Kritik: Die Legende des magischen Helms

Die wohl langweiligste Heldenreise aller Zeiten

Die Legende des magischen Helms ist ein actionreicher Fantasyfilm, der mittelalterliche Legenden in die Neuzeit verfrachtet. Ein junger Abenteurer, der bislang vor allem in Pen and Papers auf Reisen ging, muss nun sein Schicksal erfüllen und sein Erbe antreten als der Retter der Welt. In den Hauptrollen spielen Aaron Dalla Villa und Rachel Nielsen sowie Lance Henriksen, der vor allem durch Terminator bekannt ist.

 

Die Story von Die Legende des magischen Helms

Die Geschichte dreht sich um besagten jungen Mann: Nolan. Er arbeitet in einem Spielegeschäft, das sich vor allem auf Pen and Paper-Zubehör spezialisiert hat. Gabby ist seine Geschäftspartnerin und beste Freundin. Ein häufiger Gast ist Lewis, ein echter Nerd, der durch pedantisches Fachwissen glänzt. Eigentlich verläuft Nolans Leben normal, bis zu dem einen schicksalshaften Tag, an dem Einbrecher in eine Villa einsteigen, um Goldmünzen zu stehlen. Dabei fällt ihnen ein grünes Artefakt herunter, das von einem Dämon besetzt war, der nun in einem der Diebe – Blades – einen menschlichen Wirtskörper gefunden hat. Dieser Dämon zählt zu den sogenannten Aposteln der Teufel, die alle Nachfahren der vier Edelmänner töten wollen, da diese spezielle Helme besitzen, mit denen sich der Alpha-Riss öffnet – ein Tor in die Hölle, um die Apostel zurückzuschicken. Zu blöd, dass Nolan genau einer dieser Nachfahren ist und keine Ahnung hat, wie man kämpft…

 

Unsere Kritik zu Die Legende des magischen Helms

Das ist so ziemlich alles, was in dem Film passiert. Nach gut einem Drittel der Spielzeit wissen Zuschauer*innen bereits alles Nötige: Blades ist von einem der bösen Aposteln besessen und will Nolan töten, Nolan hat keine Ahnung, was abgeht und bekommt von dem Orden der Edelmänner den Helm, der seinen Vorfahren gehörte, um das Böse aufzuhalten. Ende. Was passiert also in den restlichen zwei Dritteln? Ah, natürlich. Der Held des Films muss erst zu wahrer Stärke heranwachsen, um den Dämon zu besiegen. Dafür begleiten wir ihn zwei Tage beim intensiven Training, bevor er dann dazu im Stande ist, wozu kein Edelmann allein zuvor fähig war. Das klingt sehr realistisch. Mindestens genauso überzeugend ist auch die Schauspielkunst mancher Darsteller*innen und die Special Effects. Blades wird so nahezu dauernd mit vielen langen Schnüren getasert, die aus Plastikwaffen hervorschießen und um die blaue Blitze zucken. Die Schnüre klebten dann den gesamten Film über an seinem Körper.

Das ist aber nicht so schlimm wie die Tatsache, dass der Bösewicht immer in derselben Kneipe abhängt, ohne wirklich etwas zu machen. Hin und wieder verprügelt er einige wütende Kleinkriminelle und macht sie zu seinen Zombie-Sklaven oder verdrückt frittierte Hühnerknochen. Als sehenswert kann man das nicht bezeichnen. Hinzu kommt, dass die Guten, also alle, die von den Edelmännern wissen und zu ihrem Orden gehören, genau wissen, wo sich der Dämon befindet, sich aber nicht in der Lage sehen, ihn anzugreifen, da sie natürlich genau auf Nolan gewartet haben. Es gibt zwar noch eine weitere Nachfahrin, die in Frage käme, aber die wird ja vielleicht für einen zweiten Teil aufgespart, der hoffentlich nie erscheint. Während das Böse also in der Kneipe Däumchen dreht, wird Nolan mit seiner besten Freundin Gabby in der Villa des Ordens von einem alten Mann namens Corbin auf freundliche Weise festgehalten. Dort lernt er alles, was er für den Kampf brauchte: den Helm aufsetzen und mit einer Waffe zuschlagen. Dabei ist die Wahl der Waffe oder auch der Rüstung egal, entscheidend ist der Helm. Er ist ein Unikat. Ihn zu tragen ist nicht nur ein Vermächtnis, es scheint auch Übelkeit hervorzurufen, da Nolan entweder ohnmächtig wird oder sich übergeben muss.

 

Unangenehme Erotisierung

Ja, Nolan ist anfangs wahrlich kein Held, zumindest was Stärke und das Kämpfen anbelangt. In allen anderen Punkten kommt er einem Ritter wie er im Buche steht schon ziemlich nahe. Es beginnt damit, dass alle älteren Mütter in der Umgebung in seinen Laden kommen, um persönlich beraten zu werden. Oder wie es eine von ihnen sagt: “Es ist schon lange kein Mann mehr in unserem Haus…” Das hat dann doch unangenehme und unerwartete MILF-Vibes, die auch Gabby nicht in Ordnung findet. Schließlich vertreibt sie einige der Frauen, aber nicht nur, um Nolan zu retten, sondern auch – natürlich – weil sie auf ihn steht.

Die Romanze kommt in diesem Film auch nicht zu kurz. So kommen hin und wieder bekannte Aussagen wie “Natürlich seid ihr nur Freunde” oder unangebrachte Anspielungen darauf, dass die beiden endlich zur Sache kämen, da sie sich ein Zimmer teilen müssen. Selbstverständlich kommen sich die beiden auch näher. In der letzten Trainingseinheit von Corbin muss Nolan einen Mann töten, der absichtlich mit einem der Apostel verseucht wurde. Das fällt Nolan sichtlich schwer und ihm und Gabby reicht es endgültig. Sie verschwinden aus der Villa zurück in ihr Leben. Verständlich, das an dieser Stelle der lang ersehnte Kuss zwischen dem Liebespaar einsetzt. Das passt genauso wenig in die Szene wie die Beleidigungen “Bitch” oder “Arschloch”, die manchmal aus dem Nichts in einer unschuldigen und freundlichen Konversation kommen.

 

Läppischer Endkampf

Nachdem sich der restliche Film durch langweiliges Kampftraining und Andeutungen zum Fremdschämen schier ins Endlose zieht, findet in den letzten Zügen der finale Kampf zwischen dem Helden Nolan und dem bösen Apostel statt. Gut, die Spannung hätte man nicht unspektakulärer aufbauen können. Schließlich war jedem von Anfang an klar, wo das “Geheimversteck” des Dämons liegt, da er rund um die Uhr überwacht wurde. Genauso sinnlos erscheint es, dass Nolan kurz vor dem Kampf bei seinem Laden abgesetzt wird, nur um daraufhin von Blades und seinen Zombie-Schlägern angegriffen zu werden. Das Böse wusste, wo Nolan wohnt und der Orden der Edelmänner hat das auch gewusst, Nolan und Gabby aber dennoch dort abgesetzt.

Dann taucht auf einmal der edelmütige Vicars auf, um Nolan zu retten. Vicars war bislang nur als sympathischer Kerl aufgefallen, da er den unerfahrenen Nolan zwei Tage lang geschlagen und gedemütigt hat, um ihm den Edelmann-Spirit einzuprügeln. Obwohl er selbst ein tapferer Kämper und Anführer ist, werden seine Männer getötet und er selbst von Blades entführt. Dafür machen Corbin und der Rest Nolan verantwortlich und sie stellen ihn als den dummen Niederträchtigen dar. Das erscheint sehr sinnvoll, bedenkt man, dass Corbins Leute Nolan schlecht behandelt, ihn sogar als Dämonenköder missbraucht haben und sie es waren, die ihn dummerweise bei seinem Laden abgestellt haben, wo Blades ihn einfach finden konnte.

Letzten Endes folgt auf all diese unnötigen und an den Haaren herbeigezogenen Wendungen der Endkampf, wie man ihn erwartet hat. Nolan kämpft trotz aller Warnungen allein gegen den Dämon. Dieser hat sich einen Helm aus Gabel und anderen Küchenutensilien gebastelt und läuft immer noch mit seinen Taser-Fäden herum. Ein Wunder, dass Nolan ihn besiegen kann. Das hat vor ihm natürlich nicht einmal ein erfahrener Edelmann allein geschafft. Nolan ist der strahlende Held und alle sind glücklich. Vor allem das Publikum, da das rund 90-minütige Trauerspiel endlich zu Ende ist.

 

Informationen zu Die Legende des magischen Helms

  • Originaltitel: Alpha Rift
  • Laufzeit: ca. 94 Minuten
  • Heimkinostart: ab 2. Dezember 2022 auf Blu-Ray und DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Aaron Dalla Villa, Rachel Nielsen, Lance Henriksen

 

Trailer zu Die Legende des magischen Helms

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  • Die Legende des magischen Helms
    Fazit zu Die Legende des magischen Helms

    Ich liebe Fantasy-Filme mit ausgeklügelten Legenden und heldenreichen Kämpfen zwischen Gut und Böse. Das alles hat mir Die Legende des magischen Helms leider nicht geboten. Stattdessen war ich überrascht von der Belanglosigkeit vieler Szenen und den teils unangenehmen Dialogen. Die Actionsequenzen wirkten einfach nur gespielt und langweilig.

    Ann-Kathrin Günther, Redakteurin
Schlechte Schauspielerei
Billige 08/15-Story
Langweilige Kampfszenen
Fragwürdige Flirts

Ab in die Filmsammlung?

Nicht einmal für Sammler von Helm-Unikaten gibt dieser Film Spannendes her.

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Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
Ihr Motto: Das Game kenne ich, gespielt habe ich es aber nicht.

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