Heavy Rain – Test zum neu aufgelegten Mörder-Thriller für die PS4

Quantic Dream brachte 2010 das ambitionierte Projekt Heavy Rain an den Start. Hohe Erwartungen begleiteten das Spiel durch den inoffiziellen Vorgänger Fahrenheit. Jahre später folgte dann David Cages neues Projekt Beyond Two Souls. Im Rahmen der Remaster-Collection der beiden Titel haben wir uns jetzt noch einmal Heavy Rain vorgenommen und getestet, wie sich der inzwischen sechs Jahre alte Titel im überarbeiteten Gewand schlägt. Ob es sich lohnt, erneut den Origami Killer zu suchen, erfahrt ihr in der Review.

 

Killer Story

Die Story beginnt recht unspektakulär mit dem Hauptcharakter Ethan Mars. Der Architekt erwacht am Morgen des Geburtstags seines Sohnes Jason. Ihr begleitet Ethan durch die Vorbereitungen zur geplanten Geburtstagsfeier bis hin zu einem späteren Ausflug in ein Einkaufszentrum. Hier nimmt dann auch die Story ihren Lauf. Jason verschwindet in der Menge und sein Vater nimmt die Verfolgung auf. Es kommt, wie es kommen muss, der Junge rennt auf die Straße und sein Vater versucht sein Bestes diesen vor dem anfahrenden Auto zu retten. Dieser Versuch kostet den Sohn das Leben und bringt den Vater ins Krankenhaus, wo er eine Zeit lang im Koma verbringt. Nachdem Ethan sechs Monate später wieder erwacht, ist er geplagt von Schuldgefühlen und Depressionen und trennt sich von seiner Frau. Auch distanziert er sich immer mehr von seinem jüngeren Sohn Shaun. Doch schon bald wird Ethan alles daran setzen, diesen zu retten. Bei einem Besuch auf einem Spielplatz verschwindet Shaun. Ein Brief führt den verzweifelten Vater zu einem Karton mit fünf Origami Figuren, einer Waffe und einem Telefon. Jede der fünf Figuren enthält eine Aufgabe, die Ethans Liebe zu seinem Sohn beweisen sollen. Der Entführer stellt Ethan in Aussicht, dass sollte er die Aufgaben erfüllen (Saw lässt grüßen), würde er seinen Sohn wiedersehen. Auf dem Weg diese Aufgaben zu erledigen und auf der Flucht vor neugierigen Reportern, kreuzt Ethan den Weg von Reporterin Madison Page, die dadurch ebenfalls in den Fall des Origami Mörders hineingezogen wird. In weiteren Rollen erleben wir den ehemaligen Polizisten Scott Shelby. Dieser arbeitet seit seiner Pensionierung als Privatdetektiv. Die Familien der bisherigen Opfer des Origami Killers haben ihn beauftragt, Ermittlungen anzustellen. Auf der offiziellen Seite des Gesetzes haben wir dann den FBI-Profiler Norman Jayden. Er wurde der örtlichen Polizei zur Seite gestellt. Mit all seinen Hightech Spielzeugen, wie seiner Brille, untersucht er alle Tatorte und Hinweise, um etwas zu finden was auf die Spur des Mörders führt. Immer wieder kommt ihm aber auch seine eigene Schwäche in die Quere, denn der FBI-Agent ist süchtig nach der Droge Triptokain, die ihn einige Male ausbremst. Während der unabhängigen Ermittlungen der beiden, gerät sogar Ethan Mars selbst unter Verdacht der Mörder zu sein. Ob alle letzten Endes die Identität des Mörders enthüllen und so Ethan Sohn retten können, liegt allein in euren Händen. Vielleicht bleiben einige Personen aber auch auf der Strecke, alles hängt von euch ab (und der schlechten Steuerung).

Alles beginnt harmlos, mit dem Geburtstag eures Sohnes.

Alles beginnt harmlos, mit dem Geburtstag eures Sohnes.

 

Quick Time Overload

Kurzgefasst, das gesamte Gameplay beschränkt sich auf ein Feature: nämlich Quick Time Events. Zwar sind nicht alle davon unbedingt von schnellen Reaktionen anhängig, aber gerade in Actionsequenzen ist rechtzeitiges Drücken der entsprechenden Taste essenziell. Da die gesamte Spielmechanik also von diesem Feature abhängig ist, ist umso unverständlicher, warum nicht spätestens jetzt dafür gesorgt wurde, dass dieses auch wirklich perfekt funktioniert. Immer wieder passiert es, dass die weißen Buttoneinblendungen in einem wichtigen Moment vor einen zu hellen Hintergrund verschwinden und in fatalen Konsequenzen für Story resultieren. Bei einem Spiel wie Heavy Rain, in dem Entscheidungen die Story schmieden, sollte der Spieler auch die Kontrolle über seine Entscheidungen haben. Leider diktieren hier immer wieder mal die technischen Unzulänglichkeiten, welche Entscheidungen getroffen werden. In solchen Situationen bleibt im Grunde nur noch den letzten Spielstand zu laden und es erneut zu versuchen. Warum man nicht die Gelegenheit genutzt hat, um hier ein wenig nachzuarbeiten, ist mir nicht ganz klar, zumal diese Schwächen schon beim Release des Originals bemängelt wurden. Die Motion Funktionen des Controllers werden ebenfalls wieder beansprucht und ich muss sagen, ich hasse diese Situationen noch immer. Wie ein Irrer schüttelt man seinen armen Controller durch, nur um etwas zu machen, dass man auch gut mit mehrfachem Drücken einer Taste hätte lösen können. Zusätzlich müsst ihr dann auch noch gekonnt den Analog Stick schwingen, was manchmal funktioniert und manchmal eben nicht. Man kann also mit Recht behaupten, dass das Gameplay der größte Kritikpunkt des Spiels ist.

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Derartige Button Einblendungen bilden eure einzige Interaktionsmöglichkeit.

 

Animationen zum Gruseln

Dass man für ein Remaster nicht noch mal alle Motion Capture Arbeiten erneuert, ist nachvollziehbar. Das Ergebnis, wenn man steife Animationen mit hochauflösenden Grafiken verbindet, sieht man hier. Was schon im Original teilweise extrem künstlich, leblos und steif aussah, wird hier durch die bessere Auflösung noch verstärkt. Als ich dem Hauptcharakter dabei zusah, wie er seine Frau küsste, musste ich sofort an das Bild zweier Becher denken, die man aufeinander drückt. Die Musik kann sich im Gegensatz dazu noch immer hören lassen. Melodisch, deprimierend und melancholisch trägt sie die Stimmung des Spiels. Vor allem in den tragischen und actionreichen Momenten sorgt sie für die richtige Stimmung.

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Die durchaus gelungene Stimmung, wird nur durch die seltsamen Animationen gestört.

 

Fazit:

Heavy Rain war damals ein wirklich ambitioniertes Projekt. Nicht zuletzt auch wegen der hohen Erwartungen, die Fahrenheit geschürt hatte. Leider fand ich schon beim ersten Release, dass David Cage und sein Team zu viel wollten und nicht annähernd das Ziel erreicht haben. In den “Action”-Sequenzen kann die Story wirklich begeistern, außerhalb verliert sich das Spiel häufig in belanglosen und langweiligen Aktivitäten. Nur die Tatsache, dass ihr ständig Knöpfe drücken müsst, hält euch im Spiel, andernfalls könntet ihr den Controller auch getrost weglegen. Die überarbeitete Version stellt zudem die manchmal recht gruseligen Animationen stärker zur Schau. Küssen hat noch nie schlimmer ausgesehen als hier. Auch hätte man die Gelegenheit nutzen können, um die Eingaben etwas besser sichtbar zu machen und dafür zu sorgen, dass Eingaben auch korrekt registriert werden. Heavy Rain ist noch immer eine interessante Erfahrung, jedoch ist das Spiel nicht sehr glanzvoll gealtert. Wer Heavy Rain also noch nie gespielt hat, sollte auf jeden Fall einen Blick wagen, alle anderen werden aus der Überarbeitung keinen Mehrwert erhalten.

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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