Kritik: Witch Hunt

Mittelalterliche Methoden in erschreckend realistischer Neuzeit

Witch Hunt ist ein Horror-Thriller, indem es, wie der Name schon verrät, um Hexenjagd geht. Das Ganze spielt im Jahr 2020 in Nordamerika und zeigt nicht etwa böse Hexen, die gruselige Rituale durchführen. Stattdessen zeigt es die Bösartigkeit der Hexenjäger und der Bevölkerung auf, die sich diskriminierend mit der Minderheit auseinandersetzen. Regie führte Elle Callahan und als Schauspieler*innen mit dabei sind u.a. Elisabeth Mitchell aus The Purge und Abigail Cowen aus Stranger Things.

 

Die Story von Witch Hunt

Der Film dreht sich um die Teenagerin Claire. Sie lebt in einem fiktiven Amerika in der heutigen Zeit, in der es Hexen gibt, die ihre Magie allerdings nicht ausüben dürfen. Denn sie setzen sie nur dafür ein, um Böses zu tun. Zumindest ist das das Dogma der Gesellschaft. Bislang haben nur die USA Gesetze erlassen, die dazu berechtigen, Hexen zu töten, sobald sie Magie ausgeübt haben. Um aber beweisen zu können, dass sie wirklich Hexen sind, müssen sie vor Beamten des BWI – Bureau of Witchcraft Investigations – zaubern, was automatisch eine Straftat ist. Dann werden sie mit Salzkugeln erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannt.

Claire und ihre Mitschüler*innen halten das für richtig. Trotz ihrer Abneigung gegen Hexen muss Claire täglich mit ansehen, wie sich ihre Mutter für sie in Gefahr bringt. Sie bietet verfolgten Hexen Unterschlupf bei ihnen zuhause, bis ein Wasserlieferant kommt, um die “Lieferung” gegen neues Wasser auszutauschen. Dabei nimmt er die Hexen mit, um sie über die Grenze und eine riesige Mauer ins sichere Mexiko zu bringen. Anfangs geht alles gut, doch irgendwann fliegt Claires Mutter auf und gerät ins Visier des BWI. Zur selben Zeit kommen gerade die beiden Mädchen Fiona und Shae bei ihnen unter. Ihre Mutter wurde als Hexe verbrannt und ein neues Gesetz droht nun auch, Kinder einer Hexe töten zu wollen.

 

Unsere Kritik zu Witch Hunt

Die Szenerie des fiktiven Amerikas der Gegenwart weist erschreckende Parallelen zu Diskriminierungen und Vernichtungen von Minderheiten auf, die es bereits auf der ganzen Welt schon gab oder auch immer noch gibt. Witch Hunt hat damit eine überraschend starke, politische Note und zeigt auf, dass der Aberglaube aus dem Mittelalter auch heute noch Gesellschaften in ihrer Denke befällt. So werden vermeintliche Hexen zum Test ins Wasser geworfen. Tauchen sie von alleine auf, sind sie Hexen, wenn nicht, sind sie zwar keine, die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann ertrunken sind, ist aber hoch. Genauso bizarr erscheint es, als Claire und andere Schülerinnen zu einem Gesundheitscheck müssen und dort ihre Muttermale abgemessen werden. Das Ganze wirkt auf einmal nicht mehr so fiktiv, wenn man bedenkt, dass gerade in den letzten Jahren immer mehr mittelalterliche Märchen über Minderheiten kursieren, um einen Grund zu finden, sie jagen zu dürfen. Letzten Endes zeigt Witch Hunt somit nur auf, wozu die Menschen fähig waren und dass sie aus ihren Fehlern nicht lernen.

 

Der Horror in dem Horrorfilm

Die Bösen in diesem Film sind somit eindeutig die Menschen, die Jagd auf Hexen machen oder menschenunwürdige Gesetze über sie erlassen. Wirklich gruselig ist das allerdings nicht. Es gibt zwar hier und da einige Jumpscares von verbrannten und toten Hexen, Zuschauer*innen sympathisieren aber zu sehr mit ihnen, als dass sie Angst vor ihnen hätten. Der wahre Horror im Film bleibt somit die erschreckend realistische Grausamkeit der Menschen zueinander. Das Verbrennen bei lebendigem Leib einer Frau vor ihren Kindern und das beinahe Ertränken einiger Mitschülerinnen von Claire, während diese zusieht, sind nur einige unangenehme Stellen, die Angst vor den Menschen machen. Insbesondere Claires Freundinnen erfreuen sich aber an solchen Spektakeln, selbst als dabei aus Versehen eine “normale” Mitschülerin stirbt. Es geht ihnen also nicht einmal darum, die Hexen, den angeblichen gesellschaftlichen Feind, auszurotten, sondern einfach nur um die bloße Schaulust und das Leid anderer.

 

Erstklassige Story, aber zweitklassige Special Effects

Inhaltlich überzeugt Witch Hunt mit einer brillanten Mischung aus fiktiver Realität und großem Bezug zu unserer Gegenwart. Für manche fehlt hier vielleicht der gruselige Nervenkitzel, den man bei solch einem mystischen Film erwarten könnte. Dafür erhalten Zuschauer*innen aber eine überraschende Darstellung eines alternativen Amerikas, das vielleicht nicht ganz nur der Fantasie entspringt. Optisch lassen jedoch gerade die Special Effects zu wünschen übrig. Das Feuer sieht wie drauf geklatscht aus und schwebende Wasserperlen bewegen sich unnatürlich im Raum. Eine Reihe blauer Rosen, die Claire symbolisch im Traum erscheinen, sind eindeutig Plastikblumen in den Boden gesteckt. Das wirkt nicht allzu realistisch. Was wiederum für einen Schmunzler sorgt, ist die angekündigte Referenz auf Thelma & Louise. Ob das und die politische Note ausreichen, um den Horror-Thriller sehen zu wollen, oder ob einem da der Gruselfaktor fehlt, bleibt letztlich dem eigenen Geschmack überlassen.

 

Informationen zu Witch Hunt

  • Originaltitel: Witch Hunt
  • Laufzeit: ca. 97 Minuten
  • Heimkinostart: ab 2. Dezember 2022 auf BLU-RAY und DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Gideon Adlon, Abigail Cowen, Elizabeth Mitchell

 

Trailer zu Witch Hunt

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  • Witch Hunt
    Fazit zu Witch Hunt

    Zu Beginn habe ich etwas Anderes von dem Film erwartet. Als ich jedoch begriffen habe, wie nah die Story an unserer Realität liegt, war ich überrascht, aber auch entsetzt. Auf bizarre Weise zeigten sich mir mittelalterliche Foltermethoden, die einfach in die Moderne übernommen wurden. Das wirkt zwar bizarr, lässt aber durchaus eine aktuelle, politische Message erkennen. Mich hat der Film jedenfalls damit gekriegt.

    Ann-Kathrin Günther, Redakteurin
Gute Hexen und böse Menschen
Eine überraschend tiefgründige und vielschichtige Story
Realitätsnahes Szenario
Schlechte Special Effects
Vorhersehbare Wendung

Ab in die Filmsammlung?

Wer einen etwas anderen Hexenfilm sehen will und sich mit Jumpscares anfreunden kann, dem ist der Film zu empfehlen.

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Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
braucht kein Buch, sie hat schon eins.

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