FIFA 18 – Test zum alljährlichen Kick

Immer wenn der Herbst an die Türe klopft, wird es auch wieder Zeit für ein neues FIFA. Die Kritiker, welche EA immer wieder vorwerfen, Jahr für Jahr das gleiche Spiel auf den Markt zu bringen, verstummen ebenfalls nicht. Wir werfen mal einen Blick auf FIFA 18 und testen, ob es in diesem Teil genug Neuerungen gibt, um seine Existenz zu rechtfertigen. Ist FIFA 18 die perfekte Fußballsimulation? Finden wir es heraus.

 

Hunter ist zurück

Im letzten Teil führte EA wohl das Wichtigste ein, was ein FIFA je gebraucht hat: Einen Storymodus. Die Geschichte von Alex Hunter war bei Weitem nicht perfekt, doch es war endlich mal eine Abwechslung, welche dem geneigten FIFA-Zocker gerade recht kam. In FIFA 18 wird die Geschichte des Talents aus England weitererzählt, diesmal kickt er nicht nur in der Premiere League, sondern auch in Ligen auf der ganzen Welt. Hier trifft er unter anderem auch auf die ganz großen Stars, wie zum Beispiel Thierry Henry und Christiano Ronaldo. Die Story ist zwar immer noch klischeebeladen, nimmt einen dennoch immer wieder mit. Alex ist einfach nur ein sympathischer Protagonist und seine Dramen, seien es in der Familie oder während eines Transferdebakels, interessieren uns als Spieler. In den Spielen können wir entweder nur Alex steuern, oder aber wir spielen die ganze Mannschaft. Entscheiden wir uns für die letztere Option, dann wollen wir natürlich trotzdem die besten Aktionen mit Alex durchführen. Und so versuchen wir bei jeder Gelegenheit, Alex den Ball zuzuspielen. In jedem Match gibt es noch optionale Ziele, die uns Bonuspunkte bringen. Außerdem haben wir zu jeder Zeit unsere Bewertung in der oberen rechten Ecke, welche bei bestimmten Optionen mit Kommentaren des Trainers entweder steigt, oder aber bei schlechten Aktionen sinkt. Je nach Leistung steigert sich unser Gesamtwert und wir können neue Skills freischalten. In Interviews und sozialen Interaktionen können wir uns wieder entscheiden, ob wir hitzköpfig oder cool reagieren wollen. Manche Entscheidungen haben zwar Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte, die meisten hitzköpfigen oder coolen Antworten jedoch nicht. Hitzköpfige Antworten steigern unsere Beliebtheit bei den Fans, welche in FIFA 18 ohnehin überarbeitet worden. Sie jubeln jetzt auch mit den Spielern, sofern diese nach einem Treffer zur Tribüne laufen. Sie jubeln Alex’ Namen, wenn er gut spielt. Die Stadionatmosphäre ist wieder spitze gelungen. Wenn wir mit Alex nicht gerade auf dem Platz stehen, hängen wir in seiner Bude ab und checken die sozialen Medien. Hier können wir lediglich lesen, aber keine Beiträge posten, was eine nette Option gewesen wäre. Außerdem können wir hier erstmals Alex’ Aussehen verändern. Wir wählen neue Outfits, Frisuren und Tattoos und schalten immer wieder neue Optionen frei. The Journey: Hunter Returns ist ein spaßiger Modus und eine gelungene Fortsetzung, es bleibt nur abzuwarten, was EA mit diesem Modus in Zukunft noch vorhat. Kleinere Abwechslungen wie Straßenfußball in Rio spielen sind schon mal ein Anfang.

Alex Hunter ist wieder da und sehr zielstrebig

 

Erstmal einen Gang runterschalten

Wenn man die ersten Partien in FIFA 18 spielt, dann bemerkt man sofort, dass das Spiel entschleunigt wurde. Das macht den Fußball etwas realistischer und die Spieler enden nicht in einem leblosen Hin und Her. Zweikämpfe sind härter, schnelle Richtungswechsel schwieriger, Spieler stehen nach Grätschen langsamer wieder auf. Neu ist auch, dass unterschiedliche Spieler jetzt verschiedene Archetypen verfügen. Kleine Spieler machen natürlich mit kürzeren Beinen auch kleinere Schritte als solche Hünen wie Zlatan Ibrahimovic. Jeder Spieler hat jetzt also Stärken und Schwächen, die sich auf dem Platz auch bemerkbar machen. Eine Stärke, die aber scheinbar jeder Spieler zu besitzen scheint, sind Fernschüsse. Diese sind auch in FIFA 18 leider immer noch übermächtig und kaum abzuwehren. Auch die KI ist immer noch nicht optimal. Zwar hat sie enorm dazugelernt und verhält sich jetzt deutlich cleverer, hat aber immer noch Macken, die aber vermutlich nie gänzlich ausgemerzt werden können. Doch die positiven Neuerungen fallen deutlich mehr auf. Man merkt direkt, dass das Gameplay viel flüssiger läuft, als in sonst irgendeinem FIFA und dies liegt an dem „Motion-Technology-System“. Einige Spieler, darunter natürlich auch Cover-Star Christiano Ronaldo, haben exklusive Bewegungen erhalten, welche aber mehr als Fanservice dienen. Dem Normalo werden jetzt nicht alle neuen Details auffallen, das macht jedoch nichts aus. FIFA präsentiert sich mal wieder in toller Form, welches an neuen Fan-Choeros, neuen Jubelanimationen und Stadionatmosphäre liegt. Auch die Kommentatoren Frank „Buschi“ Buschmann und Wolff Fuss sind wieder mit dabei und machen einen guten Job, doch wie gewohnt hört man nach einer Weile immer wieder die gleichen Sprüche und man schaltet sie aus. Die einzige Abwechslung gibt es von ihnen in The Journey, wo sie die Aktionen und Entscheidungen von Alex Hunter kommentieren. Beim Thema Kommentatoren müssen sich die Leute EA mal für die kommenden Teile etwas Neues einfallen lassen.

Die Spiele fühlen sich durch eine Entschleunigung viel realistischer an

 

Die altbekannten Modi

Abseits von The Journey gibt es auch in FIFA 18 die Modi, die der geneigte FIFA-Zocker kennt. Im Karriere-Modus spielt ihr nicht nur die Partien auf dem Platz, sondern verwaltet eure Mannschaft mit PR, Transfers und allem Drum und Dran. Die Transfers funktionieren diesmal übrigens etwas anders: Ihr verhandelt live mit einem Manager und dem betreffenden Spieler über die Gehälter, welche jedoch oft von der KI völlig außerhalb der Realität gelegt werden. Diese Art der Verhandlungen müssen doch etwas verbessert werden. Das beste Pferd im Stall von FIFA ist natürlich immer noch FIFA Ultimate Team, kurz FUT. Das System ist und bleibt das Gleiche: Ihr stellt mit Sammelkarten eure Mannschaft zusammen, bekommt für erfolgreiche Spiele Punkte, mit denen ihr euch dann wieder neue Karten kaufen könnt. Hier gibt es aber zum Leidwesen vieler immer noch die Pay2win-Methode, denn auch gegen Echtgeld können Karten gekauft werden. Hier haben manche Spieler also einen unfairen Vorteil gegenüber anderen. Erfreulich hingegen ist, dass nun auch PC- und PS4-Spieler die Legendenkarten bekommen können. Diese verschaffen euch eine legendäre Persönlichkeit aus dem Weltfußball, wie zum Beispiel Pelé, Diego Maradona oder Ronaldinho. Diese Karten waren bisher Xbox-exklusiv, können nun jedoch auf allen Systemen erhalten werden. Eine ebenfalls sehr erfreuliche Neuigkeit, besonders für deutsche Fans, ist die Inklusion von der 3. Liga und des DFB-Pokals. Diese wurden von Fans lange gefordert und sind nun im Spiel enthalten.

 

Positiv:

The Journey ist wieder mal eine tolle Abwechslung
Entschleunigung tut dem Spiel gut
Stadionatmosphäre war nie besser
Gute Neuerungen wie Legenden-Karten, 3. Liga, uvm.
Flüssigere und ruckelfreie Animationen dank Motion-Technology-System
Dank Archetypen spielen sich nicht alle Spieler gleich

Negativ:

Verhandlungen im Karriere-Modus sind eine Qual
Pay2win ist in FUT immer noch ein Problem
KI macht immer noch dumme Fehler
Soziale Medien in The Journey nur zur Schau
Kommentatoren sind nach einiger Zeit einfach nur nervig
Fernschüsse sind immer noch zu mächtig
  • Fifa 18
    “FIFA 18 ist endlich mal mehr als nur ein jährliches Update, es bringt genug Neuerungen mit sich, um als vollwertiges, neues Spiel angesehen zu werden. Die Fortsetzung von The Journey ist gelungen und man freut sich nach dem Durchspielen schon darauf, das nächste Kapitel in Alex Hunters Karriere zu verfolgen. Neue Animationen und Bewegungsabläufe sowie Spielerarchetypen machen das Gameplay angenehmer und realistischer, die Stadionatmosphäre wird durch neue Faninteraktionen und Jubel noch mal angekurbelt. Hier und da lässt sich bei FIFA 18 auch mal ein Fehler feststellen, das ist aber zu verschmerzen. Hier ist dieses Jahr die beste Fußballsimulation seit Langem erschienen, auf die EA aber immer noch eine Schippe drauflegen könnte.”
    Maarten Cherek, Redakteur

Ab ins Stadion?

Wer sich jedes Jahr ein neues FIFA kauft, den braucht man ja nicht mehr zu überzeugen. Aber auch Kritiker der Fußballsimulation sollten dieses Jahr darüber nachdenken, bei FIFA 18 einen Blick zu riskieren. Es macht derzeit einfach vieles richtig.

Maarten Cherek
Geschrieben von
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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