Enemy Unknown

Kritik zum vampirischen Martial Arts-Mafiafilm

Enemy Unknown vermischt Homeinvasion mit Martial Arts-Choreografien und fantastischen Horror mit Drama. Der Genremix wurde 2020 in Mexiko gedreht, unter der Regie von Rigoberto Castañeda. Die Darsteller*innen wie Daniel Martínez sind überwiegend aus mexikanischen Produktionen wie Dogma bekannt. In dem Film, der aus dem Spanischen übersetzt eigentlich “ohne Ursprung” bedeutet, treffen zwei Welten aufeinander: Der Vater Pedro de Toro will seine Familie beschützen und aus den Geschäften eines Drogenkartells aussteigen. Auf der anderen Seite steht das zehnjährige Mädchen Lina, die zufällig bei den de Toros Unterschlupf findet und an einer unheilbaren Krankheit zu leiden scheint. Sowohl Pedro als auch Lina werden in der Anlage der de Toros, die einem Schutzbunker gleicht, eingesperrt und von bewaffneten und bemalten Kriegern angegriffen.

 

Die Story von Enemy Unknown

Pedro de Toro hat die Geschäfte seines verstorbenen Vaters übernommen und erledigt die Finanzen für das Drogenkartell von Héctor Guillen. Dieser ist für sein rigoroses Vorgehen gegen Verräter bekannt. Pedro will aussteigen und soll dafür 20 Millionen Dollar an Héctor zahlen. Daran erinnern ihn auch seine beiden Bekannten, die Brüder Erik und Alan, als sie zu ihm kommen, um ihn und seine Familie zu beschützen. Pedro hat bereits vorgesorgt und ein Haus im Wald gekauft, das er zu einer hochsicheren Festung modifiziert hat. Überall stehen bewaffnete Sicherheitsleute, das Haus wird videoüberwacht und durch eine Technologie, die nur mittels Pedros Wärmesignatur funktioniert, gesichert. Zusammen mit Pedro, Erik und Alan befinden sich noch Pedros Kinder María und Beto und deren Tante Francis im Haus. Francis kümmert sich um die beiden Kinder wie um ihre eigenen seitdem ihre Schwester verstorben ist. Beto versucht mit einem Quijabrett Kontakt zu seiner Mutter aufzunehmen, die ihm die Botschaft “Sie wird kommen” übermittelt.

Nach einigem Hin und Her ertönt plötzlich ein Alarm. Die Wachmänner haben ein Mädchen entdeckt, das sich dem Haus genähert hat. Alan und Erik sind skeptisch und wollen sie loswerden, doch als auf einmal Drohnen mit Pfeilen um sich schießen und Erik schwer verletzen, retten sich Pedro und seine Familie, Erik und Alan zusammen mit der fremden Zehnjährigen ins Haus. Dieses verriegelt alle Zugänge und wird zu einem riesigen Bunker. In seinem letzten Atemzug notiert der stumme Erik seinem Bruder die Botschaft “böses Mädchen”. Dieses ist total verängstigt, da sie, wie zu Beginn des Films zu sehen war, vor einem Massaker davongelaufen ist. Mehrere mit Schwertern bewaffnete Kämpfer*innen haben es auf sie abgesehen und suchen nun das Anwesen von de Toro heim. Die teils bemalten und vermummten Krieger*innen töten alle Sicherheitsleute und suchen nach einem Weg ins Haus. Währenddessen versucht vor allem Beto mehr über das mysteriöse Mädchen herauszufinden. Er ahnt, dass sie beide etwas verbindet. Doch niemand weiß, warum die Angreifenden hier sind und dass sie das Mädchen wollen.

 

Unsere Kritik zu Enemy Unknown

Enemy Unknown hält viel auf seine Kampf-Choreografien, die zur Martial Art zählen sollen. Die Kletterkünste der Angreifenden sind verhältnismäßig imposant. Sie klettern das mehrstöckige Gebäude hinauf, um einen Eingang zu finden. Doch die Schwertkämpfe sind plump inszeniert und wirken wie eine Szene aus einer billigen Theateraufführung. Oftmals sind die Kampfszenen durch den ständigen Perspektivwechsel der Kamera oder auch durch einen Schnitt unbefriedigend. Besonders, als das Mädchen endlich ihre vampirische Natur offenbart und alle Gegner anspringt, wird die kurzzeitig aufkeimende Spannung nicht genutzt, sondern durch unpassende Schnitte versaut.

Das durchzieht den gesamten Film. Während man anhand der Anfangsszene erwartet, Vampire zu Gesicht zu bekommen, wird man zugleich darauf enttäuscht. Stattdessen wird Pedro eingeführt, der monoton und unglaubwürdig einen Kartellmitarbeiter darstellt, der aussteigen will, weil er nichts mit der Gewalt zu tun haben möchte. Natürlich hat er auch noch nie eine Waffe in der Hand gehalten, sondern sich nur um die Finanzen gekümmert. Trotzdem sitzt jeder seiner Schüsse. Während der Zuschauende gespannt darauf wartet, was die Vampirwesen, das kleine Mädchen und dieses Finanz- und Technikgenie miteinander zu tun haben, wird er in langweilige Gespräche eingeführt, die die anderen Charaktere vorstellen.

Erik und Alan reden über Pedro, wobei Erik alles notieren muss, da er keine Zunge mehr hat. Das soll vermutlich zeigen, wie hart Héctor durchgreifen kann. Danach interagiert Beto mit einem Ouijabrett, da seine Mutter und seine Tante beide eine Affinität für Okkultes zu haben scheinen. Doch außer eine Kerze anzuzünden, unternimmt Tante Francis später nichts weiter gegen die Kämpfenden. Auch hier werden Zuschauer und Zuschauerinnen enttäuscht. Keine magischen Kräfte, keine Geisteraction, weil die tote Mutter ihre Kinder retten will, und keine Vampire. Bis auf Lina natürlich. Das kleine Mädchen ist zwar zunächst schüchtern, doch als ihr Magen zu grummeln anfängt, verwandelt sich die Kleine in eine mordende Bestie. Hier hätten die Filmemacher ein wenig die Erwartungen des Zuschauenden erfüllen können, wenn sie die Kampf- und Tötungssequenzen in Szene gesetzt hätten. Doch das ist eben auch misslungen.

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Ebenso enttäuschend oder vielmehr unnötig war die Rolle der großen Schwester María. Sie war nur dazu da, gegen die Liebe zwischen ihrem Vater und ihrer Tante zu rebellieren und draußen zu sein, als das Haus verriegelt wird. Danach ist sie lange Zeit nicht mehr zu sehen und wird dann wieder nur instrumentalisiert, damit die Angreifenden ein Druckmittel gegen Pedro haben. Der will zwar seine Tochter hereinlassen, doch Alan richtet eine Waffe auf ihn. Damit lässt sich Pedro umstimmen. Als Alan später erneut eine Waffe auf ihn richtet, nimmt ihn Pedro nicht mehr ernst. Das Leben seiner Tochter scheint ihm einfach nicht so wichtig gewesen zu sein. Vielleicht könnte man hier Egoismus in den sonst charakterlosen Pedro hineininterpretieren. María jedenfalls spielt keine große Rolle mehr und ist einfach nur noch mit dabei, auch als am Ende alle tot sind – bis auf das kleine Mädchen und Beto, der von ihr gerettet und in einen Vampir verwandelt wurde.

Was an María deutlich wird, zeigt sich auch an Beto. Es wird versucht, ein unnötiges Familiendrama mit in diesen ohnehin schon überladenen Genremix zu packen. Francis als die neue Mutter wird nicht anerkannt, María rebelliert und Beto denkt an seine verstorbene Mutter, die ihm Heilung prophezeit hat. Denn auch Beto ist krank. Er kann nicht mehr richtig laufen. Deshalb schützen Francis und Pedro die Kinder bis zu ihrem Tod. Francis stürzt sich in das Schwert des Kriegers, der María zu töten versucht, damit María fliehen kann. Diese steht aber nur daneben und schreit. Damit war Francis’ Tod nicht nur umsonst, sondern auch vollkommen dämlich.

Dümmer kann es nicht mehr werden…

Die stupiden Entscheidungen durchziehen den Film. Pedro schafft es im späteren Verlauf, seine Kinder in Sicherheit zu bringen und Alan zu überwältigen. Denn Alan, der Pedro wie seinen Bruder ansieht und eigentlich denselben Groll auf die mysteriösen Sekten-Krieger hat wie die anderen, wird lieber zum verrückt grinsenden Killer, der nun Pedro umbringen möchte. Er hält Pedros selbstgerechte Art nicht mehr aus, verliert aber den Zweikampf gegen ihn. Dabei schaffte er es noch, Beto schwer zu verletzen. Beto droht zu verbluten, doch Lina kann ihn retten. Sie verwandelt ihn in einen Vampir. Die Verwandlung funktioniert aber nur, wenn Beto sofort Blut trinkt und das muss natürlich sein Vater sein. Denn obwohl es Lina die Hälfte des Films lang ausgehalten hat, kein Blut zu trinken, braucht der kleine Junge sofort welches. Er trinkt zwei, drei Schlücke von Pedro und dieser verstirbt. Das ergibt wieder überhaupt keinen Sinn und soll Spannung erzwingen, die schon lange zuvor erstickt wurde.

Ähnlich sinnlos erscheint die Warnung einer der Kämpfer, Pedro und seine Familie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Die Angreifenden stellen sich als die Arkanen heraus, eine weltweit organisierte Gruppierung, die anscheinend Vampire jagt. Sie kämpfen mit Drohnen und Schwertern und sehen ziemlich böse aus mit ihren Kapuzen, Maskierungen und Tattoos – mehr aber auch nicht. Obwohl sie sich mit bewaffneten Flugdrohnen auskennen, wissen sie nicht, dass es nichts nützt, eine Sicherheitstür mit einem Schwert aufhebeln zu wollen. Zu ihrer Verteidigung muss aber auch gesagt werden, dass es umgekehrt keinen Sinn macht, dass Alan einfach so mit einem Schuss durch die verriegelte Wand schießen und so eine Arkane töten kann. Insgesamt scheinen die hochtechnologisierten Schwertkämpfer aber die Kraft von Schusswaffen unterschätzt zu haben. Einer nach dem anderen wird abgeknallt. Noch viel erbärmlicher ist es aber, dass die Arkanen, die die drei erwachsenen und erfahrenen Vampire am Anfang getötet haben und sich auf eine Jagd vorbereitet haben, durch ein kleines Vampirmädchen getötet werden.

…außer durch Prophezeihungen

Lina ist aber auch kein normaler Vampir. Wie Zuschauer*innen in Rückblenden erfahren, haben die drei Vampire sie irgendwo im Nirgendwo gefunden und bei sich aufgenommen. Lina leidet an Leukämie, wird aber zur Vampirin gemacht, da sie eine Auserwählte sein soll. Was das genau bedeutet wird nicht erklärt. Dadurch ist sie vielleicht besonders stark oder mächtig, aber wer weiß das schon. Stattdessen erfährt das Publikum, dass es noch eine Art Prophezeiung gibt, die das Schicksal von Beto mit Lina verknüpft und eine Kohärenz in den Film bringen soll. Betos Mutter hatte auch Krebs. Sie teilte ihm kurz vor ihrem Tod mit, dass ein Mädchen kommen würde, um ihn zu heilen. Da Beto durch das Ouijabrett erfährt, dass sie bald kommt, rechnet er damit, dass Lina es ist, die ihn rettet. Denn Beto kann nicht laufen. Auch hier wird eine Dramatik entsponnen, die auf einer unerklärten Krankheit beruht und eine sinnvolle Verknüpfung der Ereignisse ergeben soll. Insgesamt wirkt die Geschichte dadurch aber noch inkonsistenter. Die Prophezeiungen werden nicht angemessen ausgereizt und werfen mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

 

Informationen zu Enemy Unknown

  • Originaltitel: Sin Origen
  • Laufzeit: ca. 93 Minuten
  • Heimkinostart: ab 8. Juli 2022 auf BLU-RAY und DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Daniel Martínez, Paulina Gil, Lisette Morelos,  Horacio García Rojas, Matías del Castillo

 

Trailer zu Enemy Unknown

  • Enemy Unknown – Kritik zum vampirischen Martial Arts-Mafiafilm
    Fazit zu Enemy Unknown

    Ich war gespannt wie der Film versucht, all diese Genres miteinander zu verbinden. Doch es bleibt bei dem Versuch, wirklich geglückt ist es Enemy Unknown nicht. Die Martial Art-Szenen sind stümperhaft, die Dramatik unnötig und horrormäßig waren nur die Schnitte, wenn Vampire mal in Aktion waren.

    Ann-Kathrin Günther, Redakteurin
Wilder Genremix
Teils langweilige und unnötige Charaktere
Unglaubwürdige und ruckelige Kampfszenen
Mangel an Vampiren und Okkultem
Zu ambitioniert und dabei schlecht umgesetzt

Ab in die Filmsammlung?

Wer auf wackelige Kampfszenen, uninspirierende Charaktere und sehr wenige Vampire in einem Film steht, der sollte sich Enemy Unknown ansehen. Alle anderen müssen einen weiten Bogen um den Genremix machen.

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Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
braucht kein Buch, sie hat schon eins.