Die Sims 4 – Review zur großen Lebenssimulation

Wir kennen sie alle. Wir lieben sie alle. Wir spielen sie alle. Nach über fünf Jahren erschien am 04. September 2014 der neuste Teil der “Die Sims”-Reihe für den PC. Bereits vor einem Jahr konnten wir auf der Gamescom 2013 den Sim-Creator “Erstelle einen Sim” ausprobieren und waren begeistert. Doch was hat sich seither an dem Spiel geändert? Wurden alle vorgestellten Neuerungen auch wirklich so in das Spiel integriert, wie es Electronic Arts es uns versprochen hatte? Bereits im Vorfeld erschien eine Liste mit mehr als 85 Dingen / Objekten und Funktionen, welche in den älteren Teilen vorhanden waren, im neusten Teil aber fehlen würden. Fans sind aufgebracht. Doch ist das Spiel wirklich so schlecht, wie es im Vorfeld gesagt wurde? Wir haben das Spiel seit Release für euch unter die Lupe genommen und sagen euch in unserem Test, was an Sims 4 gut und was nicht so gut gelungen ist.

 

Geschichten gibt es viele zu erzählen

Eine richtige Storyline findet man auch im neusten Ableger der Sims vergebens. Aber braucht man so etwas überhaupt? Nein, denn jeder Sim lebt anders und stellt somit seine eigene Geschichte, rund um sein Leben auf. Denn wir als Spieler entscheiden, wie das Spiel verläuft und nicht etwa die Entwickler von Maxis. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Dennoch beginnt das Spiel am Anfang immer mit der Charaktererstellung und dem Modus “Erstelle einen Sim”. Das wirkt auf dem ersten Blick sehr bekannt und man findet sich auch sofort in der Benutzeroberfläche zurecht. Allerdings gibt es beim Anpassen der einzelnen Sinnesorgane und der Glieder einige gute Veränderungen. So muss man nicht mehr an einem Rad oder Balken ziehen, damit die Nase größer oder kleiner wird, in Sims 4 nimmt man dafür einfach die Maus und hält diese gedrückt. Danach zieht man einfach in die gewünschte Richtung und schon wird der Körperteil dementsprechend größer oder eben auch kleiner. Durch diese Funktion lässt sich innerhalb von wenigen Minuten der eigene Sim erstellen. An Kleidungsstücken, Accessoires, Haarschnitten, Augenfarben und sonstigen Veränderungen hapert es also nicht. Für jeden erstellten Sim kann sogar eine Gangart festgelegt werden. Nachdem man den Charakter fertig gestaltet hat, muss noch ein Bestreben (das frühere Lebensziel) und bis zu drei Charaktereigenschaften zugeordnet werden. Doch bereits bei der Erstellung des Charakters haben wir gemerkt, dass die recht wenigen Neuerungen ziemlich passend und super gewählt sind, da man nun weniger Zeit für die Erstellung benötigt. Allerdings wartet die nächste, recht große Neuerung, schon direkt nach der Erstellung des Sim auf uns. Die in Sims 3 betretene Stadt, in der man sich frei bewegen konnte, fällt nun leider raus. Zwar kann man sein Grundstück noch immer frei wählen oder ein kleines Haus erwerben, frei in der Stadt herumlaufen ist allerdings Geschichte. Beim Start wählt man aus, in welcher Stadt man gerne Einwohner werden möchten. Die Auswahl ist hierbei sehr überschaubar, wird wahrscheinlich mit DLCs und Add-ons erweitert. Entweder man zieht in der Stadt Willow Creek, welche sehr an die Start-Stadt aus Sims 3 erinnert, oder man findet in Oasis Springs sein neues Zuhause. Beide fallen merklich kleiner aus und sind in mehrere Bereiche unterteilt. Diese einzelnen Bereiche können dann mit Freunden und Bekanntschaften betreten werden. Dabei entstehen immer kleine Ladepausen. Ein nahtloser Übergang ist leider nicht mehr vorhanden. Auch bei den Nachbarn klingeln funktioniert nicht mehr wie früher, sondern muss per Reise gestartet werden. Allgemein sind die Ladezeiten recht kurz und auch beim Starten des Spieles landen wir schnell wieder in unseren vier Wänden, den Spielfluss stört dies aber ungemein. Was einem am Ende besser gefällt, ob große frei begehbare Stadt oder kleinere, mit Abschnitten begrenzte Wohngegend, muss jeder selber wissen. Uns hat es beim Spielen zumindest nicht weiter gestört, da die längeren Wege in Sims 3 zumindest genauso nervig und lang waren, wie die Ladezeiten für den neuen Abschnitt der Stadt.

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Willow Creek, ein kleines grünes Örtchen.

 

Möglichkeiten ohne Ende

Nachdem man sich seinen gewünschten Ort ausgesucht hat, kann man sich noch entscheiden, ob man ein fertiges Haus bezieht oder ob man sich selbst ein Zuhause bastelt. Auch hier gibt es wieder viele, viele Entscheidungen zu treffen. Entweder mal wählt den Baukasten, in dem man vorgefertigte Räume findet, oder zieht von den Grundmauern bis zum Handtuchhalter alles selbst auf. Die fertigen Räume haben den Vorteil, dass man sehr schnell Häuser zusammenstellen kann. Vor allem, da platzierte Räume schnell wieder verschoben sind. Das Verschieben fertiger Zimmer funktioniert auch, wenn man sich die Räume selbst gezimmert hat. Die vorgefertigten Räume sind aber gefühlt etwas kostspieliger und sind meist nicht so angeordnet, wie man es braucht. Somit bekommt man eher ein zweckmäßiges als ansehnliches Haus. Aus diesem Grund und um den Baumodus richtig zu testen, haben wir unser Haus selbst erstellt und eingerichtet. An Auswahl mangelt es hier nicht. Wir können aus unzähligen Bodenbelägen, Wandfarben, Fenstern, Türen, Betten und allem was in ein Haus gehört aussuchen was wir unseren Sims zur Verfügung stellen. Je nachdem was einem wichtiger ist, gibt man mehr oder weniger Geld aus. Einem Geek stellen wir einen super PC hin, ein Bücherwurm bekommt ein Bücherregal und ein angehender Meisterkoch bekommt eine schnieke eingerichtete Küche. Wenn man dann nun fertig ist, sein Eigenheim zu erbauen, begrenzt wird der Bautrieb vor allem durch den Kontostand. Der geht schneller gegen null, als man schauen kann. Nun beginnt das Leben der Sims. In unserem Fall war der Sim hungrig, also führte der erste Weg in die liebevoll eingerichtete Küche. Kaum angefangen eine Mahlzeit zu bereiten stand der kleine Kerl direkt in Flammen. Es hatte sich also nicht gelohnt den teureren Herd hin, zustellen. Diesen Schreck haben wir aber schnell überwunden und nach der ersten erfolgreich zubereiteten Köstlichkeit, wählen wir uns einen passenden Beruf aus. Meisterkoch, Blogger, Schriftsteller, Geheimagent, Technikguru oder gar Verbrecher, hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Bis der erste Arbeitstag naht, bleibt noch etwas Zeit. Ehrgeizige Menschen können sich bereits darum kümmern sich privat fortzubilden und eine Beförderung, anzustreben. Man kann kleinere Aufgaben zu Hause erledigen, um anschließend befördert zu werden. Dies bringt mehr Geld und macht den Sim zufrieden. Ansonsten könnte man sich einen der vielen TV-Sender ansehen oder am Computer chatten, spielen oder einfach nur surfen. Extrovertierte Sims gehen aber lieber in die Lounge oder den Nachtklub. Hier versammeln sich direkt alle anwesenden Sims und wollen einen kennenlernen. Wäre das Finden von Freunden im realen Leben nur so einfach. Was steht sonst so an? Eine ganze Menge! Neben den alltäglichen Aufgaben wir Putzen und zur Arbeit gehen, müssen die Bedürfnisse der Sims befriedigt werden. Kochen, duschen, putzen, schlafen und der Gang zur Toilette genügen den Sims. Beim Erledigen der Aufgaben steigen die Level unserer Fähigkeiten. Schach spielen fördert beispielsweise logisches Denken. Die Level der Fähigkeiten und die Stimmung der Sims beschleunigt gewisse Aufgaben. Ein inspirierter Sim schreibt sein Buch viel schneller. Die Stimmung, der Sims kann, man relativ leicht beeinflussen. Eine dampfende Dusche, das Betrachten eines Gemäldes oder Joggen gehen können die gewünschte Gefühlslage hervorrufen. Die Gefühle bzw. Stimmungen legen auch besondere Handlungsmöglichkeiten offen. Kokette Sims können ihren Begehrten eine Rose präsentieren. Die Interaktion mit anderen Sims ist leicht, manchmal zu leicht. Egal was man macht (bis auf Anbrüllen vielleicht), kommt positiv an. Keiner empfand es als unfreundlich durch einen Elektroschock geärgert, zu werden. Spaß macht die Sims 4 auch trotz der doch vielen gestrichenen Features. Einen Pool kann man sich sowieso nicht leisten und kleine Kinder machen auch nur viel Arbeit. Dass ein Bus fehlt, stört genauso wie die “geschlossene” Welt. Die Umgebung ist frei erkundbar, allerdings nur außen. Möchte man allerdings das Nachbarhaus oder das Museum besuchen, muss man dort hinreisen. Der Ladebildschirm dauert dabei nicht länger als die Anreise aus dem Vorgängerspiel. In den rund 30 Spielstunden ist uns nie wirklich die Lust vergangen. Schade ist, dass viele Aktionen nur oben rechts in einem kleinen Textfeld erscheinen. So kann man gerne mal was übersehen. Wobei größere Aktionen, wie der Sim auf der Arbeit auf eine bestimmte Situation regieren soll, wird durch ein großes Fenster mitten auf dem Bildschirm angezeigt. Nach dem Schreiben dieser Zeilen wird das Spiel direkt wieder gestartet.

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“Sanft Küssen” steht wegen der Stimmung “Selbstsicher” zur Auswahl.

 

Optik die gut ankommt

Sehen lassen kann sich das Spiel im Großen und Ganzen auch. Der comichafte Stil der Texturen und der genügend hohe Detailgrad sorgen für einen schönen Anblick. So kann man eine Unterkunft stilvoll einrichten und sich an der Schönheit ergötzen. Die Konturen sind, egal, in welcher Zoomstufe wir uns befinden, immer glatt und gerade. Nur die Fenster, die sind immer kantig. Objekte spiegeln sich in den Spiegeln, so wie sie es sollen. Der Wechsel in die Nacht ist schön anzusehen und die Beleuchtung rund ums Haus und innen ist schön stimmungsvoll. Die Animationen sind auch sehr schön gemacht. Die Bewegungen der Sims sind geschmeidig und verändern sich nach den Fähigkeitsstufen. So gelingen Aktionen, die zuvor noch gescheitert sind. Bugs sind in unserem Test keine aufgetreten, auch wenn es einen Patch direkt zum ersten Tag gab.

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Im Gegensatz zum Rest sehen die Fenster sehr übel aus.

 

Unverständliches Gebrabbel

Die Sounds im Spiel sind gut gelungen. Wenn man einem Sim beim Kochen oder beim Duschen zuhört, klingt alles sehr echt. Gespräche sind natürlich nur in Lauten und Symbolen dargestellt. Aber beim Spielen einer Gitarre oder beim Radio hören klingt es sehr echt. Wenn die Stimmung der Sims ändert, werden wir mit einer kurzen Melodie darauf aufmerksam gemacht. Die Musik in den Menüs kann man sich doch gut anhören. Soundbugs sind im Test keine aufgetreten.

 

Fazit:

Auch wenn viele Fans der Serie dazu neigen dem neuesten Teil aus dem Weg zu gehen, ist ein tiefer Blick durchaus lohnenswert. Ein paar Features fehlen zwar, dennoch ist die Sims 4 ein komplettes sehr gutes Spiel, dass einem viel Freude bereiten kann. Der innovative Baumodus und die gelungene Charaktererstellung lassen der Kreativität alle Türen offen. Sims 4 schneidet im Vergleich mit Sims 3 nicht so schlecht ab, wie vorher befürchtet. Wer allerdings sehr viel Wert auf Geister, Pools und Kleinkinder legt, sollte doch lieber beim dritten Teil bleiben.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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