Ghost Recon Wildlands – Test zu Ubisofts nicht ganz so wildem Taktik-Shooter

Mit Ghost Recon Wildlands hat Ubisoft einen weiteren Open World Titel ins Rennen geworfen. Die Ghosts sollen diesmal Bolivien von dem Santa Blanca Kartell befreien. Wir haben uns den neuesten Teil der Ghost Recon Reihe angeschaut und liefern euch hier einen Feldbericht ab.

 

Santa Blanca böse, Ghosts gut

Die Ghost Einheit wird für ihren aktuellen Einsatz nach Bolivien beordert. Dort soll sie das Santa Blanca Kartell zu Fall bringen, dass in Bolivien versucht einen Narco State unter ihrer Kontrolle zu erschaffen. An der Spitze steht El Sueño, der glatzköpfige Anführer des Kartells. Doch um an diesen heranzukommen, müssen sich die Ghosts über das weitverzweigte Netz an Handlangern zu ihm vorarbeiten. Um die Chancen zu erhöhen, schließt ihr euch zudem mit den lokalen Rebellen zusammen. Was mich an der ansonsten zweckmäßigen Story gestört hat, war der Mangel an Fokus. Der rote Faden von einer Mission zur nächsten geht schnell verloren, wenn man zwischen zwei Orten auf 20 neue Aufgaben trifft. Ebenso ist der eigentliche Grund für den Antrag der Ghosts ein wenig schwach. Man schickt die Ghosts nämlich nicht wegen der Bedrohung durch das Kartell dahin, um die Bürger dort zu schützen. Ihr seid dort, weil ein befreundeter amerikanischer Agent eurer Auftraggeberin vom Kartell getötet wurde. Ihr seid im Grunde also nur ein Mittel für ihre private Rache. Für ein Action Game wäre das absolut kein Problem, unter dem Namen Tom Clancy und in der Ghost Recon Reihe ist das ein eher schwacher Grund für den Einsatz der Ghosts.

Ghost Recon Wildlands

Die Landschaft in Wildlands bietet durchaus Abwechslung.

 

Mit Freunden spaßig, allein eher mau

Sieht man die Map von Wildlands mit all den Missionen, ist man erst mal überwältigt. Was zu Beginn noch Lust auf mehr macht, wandelt sich allerdings schnell in ein Gefühl von “oh, nicht schon wieder”. Um an den Kartellboss heranzukommen, müsst ihr erst mal kleinere Aufträge erledigen, um die Handlanger aus der Deckung zu locken und die Macht des Kartells zu schwächen. Leider liefern diese Missionen kaum Abwechslung. Ihr sprengt wichtige Ressourcen, befreit Gefangene und schützt diese bei der Flucht oder fangt Konvois ab. Missionstypen dieser Art wiederholen sich immer wieder, was schnell für Langeweile sorgt. Um die Missionen spaßiger zu gestalten, solltet ihr daher mit Freunden losziehen. Taktische Planung geht hier zwar sehr oft schief, das folgende Chaos, wenn plötzlich Dutzende Gangster hinter euch her sind, ist aber immer wieder gut für wahnwitzige Gefechte und Aktionen. Dabei ist es natürlich auch wichtig, wie taktisch gut die einzelnen Mitspieler kooperieren. Positiv fand ich das nahtlose Drop In/Out von Freunden. Schlecht war jedoch, dass ihr keine gemischten Teams haben könnt. Im Klartext solltet ihr nur einen Mitspieler finden, seid ihr fortan als Duo unterwegs. Spielt ihr allein, unterstützen euch drei KI-Kollegen und hier wird dann auch deutlich, warum Einzelspieler wahrscheinlich weniger Spaß haben werden. Eure KI Kollegen haben im Grunde nämlich keinerlei Eigeninitiative, um auch nur den kleinen Finger zu rühren. Ein Problem ist das allerdings nicht. Ihr startet einfach eure Drohne und markiert die Feinde aus der Luft, danach markiert ihr Feinde für einen synchronisierten Schuss. Diese Fähigkeit ermöglicht es euch, schon ohne ein Upgrade zwei Ziele auf einmal auszuschalten. Weiter aufgewertet könnt ihr vier Feinde auf einmal ausschalten und im Gegensatz zu euch selbst, treffen eure Kollegen nie daneben. Sollte bei einem Einsatz aber dennoch mal Alarm geschlagen werden, ist euer KI-Team zudem auch noch widerstandsfähiger als menschliche Mitspieler, zum Beispiel wenn es darum geht, euch wiederzubeleben. Was eure computergesteuerten Teammitglieder ausgezeichnet machen, ist euch zu informieren, wenn zum tausendsten Mal eine Zielperson in einem Fahrzeug die Flucht ergreift. Die erwähnten Skills sind insgesamt eine Enttäuschung, nicht zuletzt, weil die Skilltrees viel zu kurz und unspektakulär geraten sind. Mal abgesehen von den Reichweiten und Batterie Upgrades für die Drohne, den Granatwerfer und die Waffenstabilität kann man so gut wie alles vernachlässigen. Es wäre ebenso schön gewesen, wenn man die Fahrzeuge außen vor lassen könnte. Leider steuern sich die Fahrzeuge nämlich nicht wirklich gut und insbesondere Helikopter können schnell zur Todesfalle werden. Im Test fiel mir zudem auf, dass manche Fahrzeuge unerklärlich langsam sind. Selbst bei zwei identischen Fahrzeugen trat es mehrfach auf, dass eines normal fuhr, das andere aber im Schneckentempo die Straße entlang kroch.

Ghost Recon Wildlands

Die Skills kann man zum größten Teil vergessen.

 

Bolivion, abwechslungsreich aber langweilig

Ubisoft hatte ja selbst bestätigt, dass die Map von Wildlands die bisher größte Welt ist, die für eines ihrer Spiele erstellt wurde. Die Größe der Map ist wirklich nicht von der Hand zu weisen, ebenso wenig die landschaftliche Abwechslung. Dschungel, Berge und mehr erwarten euch und die unterschiedlichen Terrains beeinflussen auch die Missionen. Doch wie so oft ist die Welt zwischen den einzelnen Punkten auf der Map an denen etwas passiert ziemlich leblos. Nur endlos kopierte NPCs, die an den Rändern der schlammigen Pfade und Straßen entlanglaufen, versuchen die Welt belebt erscheinen zu lassen. Nichts zwischen den Missionsgebieten geht jedoch über den Level eines lieblosen Füllers hinaus. Die Umgebungen selbst sehen dabei auch nicht unbedingt großartig aus. Die oft matschigen Texturen sind aber nicht das eigentliche Problem. Vielmehr wirken gerade die Stützpunkte des Kartells, als hätte man sie mit einem Copy/Paste Editor und Begrenzer Auswahl an Assets erstellt. Dadurch hat man sich sehr schnell an allem sattgesehen. In Sachen Vertonung sieht es ähnlich aus. Keiner der Sprecher überzeugt und der generelle Eindruck entsteht, dass man hier einfach Leute von der Straße zum Einsprechen geholt hat. Mehr als billiges B-Movie Niveau ist hier nicht drin.

 

Positiv:

Extrem viele Missionen in abwechslungsreichen Gebieten
Mit echten Mitspielern sehr spaßig
Drop In/Out von Freunden geht schnell ohne langes Warten

Negativ:

Singleplayer fühlt sich eher nach einem God Mode an
Neue Waffen und Skills sind im Grunde unwichtig
Fahrzeuge scheinen verbuggt zu sein
MIssionstypen wiederholen sich sehr schnell
Story ist für Tom Clancy Verhältnisse extrem schwach
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58912″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Marco Schmandt, Redakteur”]

“Rein thematisch hält sich auch der neueste Eintrag in der Tom Clancy Reihe an die bekannten Tugenden. Leider liefert der Titel in keinem Bereich wirklich überzeugende Leistungen ab. Die Story ist nicht viel mehr als eine Rachestory, die nur existiert, weil zufällig ein amerikanischer Agent getötet wurde. Waffen gibt es zwar viele zu finden, jedoch könnt ihr genauso gut mit den ersten Waffen weiterspielen. Ubisofts Bolivien leidet wieder einmal unter dem typischen Open World Problem einer großen, aber nur leidlich belebten Welt. Massenhaft Missionen auf der Map täuschen dabei mehr Aktivität vor als wirklich vorhanden ist. Die große offene Welt könnt ihr von Beginn an vollständig erforschen, die Fahrzeuge sind euch dabei aber oft keine Hilfe. Mal abgesehen von der schlechten Steuerung sind manche Fahrzeuge auch immer wieder unerklärlich langsam. Auf dem Weg zum Oberboss wiederholt ihr dann die immer gleichen Missionstypen, deren einzige Rettung das Zusammenspiel mit drei Freunden ist. Ohne ein Team aus menschlichen Spielern seid ihr auf die KI angewiesen. Diese hält zwar deutlich mehr aus, zeigt aber keinerlei Eigeninitiative. Mit menschlichen Spielern schlagen die ausgeklügelten Pläne zwar meistens fehl, das folgende Chaos ist aber in dem meisten Fällen extrem unterhaltsam. Insgesamt ist Wildlands ein spaßiges Spiel, wenn ihr mit drei Freunden loszieht. Singleplayer werden auf lange Sicht eher weniger vom Spiel haben, da im Zusammenspiel mit der KI die Schwächen des Spiels viel deutlicher sichtbar sind. Teamspieler können also gerne zugreifen, alle anderen sollten vielleicht erst mal anspielen.”

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Auf nach Bolivien!?

Ghost Recon Wildlands ist eine Empfehlung wert für alle, die mal wieder mit ihren Freunden zocken und Spaß haben möchten. Als Singleplayer gibt es derzeit allerdings zu viel Konkurrenz, die auch noch besser ist.

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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