Forza Motorsport 6 – Review zum Rennsport Champion

Mittlerweile ist die Xbox One schon zwei Jahre auf dem Markt und passend dazu gibt es nun auch schon das dritte Forza-Spiel auf der aktuellen Konsole. Neben dem fünften Teil gab es mit Forza Horizon 2 einen zweiten Teil des sehr erfolgreichen Ablegers. Turn 10 hat nun den sechsten Teil der Xbox-exklusiven Rennspielreihe auf den Markt geworfen. Wir haben uns den Titel für euch vorab anschauen dürfen und können mit Freude sagen: Yippie-ya-yeah Schweinebacke, sieht das geil aus – mehr lest ihr im Test.

 

Operation Titelverteidigung

Der Karrieremodus ist für Serienveteranen natürlich der erste Anlaufpunkt. In Forza 6 gibt es fünf verschiedene Staffeln mit jeweils drei Rennserien, die dann wiederum mehrere Rennen zusammenfassen. Rennspieltypisch ist es auch, dass man natürlich für gute Positionen im Rennen Credits und Erfahrungspunkte bekommt. Die Credits geben uns dann die Möglichkeit neue Karren zu kaufen, die Erfahrungspunkte bringen unseren Fahrerlevel nach oben. Vor jeder Serie können wir aus sechs Kategorien auswählen, welches Auto wir für die Rennen nutzen möchten. Ein Wechsel können wir jederzeit veranlassen. Erste Ernüchterung gibt es dann allerdings bei den Zielen der jeweiligen Events. Aufgaben wie etwa “Fahre 70% der Ideallinie ab” oder “Fahre insgesamt 5 perfekte Kurven” suchen wir vergebens. Aus diesem Grund kann es schnell passieren, dass man das “Komme unter die vorderen drei Platzierungen” nicht mehr sehen kann. Ganz so streng wollen wir dabei allerdings nicht sein, denn Serienkenner können sich auf einen tollen Karrieremodus freuen. Denn schließlich zählen auch Präsentation und Fahrzeugauswahl mit zu einem guten Rennspiel. Ersteres kann sich wirklich sehen lassen, denn vor einer neuen Serie gibt es durch die Moderatoren von Top Gear einen schicken Einblick mit den Besonderheiten der Events zu sehen. Daneben gibt es noch etwa 80 zusätzliche Rennen, in denen wir Hütchenparcours durchfahren oder gegen den berüchtigten Top Gear-Fahrer “The Stig” fahren müssen. Eine nette Abwechslung zu den sonst immer gleichen normalen Rennen.

Das sieht doch schon mal nach einer ordentlichen Atmosphäre aus.

Das sieht doch schon mal nach einer ordentlichen Atmosphäre aus.

 

“Papa, du wolltest doch ein neues Auto kaufen?”

Am Umfang mangelt es bei Forza Motorsport 6 nicht. Alleine der Fuhrpark weißt mit knapp 450 Fahrzeugen doppelt so viele auf, wie noch der direkte Vorgänger Motorsport 5. Darunter gibt es einen sehr klugen Mix aus normalen PKWs, Familienwagen, Limousinen, Sportwagen, Rennautos und SUVs. Für jedermann sollte also etwas dabei sein. Auch sehr schön zu sehen ist, dass Microsoft neben älteren Modellen, auch die komplett Neue am Start hat. Darunter fällt wahrscheinlich das 2016er-Modell des Mazda MX-5 auf, welches sich klugerweise auch auf dem Cover befindet. Insgesamt erwarten euch 26 verschiedene Umgebungen, die dann in knapp 100 Variationen befahren werden können. 22 von diesen Umgebungen kennt man zwar schon, wenn man die Vorgänger gespielt hat, immerhin gibt es aber vier neue Orte, die es zu befahren gilt. Rio de Janeiro, Hatch, Watkins Glen, Brands und Daytona sind neu am Start und können ebenfalls überzeugen. Besonders beeindruckend ist vor allem Rio. Die zahlreichen Kurven sind nicht nur schwer zu fahren, sondern sie bieten einem zudem einen unglaublichen Ausblick auf die Christus-Statue und den Strand. In der überschaubaren Spielzeit von knapp 50 Stunden gibt es zusätzlich zu den Rennen auch noch Mods. Diese verändern unsere Spielweise ein wenig und stellen uns vor etlichen Herausforderungen. So gibt es im Risiko-Mode zum Beispiel die Herausforderung nur mit der Cockpitkamera zu fahren und dabei wird die Ideallinie deaktiviert. Immerhin gibt es dafür bei Erfolg auch etwas mehr Credits oder Erfahrungspunkte. Zusätzlich gibt es einige welche das Handling verbessern oder die Leistung der Strecken hochschrauben. Dabei muss man allerdings aufpassen, dass einige dieser Mods nur einmal verwendet werden können und andere hingegen dauerhaft zum Einsatz kommen können. Neue Mods können entweder nach einem Levelaufstieg freigeschaltet oder per Credits gekauft werden. Glücklicherweise hat man auf Mikrotransaktionen verzichtet, weshalb man sich die Mods nicht per Echtgeld kaufen kann. Gut so! Ebenfalls gut ist die Tatsache, dass man auch ohne die Mods das Spiel gut erleben kann. Creditprobleme dürften einem normalen Spieler nicht auftreten.

Aktion auf der Rennpiste ist immer gegeben.

Aktion auf der Rennpiste ist immer gegeben.

 

Wir sind hier nicht bei Flatout

Was die Forza Serie schon immer konnte, kann auch der neuste Teil ziemlich gut. Wir können es beruhigt aussprechen, denn Forza 6 hat die bislang beste Fahrphysik, welche je in einem Rennspiel gezeigt wurde. Das fällt in jeder Situation ziemlich krass auf. So sind die Fahrzeuge allesamt ziemlich schwer auf der Strecke, das Bremsverhalten ändert sich je nach Antrieb und auch die Reifen spielen eine wichtige Rolle beim Fahren. So merkt man vor allem am Anfang, wie das Fahrzeug noch nicht so gut auf der Strecke klebt, als nach ein paar Runden. Beim Schadensmodell hätte man allerdings noch mal eine Schippe drauflegen können, schließlich sieht man außer ein paar Dellen oder Kratzer im Lack nicht wirklich viel. Richtige Crashs wirken sich lediglich spielerisch aus. So kann es passieren, dass man eine kaputte Achse oder Reifen bekommt. Letztendlich reicht dies bis zum Motorschaden und das damit verbundene Aus.Für Anfänger bietet der Titel natürlich einige Fahrhilfen an. Diese sind auch bitter nötig, denn sobald man ohne jegliche Hilfe fährt, entwickelt sich Forza 6 zu einer heftigen Herausforderung. Über eine Ideallinie, den Bremsassistenten und sogar über die Rückspulfunktion dürfen sich Anfänger freuen. Die Steuerung ist mit beiden Optionen wirklich sehr gut gelungen und kann überzeugen. Auch ein leichtes Vibrieren erscheint, sobald man zum Beispiel über einen steinigen Sandweg fährt.

Die detailgetreuen Fahrzeuge überzeugen an jeder Stelle.

Die detailgetreuen Fahrzeuge überzeugen an jeder Stelle.

 

It´s raining cars

Bereits in Forza Horizon 2 gab es erstmals Nachtrennen und Regenschauer. Diese dürfen in Forza 6 natürlich nicht fehlen, machen es allerdings dem Spieler nicht gerade einfach. So muss man sich komplett auf die Frontscheinwerfer des Fahrzeuges verlassen, da die Pisten allesamt schlecht beleuchtet sind. Dazu muss man beim Regen besonders auf die nasse Strecke und auf Pfützen und Aquaplaning besonders achtgeben. Es bilden sich nämlich auf der gesamten Strecke viele Stellen, wo man nicht einfach mit 200 km/h durchfahren sollte. Denn der Widerstand der Reifen und das damit verbundene Gegenlenken schupst einen schnell mal von der Strecke. Dadurch entsteht im Spielverlauf ein erhörter Schwierigkeitsgrad. Einziger, in unseren Augen großer Nachteil, es gibt keine dynamischen Tag- und Nachtszenen, kein Wetterwechsel im Rennen und die Regenrennen können leider auch nicht bei Nacht durchgeführt werden. Des Weiteren können leider nicht alle Strecken mit den individuellen Bedingungen gefahren werden. Die Fahrphysik alleine reicht natürlich für ein gutes Rennspiel nicht aus. Aber passend dazu hat Turn 10 natürlich eine gute Gegner-KI mit eingebaut, die es einem nicht gerade einfach macht, gegen die Computergegner zu fahren. Mit insgesamt 24 Fahrern ist zudem noch einiges mehr auf den Strecken los, als noch in Forza 5. Die Gegner drängeln gerne, überholen einen und ziehen in jeder noch so eleganten Kurve an einem vorbei. Aber wäre die KI nun zu perfekt, wäre es irgendwie auch nicht ganz zufriedenstellend. Also bringen die Fahrer auch einige Fehler mit in ihr Fahrverhalten ein, sodass man auch mal eine Chance bekommt. Die Schwierigkeit kann man zudem in mehrere Stufen einstellen. Wir haben in unserem Test allerdings die meiste Zeit auf einem der mittleren Grade gespielt, da einfach auch wirklich ziemlich einfach geraten ist und schwer, die Nerven schnell mal strapaziert.

Egal ob nass oder trocken, alles in Forza 6 ist genial inszeniert.

Egal ob nass oder trocken, alles in Forza 6 ist genial inszeniert.

 

Und was kann die Technik?

Es wäre wirklich nicht mal schlimm, wenn Forza 6 genauso aussehen würde wie der direkte Vorgänger. Aber Turn 10 macht es sich nicht ganz so einfach, wie andere Entwicklerteams. Die Fahrzeuge sehen einfach genial aus, die Spiegelungen und Schatten sind extrem schick realistisch und sogar die Logos und Typenbezeichnungen auf den Autos erkennt man ziemlich gut. Die Strecken sind allesamt abwechslungsreich, voller Details und präsentieren sich wirklich ziemlich schick. Besonders aber die Lichteffekte machen einiges her. Bei tiefer Sonne ist man schnell geblendet. Die Lichtstrahlen sind aber so genial, dass man gerne auch einfach nur mal über die Landschaft schauen möchte, anstatt das Rennen zu gewinnen. Die Motorgeräusche passen einfach zum gesamten Erscheinungsbild und zu der Qualität, die Forza 6 an den Tag legt. Jeder noch so kleine Sound wird Autoliebhabern bekannt vorkommen. Das Starten der Motoren auf einer Rennpiste ist einmalig und fast noch besser als die LIVE-Übertragung im Fernsehen. Mega nervig hingegen sind die Ladezeiten. Diese dauern manchmal bis zu 30 Sekunden und stören den Spielfluss enorm. Besonders beim erneuten Versuch ein Rennen zu gewinnen.

Optisch ist Forza 6 das bislang beste Rennspiel.

Optisch ist Forza 6 das bislang beste Rennspiel.

 

Fazit:

Forza Motorsport 6 zeigt im Grunde allen anderen Rennspielentwicklern, was man an Realismus in ein Spiel bringen kann. Die Qualität von Forza 6 ist einfach enorm hoch. Das Spiel macht so unglaublich vieles richtig, da kann man gerne darüber hinwegsehen, dass man mal 30 Sekunden auf ein Rennen warten muss. Einzig das Schadensmodell muss in Forza 7 noch mal eine große Schippe größer und detailreicher werden. Nur leichte Kratzer reichen halt einfach bei so einem großartigen Rennspiel nicht. Passend zu den unglaublichen Karosserien, den tollen und detailreichen Strecken gibt es einen tollen Sound und eine sehr gute KI. Wer hier nicht zugreift, der ist selbst schuld. Driveclub, F1 2015 und Gran Turismo lässt Forza 6 weit hinter sich.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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