F1 2015 – Review zum diesjährigen Boxenstopp

Bereits im Oktober 2014 gab es mit F1 2014 wieder pünktlich zum Ende der aktuellen Saison den neusten Ableger der F1-Reihe. Bereits im Herbst wurde von einer PlayStation 4-Version gesprochen, die nun ein gutes halbes Jahr später den Weg in die Läden fand. Mit F1 2015 möchte Codemasters versuchen den Auftakt auf den Current-Gen-Konsolen erfolgreich zu meistern. Wir haben uns die PS4-Version genauer angeschaut und sagen euch nun, ob sich ein Boxenstopp auf den Rennstrecken lohnt oder nicht.

 

Eine neue Engine bringt ein neues Spielgefühl?!

Bereits im Vorfeld wurde bekannt, dass man bei F1 2015 nicht einfach nur ein jährliches Update bringen möchte, sondern dank neuer Grafik-Engine die Formel-1-Strecken der Welt lebendiger und die Fahrphysik besser machen möchte. Dank der offiziellen Lizenz gibt es bei F1 2015 abermals alle offiziellen Rennfahrer, Teams, Strecken und sogar den deutschen Kommentator Heiko Wasser obendrauf. Wenn das Mal nichts ist. Auch die Regeln sind identisch mit der Realität. Als Zusatzinhalt gibt es sogar noch die komplette letzte Saison dazu, was einem ein Rennen mit Sebastian Vettel im Red Bull ermöglicht. Nette Beigabe. Ebenfalls mit dabei ist der Große Preis von Mexico, der nun endlich wieder befahren werden darf. Das Abenteuer Formel-1 ist von der Lizenz nun also komplett. Weniger komplett sind allerdings die Spielmodi. Mit an Bord sind die Meisterschaft, die Einzelrennen, das Zeitfahren und der Multiplayer. Eine richtige Karriere fehlt leider komplett. Der Karrieremodus mit Steuerung eines F1-Piloten wurde komplett gestrichen. Dafür hat man sich überlegt, die Meisterschaft in zwei Versionen auftreten zu lassen. Wer sich mit der Formel-1 nicht so gut auskennt, der sollte die normale Meisterschaft wählen. Alle Veteranen unter euch können sich nun auch in der Profisaison besonders anspruchsvollen Spielern widmen. Hier werden nämlich von Werk aus die Fahrhilfe und das HUD komplett abgeschaltet. Die Cockpitperspektive ist Standard und kann nicht mehr gewechselt werden. Wem das jetzt etwas spanisch vorkommt, den können wir beruhigen. Spanisch ist es zwar nicht, die deutsche Sprache ist nämlich auch mit dabei, aber mit ein paar Einstellungen in der normalen Meisterschaft sind die “Profi-Features” ebenfalls gegeben. Denn schaltet man die Renndistanz auf volle 100 Prozent, spielt die Wochenenden inklusive allen Trainings und Qualifikationen komplett durch und steuert den Flitzer nur manuell, erhält man denselben Effekt ebenso in der normalen Meisterschaft. Fraglich also, ob man einen eigenen Modus für diese “harten” Rennen wirklich braucht.

Die Optik aus dem Cockpit ist zwar eingeschränkter, bietet aber guten Realismus.

Die Optik aus dem Cockpit ist zwar eingeschränkter, bietet aber guten Realismus.

 

Ganz oder gar nicht

Aber gehen wir mal der Reihe nach die Spielmodi durch. Bei der Meisterschaft haben wir zu Beginn die Auswahl, wie lang unsere Rennwochenenden sein sollen. Dabei wird unterschieden in kurze, mittlere oder lange Wochenenden. Grundsätzlich sei schon mal erwähnt, dass man nicht mehr wie früher individuell entscheiden kann, wie man die einzelnen Bereiche fahren möchte. Vor jeder Meisterschaft muss man sich für eines der drei Versionen entscheiden und kann diese auch zwischendrin nicht mehr ändern. Sehr schade! Wählen wir nun also das kurze Wochenende aus, fahren wir 15 Minuten Training, die Qualifikation ist im Schnelldurchlauf und vom eigentlichen Rennen fahren wir 25 Prozent der Runden. Das mittlere Wochenende lässt uns 30 Minuten im Training sein, die Quali ist kurz gehalten und vom Rennen werden uns immerhin die Hälfte aller Runden zur Verfügung gestellt. Beim langen Wochenende dürfen wir für jedes Rennen 60 Minuten trainieren, die Qualifikation komplett mitmachen und auch alle Rennen fahren. So können schon mal einige Stunden vergehen, bis man ein Saisonrennen abgeschlossen hat. Da die Einstellungen komplett unflexibel sind, können wir also nicht mal eben sagen, dass man zwar das komplette Qualifying mitfahren möchte, dafür aber die Rennen nur zu 25 Prozent. Eine besonders flexible Individualisierung wäre hier sehr wünschenswert gewesen. Immerhin kann man verschiedene Fahrhilfen einstellen, die einem zum Sieg führen. Sowohl die Ideallinie als auch das ABS sind wahlweise aktivierbar. Sogar die bekannte Rückspulfunktion von Codemasters findet wieder Platz bei der Hilfe. Was früher als kleiner Bonus galt, kann in F1 2015 nun sogar beliebig oft eingesetzt werden. Immerhin ist es nicht Pflicht, per Knopfdruck lässt sich diese Hilfe ebenfalls einfach abschalten.

Bei Regen ist nicht nur das Fahrverhalten anders, auch das Geschwindigkeitsgefühl kommt sehr gut zum Vorschein.

Bei Regen ist nicht nur das Fahrverhalten anders, auch das Geschwindigkeitsgefühl kommt sehr gut zum Vorschein.

 

Rennen im Regen sind nichts für Weicheier

Beim Einzelrennen kann man die unterschiedlichen Rennstrecken ohne großes Tam Tam einfach querbeet abfahren. Nichts besonders sollte aber bei einem Rennspiel nicht fehlen. Ebenfalls sollten auch die Zeitrennen nicht fehlen, wo man sich mit anderen Spielern messen kann und die Bestzeiten schlagen muss. Ebenfalls Standard-Ware. Auf der Strecke selbst ist die F1-Reihe aber gewohnt stark und kann sich sehen lassen. Eine richtig großartige Veränderung im direkten Vergleich mit den Vorgängern gibt es zwar nicht, dennoch ist die Physik der Formel-1-Wagen immer noch extrem gut gelungen. So muss man besonders in den Kurven aufpassen, dass man nicht zu viel Gas gibt, da man sonst schnell einen Dreher auf der Strecke macht. Ebenso darf man den Regen und das damit entstehende Aquaplaning nicht unterschätzen. Die Wetterverhältnisse spielen also auch bei F1 2015 wieder eine große Rolle – wie in der realen F1-Saison ebenfalls. Der Realismus spielt hier eine wichtige Rolle und lässt uns besonders am Anfang in vielen Situationen nass und alleine im Regen stehen. Was aber besonders gut funktioniert ist das Beschleunigung- und Geschwindigkeitsgefühl. Egal in welcher Kameraperspektive, alle Ansichten bieten uns einen sehr guten Einblick in die im Wagen wirkenden G-Kräfte. Das Gefühl direkt auf der Rennstrecke zu sein, kommt auch auf einem kleineren TV gut rüber.

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Online-Rennen sind natürlich möglich.

 

Wo zum Teufel ist das Safety-Car, wenn man es braucht?!

Die KI zeigt sich anfangs eher wie eine Entenfamilie, sobald sich die einzelnen Fahrer dann aber auf der Rennstrecke verteilt haben, kann es schon mal richtig zur Sache gehen. Denn hohl sind die anderen Stars ganz bestimmt nicht – im Gegenteil. Jeder möchte versuchen seine Position zu halten und blocken somit oftmals Überholmanöver unsererseits, versuchen clever unseren Windschatten zu nutzen oder bauen gerne auch mal selbst einen Fehler, indem sie zu früh bremsen oder das Kiesbett genauer unter die Lupe nehmen. Durch den Einsatz des DSR können besonders die Geraden Schauplatz von spannenden Duellen werden.   Was nicht so gut gefällt ist das Strafsystem. Ähnlich wie schon damals bei Driveclub sind grundsätzlich immer wir schuld an Taten. Auch an welche, die wir gar nicht begangen haben. Beispiel: Wir werden von einem Konkurrenten von der Seite gerammt und bekommen eine Zeitstrafe. Alles klar! Schneiden wir allerdings mal eine Kurve interessiert dies keine Sau. Etwas merkwürdig, denn wenn wir mal etwas nicht Erlaubtes machen, wird dies nicht geahndet. Wie dem auch sei, selbst das Safety-Car bleibt leider in der Garage und hat leider keine Ausfahrt. Bei einem offiziellen F1-Spiel eine derbe Enttäuschung. Ebenfalls eine Enttäuschung stellt das Schadensmodell dar. Fahren wir als Beispiel mit vollen 200 km/h frontal gegen eine Wand, bricht höchstens! der Frontflügel ab. Weder dem Fahrer, noch das Fahrzeug selbst erleidet irgendwelche Schäden. Einen Totalschaden können wir optisch zwar nicht hinbekommen, technisch ist er aber trotzdem möglich.

Auf den Graden kann es schnell mal zu einem Überholmanöver kommen.

Auf den Graden kann es schnell mal zu einem Überholmanöver kommen.

 

Wie schön, dass es Mechaniker gibt

Interessant wird es aber auch dann, wenn man die Mechaniker an seiner Seite hat. Diese geben einem hilfreiche Tipps während des Rennens, wie zum Beispiel die Ansage vom Tankstand oder wie lange wohl die Reifen noch halten werden. Mit diesen Infos muss man dann sogar ein wenig taktisch denken und versuchen die bestmögliche Situation für einen Boxenstopp zu finden. Auch vor dem Rennen gibt es in der Box hilfreiche Tipps und Tricks, um die Gegner zu besiegen. Wer sogar eine PlayStation Kamera besitzt, der kann mit Sprachbefehlen den aktuellen Fahrzeugstatus einfach aus dem Bauch heraus erfragen. Optisch hat sich zwar nicht großartig etwas verändert, dennoch hat man nun die neue EGO-Engine 4.0 im Gepäck, was sich zumindest auf dem ersten Blick auch bezahlt macht. Besonders hervorzuheben sind die konstanten 60 Bilder pro Sekunde. Auch die Fahrzeuge und Strecken sind sehr detailliert in das Spiel integriert worden. Sogar kleinere Effekte, wie Funken oder Hitzeflimmern wurden mit eingefügt. Allerdings reißt die Grafik nun keine Bäume aus dem Boden. Ab und zu gibt es leichtes Hearing und neben den Strecken ist so gut wie nichts los. Wie gern hätten wir doch das Safety-Car in seiner vollen Pracht bestaunt … Immerhin gibt es nun eine Siegerehrung, ganz im Sinne der bekannten TV-Übertragungen. Auch vor jedem Rennen bieten uns Heiko Wasser und Stefan Römer einen Überblick. Diese klingen allerdings etwas unmotiviert und hätten vorher vielleicht mal schlafen sollen. Den Motoren fehlt leider etwas die Power, zumindest im Sound. Hier wäre eine Aufbereitung schön gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Besonders nach dem Start braucht es ein wenig Zeit, bis die Fahrer sich verteilt haben.

Besonders nach dem Start braucht es ein wenig Zeit, bis die Fahrer sich verteilt haben.

 

Fazit:

Für einen Award hat es einfach nicht gereicht. Dafür wurde zu viel Gutes gestrichen und zu wenig Neues integriert. Besonders schade ist es, dass das neue Spielgefühl irgendwie nicht richtig bei uns ankam. Die offizielle Lizenz ist schön und gut, aber man muss halt etwas mehr bieten, als nur Meisterschaft und Zeitrennen. Da bringt ein Multiplayer-Modus am Ende auch nicht mehr viel. Spätestens mit dem RTL-Aufkleber auf der Verpackung haben sich Codemasters und Bandai Namco schon von vornherein bei den Gamern etwas ins Aus geschossen, das nur nebenbei. Wer Formel-1-Fan ist, der kann bei einem günstigen Kurs gerne zuschlagen. Wer ein neues Rennspiel für das Sommerloch sucht, der kann sich lieber bei F1 2014 bedienen, denn dort gab es wenigstens noch die Karriere.

Good
  • Komplettes Lizenzpaket an Bord
  • Gute Gegner-KI machen Rennen spannend
  • Steuerung ist gut umgesetzt
  • Framerate stabil bei 60 FPS
  • Präsentation kommt inklusive Vorwort und Siegerehrung daher
Bad
  • Spielmodi sind festgeschrieben und können nicht individuell geändert werden
  • Karriere wurde genauso entfernt wie der Splitscreen-Modus
  • Motorgeräusche ohne wirkliche Power
  • Schadensmodell fast gar nicht vorhanden
  • Kein Safety-Car!!!
74
Geschrieben von
freut sich sehnsüchtig auf das Finale in diesem Jahr.

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