Digimon All-Star Rumble – Review zur digitalen Klopperei

„Leb deinen Traum, denn er wird wahr!“ Dies sind nicht nur weise Worte, an die man sich halten sollte, ich habe soeben jedem, der als Kind in den 2000ern Fernsehen geschaut hat, einen Ohrwurm verpasst. Digimon war bzw. ist beim jüngeren Publikum sehr beliebt, und es gab bereits eine Reihe an recht durchschnittlichen Kampfspielen zu den digitalen Monstern. Ob Digimon All-Star Rumble auch NUR durchschnittlich ist, oder es eventuell sogar was reißen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

 

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Nette Charakterauswahl, leider zu wenig

 

Langeweile im Cyberspace

Es herrscht Frieden in der Digiwelt. Alle Bedrohungen wurden beseitigt, die Digimon müssen nicht mehr kämpfen, sie können ruhig in der digitalen Sonne relaxen. Doch einige von ihnen sind so kampfhungrig, dass ihnen die Langeweile aus den Ohren quillt. Sie wollen mal wieder digitieren, also sich in noch mächtigere, größere Monster verwandeln. Die Energie dazu findet sich allerdings nur im Kampf. Und so wird ein großes Turnier veranstaltet, das Entwicklungsturnier digitaler Monster, kurz ETDM. Jedoch gibt es da eine dunkle Macht, von der die Teilnehmer des Turniers nichts wissen. Die Meisten zumindest. Und so erfährt man von jedem einzelnen spielbaren Digimon, warum es am Turnier teilnimmt und was es mit dem Virus, der die Runde macht, auf sich hat. Erzählt wird diese recht aufgesetzt wirkende Geschichte in Textboxen mit nett ausschauenden Hintergrundbildern. Man startet vom Hauptmenü aus den Storymodus und wählt einen der 12 spielbaren Charaktere. Je nachdem, welches Digimon man wählt, ändern sich die Gegner am Ende eines jeden Levels und die Dialoge, die geführt werden. Die Level selber bleiben allerdings gleich. Der Missionsmodus besteht aus acht unterschiedlichen Leveln, die zwar alle recht nett designed sind, sich jedoch beim Neustart der Story mit einem anderen Monster nicht unterscheiden. Zwar findet man in den Kisten, Truhen und Fässern zufällig verschiedene Items, doch der Rest bleibt immer gleich. Des Weiteren ist es zwar eine nette Idee, die Story aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt zu bekommen, hat man sie jedoch zwei, drei Mal gehört, verliert man schnell das Interesse und klickt sich einfach so durch die Dialoge durch.

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Im Storymodus gibt man u.a. Schneckendigimon aufs Maul

 

Digitale Klopperei

Mehr Spaß macht da das Gameplay. Auch wenn der Storymodus recht mau ist, so spielt er sich doch recht ordentlich. Man läuft durch die Level, besiegt spawnende Gegner, betätigt Hebel und hüpft auf Sprungplattformen, alles, um das Ende des Levels zu erreichen. Dort wartet dann immer eines der zwölf spielbaren Digimon auf einen, um einen 1-on-1 Kampf zu bestreiten. Dabei sind die Siegbedingungen immer anders. Jeder Charakter hat drei Leben, und wer zuerst alle verloren hat, hat auch den Kampf verloren. Oder aber man macht innerhalb des Zeitlimits möglichst mehr Schaden als der Gegner. Oder man muss den Gegner besiegen, bevor eine am Rücken befestigte Zeitbombe explodiert. Diese unterschiedlichen Kampfmodi bringen ein wenig Abwechslung ins Spiel. Das Kampfsystem ist recht simpel gehalten, alle Moves der Digimon werden in einem Menü angezeigt. Mit den Viereck-, Kreis- und Dreiecktasten tätigt ihr verschiedene Angriffe, mit X springt man. Blocken und Ausweichen sind auch Möglichkeiten, die man sich zu Herzen nehmen sollte, denn sonst wird man mit einer endlosen Kombo besiegt. Das liegt ganz einfach daran, dass ihr nach harten Treffern zwar für kurze Zeit unverwundbar werdet, euch jedoch nicht bewegen könnt. Euren Gegnern ist das relativ wurscht, sie greifen euch weiterhin an. Ist eure Unverwundbarkeit vorbei, werdet ihr direkt wieder getroffen und der Kreis wiederholt sich. Hat man sich an diesen Fakt gewöhnt, kann man jedoch ganz gut kämpfen. Mit Spezialattacken wie Feuerbällen und Wirbelwinden malträtiert ihr eure Widersacher. Besonders im Multiplayer macht dies durchaus spaß, gerade weil die Steuerung nicht sonderlich kompliziert ist. Alle Digimon haben die gleichen Tastenkombinationen, um ihre Spezialmoves zu aktivieren, diese unterscheiden sich natürlich. Richtig interessant wird es, wenn eure EP-Leiste voll ist. Dann könnt ihr eine Digitation durchführen und schließlich für kurze Zeit als größeres, stärkeres Monster auf eure Gegner einprügeln. Die digitierten Monster besitzen ebenfalls eine EP-Leiste, die in gefülltem Zustand eine bombastische Spezialattacke freischaltet, die den Gegnern einen großen Batzen KP abziehen kann. Ein weiterer Faktor in den Kämpfen sind die Karten. Im Laufe des Spiels sammelt ihr viele unterschiedliche Sammelkarten, die diverse positive Effekte auf eure Digimon haben. Ihr könnt sie mit Geld aus dem Storymodus kaufen oder sie in der Story selbst finden. Um alle Karten sein Eigen nennen zu dürfen, müsst ihr die Geschichte allerdings mindestens Hunderte Male durchspielen, um genug Geld zu sammeln oder die Karten in Truhen zu finden. Und dies macht, wie oben schon erwähnt, nicht wirklich Spaß, wenn sich die acht Level immer wieder wiederholen. Jedoch solltet ihr mindestens mit jedem Digimon die Story einmal durchknüppeln, um eine alternative Digitation für das jeweilige Monster zu erhalten. Manche teilen sich auch solch eine Spezialdigitation, Kenner der Serie werden wissen, was ich meine, und werden die Strapazen wohl auf sich nehmen, besonders schwierig ist der Storymodus auch nicht. Das Problem ist halt auch die Wiederholung der Tutorialtexte, egal wie oft man den Endgegner bereits besiegt hat. Nach dem zehnten Mal sollte man wissen, wie man springt und wie die gegnerischen Digimon heißen, die gespawnt werden. Apropos Digimon, schauen wir uns doch mal die spielbaren Charaktere an. Da sind schon die bekanntesten Digimon aus den Serien dabei, Fans werden ihre Freude mit Agumon, Veemon, Guilmon und Shoutmon haben. 12 spielbare Digimon sind jedoch in Zeiten von Smashs 48-Charaktere-Roster deutlich zu wenig, da wäre definitiv mehr drin gewesen. Auch die Stages, die zwar recht abwechslungsreich sind und verschiedene Effekte haben, sind nicht so zahlreich vorhanden. Acht Maps gibt es, und damit muss man sich dann zufriedengeben. Auch hier wäre mehr auf jeden Fall besser und vor allem möglich gewesen.

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Und jetzt alle mitschreien: “PLANETENKRAFT!”

 

PS2-Flair auf der PS3

Grafisch reißt Digimon All-Star Rumble nicht sonderlich viel. Die Digimon sehen zwar so aus, wie man sie aus der Serie kennt, jedoch wirken sie manchmal etwas plastisch. Die Level haben zwar eine nette Atmosphäre und aus der Ferne sehen die Welten auch nett aus, schaut man jedoch etwas genauer hin, dann fallen einem die matschigen Texturen deutlich auf. Grafik dieser Art war bereits auf der Playstation 2 möglich, für die Playstation 3 ist das grafisch deutlich zu wenig. Dagegen sehen die Spezialattacken der voll digitierten Monster super aus. Sie sind bombastisch in Szene gesetzt, und auch sehr nah an den Attacken aus dem Anime. Wargreymons Planetenkraft, Angewomons heiliger Pfeil und Ex-Veemons V-Laser sind originalgetreu dargestellt und knallen grafisch richtig gut rein. Die sammelbaren Karten sind natürlich nicht der Grafikkracher, stattdessen sehen wir hier schöne Zeichnungen von vielen bekannten Digimon, die Fans kennen sollten. Und wer dieses Spiel spielt, der ist wahrscheinlich auch ein Fan. Der Soundtrack wird ebendiese allerdings enttäuschen. Das heißt nicht, dass es ein schlechter OST ist. Er ist in den Kämpfen schön rockig und in den Missionsleveln schön passend zur jeweiligen Umgebung atmosphärisch. Doch bekannte Melodien aus der Serie sucht man hier vergebens. Das im Vorwort angesprochene „Leb deinen Traum“ wird genauso vermisst wie alle anderen bekannten Melodien.

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Wenn digitierte Monster sich kloppen, gehts richtig ab!

 

Weniger ist nicht immer mehr

Kommen wir zum Schluss noch mal zum größten Kritikpunkt von Digimon All-Star Rumble: der Umfang. Das Einzige, was annehmbar ist, sind die verschiedenen Modi in den Kämpfen. Viele Kampfspiele bieten meist nur zwei bis drei Spielmodi, hier gibt es sechs unterschiedlich Arten und Weisen, wie der Gewinner eines Matches ermittelt werden kann. Doch das ist auch schon der einzig positive Aspekt des Spielumfangs. Nur acht Level im Storymodus, die immer gleich bleiben, nur zwölf spielbare Digimon, nur acht unterschiedliche Stages und im Hauptmenü nur der Story-, Kampf- und Trainingsmodus. Knappe sechzig Euro für dieses Spiel bezahlen zu müssen ist leider schon fast eine Frechheit. Digimonfans haben zwar ihren Spaß mit diesem Spiel, nichtsdestotrotz hätte der Umfang um einiges größer sein können, wenn nicht sogar müssen. Und dann wäre da noch der Onlinemodus. Den gibt es schlicht und einfach nicht. Wie schon in der Review erwähnt macht die Klopperei ja nur richtig gegen menschliche Gegner Spaß, allerdings muss man sich andere Digimon-begeisterte in sein Zimmer holen, online gegen Spieler aus der ganzen Welt spielen zu können hätte Digimon All-Star Rumble gut getan.

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“Werde Opfer meiner Todescombo!”

 

Fazit:

Digimon All-Star Rumble macht Spaß. Zumindest, wenn man den Storymodus das erste Mal durchspielt oder gegen Freunde im Kampfmodus antritt. Die Kämpfe sind witzig und spannend, die Spezialattacken bombastisch und die Digitationen machen sind toll. Doch leider hat das Spiel auch viele Probleme. Das Größte ist der mangelnde Umfang. Zum Preis von ca. 60€ wird hier leider zu wenig geboten. Digimonfans werden mit diesem Titel dennoch ihre Freude haben. Und wer kauft sich dieses Spiel schon, wenn er kein Digimonfan ist?!

 

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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