Hue – Test zum bunten Indieknobler

Auf der gamescom habe ich mir ein kleines Indiegame zeigen lassen, und nur wenige Tage nach der Messe ist es für alle erschienen. Es geht um Farben, soviel möchte ich schon mal vorwegnehmen. Der Titel verrät es auch, denn Hue ist nicht nur der Name des Spiels und des Protagonisten, sondern auch der englische Begriff für „Farbton“ oder „Färbung“. Worum genau es allerdings in Hue geht, das erfahrt ihr in diesem Test.

 

Monotone Einsamkeit

Hue lebt in der Monowelt, einer Welt, in der alles schwarz und weiß ist. Von Farben hat hier keiner Ahnung, außer Hues Mutter, die an der Universität an einem Ring gearbeitet hat, welcher Farben sichtbar machen sollte. Doch nun ist sie verschwunden, und Hue sucht die Bruchstücke des Rings, um seiner Welt Farbe zu verleihen und seine verschwundene Mutter zu finden. Die Story ist clever und sympathisch erzählt. Immer wieder findet Hue Briefe seiner Mutter, die ihre Stimme dann in seinem Kopf vorliest. So richtig komplex oder interessant ist die Story dabei allerdings nicht. Es geht um die Suche nach der Mutter, und das war es dann auch schon größtenteils. Na gut, es ist da noch etwas mit ihrem alten Professor, der die Forschung nach Farben abgebrochen hatte. Da Hue aber ein Spiel ist, welches seinen Fokus auf Rätsel legt, bleibt die Story eher seicht erzählt. Dabei haben andere Puzzlespiele doch gezeigt, dass clevere Puzzles und wirklich interessante Geschichten sich nicht ausschließen. Portal 2 oder die Professor Layton-Reihe sind dafür gute Beispiele. Bei Hue bleibt es bei einem mehr oder weniger guten Versuch, eine mitreißende Geschichte zu erzählen.

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So bunt sieht nur Hue die Welt

 

Bringt Farbe ins Spiel

Richtig Punkten kann Hue mit seinen Rätseln. Nach und nach findet Hue Bruchstücke des Farbrings, mit dem er den Hintergrund in die entsprechende Farbe verwandeln kann. Dabei verschwinden alle Gegenstände mit derselben Farbe ins Nichts und alle andersfarbigen Objekte werden sichtbar. So findet ihr versteckte Türen und Kisten, macht rollende Felsen unsichtbar, damit ihr vorbeikommt, oder lasst Ballons verschwinden, damit eine sonst unerreichbare Kiste zu euch herunterfällt. Oder ihr lauft durch eine Reihe von roten Lasern, wenn ihr den Hintergrund rot färbt. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich, und gefühlt alle von ihnen werden auf eine clevere Art und Weise genutzt. Es gibt Schieberätsel, Schalterrätsel, Laserrätsel, Hüpfrätsel, usw., usw. Nach und nach findet ihr weitere Bruchstücke des Rings, insgesamt gibt es acht Farben im Spiel. Diese werden bei den Rätseln natürlich auch miteinander kombiniert. So müsst ihr nicht selten die Farbe während eines Sprungs ändern. Diese Jump’Run-Abschnitte bringen neben dem Knobelaspekt ein wenig Frische ins Spiel. Einzig die Tatsache, dass bei einem Tod das ganze Rätsel neu gemacht werden muss, ist ein wenig frustrierend. Wenn man sich durch einen kompletten Raum geknobelt hat, nur um dann durch einen unglücklichen Sprung auf dem Rückweg zu sterben, und dann nicht bei einem Checkpoint, sondern bei einem Anfang rausgelassen zu werden, macht nach einer Weile keinen Spaß mehr. Umso mehr Spaß macht die Suche nach Geheimnissen. Wenn man sich in den Leveln genau umschaut, wird man den einen oder anderen Geheimgang entdecken, an dessen Ende eine Laborflasche auf euch wartet. Alle zu finden fördert schon euren Entdeckerdrang.

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Erstmal überlegen…

 

Bunte Welt

Optisch und akustisch ist das Spiel eine Augenweide. Es ist ja nichts Neues mehr, dass bei Indietiteln gerne mal experimentiert wird, sei es mit der Auswahl der Musik oder dem Ambiente. Bei Hue wurde musiktechnisch nicht so viel rumprobiert, man belässt es bei beruhigenden Pianotönen, die aber perfekt zur Atmosphäre des Spiels passen. Mit dem Gimmick des Farbrings ist natürlich das Hauptaugenmerk die Optik des Spiels. Die schwarz-weiße Welt und seine Bewohner erinnern dabei sehr an Limbo, mit den schwarzen Figuren und ihren leeren, weißen Augen. Doch wenn die Welt Farbe annimmt, beginnt Hue erst richtig zu scheinen. Die Farben glänzen und Leuchten, und in den Wänden und Böden der Welt erscheinen bunte Muster. Natürlich erkennt man, dass hier minimalistisch gearbeitet wurde, aber es sieht trotzdem sehr gut aus. Es muss nicht immer ein Grafikfeuerwerk sein, um optisch zu überzeugen.

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Jetzt heißt es schnell handeln

 

Fazit:

Hue ist ein wunderbarer Indie-Rätselspaß, dem ich jeden Knobler nur ans Herz legen kann. Die Farbrätsel sind zum Teil unglaublich clever, und auch recht schnell zu begreifen. Einzig die etwas draufgeklatschte Story und etwaige fehlende Checkpoints kann man dem Titel ankreiden. Ansonsten optisch sowie gameplaytechnisch ein schönes, kleines Indieteilchen.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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