For Honor – Test zu Ubisoft’s Schwertkampfduell

Dem französischen Publisher Ubisoft sagt man gerne nach, dass sie stets dieselben Spiele, nur in einem anderen Gewand, entwickeln. Und dem kann man auch nur schwer was entgegnen. Etliche Spiele haben eine offene Spielwelt, Türme, die es zu erkunden gilt und viele weitere Ähnlichkeiten. Doch dass Ubisoft auch anders kann, beweist ihr neuer Titel For Honor. Dieses Spiel verzichtet auf all diese Aspekte und fokussiert es auf ein innovatives Multiplayererlebnis. Ob sich For Honor gut schlägt oder ob es mit stumpfen Waffen kämpft, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Samurai vs. Ritter vs. Wikinger

Die meisten Mythen und Sagen gehen dabei auf die Liste der Ritter, Wikinger und Samurai. Ubisoft hat sich den drei Völkern angenommen und diesen ein Spiel gewidmet. In For Honor leben diese drei Völker in Zwietracht miteinander. Diesem Kampf kann man sowohl im Multiplayer als auch in einer Kampagne erleben. Zum Start wird die grundlegende Geschichte von For Honor erklärt. Vor Tausend Jahren hat eine Naturkatastrophe die Welt grundlegend verändert, wodurch die drei Fraktionen miteinander leben müssen. Allerdings lösten sie ihre Konflikte nicht auf die diplomatische Weise, sondern ließen vielmehr ihre Waffen für sich sprechen. Jahr um Jahr, Schlacht für Schlacht vergingen und nur die Stärksten überlebten. In diesem Getümmel entscheidet man sich zu Beginn einer Partei für eine der drei Fraktionen und erstellt das Emblem seines Stammes. Bei der Erstellung des Emblems hat man eine Vielzahl an Möglichkeiten und kann sich gestalterisch austoben. Hat man sein Emblem erstellt, folgt ein Tutorial, bei dem man das Kampfsystem erklärt bekommt. Hat man sich mit dem Kampfsystem erst einmal vertraut gemacht, stehen einem die Tore in For Honor vollkommen offen. Ab jetzt kann man in der Kampagne oder im Multiplayer seine Schlachten schlagen. Doch zuerst sollte man die Kampagne spielen. Da man hier nach und nach die Kontrolle über alle Charaktere von For Honor übernimmt und lernt, mit ihnen zu kämpfen. Die Kampagne dreht sich um die Schwarzfelsritter. Diese säen Zwietracht zwischen den Rittern, Samurai und Wikingern, wodurch ständig neue Kriege entstehen. In drei verschiedenen Kapiteln spielt man erst die Ritter, danach die Wikinger und zum Schluss die Samurai. Allerdings ist ein Großteil der Missionen relativ simpel gehalten. Oftmals hetzt man durch lineare Gebiete und schnetzelt sich durch die Gegner. Auch die Geschichte konnte hier leider kaum überzeugen. Jedoch bieten einige wenige Stellen hervorragend inszenierte Momente. Zudem kommt am Ende einer jeden Mission ein Bosskampf gegen einen besonders starken Gegner. Darüber hinaus lockern bestimmte Momente das lineare Gameplay auf. Beispielsweise bekämpft man feindliche Krieger auf einem zugefrorenen Fluss. Der Clou: Hier muss man ständig den Boden unter seinen Füßen im Auge behalten, ansonsten bricht man ein und stirbt. An einer anderen Stelle gibt es eine Verfolgungsjagd zu Pferd. In jeder der Missionen sind zudem verschiedene Sammelgegenstände versteckt. Findet man diese, erhält man Währung für den Multiplayer und schaltet neue Logos frei. Nett ist auch, dass man jede der Missionen auch im Koop mit seinen Freunden bestreiten kann. Hier ist es allerdings nicht zu jeder Zeit möglich, auch alle Interaktionen zusammen zu bestreiten. So ist es nur dem Gruppenleiter gestattet gegen einen Boss zu kämpfen, während die anderen nur müde zuschauen. Die Kampagne ist in verschiedene Schwierigkeitsgrade unterteilt. Je nachdem auf welcher Stufe man spielt, erhält man unterschiedlich viele Erfahrungspunkte von jeder abgeschlossenen Mission oder besiegtem Gegner. Mit genügend Erfahrungspunkten steigt man im Level auf, wodurch man bessere Fähigkeiten erhält. Diese können sowohl aktiv als auch passiv sein. Jedoch hat der Kampagnenlevel keinerlei Auswirkungen auf den Multiplayer, sondern steht für sich.

For Honor

Die Bosskämpfe in der Kampagne sind die finale Prüfung.

 

Nur der Stärkste überlebt

Im Multiplayer trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, denn hier zeigt sich schnell, wer das Kampfsystem verinnerlicht hat. Im Spiel hat man die Auswahl zwischen insgesamt 12 verschiedenen Charakteren, die auf die drei Fraktionen aufgeteilt sind. Die verschiedenen Charaktere unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander. Nein, sie unterscheiden sich auch spielerisch. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich einen großen Hünen wie den Plünderer spiele oder einen flinken Attentäter. Jeder Charakter hat seine eigenen Vor- und Nachteile und unterscheiden sich auch in verschiedenen Attributen. Zudem hat jeder Charakter seine eigenen Fähigkeiten und Kombos. Nur wer diese für den Charakter seiner Wahl verinnerlicht, wird sich gegen andere Spieler behaupten können. In keinem der Modi kann man einem Kampf entgehen. Im Multiplayer von For Honor gibt es eine überschaubare Anzahl an Modi. Man kann entweder ein Duell 1 vs. 1, 2 vs. 2 oder 4 vs. 4 bestreiten. Dabei steht sich jeweils ein feindliches Paar in einem Duell bis zum bitteren Ende gegenüber.  Allerdings spielt hier auch die Zeit eine wichtige Rolle. Denn falls einer stirbt, kann schnell eine 1 vs. 2 Situation entstehen. In diesen Fällen gewinnt meistens die überlegene Fraktion. Deswegen sollte man schnell seinen Anfangsgegner besiegen und dann seinen Kollegen helfen. Allerdings ist auch Vorsicht geboten. Denn wer zu schnell agiert, kann schnell in einen gegnerischen Konter geraten. Deswegen spielt in den Duell Modi auch die Taktik eine wichtige Rolle. Taktik ist auch im Herrschaftsmodus gefragt. Denn hier stehen sich je zwei Vierer Teams auf einer Karte gegenüber. Auf der Karte sind drei verschiedene Punkte (A;B;C) markiert, die es gilt einzunehmen. Zudem laufen neben den vier Spielern auch viele kleine Einheiten rum, die sich meist in der Mitte der Karte bekriegen. In Herrschaft gilt es, durch das Einnehmen der verschiedenen Punkte und das Besiegen der Gegner 1000 Punkte zu erzielen. Hat ein Team die Punktzahl erreicht, können die gegnerischen Spieler nicht mehr respawnen. Nun müssen nur noch die vier Krieger besiegt werden und das überlegene Team hat gewonnen. Gerade dieser Modus erfordert ein Absprechen der Teammitglieder. Denn man muss neben den verschiedenen Punkten, auch stets die gegnerischen Krieger im Auge behalten.  Wie in den Duell Modi sollte man 2 vs. 1 oder gar 3 vs 1 Situationen vermeiden.

For Honor

Bei den Duellen sollte man jede Bewegung des Gegners genau beobachten.

 

Übung macht den Meister

Doch die Höhepunkte in For Honor erzeugen weder die Kampagne noch der Multiplayer. Vielmehr ist es das innovative Kampfsystem, welchen einen packenden Nervenkitzel erzeugt. Angriffe und Verteidigen löst man aus, in dem man mit dem Analogstick in eine von drei Richtungen (Links, Rechts, Oben) zielt. Man blockt, indem man dieselbe Schwertrichtung wählt, wie der angreifende Schlag. Die gegnerische Angriffs- und Blockrichtung erkennt man entweder an der Schwerthaltung oder an einem Pfeil, der innerhalb des Charakters eingeblendet wird. Anfangs spielen sich die ersten Kämpfe noch recht ungewohnt. Doch mit jedem Match, das man bestreitet, wird man mit seinem Charakter vertrauter und verinnerlicht das Kampfsystem. Anders als in anderen Kampfspielen kommt man mit permanenten Angriffen nicht weit. Da jeder Angriff und Block Ausdauer verbraucht, muss man sich diese genau einteilen. So heißt es stets Angriffe blocken oder Ausweichen und im richtigen Moment zum Gegenschlag ausholen. Richtige Taktik bringen die verschiedenen Kombos ins Spiel. Jeder Charakter besitzt unterschiedliche Kombos, mit denen man verheerenden Schaden anrichtet. So kann man sich auf einen der zwölf Charaktere spezialisieren und so seine Spielweise perfektionieren.  Für jeden erfolgreichen Kampf, den man im Multiplayer bewältigt, erhöht man den Level seinen Charakters und erhält zudem Credits, die im Spiel Stahl genannt werden. Jeden der zwölf Charaktere kann man einzeln Leveln. Mit jedem Level, das man aufsteigt, erhält man weitere Anpassungsmöglichkeiten seines Helden. Die Höchststufe des Levels ist 20. Hat man mit einem Helden 20 erreicht, erhält man 1 Ruhm und fängt wieder mit Level 1 an. Mit den Credits, die man durch die Matches verdient kann man weitere Anpassungsmöglichkeiten erwerben oder verschiedene Pakete kaufen. In diesen Paketen befinden sich unterschiedliche Materialen, mit denen man seine Waffen oder Rüstungen verbessern kann. Je nachdem, welche Stufe diese besitzen, verbessern sich diese die Attribute mehr oder weniger. Allerdings hat man durch diese nicht unbedingt einen Vorteil. Denn je höher diese Klasse des Objektes ist, desto höher sind zwar die Vorteile aber auch die Nachteile. Allerdings zählen diese Objekte nur im Herrschaftsmodus. In den Duell Modi sind diese ausgeschaltet, wodurch es nur auf den Skill des Spielers ankommt. Des Weiteren kann man auch seine Credits sparen und sich den Season Pass für For Honor kaufen. Alternativ lässt sich auch im Shop mit Echtgeld Credits verdienen. Allerdings kann man sich nicht mit Echtgeld einen Vorteil erkaufen. Das liegt vor allem daran, dass die besonderen Objekte erst ab einem bestimmten Level verwendet werden können. Für die DLC Inhalte orientiert sich Ubisoft an der DLC Politik von Rainbow Six Siege. Demnach werden in einiger Zeit einige kostenlose DLCs erscheinen. Diese beinhalten neue Helden, Maps, Belohnungen, Waffen und Rüstungen. Für die Helden und die anderen Inhalte muss man dann allerdings mit der Ingame Währung Stahl kaufen. Wer allerdings viel For Honor spielt, wird davon eh einiges besitzen. Neue Spielmodi und Maps werden jedoch vollständig kostenlos sein. Daher ist Ubisoft’s DLC Politik mehr als vorbildlich, da man alles auch durch das Spiel selbst erwerben kann, ohne Echtgeld investieren zu müssen.

For Honor

Insgesamt stehen 12 verschiedene Helden parat.

 

Mit Schwert, Axt und Speer

Das For Honor für Ubisoft ein wichtiger Titel ist merkt man an allen Ecken und Kanten. Denn Ubisoft hat viel Geld in die Entwicklung gesteckt. Was sich vor allem optisch bemerkbar macht. Denn die detaillierten Maps und Charaktere brillieren mit scharfen Texturen. Auch die FPS liefen mit 30fps überaus flüssig und ist während des Testes nicht merklich eingebrochen. Probleme gab es hingegen beim Matchmaking im Multiplayer. Ab und zu traten Verbindungsabbrüche und Zwangspausen auf. Zudem gab es Probleme bei der Gruppenbildung und dem Einladen von Freunden. Allerdings dürften sich diese Probleme in naher Zukunft mit einem Patch bessern. Ärgerlich ist es kurz nach dem Launch dennoch. Für die packende Untermalung der Atmosphäre sorgt der geniale Soundtrack des Spiels. Denn dieser unterstreicht, gerade in den Duellen die Spannung ungemein.

 

Positiv:

Innovatives Kampfsystem
Authentisches Rüstungs- und Waffendesign
Realistische Animationen
Gelungene Heldenauswahl
Viele Objekte zum Freischalten und Anpassen
Die Kampagne ist im Koop unterhaltsam
Packende Soundkulisse
Taktische Multiplayergefechte

Negativ:

Belanglose Story
Multiplayermodi unterscheiden sich nur wenig voneinander
Nur vier Onlinespielmodi
Zum Launch einige Onlineprobleme
Stellenweise unübersichtliche Menüs
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58909″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Kevin Kreisel, Redakteur”]

“Man merkt beim Spielen von For Honor, dass dieses Spiel ein ambitioniertes Projekt von Ubisoft ist. Denn hier stecken viele gute und frische Ideen drin. Insgesamt ist For Honor ein gelungenes und qualitativ hochwertiges Spiel. Der Titel versucht dabei, den Spieler stets bei der Stange zu halten. Es gibt unzählige Dinge zum Freischalten und Individualisieren. So kann jeder Spieler jeden seiner Charaktere so einstellen, wie er ihn haben möchte. Solange er die Zeit mitbringt, sich diese Objekte auch freizuschalten. Gerade die Duelle 1 vs. 1 erzeugen eine packende Atmosphäre. Wenn sich zwei gleichstarke Spieler miteinander messen, fiebert man bei jedem Schlag mit. Die Kampagne des Spieles kann auch überzeugen. Zwar sollte man sich For Honor nicht allein wegen der Kampagne kaufen. Dafür bietet sie zu wenig Abwechslung. Doch gerade im Koop mit einigen Freunden kann diese einige Stunden unterhalten. Der Fokus von For Honor liegt zweifelsohne beim Multiplayer. Und hier kommt es darauf an, wie langlebig For Honor ist. Jetzt zum Launch des Spiels fehlt dem Spiel noch der eine oder andere abwechslungsreichere Modus. Etwa eine Burgbelagerung, die sich von den im Spiel befindlichen ordentlich abhebt. Denn bislang konzentriert sich das Spiel zu sehr auf die Duelle. So bezweifle ich aktuell, ob mich das Spiel auch noch in Monaten so fesseln kann, wie jetzt noch aktuell zum Launch. Den Kämpfen kann man eine Menge Spaß abgewinnen. Ähnlich wie in einem Beat Em Up konzentriert man sich auf wenige Charaktere und perfektioniert sie. Allerdings fehlt es ihnen auch an der Genialität, damit ich mich Monate lang mit ihnen beschäftige. Nichtsdestotrotz ist For Honor ein gelungener Schritt in die richtige Richtung. Mit seinem Setting setzt es sich von dem Triple A Multiplayer Shooter Genre angenehm ab. Und auch für Ubisoft ist es löblich, mal von der bewährten Formel abzuweichen und Mut zum Risiko zu beweisen. Denn For Honor bietet eine spannende Grundlage, die mit zukünftigen Updates weiter an Abwechslung und Tiefgang gewinnen kann. Wer ein Faible für packende Multiplayer Duelle hat, seine Duellskills stetig verbessern möchte und mit dem Setting etwas anfangen kann, sollte For Honor definitiv eine Chance geben.”

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Ab in die Sammlung?

Wer mit packenden Multiplayerduellen im Mittelaltersetting was anfangen kann, sollte ein Blick riskieren. Diejenigen die eine packende Kampagne oder abwechslungsreiche Onlinemodi suchen, werden mit For Honor auf Dauer keinen Spaß haben.

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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