Last Day of June – Test zur dramatischen Liebesgeschichte

Neben den vielen Triple A Titeln, die die Spielergemeinschaft seit der gamescom überfluten, sind es besonders die kleinen Indie-Perlen, die die Spieler auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Zu diesen Titeln zählt auch Last Day of June, in dem ihr einen geliebten Menschen retten müsst und dabei eine dramatische Geschichte erlebt. Ob uns am Ende ein paar Tränchen entfleucht sind, könnt ihr in folgendem Test nachlesen.

 

Malerische Umgebung

Zu Beginn des Titels wird uns ein Pärchen vorgestellt, das zunächst glücklich am See sitzt und dann durch ein plötzliches Gewitter schnell den Nachhauseweg im Auto antritt. Die Figuren in Last Day of June haben weder Namen noch ein einprägsames Aussehen. Die Gesichtsmerkmale fehlen komplett, lediglich Augenhöhlen und eine Nase deuten an dem viel zu großen Kopf auf ein menschliches Wesen hin. Auch die Sprache der Figuren sind mehr Laute als eine uns bekannte Sprache. Doch dafür lenken die Figuren nicht von der prachtvollen Umgebung ab. Die Szenerie wirkt sehr atmosphärisch und man fühlt sich an einem kalten Herbstabend an den luftigen See versetzt. Die Akustik setzt sich durch Geigenmusik, raschelnde Blätter und ein Windrauschen hervor und schmieg sich super an die Optik des Spiels ran. Der Hintergrund ist stets verschwommen, damit der Fokus auf dem Geschehen ruht. Die Grafik an sich wirkt besonders dadurch kunstvoll, dass das Spiel wie gemalt aussieht. So lassen sich Pinselstriche oder punktuell gesetzte Akzente in der Umgebung erkennen. Ein wenig hat mich die Grafik an Claude Monets Seerosenbilder erinnert. Auch die Effekte sind wirklich realitätsnah, so habt ihr Schatteneffekte auf der Glatze des Mannes oder Wasserspritzer, wenn ihr euch durch Pfützen bewegt.

Wer würde hier nicht gerne einen Ausflug machen?

 

Das tragische Schicksal Junes

Das Spielprinzip ist relativ einfach. Ihr lauft herum, interagiert mit einigen wenigen Gegenständen und löst so relativ leichte Rätsel. Welche Taste ihr stets drücken müsst, wird euch auf dem Bildschirm vorgegeben. Dabei wechseln ab und zu die Perspektiven der Kamera, um immer einen guten Blick auf die Umgebung zu haben. Mit der Maus lässt sich die Ansicht ändern, allerdings wirkt die Steuerung oft sehr unpräzise, da man sich nur in bestimmte Himmelsrichtungen bewegen kann. Des Weiteren spielen wir nicht nur die männliche Figur des Pärchens, sondern insgesamt sechs Charaktere, die alle zum Schicksal von June beitragen. Dabei steht das Ende der Geschichte schon fest, es ist also nicht möglich, ein anderes Ende durch irgendwelche Entscheidungen zu erleben. Ihr könnt einzig und alleine durch das Dorf schreiten, um Erinnerungen der einzelnen Dorfbewohner einzusammeln, die die tragischen Schicksale näher beleuchten. Doch auch hinter dem Pärchen steckt eine tragische Geschichte, die durch kleine leuchtende Standbilder der beiden erzählt wird. Das eigentliche Spielgeschehen findet in einem kleinen Dorf mit sechs Einwohnern statt, allerdings ist es hierbei schade, dass selbst dieses kleine Dorf nicht komplett begehbar ist und frei erkundet werden kann.

Kleine Rätsel peppen die Geschichte ein wenig auf

 

Der allgemeine Spielablauf

Der generelle Ablauf des Spieles: Ihr erwacht im Rollstuhl und eure liebste Gattin ist nicht mehr da. Ihr geht nach draußen, sammelt ein Bild eines Dorfbewohners ein und betretet das Gemälde aus Sicht des Dorfbewohners, der auf dem Bild abgebildet ist. Dabei erfahrt ihr, dass die jeweilige Person am Unfall beteiligt ist, durch den June ums Leben gekommen ist. Somit müsst ihr aus der Sicht des Dorfbewohners irgendetwas an eurem Handeln ändern, damit der Unfall nicht stattfindet. Doch habt ihr den Unfall verhindert, geht es auch schon zur nächsten Person über, denn June kommt nicht so leicht davon. Ihr erlebt deshalb immer und immer wieder den gleichen Tag von vorne, denn die Handlung eines Dorfbewohners beeinflusst auch die Handlung anderer. Ein Beispiel: Das kleine Kind spielt Fußball, rennt auf die Straße und verursacht so einen Autounfall. Deshalb versucht ihr, eine andere Beschäftigung für das Kind zu finden. Allerdings benötigt ihr dafür eine Schnur, die eine weitere Person für das Festbinden von Paketen braucht, damit diese nicht auf die Straße fallen und einen weiteren Unfall auslösen. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht! Zwar müsst ihr oft zwischen den Personen hin- und herwechseln, behaltet aber stets den Überblick über das Geschehen. Blöd ist nur, dass das Spiel selbst festlegt, wann gespeichert wird. Brecht ihr also mitten in einem Kapitel ab und startet das Spiel neu, fangt ihr von einem vorherigen Punkt an und könnt bereits gesehen Szenen nicht überspringen. Sowieso wiederholen sich die Sequenzen häufig, da ihr jedes Mal den gleichen Tag spielt, allerdings werden manche vom Spiel selbst übersprungen.

 

Positiv:

Eindrucksvolle Umgebung, die auch aus einem Gemälde stammen könnte
Stimmige Musik, die von Geigen über einem Klavier bis hin zu Gitarren reicht
Auch ansonsten tolle Akustik von der Natur und dem idyllischen Dorf
Dramatische Geschichten führen zu einem epischen Ende

Negativ:

Geringe Spielzeit von nur etwa zwei Stunden
Bereits gesehen Videosequenzen können nicht übersprungen werden
Unpräzise Bewegungssteuerung der Charaktere
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58908″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Jasmin Paskuda, Redakteurin”]

“Das Ende traf mich wie ein kalter Schlag. Während des Spieles arbeitet man die ganze Zeit darauf hin, dass June den Autounfall überlebt, doch das dramatische Ende kommt sehr unerwartet. Und ja, ein zwei Tränchen musste man sich schon verkneifen, denn durch die malerische Atmosphäre und die tragischen Schicksale saugt einen das Spiel förmlich in sich hinein. Leider war der Spielspaß bei mir schon nach zwei Stunden vorbei, was ich ein bisschen dürftig für den Preis von 20 € finde. Auch die Rätsel sind mehr Mittel zum Zweck, als dass sie wirklich fordern. Doch wer sich vom Preis nicht abschrecken lässt oder auf Angebote wartet, der sollte unbedingt einen Blick auf diesen Titel werfen. Denn der Spieler erlebt eine traurige Geschichte, die einem das Leben näher bringt und uns unsere Lieben mehr wertschätzen lässt.”

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Ab in die Sammlung?

Wer auf traurige Liebesgeschichten und eine entspannende Atmosphäre steht, macht mit diesem Titel nichts falsch.

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Geschrieben von Jasmin Beverungen
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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