Layers of Fear – Test zum durchgedrehten Künstlerhaus

Das Verhalten von Künstlern lässt sich durch alle Epochen hinweg als, nun, sagen wir mal…. nicht immer nachvollziehbar erklären: Da wäre zum Beispiel Van Gogh, der sich ein Ohr abschnitt, oder Joseph Beuys, der eine Badewanne mit Kot vollschmierte. In Layers of Fear spielen wir einen eben erwähnten, verrückten Künstler, der den Bezug zur Realität verloren zu haben scheint und sein soziales Leben völlig außer Acht lässt. Während des Spiels erfahren wir immer mehr über sein früheres Leben, als er es noch zu genießen schien. Wird diese Geschichte über den manischen Künstler durch billige Jumpscares zunichtegemacht? Oder erleben wir ein Spiel, das gruseligen Horror und die Emotionen des Künstlers gut miteinander kombinieren kann? Das erfahrt ihr in unserem Test!

 

Was, wenn du scheiterst?

Wir betreten ein altes Haus, ohne auch nur irgendwie in die Geschichte hinein geführt zu werden. An kleinen Zetteln, Briefen und Botschaften hangeln wir uns während des Spiels an der Geschichte entlang und erfahren so immer mehr über die eigentliche Hintergrundgeschichte des Spiels. So beginnen wir nun ahnungslos, das Haus nach irgendetwas Interessantem abzusuchen. Schnell fällt uns das Atelier in den Blick, welches mit einem Schlüssel abgeschlossen wurde. Diesen müssen wir zunächst einmal durch wildes Schubladen durchstöbern zutage fördern. Einmal gefunden blicken wir auf die Staffelei und betrachten unser unfertiges Werk – ab da beginnt der Wahnsinn. Anstatt wieder im Foyer des Hauses zu landen, finden wir uns in einem völlig anderen Raum wieder. Und so führt der Weg durch das Haus zu immer wieder fremden Zimmern, die wir nach Hinweisen zu unserer Vergangenheit absuchen können und die uns immer mehr über uns selbst und unsere Familie offenbart. Wirklich schade dabei: die kurze Spieldauer. Je nachdem, wie tief ihr in der Persönlichkeit und den Schubladen des Hauses wühlt, beträgt eure Spielzeit maximal 5 Stunden. Doch diese 5 Stunden waren mit einer düsteren Dramatik gespickt, die einem gerne Mal die kurze Spielzeit verzeihen lässt.

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Immer wieder haben wir Angst, zu versagen

 

Im Haus wohnt der Horror

Ein wichtiges Element bei Layers of Fear: die Schockmomente. Dabei wirkt keiner der gruseligen Effekte billig und uns begegnet immer eine neue Art des Horros. So blickt ihr zum Beispiel in einem gemütlichen Kaminzimmer auf ein Gemälde, das aus einer Kinderpuppe besteht, die merkwürdig an die Wand drapiert wurde. Beim Anblick des Gemäldes stürzen wir in einen Keller, in dem uns ein riesiges Gemälde eines älteren Herrn zu verfolgen scheint. Wieder im Kaminzimmer angekommen, hängt eben jenes Gemälde des Herrn an der Stelle der Kinderpuppe. Wo diese abgeblieben ist? Aufgespießt auf dem Geweih des Hirschkopfes, der über dem Kamin prangt. In Layers of Fear wird mit visuellen Effekten nicht gegeizt und viel mit Licht und Schatten gespielt. Auch die räumliche Orientierung werdet ihr bei diesem Spiel völlig verlieren und werdet euren Ohren noch euren Augen trauen. Natürlich finden sich im Spiel auch Jump-Scares wieder, doch es wird nicht explizit auf diese gesetzt (wie in manch anderen billigen Horrorspielen), sondern auch die stillen Momente des Spiels lassen einen erschaudern. Generell ist der Mix aus lautem Erschrecken und ruhigen Pausen gut gelungen und bringt stimmungstechnisch den Horror des Spiels rüber, den es verbreiten möchte.

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Die Schockmomente werden auch durch Stifte hervorgerufen

 

Von Level zu Level

Während des Spiels fallen einem allerdings viele Sachen ins Auge, die man hätte näher erkunden wollen, dazu aber gar keine Möglichkeit hat: Viele Dinge in den Räumen sind einfach unnütz und sollen somit den Spieler zur eigentlichen Sache des Raumes führen. Heißt: Ihr habt keine Möglichkeit, das Haus frei zu erkunden, sondern werdet vom Spiel von Raum zu Raum geführt. Schade, da man in diesem riesigen Haus viel zu entdecken hätte. Der lineare Spielablauf wird durch die simple Steuerung nicht ausgeglichen: Ihr habt lediglich die Möglichkeit, euch mit WASD fortzubewegen und mit der Maus einige Objekte zu bewegen (Türen öffnen, Zahlenschlösser knacken…), was aber keine große Kunst erfordert. Auf Dauer doch ganz schön ermüdend. Hinzu kommt, dass die Framerate des Spiels alles andere als stabil ist. So schaut ihr euch in einem Zimmer um und alles um euch rum spielt sich nur noch als Diashow ab. Unpassend, wenn gerade dann ein Schockmoment einsetzen sollte und ihr von diesem dank der Ruckler im Spiel nichts mitbekommt. Nicht ganz nachvollziehbar, da das Haus zwar detailreich gestaltet ist, aber an grafischer Tiefe noch viel mehr drin gewesen wäre. Auch das ständige Kantenflimmern nervt nach einer gewissen Zeit des Spielens und holt einen ab und an doch wieder aus der erzählerischen Tiefe des Spiels hinaus.

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Wirkt zunächst friedlich, oder nicht?

 

Fazit:

Mit Layers of Fear ist dem Bloober Team ein wirklich grandioses Horrorspiel gelungen, dass mit der menschlichen Psyche spielt und Schockmomente gekonnt einsetzen kann. Gerade das Setting eines alten Herrenhauses ist als Kulisse wirklich gut gelungen. Man ist schnell im Spiel vertieft und möchte die Abgründe der Schizophrenie und anderer diverser psychischer Krankheiten des Protagonisten erkunden. Holprig dabei wird es allerdings durch Einbrüche der Bildrate, dem schlauchartig aufgebauten Spielablauf und der deutlich zu kurzen Spielzeit. Auch das Spielprinzip an sich könnte optimiert werden, da man ewig nur nach Hinweisen suchen muss und keine Rätsel aufbekommt, die es zu lösen gilt. Da das Spiel aber zum Nachdenken anregen soll und wirklich meisterhaft mit düsteren Elementen spielt, kann ich Layers of Fear jedem ans Herz legen, der nicht nur ein billiger Abklatsch eines Horrorgames spielen möchte.

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Geschrieben von Jasmin Beverungen
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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