Legend of Kay: Anniversary – Review zur neugeborenen Katze

Nordic Games arbeiten derzeit mit Gothic-Schöpfer Piranha Bytes an deren neuen Titel Elex mit. 2005 veröffentlichte das eher unbekannte, schwedische Entwicklerstudio mit Legend of Kay ein etwas untergegangenes Action-Adventure für die PS2. Nun, 10 Jahre später, erscheint die Anniversary-Edition von ebenjenem Action-Adventure. Wir verraten euch, ob Legend of Kay auch noch 10 Jahre nach Erscheinen des Originals mithalten kann oder ins Katzenklo gehört.

 

…doch dann erklärte uns die Feuernation…ähm die Gorillas den Krieg

In der mystischen Welt Yenching lebten Katzen, Hasen, Frösche und Pandas in Harmonie zusammen. Aufgrund der allübergreifenden Philosophie vom „dem Weg“ herrscht Frieden. Doch mit jeder neuen Generation schwand der Glauben an den Weg immer mehr, und die Gorillas und Ratten ergriffen die Macht im Land. Angeführt werden sie vom Gorillageneral Shun und Rattenalchemist Tak. Gemeinsam unterdrücken sie die restlichen Tiere in der Welt, so auch das Katzendorf von Protagonist Kay. Der aufmüpfige Kater glaubt natürlich auch nicht an den Weg, er stählt lieber seine physikalischen Fähigkeiten. Im Dojo seines Meisters erlernt er die Kunst mit dem Schwert, bis die Ratten und auch der Katzenbürgermeister erklären, dass es geschlossen werden muss. Sauer, dass sein Meister dies zulässt und sich nicht gegen das Regime der Gorillas und Ratten wehrt, ergreift er das Schwert seines Meisters und macht sich auf den Weg, um Shun und Tak zu stürzen und Frieden in sein Dorf und auch ins Land zu bringen. Das alles folgt natürlich dem altbewährten Storyklischee „Großmacht erobert das Land und regiert mit eiserner Hand, und nur der Hauptheld kann den bösen Oberfiesling stürzen und sein Land retten“, wird aber sehr charmant erzählt und in schönem Comicstil dargestellt, auch wenn die in den Zwischensequenzen nur unbewegten Comicpanels nicht jedermanns Sache sein werden. So klischeebehaftet, wie die Story ist, ist auch nichts von den Charakteren zu erwarten, die ihr im Laufe der Geschichte trefft.Von lispelnden Hasen bis zu französisch sprechenden Fröschen, diese Figuren bleiben nicht wirklich im Gedächtnis. Nur ab und zu trifft man auf einen Charakter, der ein wenig aus der Allgemeinheit heraussticht, wie zum Beispiel einen roten Drachen mit amerikanischem Akzent. Ansonsten bleiben die Charaktere größtenteils blass.

Kay, der Kammerjäger

Kay, der Kammerjäger

 

Der Weg der verkorksten Kamera

Legend of Kay ist ein typisches 3rd-Person-Action-Adventure. Ihr rennt und hüpft durch die Welt, löst Rätsel, bestreitet Kämpfe und sammelt Items, die euch bei ebenjenen Kämpfen und Rätseln weiterhelfen. Arbeiten wir diese typischen Action-Adventure Aspekte doch mal ab und schauen, wie Kay sie handhabt. Zuerst also das Rennen und hüpfen. Diese machen einen sehr großen Teil von Legend of Kay aus. An der Steuerung hapert es zunächst einmal nicht, Kay steuert sich wirklich gut, und die Sprünge und Doppelsprünge sind gut ausführbar. Das große Problem, nicht nur für die Jump’n’Run-Passagen, ist hier die Kamera. Sie zoomt oft zu nah heran, lässt sich nicht groß nach oben und unten bewegen, eine Ego-Ansicht, wie es zum Beispiel in Zelda eine hilfreiche Funktion ist, fehlt auch. So fällt man sehr oft ins Leere und landet nicht auf der Plattform, die das eigentliche Ziel war. Was da auch nicht hilft, ist eine Minimap, die man sich nicht genauer anschauen kann. Bei den Hüpfpassagen ist das jetzt nicht so wild, doch beim Navigieren durch die Level fehlt einem ab und an die Orientierung, wo eine vollwertige Karte schon wünschenswert gewesen wäre. Eine weitere Kamerafunktion, die Zelda eingeführt hat und eigentlich in jedem Action-Adventure gang und gäbe sein sollte, ist eine Anvisierfunktion. Da kommen wir also zu den Kampfpassagen, in denen diese Funktion wirklich nützlich gewesen wäre. Die Kamera macht einem hier nicht so einen großen Strich durch die Rechnung wie bei den Hüpfpassagen, doch in die eine oder andere Bredouille kommt man hier aufgrund der schlechten Kameraführung trotzdem. Doch das gute Kampfsystem macht die Sache schnell wieder wett. Kay kann Schwertschläge aneinanderreihen, um den Gegnern, darunter Ratten, an die Ninja Turtles erinnernde Schildkröten und Krokodilen auf die Mütze zu geben. Dazu gibt es Attacken aus der Luft, Rollen aus der Deckung, Stichattacken und magische Blitzangriffe. Ihr seht also, Kay weiß sich schon zu helfen, wenn es um das Kämpfen geht.

Die Hüpfereien werden durch die Kamera unnötig verkompliziert

Die Hüpfereien werden durch die Kamera unnötig verkompliziert

 

Die weise Katze

Um die Kämpfe noch vielfältiger zu machen, findet Kay im Laufe des Spiels noch neue Ausrüstungsgegenstände und Waffen wie zum Beispiel die Klauen, die gegen ungepanzerte Gegner eingesetzt werden können, eine Rüstung, die fünf zusätzliche Schläge einstecken kann und diverse Tränke, die Energie auffüllen, Kay stärker machen oder Bienen zur Hilfe rufen. Viele solcher Sachen findet ihr in mehr oder weniger versteckten Kisten, viele Sachen, wie die neuen Waffen zum Beispiel, könnt ihr nur durch das Lösen von Rätseln finden. Dazu zählt am häufigsten das Finden von versteckten Katzenstatuen. Ab und zu gibt es ein kleines Rennminispiel, in welchem ihr euch auf einem Wildschwein durch einen Parcours bewegt, an dessen Ende sich immer eine Belohnung befindet. Ebenfalls oft eingesetzt werden Zhongs, kleine Totemfiguren, die ihr zerstört und somit zum nächsten Zhong fliegen könnt. So könnt ihr auch weite Abgründe überqueren. Anspruchsvoll sind solche Rätsel nicht besonders, es geht viel mehr darum, die Ortschaften zu finden, an denen diese Gegenstände versteckt sind. Da schickt es sich an, die Wände zu untersuchen, manche Stellen sind brüchig. Oder aber ihr schickt Kay ins Wasser. Doch beeilt euch dabei, lange kann er nicht schwimmen, da bedient er das Klischee, dass Katzen Wasser nicht ausstehen können. Übergreifend kann man sagen, dass die Rätsel nicht besonders rätsellastig sind, sondern eher eine „Wer sucht, der findet“ Angelegenheit. Dabei solltet ihr auch genau darauf achten, dass ihr in jedem Kapitel alles findet. Denn wenn ihr einen Gebietsabschnitt abschließt und diesen verlasst, so kommt ihr nie wieder dorthin zurück. Diesbezüglich ist Legend of Kay sehr linear, speichern tut das Spiel automatisch, sodass ihr euch auch keinen Sicherheitsspielstand erstellen könnt, solltet ihr etwas verpasst haben. Zu sammeln gibt es neben den eben erwähnten Gegenständen übrigens auch Kristalle, die euch eine Punktzahl einbringen. Diese ist nur wirklich für diejenigen wichtig, die Extras wie Artwork, Charaktermodelle oder Soundtracks freischalten möchten.

Eine von vielen Katzenstatuen

Eine von vielen Katzenstatuen

 

Alte Katze in neuem Gewand

Wie es sich für eine gute Anniversary-Edition gehört, wurde die Grafik von Legend of Kay gründlich überholt. Der knuffige Comic-Look des Originals wurde beibehalten, doch die Grafik erstrahlt in neuem Gewand. Um einen weiteren Vergleich mit Zelda zu ziehen, ähnlich wie in der HD-Edition von Wind Waker scheinen die Farben in Kay regelrecht zu leuchten. Auch wenn die Charaktere wie bereits erwähnt keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen, ihre Mimik ist nicht immer schlecht. Besonders Kay hat eine gute Animation, nicht nur im Gesichtsbereich. Man merkt zwar teilweise, dass das Spiel 10 Jahre alt ist, nichtsdestotrotz ist es schön anzusehen. Auch schön anzuhören ist Legend of Kay. Da die Geschichte von asiatischem Stil angehaucht ist, ist auch der Soundtrack schön asiatisch klingend. Ebenfalls noch zu erwähnen ist die sympathische Synchro, die jedem Charakter eine passende Stimme verleiht.

Schön festkrallen

Schön festkrallen

 

Fazit:

Legend of Kay ist ein schönes Action-Adventure, besonders für jüngere Spieler. Die Kämpfe gehen gut von der Hand, und auch die Navigation durch die Level würde perfekt funktionieren, wäre da nicht die schlechte Kameraführung. Die Story ist zwar nicht besonders innovativ, doch sehr sympathisch erzählt. An das große „Legend of“ der Spieleszene kommt Kay natürlich nicht heran, dennoch ist es für Fans des Genres definitiv einen Blick wert.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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