Halo 5: Guardians – Test zum fünften Teil des Xbox-Shooters

Darauf haben die Xbox One-Besitzer lange gewartet. Mit Halo 5: Guardians liegt nun schon der fünfte Hauptteil in der Konsole und dreht fröhlich vor sich hin. Der Master Chief war doch schon fast in Rente, da kramt Microsoft ihn aus der Versenkung und zeigt im neusten Teil, was er noch zu bieten hat. Wirklich viel über die Figur wissen wir zwar nicht, dennoch dachten wir bislang, er sei ein Kriegsheld. Doch nun soll er ein Verräter sein?! Wir haben uns den neusten Teil einmal genauer ansehen und verraten euch in unserer Review, ob sich ein Kauf lohnt.

 

Master Chief, Master Chief, wo bist du bloß oh Master Chief

Die Geschichte knüpft ein paar Monate nach Halo 4 an, wo brutale Angriffe auf die Kolonien der Menschen stattfinden und der Held Master Chief spurlos verschwindet. Bei der UNSC (United Nations Space Command) leuchten spätestens nun alle Alarme, weshalb Spartan Jameson Locke mit seinem Team namens Osiris erst mal auf die Suche nach dem Chief geschickt wird. Dieser hat ebenfalls ein Team (mit dem einfachen Titel Team Blau) mit drei weiteren Soldaten am Start. Je nach Mission schlüpfen wir entweder in die Rolle von Locke oder Chief. Die Verteilung der Einsätze ging dieses Mal leider gegen Chief und für Locke. Denn mehr als 3/4 der insgesamt 15 Storymissionen spielen wir das Team Osiris. Nach sieben Stunden Spielzeit ist Schluss mit dem Schützenfest. Schon nach etwa zwei Stunden finden sich beide Teams und die Story wird gedreht. Fortan geht es nicht mehr um die Suche nach dem Chief, was besonders für Serieneinsteiger ab dann ziemlich kompliziert werden könnte. Zwar mag ein Neueinsteiger die Rahmenhandlung in sich schon verstehen, etwaige Vorkenntnisse aus den bereits erschienen Teilen sollte man bestenfalls schon mitbringen. Hier bietet sich ganz gut die Halo: The Master Chief Collection an, welche es auf der Xbox One zu kaufen gibt. Denn ohne ein wenig Hintergrundwissen kommt man mit den Namen Halsey, Cortana oder der Allianz doch etwas durcheinander. Grundsätzlich gibt es allgemein keine großen Informationen, warum es eigentlich Team Blau gibt und was sie so stark macht. 343 Industries schafft es trotzdem die Geschichte recht abwechslungsreich zu erzählen, indem beide Teams jeweils eigene Ziele verfolgen und so auch an verschiedene Orte kommen. Beispielsweise sind wir mal auf dem Schneeplaneten oder streifen durch Sanghelios – wieder ein Begriff, den man als Halo-Veteran nicht kennt. Insgesamt geht der Story dann aber doch schnell die Puste aus, was unter anderem daran liegt, dass die Geschichte einfach nicht vorankommen will. Dazu gibt es ein offenes Ende, was 343 Industries mit dem sechsten Teil aber schließen möchte, schließlich haben die Autoren bereits Ideen für einen weiteren Teil.

Hauptsächlich spielen wir Spartan Jameson Locke mit seinem Team namens Osiris.

Hauptsächlich spielen wir Spartan Jameson Locke mit seinem Team namens Osiris.

 

Altes Halo mit wenig Neuem

Halo 5: Guardians spielt sich wie ein Halo. Am Gameplay wurde nicht viel verändert. Bereits beim Start der Kampagne fällt auf, dass wir nicht alleine, sondern mit drei weiteren Soldaten unterwegs sind. Vorteil: Da das Spiel komplett auf Teamwork ausgelegt ist, macht es natürlich viel mehr Spaß, wenn drei Kollegen per Koop die anderen Mitstreiter übernehmen. Sollte man keinen Freund für Halo finden, übernimmt die KI einfach die Steuerung. Ganz nett daran ist, dass wir diesen dann Befehle geben können. Grundsätzlich braucht man diese Befehle zwar nicht, denn die KI ist ganz gut geworden, ab und an kann es aber doch schon mal hilfreich sein, sollten sich unsere Kollegen einmal langweilen. Da machen die Schwierigkeitsgrade schon deutlich zu schaffen, besonders “Legendär” ist nun auch mal nur für legendäre Spieler geeignet. Der Warthog ist ein ständiger Begleiter, diverse Fluggeräte stehen uns genauso zur Verfügung wie Panzer. Also wird erneut geballert, die die Munition aus geht. Bereits bei unserem Besuch in Hamburg zur Xbox Celebration fiel uns auf, dass man nicht auf großes Risiko gehen wollte. Bekannte Gameplay-Elemente in ein kleineres Missionsareal und fertig ist Halo 5. Die Steuerung ist dafür wirklich perfekt und so spielen wir uns mit schnellen Abschüssen, schneller Deckung für den eigenen Schutz und starken Granaten gegen den Rest der Truppe zum Erfolg. Die Waffen kommen hierbei natürlich nicht zu kurz und so gibt es zwar Unterschiede zwischen den menschlichen und außerirdischen Waffen, ordentlich Power haben aber beide Varianten. Grundsätzlich sind alle Waffen um einiges effektiver geworden, als es noch im Vorgänger der Fall war.

Die Gegner ist nicht schlecht und weiß sich zu verteidigen.

Die Gegner ist nicht schlecht und weiß sich zu verteidigen.

 

Sind wir hier bei Call of Hüpfen?!

Eine größere Neuerung sind aber die vorhandenen Schubdüsen, die nun über das Schlachtfeld benutzt werden können. Dazu findet das Klettern Einzug in die Gefechte und so können wir uns per Knopfdruck in alle Richtungen bewegen. Mit Rammangriffen sehen die Gegner den Boden bald über sich und Angriffe sind via Stampfer auch aus der Luft ausführbar. Diese Funktion bringt frischen Wind in das sonst sehr bekannte Gameplay. Dank der verschiedenen Höhen innerhalb der Level gewinnt das Spiel auch an Dynamik, da man nicht nur flotter Angriffe starten kann, sondern auch besser aufpassen muss, ob man nicht gleich selbst zur Zielscheibe wird. Fast vergessen: Ab sofort können wir uns an Felsvorsprüngen hochziehen, juhu! Wer bereits mit den anderen Halo-Teilen nicht zurechtkam, der sollte dieses Mal ebenfalls die Finger davon lassen. Am Gameplay wurde eben nicht die Innovation integriert, die wir uns eigentlich vorgestellt hatten. Trotzdem bleibt Halo 5: Guardians weiterhin ein toller Shooter.

Dank der neuen Schubdüsen ist das Spiel um einiges dynamischer.

Dank der neuen Schubdüsen ist das Spiel um einiges dynamischer.

 

Der Multiplayer von Halo 5: Guardians

Was wäre ein Halo ohne den Multiplayer, welchen man auch zu zwei an einer Konsole spielen kann… Moment mal… Splitscreen? Erstmals in der Reihe müssen Fans auf den Splitscreen-Modus verzichten. Besonders schwach, da man die Kampagne schließlich auch Kooperativ spielen kann, allerdings nur Online. Eine LAN-Funktion wurde ebenfalls gestrichen. Einfach gesagt: Wer den Multiplayer-Modus spielen will, der muss eine aktive Internetverbindung und ein aktives Xbox-Live-Konto besitzen. Generell wurde noch ein wenig bei den Modi ausgemistet. Insgesamt gibt es nur noch zwei Spielvarianten: Arena und Kriegsgebiet. Wer es klassisch mag, der sollte in den Arena-Modus hereinschauen, denn hier spielen wir zu viert gegen ein anderes vierer Team. Die Maps sind sehr kompakt und übersichtlich gestaltet. Egal ob Team-Deathmatch oder eine Art Capture-the-Flag, jeder startet mit der selben Waffe. Danach müssen wir auf der Map selbst für neue Waffen sorgen, die überall herumliegen. Beim Kriegsgebiet sieht das schon etwas anders aus. Die Schlachten werden auf größere Karten verlegt, wo auch Fahrzeuge mit dabei sind. Dazu werden aus acht, nun bis zu 24 Spieler, die sich gegenseitig versuchen zu erlegen. Dazu tummeln zusätzlich KI-Gegner durchs Feld, was die Schlachten weitaus echter und lebendiger aussehen lassen. Das eigentliche Ziel ist es aber, insgesamt 1000 Punkte zu erreichen. Diese kann man beispielsweise für normale Kills, aber auch für das Erobern von Stützpunkten erreichen – also eine Art Herrschaft. Insgesamt wirkt alles sehr stimmig und abwechslungsreich. Denn durch die individuellen Ziele auf der Karte und die zusätzliche KI macht jedes Match anders Spaß. Ein Levelsystem darf natürlich nicht fehlen, in dem man dann nach und nach stärkere Waffen, Fähigkeiten und Fahrzeuge freischalten kann. Dazu gibt es noch REQ-Packs (ja sie lesen sich nicht nur wie FIFA-Packs, auch der Inhalt ist gleich mit den FIFA-Packs), die man sich im Spiel verdienen kann. Unterteilt wird in Bronze, Silber (1,99 Euro) und Gold (2,99 Euro)… und ja die Währung in Klammern zeigt, dass auch in Halo 5: Guardians Mikrotransaktionen mit an Bord sind. Man braucht diese aber nicht, denn dank des Levelsystems kann man genügend Power für das nächste Match freischalten. In den REQ-Packs finden sich dann spezielle Boosts, Waffen oder Fahrzeuge, die dann an den jeweiligen Stationen im Spiel eingesetzt werden können. Besonders schön ist aber, dass wir dank der Dedicated Server keinerlei Verbindungsprobleme hatten. Das Desaster der Master Chief Collection aus dem letzten Jahr wurde glücklicherweise nicht wiederholt.

Der Multiplayer bietet eine Menge an Umfang und wird dank immer neuer Inhalte auch noch in den nächsten Monaten ordentlich für Spaß sorgen.

Der Multiplayer bietet eine Menge an Umfang und wird dank immer neuer Inhalte auch noch in den nächsten Monaten ordentlich für Spaß sorgen.

 

Technisch bester Teil

Selten gibt es bei einer so tollen Optik 60 Bilder pro Sekunde auf der Xbox One. Halo 5 hat schon so seine Momente, wo wir uns einfach nur in die Ecke gestellt haben, um die unterschiedlichen Landschaften anzuschauen. Überall protzt es vor kleinen Details, die Lichteffekte sind stimmig, das Wasser sieht schick aus und auch die generelle Atmosphäre des jeweiligen Levels ist echt gelungen. Dennoch bleibt es nicht aus, dass ein wenig Kantenflimmern vorhanden ist und ein paar Animationen der Gegner etwas komisch wirken. Das große “WOW” steht uns zwar nicht im Gesicht, dennoch macht Halo 5 seinen Job richtig gut, was auch bei den Fans positiv aufleuchten sollte. Technisch haben wir generell keinerlei Probleme gehabt, gravierende Bugs oder Fehler sind nicht vorhanden. Auch der Sound kann sich wirklich hören lassen. Hier punktet 343 Industries auch mit der deutschen Synchronisation, die erstmals so richtig gelungen ist. Bekannte Sprecher (deutsche Stimme von Vin Diesel und Gerald Butler sind unter anderem dabei) verleihen in toll animierten Zwischensequenzen ihren Charakteren die Stimmen. Aber auch die Waffensounds sind stimmig und wuchtig. Man merkt schon, dass es sich hierbei um ein Science-Fiction-Shooter handelt. Dazu ist die Abmischung mit den Effekten wirklich hervorragend. Bei einem Soundsystem kann es durchaus passieren, dass die Wände anfangen zu vibrieren.

Optisch kann man den besten Teil der Reihe erwarten, was unter anderem an den tollen Lichteffekten liegt.

Optisch kann man den besten Teil der Reihe erwarten, was unter anderem an den tollen Lichteffekten liegt.

 

Fazit:

Die Halo-Serie konnte mich schon mit dem ersten Titel auf dem PC überzeugen. Das lag aber hauptsächlich am Multiplayer und nicht an der Geschichte rund um den Master Chief. Diese habe ich in den ersten Jahren mit Halo gar nicht großartig gespielt. Halo 5 beweist es mir erneut: nicht jedes Spiel braucht unbedingt eine Kampagne. Bitte versteht mich nicht falsch, die Geschichte ist gut inszeniert und unterhält durchaus auch für sieben bis acht Stunden, Halo könnte aber gerne auch mal aus umfangreicher Multiplayer-Shooter auf die Xbox kommen. Denn die Mehrspieler-Gefechte machen schlussendlich immer noch am meisten Spaß. Verschiedene Spielmodi und eine gute Auswahl an unterschiedlichen Maps sind vorhanden, das Levelsystem ist sinnvoll eingesetzt und die Tatsache, dass kommende Maps kostenfrei sein sollen, lassen unser Gamerherz höher schlagen. Ein gelungener fünfter Teil, der Fans der Reihe gefallen wird.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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