Lock’s Quest – Test zum Taktik-RPG-Aufbau-Strategie-Tower-Defense-Mix

THQ Nordic ist derzeit voll im Re-Releasefieber. Darksiders, Saints Row und weitere bekannte Reihen werden in neuen Versionen erneut veröffentlicht. Dass dabei auch ein eher unbekannter DS-Titel nicht zu kurz kommt, kann man THQ hoch anrechnen. Lock’s Quest war auf dem Nintendo DS ein kleines aber feines Taktik-RPG, welches nun auch auf PC und Konsolen spielbar ist und eventuell eine etwas größere Reichweite erhält. Und ob diese Version des ambitionierten Tower Defense-Titels lohnenswert ist, verraten wir euch in diesem Test.

 

Von der Rettung der Schwester zur Rettung der Welt

Der namensgebende Protagonist Lock ist ein aufgeweckter Teenager, der mit seinem Großvater und seiner kleinen Schwester in einem beschaulichen Küstendorf lebt. Und so beschaulich dieser Ort auch sein mag, stellt sich Locks Welt schnell auf den Kopf, als Lord Qual seine Uhrwerksoldaten schickt, um es dem Erdboden gleichzumachen. Er sinnt auf Rache, denn das Königreich, bei dessen Erschaffung er mitgeholfen hat, verbannte ihn einst. Doch anfangs ist diese Bedrohung Locks kleinste Sorge, denn zu all dem Unglück wird auch noch seine Schwester Emi entführt. Und so macht er sich auf, die Roboterarmee zu vertreiben und seine Familie zu retten. Und dabei, wie sollte es auch anders sein, stolpert er in einen Krieg, der eigentlich viel zu groß für ihn ist und den ganzen Kontinent bedroht. Aber das wollte Lock schon immer: Eine Gelegenheit, seine Fähigkeiten als Archineur (Clever, eine Mischung aus Architekt und Ingenieur) unter Beweis zu stellen. Die Story ist wirklich clever, auch wenn sie tief in die Klischeekiste greift. Einziges Manko sind die teils wirklich sehr plumpen Dialoge, die wohl dem Ursprung der DS-Version geschuldet sind. Aber selbst auf dem DS gab es einige Rollenspiele, die sehr tiefgründige und vernünftige Dialoge hervorgebracht haben, doch in dieser Schiene versagt Lock’s Quest ein wenig.

Wenn die Schwester entführt wird, wissen wir spätestens seit Wind Waker, dass große Brüder alles für die Rettung tun

 

Der beste Mauerbauer der Welt

Eure Aufgabe in diesem Mix aus Taktik-RPG, Tower Defense und Aufbau-Strategie ist eigentlich recht simpel: Baut eine undurchdringliche Verteidigung aus Mauern, Kanonen und Fallen, sodass die attackierenden Roboter nicht eure Basis zerstören können. Zu Beginn jeder Runde habt ihr 2 Minuten Zeit und startet mit einem euch zuvor erarbeitetem Budget, um die Verteidigung zu errichten. Dies funktioniert wie ein klassisches Aufbauspiel, ihr wählt ein Objekt, richtet es aus und platziert es schließlich. Wenn ihr mit eurem Aufbau zufrieden seid oder euch das Budget ausgegangen ist, startet ihr die Runde. Jetzt heißt es, für eine gewisse Zeit die angreifenden Gegnerwellen zu besiegen. Eure Kanonen tun ihr übriges, aber auch Lock selbst kann in den Kampf ziehen. Und während eure Verteidigungsmechanismen greifen, müsst ihr nicht nur die Gegner angreifen, sondern auch Reparaturen vornehmen. Ist eine Runde erfolgreich, seid ihr wieder in der Bauphase, wo ihr das von euren Gegnern fallengelassene Geld für neue Objekte ausgebt und die nächste Runde startet. Anders als in anderen Tower Defense-Spielen lehnt ihr euch nicht zurück und wartet, dass eure gebauten Türme alles plattmachen, ihr zieht auch selbst in den Krieg. Wenn ihr einen Gegner angreift, könnt ihr mit Quick Time Events etwas mehr Schaden anrichten. Dazu müsst ihr eine Reihe von Zahlen in der richtigen Reihenfolge antippen oder, wenn ihr mit dem Controller spielt, die richtigen Tasten drücken. Mit der Maus ist diese Steuerung insgesamt etwas frickelig. Nicht selten verklickt ihr euch, weil das Spiel die richtige Eingabe nicht rechtzeitig registriert. Auch Reparaturen profitieren von Quick Time Events. Hier müsst ihr einen Hebel hin und her hieven, um das Objekt schneller zu reparieren. Neben euren Fäusten stehen euch weiterhin einige magische Fähigkeiten zur Seite. Hier gilt es, die goldene Mitte zu finden. Wann greife ich einen Gegner an? Wann benutze in den nächsten Zauberspruch? Wann lasse ich einfach meine Kanonen die Arbeit machen? Das Spiel hält euch immer auf Achse, und wer den Überblick verliert, wird schnell überrannt. Es werden immer wieder neue Aspekte vorgestellt, die euch auf Trab halten sollen. Mal kämpft ihr in engen Räumen, ein anderes Mal in einem offenen Feld. Manchmal müsst ihr komplett alleine kämpfen, ohne Türme zur Hilfe zu haben, oder ihr habt an anderen Stellen ein so dermaßen großes Arsenal an Waffen und Magie, dass ihr gar nicht verlieren könnt. Was dem ganzen leider einen Dämpfer verpasst, ist der mangelnde Rollenspielaspekt. Während Lock’s Quest euch vom Look und Feeling her zwar ein kleines RPG verspricht, sind genretypische Features nicht vorhanden. Ihr könnt euch keine neuen Waffen oder Fähigkeiten kaufen oder sie upgraden, alles wird euch im Laufe der Geschichte zugeschoben. Das ein oder andere Objekt in eurem Arsenal könnt ihr euch selbst verdienen, weil ihr euch ein bisschen Kohle angespart habt. Dies gibt in Rollenspielen dieses eigentliche Gefühl der Belohnung. Dieses Gefühl schwindet ein wenig, wenn euch das Spiel alles in den Rachen stopft, weil ihr jetzt gerade an einer bestimmten Stelle der Story angelangt seid.

Planung ist das A und O einer guten Verteidigung

 

Upgrade oder Downgrade?

Einen DS-Titel auf Konsolen und den PC zu porten kann einige Risiken mit sich bringen. Technische Mängel einer Handheldversion werden offensichtlich, wenn man sie auf einer größeren Skala betrachtet. Dazu zählen nicht nur die frickelige Steuerung oder das minimalistische Storytelling, sondern auch Momente, welche durch die ursprüngliche Hardware zurückgehalten wurden. So gibt es nicht wirklich viele unterschiedliche Karten, Abwechslung in den Hintergründen ist also Mangelware. Auch gibt es unzählige technische Probleme, die vor allem in der PC-Version aufgetaucht sind und somit nicht unbedingt auf den DS-Ursprung zurückzuführen sind. Gegner, die in der Wand stecken bleiben, ein kompletter Absturz des Spiels und Hardfreezes, welche zum manuellen Beenden mittels Strg+Alt+Entf führten. Lock’s Quest bietet leider eine Menge Schwierigkeiten und wartet verzweifelt auf einen Patch. Sehr gut von der DS-Version umgesetzt ist hingegen die Grafik. Die Pixeloptik, die eben einem DS-Spiel entspricht, versprühte auch als PC-Version einen charmanten Retro-Charme, welche dem Spiel einfach nur gut tut. Auch wenn es nicht so viele unterschiedliche Maps gibt, so sehen sie dennoch sehr gut aus, ebenso die Charaktermodelle. Und dies will schon was heißen, wenn man bedenkt, dass die DS-Version von Lock’s Quest bereits 9 Jahre alt ist.

 

Positiv:

Interessante Geschichte trotz klischeebeladenem Aufhänger
Mischung aus vielen unterschiedlichen Gameplayelementen
Viele verschiedene Waffen, Zauber, Gegner uvm.
Gelungener DS-Port
Optik des DS-Titels sehr gut für die großen Plattformen umgesetzt

Negativ:

Dialoge teils recht plump
Nicht sehr große Vielfalt an Maps
Steuerung teilweise frickelig
Viele technische und dennoch leicht auszumerzende Schwierigkeiten
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58910″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Maarten Cherek, Redakteur”]

“Der PC- und Konsolenport von Lock’s Quest weist einige Probleme auf, welche größtenteils auf der technischen Seite liegen. Story- und gameplaytechnisch haben wir trotzdessen ein sehr interessantes Crossover aus Taktik-RPG, Aufbau-Strategie und Tower Defense, welches euch ein wenig Zeit stehlen kann. Fans der DS-Version sollten sich überlegen, ob sich dieser Port für sie lohnt, aber Neulinge können sich das Teil durchaus mal anschauen, es hat definitiv diesen Suchtfaktor, dieses „Ich muss einfach weiterspielen“-Feeling. Lock’s Quest ist auf alle Fälle ein Spiel, welches ein größeres Publikum verdient hat und bekommt mit den Versionen auf Konsolen und Steam jetzt diese Chance.”

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Vom DS auf den PC?

Wer noch eine funktionierende DS-Version von Lock’s Quest hat, braucht keinen Port. Wer diesen Titel noch nicht ausprobiert hat oder keinen DS besitzt, sollte es für einen kurzweiligen Spaß mal in Erwägung ziehen.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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