Hatoful Boyfriend – Review zur Dating Sim für Vogelliebhaber

Japanische Spiele haben ja den Ruf ein wenig seltsam zu sein. Von seltsam lustig oder seltsam schräg bis hin zu grenzwertig kann man so ziemlich alles finden. Ein Bereich, der in Japan schon immer beliebt war, ist der der Visual Novels. Die interaktiven Geschichten bieten meist tief greifende Storys mit vielen Charakteren. Und Hatoful Boyfriend macht da keine Ausnahme. Auf dem Weg durch das Spiel zu einem der vielen Enden interagiert ihr mit einer Vielzahl an Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wenn ihr jetzt wissen wollt, ob eure Zeit in Hatoful Boyfriend gut investiert ist, dürft ihr unseren Test nicht verpassen.

 

This Story ist not for anybirdie

Bei Hatoful Boyfriend handelt es sich um ein klassisches Otome Game (Mädchen Spiel). In diesem Genre gilt es in der Rolle einer weiblichen Hauptfigur mit einem der vielen männlichen (oder manchmal auch weiblichen) Charaktere eine Romanze anzufangen. Hier nimmt das Spiel allerdings eine kleine Wende, denn eure Protagonistin ist der einzige Mensch im Spiel. Eure Schulkameraden, sowie eure Lehrer sind Vögel. Und ich meine das jetzt nicht als Beleidigung, sondern im eigentlichen Sinne echte Vögel. Zu Beginn des Spiels dürft ihr euch selbst einen Namen geben und so habe ich meiner jungen Dame den sehr femininen Namen “Optimus Prime” verpasst. Sofort startet dann für Optimus auch schon das erste Schuljahr am St. PigeoNation’s Institute. Ryouta Kawara ist dabei euer bester Freund und begrüßt euch auch gleich vor der Schule. Der gesamte Alltag von nun an besteht für euch daraus, neue Leute kennenzulernen, Klubs in der Schule beizutreten, Beziehungen zu knüpfen und so weiter. Immer mit Blick darauf den gefiederten Partner eurer Träume zu finden. Unter der Oberfläche dieser Story gibt es allerdings mehr als es auf den ersten Blick erscheint. Manch unscheinbarer Kamerad an eurer Schule hat vielleicht eine traurige Hintergrundgeschichte, die ihr ergründen könnt. Das Spiel bietet einiges an Abwechslung in Hinblick auf die Story.

Ryouta ist euer erster Vogel-Kumpel an der Schule.

Ryouta ist euer erster Vogel-Kumpel an der Schule.

 

Die Welt der schrägen Vögel

Das Spiel macht von Beginn alles um euch in die schräge Welt reinzuziehen. Ihr habt zu Beginn die Wahl, ob ihr beim ersten Zusammentreffen mit neuen Charakteren deren menschliches Ebenbild sehen möchtet. Entscheidet ihr euch dafür, seht ihr neben dem Vogel-Ich des Charakters auch seine menschliche Erscheinung. Jedoch heißt das nicht, dass die anderen auch Menschen sind. Außer euch gibt es an der Schule nur Geflügel. Neben dem enormen Dialoganteil habt ihr immer wieder die Möglichkeit bestimmte Kurse zu besuchen, um zum Beispiel euer Charisma, eure Ausdauer oder die Intelligenz zu erhöhen. Diese Verbesserungen geben euch dann neue Möglichkeiten in Gesprächen. Wollt ihr schneller durch diese Dialoge kommen, könnt ihr mit der Dreieck-Taste Gespräche überspringen. Dies ist hauptsächlich dann nützlich, wenn ihr auf der Jagd nach weiteren Enden seid.  Was im Verlauf schnell klar wird, vor allem wenn man nicht mehr darauf achtet, das Menschenmädchen versucht eine Romanze mit einem Vogel einzugehen, ist, wie gut die restlichen Charaktere geschrieben sind. Von eurem Sportlehrer, der offensichtlich einen seltsamen Pudding Fetisch hat, bis hin zum arroganten und unheimlichen Schularzt. Alle Charaktere haben durchaus einiges an Tiefe zu bieten. Je nachdem wie ihr in verschiedenen Situationen entscheidet und mit welchem eurer Vogelkameraden ihr anbandelt, schaltet ihr unterschiedliche Enden frei. Manche der Enden sind dabei leichter und schneller erreichbar als andere. Wer jetzt allerdings erwartet, dass sich die unterschiedlichen Enden darauf beschränken einfach nur mit einem anderen Vogel glücklich zu werden, den muss ich enttäuschen. Entscheidungen können nämlich den Ton der gesamten Story stark beeinflussen. So erwarten euch neben den glücklicheren Enden auch mysteriöse, tragische und weniger glücklichere Enden. Hier darf man sich auf Danganronpa-mäßige Situationen freuen. Gerade diese Abschnitte sind sehr unterhaltsam und auch die manchmal tragischen Momente mancher Charaktere beeindrucken. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man dem Spiel diese Art an Tiefe aufgrund der Optik nicht zutraut.

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Neben dem Wortwitz hat das Spiel noch viel mehr schrägen Humor zu bieten.

 

Visual Novel Standard

Wie für Visual Novels üblich präsentiert sich das Spiel typischerweise nur mit Dialogboxen und den Charakterporträts im Hintergrund. Die Porträts der Vögel wurden dabei mit wahrlich meisterhaften Photoshop Skills in das Spiel eingefügt. Visuell solltet ihr also kein spektakuläres Erlebnis erwarten. Dennoch wirkt alles zusammen sehr stimmig, da die Entwickler diesen Stil konsequent durchgezogen haben und dass sowohl in visueller Hinsicht, als auch bei der Gestaltung der Dialoge. Man sollte allerdings der englischen Sprache mächtig sein, wenn man alle Vogel Wortspiele mitbekommen möchte, auch wenn ihr hier die Möglichkeit habt, das Spiel auf Deutsch zu spielen. Sachen wie anybirdie sind nur die Spitze des Humoreisbergs. Das gesamte Spiel muss dabei ohne Vertonung auskommen, sodass ihr nur auf die Texte angewiesen seid. Die Musik ist dabei eher unauffällig im Hintergrund, sodass es schwerfällt, hier irgendwelche Highlights auszumachen. Wenigstens passt sie zur Stimmung des Gesamterlebnisses.

Die klassische Rocker Taube in freier Wildbahn.

Die klassische Rocker Taube in freier Wildbahn.

 

Fazit:

Ich bin ein riesiger Fan von Japano Games aller Art, denn oftmals verbergen sich hinter den seltsamsten Ideen die großartigsten Spielerfahrungen. Hatoful Boyfriend macht es einem dabei nicht leicht bis zu einem Punkt durchzuhalten, bis man erkennt, wie toll das Spiel ist. Spieler, die mit seltsamen und schrägen Spielen nichts anfangen können, werden hier wohl schon nach fünf Minuten wieder aufgeben.  Genau das ist allerdings ein Fehler, denn hat man erst mal ein paar Stunden in Beziehungen zu den anderen Charakteren investiert wird einem klar, wie gut die Charaktere geschrieben sind. Dabei wechselt das Spiel gekonnt zwischen Humor auf Monty Python Niveau und düsteren, cleveren Storylines. So viele gute und lustige Verläufe ihr erleben könnt so viele tragische werden folgen. Hatoful Boyfriend ist einer der seltenen Geheimtipps für alle Leute mit einer Vorliebe für derartige Spiele. Wer Virtue’s Last Reward oder Danganronpa mochte sollte auch hier zugreifen.

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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