbessert. So flackern die Zuschauerreihen nicht mehr und die Kamerafahrten über den Rasen und das Spielfeld sind nun so detailliert, dass man sogar die kompletten Halme erkennen kann. Sogar bei den verschiedenen Witterungsbedingungen sieht man den Schweiß oder den Atem in der Kälte. Genau sowas möchten wir gerne auch in anderen Spielen öfters mal sehen. Doch leider hat sich abseits des Rasens nicht so viel getan, wie auf dem Spielfeld. Die Kamerateams und Figuren am Rand sehen nämlich vom Gesicht her sehr identisch und oftmals einfach zu gleich aus. Auch die Linienrichter, Fotografen und Zuschauer auf dem Trainigsgelände bekamen leider nicht das gewünschte Next-Gen-Update. Doch damit hat ja leider noch immer fast jedes EA-Sports Spiel zu kämpfen. Man merkt dem Spiel allerdings trotzdem an, dass der Fokus bei der Entwicklung eindeutig auf der PlayStation 4 und Xbox One Version lag. Besonders die Ignite-Engine zeigt zum ersten Mal wirklich, was sie so zu bieten hat und macht aus einer in Deutschland noch recht “unbekannten” Sportart, einen wirklichen Hingucker für alle Next-Gen-Besitzer. Zwar wirken einige Szenen innerhalb eines Matches noch nicht so ganz ausgereift, dennoch ist die komplette Kulisse extrem gut gestaltet und bietet neben einer tollen Optik auch noch genial aussehende Spieler. Zum ersten Mal, dass der Trailer hält was er versprach. Die Gesichter wirken realistischer als jemals zuvor und werden zudem noch in einer TV-artigen Präsentation vor jedem Spiel gezeigt. Auch die Kommentatoren sind recht nett gestaltet, wiederholen ihre Sätze dann aber doch ein wenig oft. Vor allem gelungen sind die Fangesänge, welche nun auch die Freunde auf dem Sofa mitreißen. Letzten Endes könnte die Physik zwar noch etwas optimiert werden, dennoch weiß sie aber zu überzeugen. Das aktuell hübscheste Sportspiel für die PlayStation 4 ist eindeutig Madden 15.

Selbst bei Schnee und eisigen Temperaturen sieht das Spiel grandios aus.

Selbst bei Schnee und eisigen Temperaturen sieht das Spiel grandios aus.

 

Fazit:

EA hat mit Madden 15 bewiesen, dass sie es auch nach einem nicht so guten Next-Gen Ableger, immer noch können: den Football auf die Konsolen zu bringen. Zwar gibt es keine deutsche Sprachausgabe, dennoch kann man sich, dank eines ausführlichen Tutorials, auch nach ein paar Runden schnell an das Spielprinzip gewöhnen. Der grafisch, sowie spielerische Aspekt wurde dabei nicht vernachlässigt und weiß auf der neuen Konsole ebenfalls zu überzeugen. Lediglich die wenigen Animationsfehler und die Mikro-Transaktionen hätten nicht sein müssen. Wer mal den großen Sport aus Amerika ausprobieren möchte, kommt um Madden NFL 15 einfach nicht drum herum. Nächstes Jahr dann bitte nur noch auf Deutsch veröffentlichen EA!

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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