Just Sing – Test zum vergeigten Karaoke-Spiel

Wer erinnert sich nicht gern an die Zeit der PlayStation 2 zurück, als es mit Eye-Toy und den SingStar-Spielen beinahe alle zwei Monate neue Teile gab. Auch wenn diese Zeiten schon länger vorbei sind, kommen im Herbst obligatorisch neue Teile von “Just Dance” und “Let´s Sing” auf die Konsolen. In diesem Jahr wird die Konkurrenz aber noch einen Tick größer, denn neben “We Sing” und “The Voice of Germany: I want you” erschien mit Just Sing nun ein weiteres Karaoke-Spiel. Dieses Mal aber von Ubisoft, also eine Art Ableger von Just Dance. Doch funktioniert das Singen ins Smartphone mit gleichzeitiger Videoaufzeichnung? Wir haben den Test gemacht und verraten euch unsere Singkünste.

 

Schneller Einstieg ins Spiel

Für Just Sing benötigt man, natürlich neben der Disc, entweder USB-Mikrofone für die Konsole oder ein Smartphone mit aktueller Android- oder iOS-Software. Letzteres war bei uns im Einsatz, besser gesagt das neue iPhone 7. Im App Store muss man dann einfach den Titel “Just Sing” eingeben und bekommt direkt die passende App von Ubisoft auf dem Bildschirm angeboten. Die Verbindung zwischen Smartphone und Konsole ist ebenfalls sehr simpel. Beide Geräte müssen in demselben WLAN mit dem Internet verbunden sein, schon wird auf dem Display vom Smartphone die entsprechende Konsole angezeigt. Das besondere am Smartphone ist, dass man den Controller quasi gar nicht mehr benötigt. Die gesamte Tracklist wird auf dem Display angezeigt und per Touch kann der entsprechende Song direkt gestartet werden. Dies ermöglicht einen reibungslosen Spielablauf. Doch das Handy bietet, dank der eingebauten Selfie-Kamera, eine Videoaufnahme während des Singens (hierfür kann auch Kinect oder die PlayStation Kamera, wie in unserem Screenshot unten zu sehen, benutzt werden). Diese kann wahlweise aber auch deaktiviert werden. In den Einstellungen kann vor jeder Runde ein entsprechender Bildfilter (Themen oder Effekte) angewandt werden, damit die eigenen Szenen entsprechend aussehen. Der Songtext wird sowohl auf dem TV als auch auf dem Smartphone angezeigt.

Links der Songtext mit entsprechender Trefferanzeige, Rechts das Live-Bild vom Smartphone

Links der Songtext mit entsprechender Trefferanzeige, Rechts das Live-Bild vom Smartphone

 

Singen mit Freunden

In zwei unterschiedlichen Spielmodi kann man mit bis zu vier Spielern gleichzeitig singen. Im Party-Modus wird ein Song nach dem anderen gesungen. Dabei kann über das Menü der jeweilige Track ausgewählt oder eine Playlist erstellt, die man dann abspielen kann. Alle Performances können offline gespeichert oder Online hochgeladen werden. Ziel ist es natürlich möglichst viele richtige Töne zu treffen, um so mehr Punkte und dadurch mehr Sterne zu erlangen. Insgesamt gibt es fünf Sterne, die man während eines Songs ersingen kann. Je mehr Sterne man verdient, desto schneller schaltet man neue Goodies wie etwa Avatare, Videoeffekte oder neue Themes frei. Im Battle-Modus darf jeder Spieler erst mal eine sieben Sekunden lange Ansage für die Gegner aufnehmen. Danach zählen nur noch die besten Performances. Während alle Spieler um die Wette singen, merkt sich das Spiel, welcher Singer zum “Superstar” gekürt wird. Denn die bestgesungenen Stellen werden, neben den maximalen 5 Sternen, separat hervorgehoben. Etwas fragwürdig dürfte allerdings die Entscheidung sein, keine Bestenlisten in das Spiel integriert zu haben. Es ist nämlich nicht möglich, seine bisherigen Leistungen noch einmal nachzusehen und mit der Welt zu teilen. Für ein Musikspiel eine Enttäuschung!

 

Fast nur Coverversionen

Bevor ihr euch fragt, warum in der Tracklist hinter nur zehn (!) Tracks ein “Original” steht, dies sind Songs, welche in der jeweiligen Originalversion vorliegen. Alle anderen wurden nur mit Coverversionen ausgestattet. Für ein Musikspiel, welches als Ableger der erfolgreichen Just Dance-Reihe gilt, ist dies ein Fiasko. Zwar sind die Cover allesamt ordentlich produziert, man hört aber sofort, dass es sich hierbei nicht um das Original handelt. Dies hat leider auch negative Auswirkungen auf das eigene Singverhalten. Ebenfalls nicht mit an Bord sind die originalen Musikvideos – doof! Natürlich hat Ubisoft einen Store in das Spiel integriert, sodass man sich immer neue Tracks kaufen kann. Diese sind, Stand 03. Oktober 2016, allerdings ebenfalls nur Coverversionen. Dazu kommt, dass die Preise unverschämt hoch angesetzt sind. Ein Disney-Paket mit fünf neuen Songs kostet 4,99€, genauso viel wie das Maroon 5 Paket (ebenfalls mit fünf Tracks). Das eigene Smartphone als Mikrofon zu benutzen macht eine Menge Spaß, allerdings funktioniert es eher suboptimal. Die Stimme / Wörter wird fast immer als “gut” oder “perfekt” erkannt, egal wie schlecht wir uns auch anstellen. Ein Castinganmeldeformluar für DSDS hätte doch gleich mit in der Verpackung liegen können.

Profisänger bekommen auch am meisten Punkte / Sterne.

Profisänger bekommen auch am meisten Punkte / Sterne.

 

Die komplette Tracklist

  • 36grad – 2raumwohnung
  • All About That Bass – Meghan Trainor (Original)
  • All of Me – John Legend
  • … Baby One More Time – Britney Spears
  • Call Me Maybe – Carly Rae Jepsen
  • Can You Feel the Love Tonight – Disney’s Lion King
  • Can’t Feel My Face – The Weeknd
  • Chandelier – Sia (Original)
  • Colors of the Wind – Disney’s Pocahontas
  • Counting Stars – OneRepublic
  • Don’t Worry, Be Happy – Bobby McFerrin
  • Drag Me Down – One Direction (Original)
  • Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben – Jürgen Marcus
  • Focus – Ariana Grande (Original)
  • The Fox (What Does the Fox Say?) – Ylvis
  • Geboren um zu leben – Unheilig
  • Girls Just Want to Have Fun – Cyndi Lauper
  • Hallelujah – Leonard Cohen
  • I Love Rock ‘n’ Roll – The Arrows
  • I Want to Break Free – Queen (Original)
  • I Want You Back – Jackson 5
  • I Will Survive – Gloria Gaynor
  • It’s Raining Men – The Weather Girls
  • Kryptonite – 3 Doors Down
  • Let Her Go – Passenger
  • Let It Go – Disney’s Frozen
  • Love Me Like You Do – Ellie Goulding (Original)
  • Love Shack – The B-52’s
  • Mein Herz – Beatrice Egli
  • No One – Alicia Keys
  • One More Night – Maroon 5 (Original)
  • Radioactive – Imagine Dragons (Original)
  • Relax, Take It Easy – MIKA
  • Rude – MAGIC!
  • Shut Up and Dance – Walk the Moon
  • Something That I Want – Grace Potter
  • Stand By Me – Ben E. King
  • Stay – Rihanna ft. Mikky Ekko
  • Stitches – Shawn Mendes (Original)
  • Take on Me – a-ha
  • Two Princes – Spin Doctors
  • U Can’t Touch This – MC Hammer
  • What Do You Mean? – Justin Bieber (Original)
  • When I Was Your Man – Bruno Mars
  • Zeig mir wie du tanzt – Frida Gold
  • Zombie – The Cranberries

 

Fazit:

Es macht wirklich eine Menge Spaß, wenn man mit Freunden einen Karaoke-Abend veranstaltet und sich gegenseitig zum Affen macht. Just Sing bietet zumindest technisch die besten Voraussetzungen für solch einen Abend, denn heutzutage besitzt fast jeder ein Smartphone. Einfach die App installieren und es kann losgehen. Wären da nicht die 83% Coversongs auf der Disc. Dazu gibt es keine Musikvideos, keine Bestenlisten und einen überteuerten Ingame-Store für weitere Songs. Just Sing hätte die Karaoke-Sensation des Jahres werden können, hat es sich aber mit Kleinigkeiten so stark versaut, dass sich selbst Karaokefans aus der PS2-Zeit nicht sonderlich wohlfühlen werden. Für einen kurzweiligen Abend mit Freunden reicht Just Dance aber aus.

 

redaktionsbox-tobias

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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