Divinity: Original Sin – Review zum RPG der alten Schule

Divinity: Original Sin ist ein rundenbasiertes Rollenspiel, das einen in eine offene und belebte Welt entsendet, die man zusammen oder auch alleine erkunden kann. Ob das durch Kickstarter finanzierte RPG, von den Larian Studiuos, nun etwas geworden ist, lest ihr in unserem Test.

 

Der Weg der Quellen-Jäger

Man spielt zwei Quellen-Jäger, Personen, die ihr Leben dem Ausmerzen der mysteriösen Energie gewidmet haben. Diese Quellen-Jäger können wir uns, vor Beginn des Spieles, nach Belieben zusammenstellen. Man kann zwischen 11 Klassen und dem Geschlecht wählen. Die Wahl der Klasse ist aber eher als Voreinstellung zu sehen. Die Vergabe der Fertigkeitspunkte ist dem Spieler zu 100% selbst überlassen. Dann wählt man noch das Gesicht, die Frisur und die Hautfarbe aus. Zusätzlich kann man das Porträt, welches im Inventar gezeigt wird, auswählen. Bevor es endgültig losgeht, gibt man den Helden einen Namen. Mit unseren Figuren werden wir nach Cyseal geschickt, um einen Mordfall aufzuklären. Was nach einem Routine-Auftrag klingt, wird zu einem Kampf, der über das Fortbestehen der Welt entscheidet. Neben den Quests zur Hauptstory gibt es unzählige Quests, die man von einem der massig vorhandenen NPCs bekommen kann. Man kann mit jedem Menschen, den man trifft, reden, mit einer besonderen Fertigkeit kann man sogar einer Katze ein Gespräch aufdrängen. Hier bekommt man endlos viele Quests, die man erfüllen kann oder auch eben auch nicht. Die Story ist also bis auf einige Eckpfeiler, die nicht verändert werden können, nicht vorgefertigt. Hier wird dem Spieler viel Freiraum gelassen. Getroffene Entscheidungen haben lediglich in manchen Fällen eine größere Auswirkung. Aber man sollte gut darauf achten, in welchem Grab man seine Schaufel versenkt.

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Die Charaktererstellung. Hier zwei rothaarige Menschen.

 

Einfach zu bedienen – schwer zu meistern

Wie bereits erwähnt ist die Entscheidung für eine bestimmte Klasse lediglich eine Vorauswahl für Rüstung, Fertigkeiten und Items. Im gesamten Spielverlauf bleibt einem dabei offen, in welche Richtung der Spieler seinen Charakteren Fertigkeitspunkte vergibt. So kann ein anfänglich gewählter Ritter zu einem Kampfmagier werden, wenn der Spieler merkt, dass die anfängliche Kombination der Klassen nicht optimal gewählt wurde. Kämpfe sind immer rundenbasiert. Das bedeutet, dass jedes Mitglied eines Teams (also der Seite für die sie kämpfen) eine gewisse Aktion ausführen kann, bevor die gegnerische Fraktion an der Reihe ist. Für den Zug eines Charakters stehen Aktionspunkte zur Verfügung. Bestimmte Angriffe oder Bewegungen verringern die Anzahl der Aktionspunkte, hat man zu wenig, kann man z.B. den Zauber nicht ausführen und muss sich für eine andere Variante entscheiden. Dies macht die Kämpfe von Beginn an recht schwer, denn ein kleiner Fehler führt schnell zum Tod eines Mitstreiters. Die riesige Spielwelt ist komplett offen begehbar und kann nach dem Erkundungsdrang des Spielers erforscht werden. Allerdings sind die meisten Gegner zu stark, um wirklich alles direkt zu erkunden. Also werden erst mal die leichten Gebiete von Gegenständen befreit, die man schnell verkaufen kann, da man mit jedem NPC handeln kann. Dialoge gestalten sich allerdings etwas zäh, da eine Sprachausgabe so gut wie entfällt. Der Spieler muss die gewaltigen Dialoge allesamt lesen. Für die Erfüllung bestimmter Quests gibt es oftmals auch verschiedene Lösungswege. Dies merkt man direkt zu beginn. Denn beim Befragen der Mordverdächtigen verschweigen diese einem natürlich Dinge, hier kann man nach weiteren Hinweisen an frei zugänglichen Orten suchen oder in das Haus dieser Personen einbrechen und Beweise sicherstellen. Da man zwei Charaktere steuert, kann man diese auch mit unterschiedlichen Gesichtspunkten agieren lassen. Beim Treffen einer wichtigen Entscheidung sind beide Charakter berechtigt ihre Meinungen, abzugeben. Je nachdem was der Spieler wählt, stimmen diese immer überein oder auch nicht. Da aber eine Entscheidung gefällt werden muss, wird über Schere-Stein-Papier entschieden. Hier wählt der Spieler eine der Möglichkeiten, die Wahl der anderen Spielfigur wird zufällig von der KI gemacht. Da man Divinity: Original Sin auch im Coop Spielen kann wird hier gerecht entschieden, wie die Geschichte fortgeführt werden soll. Jeder Charakter besitzt auch sein eigenes Inventar, doch einen Gegenstand zum jeweils Anderen zu schieben ist durch zwei einfache Mausklicks erledigt. Zur Steuerung wird hauptsächlich die Maus benutzt. Um die Charaktere zu einem Punkt laufen zu lassen, kann man einfach auf die gewünschte Stelle klicken oder man hält die Maustaste gedrückt und bewegt den Zeiger. Die Charaktere folgen dann dieser “Spur”. Läuft man in die Nähe einiger Gegner, wird automatisch ein Kampf begonnen. Hier gibt es die Möglichkeit zu fliehen, falls ihr merkt, dass der Kampf erfolglos wäre. Ihr gelangt nun zum nächstgelegenen Portal. Dies ist manchmal die intelligenteste Lösung. Insbesondere dann, wenn ihr lange nicht gespeichert habt. Automatisches Speichern ist nämlich so selten, das man sich daran Gewöhnen muss regelmäßig den Schnellspeicherknopf zu drücken. Man kann aber auch einfach den Schwierigkeitsgrad verändern, wobei dies nur ansatzweise Auswirkungen hat. Die meiste Zeit bleibt das Spiel schwer. Um Kämpfen aus dem Weg zu gehen oder sensible Gegenstände zu stehlen, kann man auch schleichen. Entsprechend der Umgebung wird die Spielfigur dann zu einem Fass oder einem Stein mit Beinen. In der Regel erkundet man im Team die Gegend, allerdings sind manche Passagen nur dann lösbar, wenn ihr die Charaktere voneinander löst. Dazu zieht man einfach das Icon am linken Bildrand weg, bis sich die kleine Kette löst. Über das Icon wählt man auch den Charakter, den man steuern möchte.

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Die Dialoge mit NPCs sind nicht für jeden gut, da hier sehr viel gelesen werden muss.

 

Schön, schöner, Divinity: Original Sin

Das Spiel ist grafisch sehr gut gelungen. Es hat eine ansprechende Farbgebung und schöne Texturen. Nur die Charaktere wirken bei näherer Betrachtung etwas detailarm. Die Animationen der Bewegungen, egal ob gehen, rennen oder kämpfen, sind allesamt flüssig und gehen durchaus in Ordnung. Die Kantenglättung ist soweit auch in Ordnung, könnte aber noch ein wenig besser sein, vor allem dann, wenn man weit hineinzoomt. Was sehr schön gemacht ist, ist, dass Objekte z.B. Wände, Säulen und Dächer, fließend ausgeblendet werden, falls sie die Sicht auf die Spielfiguren versperren. Das funktioniert einwandfrei uns sieht klasse aus. Die Beleuchtung ist dem jeweiligen Ort (Dungeon, Stadt, Haus, Marktplatz) angepasst und wirkt immer stimmig. Auch die Schatten sind sehr schön geworden. Zwischensequenzen sind so gut wie nicht vorhanden und wenn sind sie in einem comichaften Stil gemacht, dabei aber wirklich gut. Die Zauber und sonstige Effekte sehen auch sehr schön aus. Entsprechend des Typs des Zaubers haben sie eine bestimmte Farbgebung und einen Effekt. Das Inventar, die Dialoge und Menüs sind einfach gehalten. Die Spielwelt ist sehr belebt und birgt einige Geheimnisse. Alles in allem ist Divinity: Original Sin ein echter Hingucker. Die Grafik rundet das gelungene Gameplay gut ab und macht es zu einem genialen Titel.

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Das Inventar und alles andere Sieht echt gut aus.

 

Süßer Klang in meinen Ohren

Die Musik setzt dem Gesamten noch eins drauf. Der Soundtrack, also die Begleitmusik, wechselt je nach Situation und auch der Ortschaft entsprechend. Hat dabei eine sehr gute Qualität und episch inszeniert. Die Stimmung der jeweiligen Situation wird dadurch sehr gut widergespiegelt und verstärkt. Leider ist der Übergang der einzelnen Stücke etwas zu abrupt, hier hätte ein fließender Wechsel besser gefallen. Auch die Effekt-Geräusche sind sehr gut gelungen, vom “Aufladen” eines Zaubers bis hin zum eigentlichen Spektakel des Zaubers. Wie erwähnt gibt es keine wirkliche Sprachausgabe. Das Spiel gibt es zwar auf Deutsch und Englisch, allerdings betrifft das lediglich alles Geschriebene. Es gibt Sprachsequenzen, also Gespräche zwischen NPCs, die man im Vorbeigehen mitbekommt, aber diese bestehen aus zwei oder drei Sätzen. Hier gibt es zwar viele unterschiedliche, aber die NPCs unterhalten sich recht einseitig. Allerdings möchte man sowieso bloß der sehr guten Musik zuhören, in der man sich gerne mal verliert.

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Sieht man zwar nicht, aber es klingt echt gut.

 

Fazit:

Divinity: Original Sin ist, für RPG-Fans und Spieler, die ihren eigenen Trieb ausleben möchten, genau das Richtige. Es vereint klassische Spielelemente, mit einer großen frei erkundbaren Welt und einem ironischen Humor. Optisch und akustisch ist es sehr ansprechend und wirklich gelungen. Es ist aber ein relativ schweres Spiel und nur, wer Geduld und Zeit mitbringt, hat am Ende viel Spaß dabei. Zudem ist der Coop-Modus mit dem Schere-Stein-Papier Entscheidungs-Prinzip gut integriert. Es ist auf jeden Fall eines der besseren Spiele, die man 2014 vorgesetzt bekommen hat.

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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