Kritik: Avatar - The Way of Water

Der zumindest längste Kinofilm des Jahres

Avatar: The Way of Water schließt das wiedererstarkte Kinojahr 2022 final ab. James Camerons Fortsetzung zum erfolgreichsten Film der Welt nach Einspielergebnissen, Avatar – Aufbruch nach Pandora, muss in unglaublich große Fußstapfen treten und nach Aussagen des Regisseurs selbst, bräuchte es fast 2 Milliarden Dollar, damit der Kinofilm überhaupt profitabel wird. Auf die Frage vom GQ-Magazin wie teuer die Produktion eigentlich war, antwortete Cameron mit “Scheiße teuer” und lachte. Hat der neue, auf Pandora spielende Filme eine Chance, solche Summen zu bewegen? Nun, das kann wohl niemand mit Genauigkeit vorhersagen. Dafür kann ich euch zumindest verraten, wie ich diese Erfahrung, die sich Avatar: The Way of Water nennt, erlebt habe.

 

Die Story von Avatar: The Way of Water

Die Haupthandlung von Avatar: The Way of Water spielt mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen aus dem Vorgänger. Jack und Neytiri leben friedlich mit ihrem Na’vi Clan im Wald von Pandora und ziehen ihre Kinder groß. Die beiden haben mittlerweile drei Kinder, die zwei Brüder Neteyam und Lo’ak und ihre Schwester Tuktirey. Die Tochter von Dr. Grace Augustine wurde durch einen Na’vi Avatar in einer Gebärkammer geboren und dann von Jack und Neytiri adoptiert. Der fünfte im Bunde ist Spider, ein menschlicher Junge, der beim zurückgebliebenen Forschungsteam an der Seite der Na’vi aufwächst und lernt, wie sie zu sein.

Doch die im Film genannten Sky People vom Planeten Erde sind zurück und wollen mehr von den Ressourcen Pandoras. Vor allem möchte der von Neytiri getötete Colonel Miles Quaritch Rache üben. Wiederbelebt durch einen Memory Drive und einen Avatar, bildet er eine Killer-Schwadron aus Avataren, um den Menschen einen Vorteil auf dem ihnen feindlich gesinnten Planeten zu erlangen. Damit ihr Clan in Sicherheit leben kann, fliehen Jake und seine Familie zu den am Wasser lebenden Metkayina. Doch Quaritch und die Menschen werden niemals aufgeben, bis sie Jake und alle Ressourcen Pandoras eingenommen haben.

 

Unsere Kritik zu Avatar: The Way of Water

Eine Rezension zu Avatar: The Way of Water zu schreiben fällt mir persönlich sehr schwer. Ehrlicherweise war ich kein Fan des ersten Films. Dass er auf technischer Ebene beeindruckte und deshalb auch viele Preise abräumte, konnte ich noch nachvollziehen. Die Geschichte wirkte aber mehr wie ein wirres Zusammenwürfeln von verschiedenen Storys aus anderen Erzählungen. Das Gleiche erwartete ich jetzt auch bei der Fortsetzung. Ein technisches Meisterwerk mit einer durchschnittlich interessanten Geschichte. Als ich dann auch noch las, dass der Film sage und schreibe 192! Minuten dauert, machte ich mir nicht nur sorgen um meine Blase, sondern auch wie mich eine Geschichte so lange mitreißen sollte. Fangen wir also genau da an und reden ein wenig über die Handlung von James Camerons Avatar: The Way of Water.

 

Eine Geschichte über familiären Zusammenhalt und Rache

Der Spannungsbogen von Avatar: The Way of Water passt wahrscheinlich in kein Menschen-bekanntes-Schema. Tatsächlich fängt der Film sogar spannend und spektakulär an. Man erlebt wie Jake und Neytiri eine Familie gründen, ihre Kinder und die Freunde großziehen und wie sich das Leben im Wald von Pandora entwickelt hat. Das geschieht in einem angenehmen Tempo und auch wenn Sam Worthington kein Märchenerzähler ist, erledigt er den Job als Stimme aus dem Off zufriedenstellend. Dann kehren die ersten Menschen zurück und der Krieg beginnt actiongeladen. Von Anfang an ist klar, dass Jake seine Familie beschützen will und dass Quaritch auf Rache aus ist. Dieser Part dauert in etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde an. Danach kommt die mühselig lange Dokumentationsphase des Films.

Jake und seine Familie flüchten zu den Metkayina, Na’vi die im Einklang mit den Ozeanen und ihren Bewohnern leben. Daran müssen die Sullys erst mal wachsen, sie müssen das Schwimmen und Tauchen erlernen und wie sie mit den anderen Clanangehörigen zurechtkommen. Dabei kommt es natürlich zu allen möglichen Problemen, angefangen mit anfänglichen Integrations- und Diskriminierungsproblemen bis hin zu dem Nichtbefolgen von Regeln. Alles schon irgendwo vorgekommen, wahrscheinlich in jedem zweiten Film. Dieser Teil des Films dauert meiner Schätzung nach fast zwei Stunden und fühlt sich hin und wieder an, als ob man einer Doku-Reihe von Cameron bezüglich Pandora und seiner Bewohner zuschaut. Wirkliche Spannung gibt es keine, man beobachtet und wartet ab. Der Eindruck wird noch weiter verstärkt, da in der Zeit die Menschen und die Einheit von Quaritch über weite Strecken nicht vorkommen. Die immanente Gefahr, weshalb die Sullys überhaupt geflüchtet sind, scheint verflogen.

Bis zum letzten Drittel des Films. Das Drittel bezieht sich nicht auf die Filmlänge, da wie erwähnt sicherlich 90 Minuten des Films auf das Konto der Dokumentation gehen. Die Konfrontation am Ende zwischen Jake, den Metkayina, Quaritch und den anderen Menschen könnte man als spannend bezeichnen. Nur ist es schwierig die Spannung zu fühlen, da man schon so lange im Kino sitzt und zugeschaut hat, wie Na’vi schwimmen und tauchen lernen. Zwar kommt es zu mehreren dramatischen und auch wirklich coolen Momenten, die nehmen dann aber anteilig doch wenig Raum ein, wodurch man etwas ernüchtert zurückbleibt. Und doch fand ich diesen letzten des Films stark mitreißend, indem ich sogar ein wenig mitfiebern musste. Vor allem für die Kinder von Jake: Neteyam, Lo’ak, Kiri, Spider und Tuk.

 

Die schauspielerische Leistung in einem Film ohne Schauspieler

Über die Schauspieler*innen zu schreiben ist möglicherweise etwas kompliziert. Genauso wie eine Bewertung abzugeben, wie ich sie fand. Die Figuren der Sully-Kinder plus Spider fand ich definitiv erfrischend. Auch wenn das ein oder andere “Bro” aus dem Drehbuch hätte gestrichen werden können. Aber jede*r von ihnen hatte etwas an sich. Kiri, die eine enge Verbindung mit Pandora hat, Lo’ak, der sich fehl am Platz fühlt und Spider, der damit zurechtkommen muss, wer er als Mensch ist. Doch kann man behaupten, das hätten die Schauspieler*innen erzeugt? Wenn selbst Kiri, eine Teenager-Na’vi von Sigourney Weaver gespielt wurde und dadurch Stimme, Gestik und Mimik fast komplett technisch erzeugt wurden, hinterlässt das einen seltsamen Beigeschmack. Ähnlich verhält es sich mit allen anderen Na’vi. Dieses Problem wird aber nochmal verstärkt durch die gesamte Technik im Film. Die naja, über die wir auf jeden Fall sprechen müssen.

 

3D-Technik, Motion Capture und CGI im Jahre 2022

Man sollte meinen, bei einem angeblichen Budget von 250 Millionen Dollar (nur Gerüchte), talentierten Filmemacher*innen und James Cameron, welcher ein technisches Meisterwerk wie Avatar – Aufbruch nach Pandora kreiert hat, muss eine Fortsetzung daran anknüpfen können. Mein vernichtendes Urteil dazu lautet: Jein? Es gibt wirklich atemberaubende Momente und Szenen während des Films. Die meisten hängen mit dem Ozean und Wasser von Pandora zusammen und seinen Lebewesen. Die Wirkung auf Zuschauer*innen ist durchaus eindrucksvoll. Jedoch werden sehr schnell einige zumindest meiner Ansicht nach gravierende Probleme deutlich. Einerseits das CGI, in Kombination mit der Framerate und der 3D-Technik.

Die CGI-erzeugten Na’vi sehen in den meisten Fällen aus, wie schlecht programmierte Videospiel-NPCs. Am deutlichsten fällt das in rasanten Szenen auf, in denen die Figuren sich schneller bewegen, springen, kämpfen oder schwimmen. Verwirrend, wenn man bedenkt, dass 2009 das noch gar kein wirkliches Problem darstellte. Schlimmer ist noch, dass ich fast behaupten muss, dass vor 13 Jahren Pandora und die Na’vi besser aussahen als heute in der Fortsetzung. Eine große Rolle dabei spielt die Framerate, sprich die Bilder pro Sekunde. Dadurch entsteht ein waschechtes Uncanny Valley, welches dafür sorgt, dass die vielleicht durch die Technik sehr realitätsnahen Figuren, abschreckend und unecht auf die Zuschauer*innen wirken. Bei den Menschen ist das logischerweise kein Problem. Und es passiert auch nicht durchgängig. Nur leider immer wieder, wodurch man immer wieder aus der Immersion rausgerissen wird. Eine weitere Vermutung, die ich habe, warum der Film leider an vielen Stellen so aussieht, hängt mit der 3D-Technik zusammen.

Meine ungeprüfte, überhaupt nicht wissenschaftliche These lautet, dass sich 3D mit allen anderen technischen Ideen und der CGI von Cameron beißen und dadurch teilweise hässlich wird. Überhaupt verstehen tue ich die Idee, 3D wiederzubeleben nicht so richtig. Klar, Cameron ist der König von 3D, doch galt sie nicht mittlerweile als ausgestorben? War es wirklich nötig, zusätzlich Energie in 3D zu stecken? Vor allem sind mir persönlich keine Szenen oder Sequenzen aufgefallen, die von der Technik profitiert hätten.

 

Ein empfehlenswerter Film für Leute mit starken Blasen?

Nun, was sagen wir jetzt abschließend zu James Camerons Fortsetzung des Avatar-Franchise? Fans des ersten Teils werden meiner Prognose nach gespalten. Entweder man fährt voll drauf ab oder die Ungereimtheiten in Handlung und Technik stoßen einem vor den Kopf. Was eigentlich sehr schade ist, da irgendwo in diesen sehr langen drei Stunden, zwischen Action, seichten Dialogen und einer waschechten Dokumentation, vielleicht sogar ein interessanter Film stecken könnte, der zumindest wieder den Menschen gegen die Natur stellt und ihm aufzeigt, was er da anrichtet. Es bleiben auch einige Fragen und Handlungsstränge ungeklärt, die in den kommenden Filmen höchstwahrscheinlich aufgenommen werden. Bis dahin bleibt mir die Angst vor einem Director’s Cut oder sonstigen anderen Neuveröffentlichungen, wodurch Avatar: The Way of Water die vier Stunden knacken könnte.

 

Informationen zu Avatar: The Way of Water

  • Originaltitel: Avatar: The Way of the Water
  • Laufzeit: ca. 192 Minuten
  • Heimkinostart: 14.12.2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahren freigegeben
  • Besetzung: James Cameron (Regie), Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Kate Winslet, Cliff Curtis

Trailer zu Avatar: The Way of Water

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  • Avatar: The Way of the Water
    Fazit zu Avatar: The Way of Water

    Ein komisches Ende für das Kinojahr 2022. Fast dreizehn Jahre warten Fans auf eine Fortsetzung von James Camerons größtem Erfolg. Jetzt ist er da und ich habe nicht so richtig Ahnung, was ich davon halten soll. Manchmal dachte ich mir “Wow, das sieht wunderschön aus”, nur um mich in der nächsten Szene bei dem Gedanken zu erwischen, dass jedes Videospiel-Studio bessere Engine und Grafik hingekriegt hätte. Wahrscheinlich muss man den Film öfter gesehen hab, um eine abschließende Meinung abgeben zu können. Doch wer hat Zeit drei Mal drei Stunden für den gleichen Film im Kino zu hängen?

    Alex Weinstein, Redakteur
James Cameron meets David Attenborough nur halt auf Pandora
Sigourney Weaver spielt ihre eigene jugendliche Tochter?
Das schönste Wasser, dass das Kino je gesehen hat
Lieber keine Cola vor dem Kinobesuch kaufen

Ab in die Filmsammlung?

Nur für Personen mit sehr starken Blasen und für die, die Fans des ersten Teils waren und die zumindest angemessene Erwartungen an die Fortzsetzung hegen.

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Alexander Weinstein
Geschrieben von Alexander Weinstein
Hat den Kesselflug in weniger als 10 Parsec geschafft

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