Kritik: Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

Plüsch, Charme und Einhörner

Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch ist das neueste Abenteuer des besagten Schmusetigers, dessen große Augen so ziemlichen Jeden zum “Awww!” ausrufen lassen. Natürlich geht es in diesem Film nicht darum, dass Kater besonders süß und knuffig ist, sondern er bei seinen vielen Schlachten eine Winzigkeit außer Acht gelassen hat: Auch neun Katzenleben bedeuten keine Unsterblichkeit und das muss die Puss in Boots nur allzu schmerzlich erfahren.

 

Die Story von Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

Der gestiefelte Kater ist ein angesehener und gefürchteter Schurke sowie Held und das weiß er. Er feiert seine Siege, seine Bezwingungen und Eroberungen ebenso wie sein Gesangs- und Tanztalent. Doch auch in der neuesten Schlacht, nachdem er mit dem Volk getanzt und gesungen und gleichzeitig einen Steinriesen besiegt hat, trifft er in einer Bar einen neuen Gegenspieler. Ein Wolf, stilvoll und ruhig, mit roten Augen, die unter der Kapuze hervorlugen. Ein Kopfgeldjäger? Für Kater nichts Neues. Nur ein weiterer Gegner, den er erledigen muss. Oder? Tja, so einfach ist es eben doch nicht. Dieser Wolf wirkt übernatürlich. Viel zu schnell, viel zu stark und am Ende heißt es tatsächlich mit bauschigem Fell Reißaus nehmen. Denn Kater weiß bereits, er hat schon acht von neun Leben verbraucht und wenn er nicht aufpasst, war es das mit seiner Legende.

So heißt es für die rote Miez ab zur Crazy Cat Lady. Ja, er kann es selbst kaum fassen, gewöhnt sich aber mit der Zeit daran und fristet sein Dasein in Pfotenüberziehern und mit langem Bart, während seine Boots im Vorgarten begraben liegen. Dies hätte er auch weiter getan, wären da nicht Goldlöckchen und ihre drei Bären aufgetaucht, um ihn für eine Mission anzuwerben: Die Karte vom fiesen “Little Jack Horner” zu stehlen, um den letzten Wunsch zu bekommen. Natürlich hat Goldlöckchen eigene Vorstellungen, doch ebenso der gestiefelte Kater, der sich selbstständig auf die Jagd nach der Karte macht. Er will seine Leben zurück haben! Dabei wird er von einem neuen Freund begleitet.

Perro, der Hund (ist das spanische Wort für Hund), der sich schon seit geraumer Zeit in der Katzen-Auffangstation als Katze verkleidet hat, um an Essen zu gelangen, sieht in Kater einen echten Kameraden und seine positive Aura ist nahezu penetrant. Doch auch Kitty Samtpfote ist schnell mit von der Partie und so ergibt sich mit viel Gerangel, Action und extravaganten Kampfeinlagen ein ziemlich aufregendes Abenteuer, um den letzten Wunsch zu finden. Natürlich ist der Wolf dabei weiterhin auf der Spur und der gestiefelte Kater, aber auch andere Charaktere müssen sich harten Entscheidungen stellen.

 

Unsere Kritik zu Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

Nach 11 Jahren kehrt der rote Kater in Lederstiefeln und mit Degen wieder zurück und er ist besser denn je. Universal Pictures und Dreamworks haben sich absolut nicht lumpen lassen und ein wunderschönes Meisterwerk produziert. Als ich mich meldete, den Film anzuschauen, nahm ich die 10-Jährige Tochter eines Kollegen mit dazu, um ihre Reaktion zu beobachten und sie sprach für sich. Das Kind starrte ohne zu Blinzeln auf den Bildschirm, aß nur automatisch ihr Popcorn und war absolut gefesselt. Das ist auch gar kein Wunder, denn die grafische Qualität zum Vorgänger 2011 hatte sich massiv verbessert.

Das grafische Aufgebot ist der Hammer

Anders kann ich es nicht bezeichnen. Die Animationen, die hinter dem Gestiefelten Kater stecken, bildeten eine sehr umfangreiche Abwechslung zwischen digitaler Animation, Anime und Gameplaygrafik. Das ist keineswegs abwertend gemeint, war nur ziemlich irritierend für meinen Verstand und für die Augen. Flog die Katze durch die Luft, wich sie gekonnt Attacken aus, wirkten die Bilder stockend und schlierend, aber irgendwie auch schnell. Als Zuschauer hatte ich das dringende Bedürfnis einen Controller in die Hand zu nehmen und selbst zu steuern. Die Farben waren intensiv, die Details ohne Pixeldesaster sofort zu erkennen. Der Plüsch war real. Goldlöckchens voluminöses Haar hätte man nachzählen können, ebenso, wie die Anzahl der wilden Blumen auf dem Pfad zum letzten Wunsch. Alles in Allem war es ein Genuss und eine Irritation zugleich dem Film zu folgen und ich würde ihn mir unbedingt ein zweites Mal anschauen.

Wie böse kann man sein?

Das ist eine Frage, die ich mir während des Films ganz oft gestellt habe und das vor Allem unter dem Aspekt, wie Kinderaugen dies wahrnehmen könnten. Zuerst taucht da dieser Wolf auf. Er ist düster, eine klassische Schreckensfigur – Ein Schreckenswolf und er ist indirekt ja ein Hund. Ein guter Feind, den es zu bezwingen gilt. Das erscheint schon bei dieser Übermacht unglaublich schwierig.

Doch dann taucht Jack Horner auf und der toppt jeden anderen Bösewicht. Ja, Captain Hook hat vermutlich Ariels Mutter ermordet, aber Jack Horner schießt mit Regenbogenhörnern, die er Fohlen gestohlen hat, opfert jeden seiner eigenen Männer und Frauen für seinen Plan mit offensichtlichem Genuss und zerstört dabei alles, was er in die Finger bekommt. Und das ist nur die Spitze des Eisberges! An der Seite von Jack Horner ist eine ganze Weile eine bekannte Grille. Wie bei Pinocchio ist sie dafür da, an seinem Gewissen zu appellieren, doch selbst sie stößt (sehr schnell) an ihre Grenzen und (Spoiler-Alarm, Verzeihung) wendet sich sogar gegen Jack.

Dieser Bösewicht hat sogar mir Angst gemacht. Vielleicht nehmen das Erwachsene anders auf, weil sie dazu neigen, Charaktere mit der Realität zu verknüpfen – vielleicht liegt es an mir selbst, denn das Mädchen an meiner Seite war nicht verängstigt. Aber Jack Horner hätte nicht noch bösartiger sein können. Dagegen sah der Wolf mit den Sensen richtig harmlos aus.

Der Tod spielt eine Rolle

Dem gestiefelten Kater wird eines sehr schnell bewusst, nachdem er quasi noch im Prolog von einer riesigen Glocke erschlagen wird und trotzdem lebend davonkommt: Das war das letzte Mal. Auch neun Leben sind irgendwann verbraucht und er hatte mit den ersten acht sehr unbedacht gehandelt. Der Tod findet das nicht lustig. Der Tod sieht dort eine Ungerechtigkeit und macht deshalb Jagd auf den Kater. Man spürt die Angst, man spürt die Wichtigkeit dahinter. Natürlich ist davon auszugehen, dass wir den Protagonisten nicht zu Grabe tragen müssen (also, nicht direkt.), aber es wird eine starke Message über den gesamten Film verbreitet: Schätze das Leben.

Bei mir kam es an, auch wenn viele kindliche Elemente den Ernst dahinter verschleiern und viel Niedlichkeit und Humor impliziert wird, damit das Kind sich nicht fürchtet. Gleichsam wollte man darauf aufmerksam machen, dass man auch schätzen sollte, was man hat. Alle Charaktere (mit Ausnahme von Jack) haben gute Gründe, diesen letzten großen Wunsch zu bekommen, doch schlussendlich begreifen sie (außer Jack natürlich), dass sie im Grunde schon haben, was sie brauchen.

Letztendlich muss man sagen, dass der Film viele beschleunigte Elemente nutzt, was zeitweise anstrengend sein kann, da einfach alles gleichzeitig passiert. Es gibt jedoch auch Passagen zur Entschleunigung und Zeit, um nachzudenken. Ich könnte mir vorstellen, ab dem zweiten Mal schauen, kommt man da wesentlich besser mit. So oder so ist der Film es wert, mehr als einmal gesehen zu werden.

 

Informationen zu Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

  • Originaltitel: Puss in Boots: The Last Wish
  • Laufzeit: ca. 100 Minuten
  • Heimkinostart: 22. Dezember 2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 6 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Im Original mit den Stimmen von Antonio Banderas, Salma Hayek, Florence Pugh, Harvey Guillén und mehr

 

Trailer zu Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

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  • Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch
    Fazit zu Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch

    Ein absolut sehenswerter Film für Jung und Alt. Der Wolf ist so hammermäßig cool, Kitty Samtpfote hat die starke Frauenrolle inne und der Hund Perro sorgt ausreichend für liebevolles Augenrollen und ganz viel Mitleid. Die Nebencharaktere sind toll gewählt und sorgen für ein fabelhaftes Charakter Development beim Protagonisten und machen den roten Kater zu einem echten Helden mit Mut und ohne Tadel. Ich liebe gute Animationsfilme und dieser gehört auf jeden Fall dazu. Ich empfand zwar die vielen spanischen Begriffe, Flüche und diversen Sätze als etwas zu viel, weil ich kein spanisch kann, aber auch hier muss ich das Kind neben mir zitieren: Das gehört halt einfach dazu.

    Janine Günther, Redakteurin
Hier gibt es so viele knuffige, große Kulleraugen, dass man Karies bekommt
Coole Sprüche, viel Witz und Humor lassen die Zeit wie im Flug vergehen
Das Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Zugehörigkeit und Sicherheit stehen im Mittelpunkt
Ein Spanisch-Kurs davor wäre vielleicht ganz sinnvoll

Ab in die Filmsammlung?

Dieser Film ist für jeden Dreamworks-Liebhaber, der auch schon seit Jahrzehnten die “Shrek”-Reihe verfolgt, außerdem auch noch Katzen, Hunde und Märchen mag, ein echtes Muss!

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Der gestiefelte Kater [Blu-ray]
  • Miller, Chris (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

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Geschrieben von Janine Günther
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1 Kommentar
  1. Eher ein War-Game als ein Kinderfilm. Ab 6 Jahren!!!!! Das muss man sich mal vorstellen! Gewalt und Tod in einer Orkanartigen Bilderorgie. Da haben die Macher vornehmlich sich selber befriedigt. Bedauerlich auch Ihre Kritik…..

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