Halo Wars 2 – Test zur Fortsetzung des Konsolen-Strategiehits

Strategie auf Konsole? Viele fühlen sich unangenehm an Spiele wie z. B. Command & Conquer auf der PlayStation erinnert und bis heute hält sich das Klischee, Echtzeitstrategie könne auf Konsole nicht funktionieren, knallhart. Aber schon der Vorgänger zeigte bereits, dass dieses Prinzip durchaus funktionieren kann. Ob Halo Wars 2 erneut überzeugen kann oder ob er nicht vielleicht sogar seinen Vorgänger in den Schatten stellt, das erfahrt ihr in diesem Test.

 

Ein wenig Schönheitsschlaf

Jeder kennt das doch: Man haut sich ein bisschen aufs Ohr und schon sind 28 Jahre vergangen. Zumindest die Besatzung der UNSC Spirit of Fire kennt dieses Problem, als sie wider Erwarten von der Schiffs-KI Serina aus dem Kryoschlaf gerissen werden. Diese gibt uns noch spärliche Informationen, bevor sie sich aufgrund eines Sicherheitsprotokolls selbst löscht und uns relativ ahnungslos zurücklässt. Durch einen Hyperraumsprung ist das Schiff nämlich über einem seltsamen Konstrukt der sogenannten Blutsväter, einer vor Jahrtausenden ausgestorbenen Rasse, zum Stillstand gekommen und empfängt nun ein verbündetes Signal von dessen Oberfläche. Dieses wird natürlich prompt untersucht und schon geraten wir an vorderste Front. Die KI Isabel, einziges Überbleibsel eines Massakers innerhalb der untersuchten Forschungseinrichtung warnt uns noch, dass wir doch bitte schleunigst umdrehen und um unser Leben rennen sollen, da greift schon ein übellauniger Brute-Häuptling unsere Spartans an und prügelt sie beinahe zu Tode. Wir können gerade noch so einer gewaltigen Armee entkommen und bekommen zurück auf der Spirit of Fire dann Informationen von Isabel. Der Brute-Häuptling mit Namen Atriox ist ein ehemaliger Befehlshaber aus den Reihen der Allianz, der sich jedoch weigerte, für einen Glauben zu sterben, der nicht seiner war. Darum rebellierte er, scharrte eine Armee aus gleich gesinnten um sich, die Verbannten. Nun kann nicht einmal mehr die eigentlich übermächtige Allianz etwas gegen ihn und seine Truppen ausrichten. Mit der sicher bevorstehenden Vernichtung wollen wir uns aber natürlich nicht abfinden und ziehen gegen Atriox und seine Verbannten in den Kampf. Die Story von Halo Wars 2 knüpft somit direkt an seinen Vorgänger an und bietet dabei Neueinsteigern kaum eine Sekunde, um die Charaktere kennenzulernen. Spieler des Vorgängers werden sich also quasi sofort heimisch fühlen, während Neulinge die Charaktere wohl nie wirklich ins Herz schließen werden. Was den Umfang angeht, ist die Solo-Kampagne mit 12 meist sehr umfangreichen Missionen und einem möglichen Koop-Modus ausreichend ausgestattet. Wünschenswert wäre jedoch beispielsweise auch eine Verbannten-Kampagne gewesen.

Halo Wars 2

Orbitalschläge, Raketen-Sperrfeuer. Die Kämpfe in Halo Wars 2 sind wie erwartet bombastisch inszeniert.

 

Strategie auf Konsole. Das geht?

Bereits der Vorgänger unter Ensemble Studios (verantwortlich für die Age of Empires Reihe) bewies: Ja, das geht! Mit einer bis dato für Konsolen-Strategie nicht gesehenen Steuerung konnte Halo Wars bereits damals so einige Konsolen-Strategie-Muffel überzeugen. Diese Arbeit setzten Creative Assembly (verantwortlich für die Total War Reihe) nun fort und blieben dem Vorgänger dabei weitestgehend treu. Im Gegensatz zu der typischen PC-Echtzeit-Strategie bauen wir unsere Basen hier an festgelegten Punkten und erweitern sie um viele verschiedene Module, mit denen wir dann forschen, ausbilden und Rohstoffe bzw. Energie erzeugen können. Das alles wird über ein aufploppendes Kreismenü gesteuert und funktioniert sowohl schnell als auch einfach. Aufpassen muss man aber besonders, dass der Bau besonders ausgewogen ist. Zu viel Produktion bedeutet im Umkehrschluss zu wenig Truppen und meist damit die Niederlage. Das alles kennen Spieler des Vorgängers. Was jedoch vor allem in puncto Gameplay auffällt: Halo Wars 2 bietet zwei dem Vorgänger gegenüber neue Besonderheiten. Zum einen wären da die Bosskämpfe der Kampagne. Die Bosskämpfe gegen Atriox und seine Schergen bieten eine interessante, teils aber auch sehr herausfordernde Abwechslung und sind wirklich aufregend. Hier wechseln sich das schlichte ballern und kleinere Herausforderungen, wie z. B. das Ausweichen von Orbitalschlägen ab und bestrafen Spieler, die sich einfach zurücklehnen und die Truppen machen lassen. Die andere Besonderheit bietet der neue Blitz-Modus im Multiplayer. Dieser ist eine Mischung aus Echtzeitstrategie im altbekannten King-of-the-Hill-Modus und Sammelkartenspiel. Mit einem vorher zusammengestellten Deck zieht man mit einem Teamkollegen oder alleine in 2-4 Spieler Matches, spielt bei genug vorhandener Energie die jeweiligen Karten auf der Hand aus und teleportiert somit umgehend Einheiten oder taktische Manöver auf das Schlachtfeld. Diese Karten sind in verschiedene Seltenheitsstufen unterteilt und haben zudem bestimmte Spezialfähigkeiten. So kann der Trupp aus gepanzerten Marines beispielsweise den Schaden, den verbündete Truppen in ihrer Nähe erlitten hätten, auf sich selbst übertragen. Das gibt dem Blitz-Modus eine gewisse taktische Note, lässt stellenweise aber auch das Balancing kritisch beäugen. Mit den Truppen werden dann festgelegte Zonen erobert und über längere Zeiträume verteidigt, um die für einen Sieg nötigen 2000 Punkte zu sammeln. Das klingt alles nach einer netten und spaßigen Abwechslung zum klassischen Deathmatch und genau das ist es auch am Anfang. Jedoch bekommt dieser Modus recht schnell einen leicht faden Beigeschmack, sobald man für neue Decks Echtgeld ausgeben muss. Zwar können auch durch Kampagnenmissionen und Levelaufstiege Decks ergattert werden, ein leichter Eindruck von Pay-2-Win entsteht hier allerdings leider schon. Zusätzlich zu dem Blitz-Modus bietet Halo Wars 2 aber auch die Modi Dominanz oder Festungen. In Dominanz werden ähnlich wie im Blitzmodus bestimmte Punkte auf der Map, sogenannte Kontrolltürme, erobert und mit ihnen Punkte gesammelt, bis entweder die Siegpunktzahl erreicht oder die Zeit abgelaufen ist. Im Festungs-Modus erobern die Spieler zahlreiche Mini-Basen, verringern somit den Abstand zu den gegnerischen Hauptbasen und erhöhen dabei ihre maximale Truppenzahl von sich selbst und den verbündeten Spielern, solange sie die Basen halten können. Wer die gegnerischen Hauptbasen zerstört oder quasi das Festungsmonopol auf der Map hat, gewinnt die Runde. Der Multiplayer-Modus von Halo Wars 2 bietet also über viele Stunden hinweg Abwechslung und Spielspaß. Negativ fiel allerdings die Ähnlichkeit der beiden Fraktionen UNSC und Verbannte in Bezug auf das Gameplay auf. Sie unterscheiden sich in ihrer Spielweise fast überhaupt nicht, was dem Spiel leider etwas an Tiefe nimmt.

Halo Wars 2

Kenner des Vorgängers fühlen sich beim Basenbau sofort wie zuhause.

 

Wie im Kino

Die gerenderten Filmsequenzen, mit denen die Story der Kampagne fortgeführt wird, sind hingegen eine wahre Augenweide. Sowohl die Charakterdarstellung als auch die Weltraumschlachten sorgen für die eine oder andere herunterklappende Kinnlade, wenn beispielsweise ein schier endloser Strom von Blutsväter-Protektoren über dem Planeten fliegt oder Atriox und seine Verbannten sich bedrohlich sammeln. Zusammen mit der mitreißenden, orchestralen Musik kommt man sich während der Sequenzen fast wie im Kino vor, ein Gefühl, das man eigentlich eher aus z. B. Blizzardspielen kennt.

Positiv:

Atemberaubende Filmsequenzen mit mitreißender, orchestraler Musik
Fordernde Bosskämpfe, die das Kampagnen-Gameplay etwas auflockern
Neuer Blitz-Multiplayer-Modus
Schnelle und leicht zu lernende Steuerung

Negativ:

Story und Charaktere aufgrund fehlender Bezüge für Neulinge eher belanglos
Balancing des Blitz-Modus nicht wirklich ausgereift
Deck-Kauf des Blitz-Modus erzeugt Bild von Pay-2-Win
Keine Verbannten-Kampagne
Ähnlichkeit der beiden Fraktionen nimmt dem Spiel etwas an Tiefe
[testimonial_slider][testimonial image_url=”57684″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Jonathan Klug, Redakteur”]

“Creative Assembly beweisen mit Halo Wars 2, dass sie es immer noch drauf haben. Ein schnelles und leicht verständliches, jedoch schwer zu meisterndes Gameplay in dem bekannten und extrem umfangreichen Halo-Universum. Also perfektes Futter für Fans. Das ist aber gleichzeitig auch eine der Schwächen des Spiels, da Neulinge ohne Vorwissen praktisch nichts erklärt bekommen und sich ziemlich ahnungslos durch das Spiel ballern. Auch fehlende inhaltliche und strategische Tiefe durch die ähnlichen Fraktionen, die nicht vorhandene Verbannten-Kampagne und das leichte Gefühl von Pay-2-Win im Blitz-Modus kratzen ein wenig an dem sonst sehr spaßigen Großen und Ganzen. Alles in allem bekommt man mit Halo Wars 2 also genau das, was man sich auch erhofft hat. Bombastische Kämpfe, starkes Storytelling und eine allgemein sehr überzeugende Inszenierung.”

[/testimonial][/testimonial_slider]

Auf in den Kampf?

Fans des Halo-Universums können dank der fantastischen Inszenierung und dem aus dem Vorgänger weitestgehend erhalten gebliebenen Gameplay beherzt zugreifen. Halo-Neulinge, die mit der Story nicht vertraut sind, sollten sich jedoch lieber zunächst den Vorgänger anschauen.

Share This Post
Deine Meinung?
00
Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.