Die Insel der Delfine

Kritik zum sommerlichen Familien-Feelgood-Film

Auf den ersten Blick verspricht Die Insel Der Delfine, ein schönes sommerliches Erlebnis für die ganze Familie zu werden. Auf einer karibischen Insel mit ihren weißen Stränden und blauem Wasser lässt sich die warme Jahreszeit immerhin am besten genießen. Und wer kann schon einem freundlichen Delfin widerstehen, der fröhlich durch die klaren Gewässer schwimmt? Da kann auf einer ganzen Insel der Delfine ja nichts mehr schief gehen. Sollte man meinen. Was trotz Sommer, Karibik und Delfin gründlich schief gegangen ist und warum, erfahrt ihr in der folgenden Kritik.

 

Die Story von Die Insel Der Delfine

Nachdem die 14-jährige Annabelle ihre beiden Eltern bei einem tragischen Unfall verloren hat, lebt sie zusammen mit ihrem Großvater Jonah auf einem karibischen Inselparadies. Dort gründeten ihre Eltern Jahre zuvor ein Forschungszentrum für die ansässige Unterwasserkultur. Auf ihrer Insel ist Annabelle umgeben von freundlichen Nachbarn und ihrer besten Freundin Mitzy, einem Delfin. Doch das vermeintliche Glück wird getrübt von Geldproblemen und einer Untersuchung des Jugendamts. Als schließlich Annabelles Großeltern mütterlicherseits das Sorgerecht für sie beanspruchen wollen, um Annabelle zurück nach New York zu holen, müssen sie und ihre Freunde alles daran setzen, das bevorstehende Unheil noch abzuwenden.

 

Unsere Kritik zu Die Insel Der Delfine

Natürlich kann ein Film, der gezielt Kinder ansprechen soll, nicht mit einer komplexen Handlung aufwarten. Es muss alles einfach gehalten werden, damit auch die Kleinsten in der Lage sind, dem Geschehen zu folgen. Die fehlende Spannung hat nicht zwingend einen Einfluss auf die Qualität eines Familienfilmes, sofern alles andere stimmt. Ist der Film insgesamt gut gemacht, die Charaktere sympathisch und die Geschichte liebevoll erzählt, macht man auch als Erwachsener gern ein paar Abstriche, was Spannungsbogen und anspruchsvolle Handlung angeht. Doch leider ist “Die Insel Der Delfine” auch in jeglichen anderen Punkten schwach aufgestellt. Aber eins nach dem anderen.

A oder B oder doch beides?

Die Beschreibungen und Darstellungen der wichtigsten Charaktere sind ein Widerspruch in sich, was jedem einzelnen jegliche Glaubwürdigkeit nimmt. Annabelle, unsere sympathische Hauptfigur, um die wir bangen und mit der wir mit fiebern sollten, wird als schöne, intelligente und fleißige junge Frau beschrieben. Soweit wäre das durchaus sehr passend, wenn Annabelle sich nicht den ganzen Film durchweg gegenteilig verhalten würde. Von intelligent und fleißig kann hier nicht die Rede sein. Tatsächlich wirkt sie eher seicht und dümmlich, was ihre Handlungen nur noch unterstreichen. Als Beispiel, welcher rationale Mensch, der täglich mit einem Delfin schwimmt und auf einem Kutter lebt, demnach also kein schlechter Schwimmer sein kann, bleibt an Bord eines brennenden Bootes nahe der Küste, bis dieses schließlich in die Luft fliegt? Wenn doch wenige Minuten schwimmen bei schönstem Wetter und kaum Wellengang die sichere Rettung gewesen wären. Dieses Verhalten ist bar jeder Logik und zeugt definitiv nicht von Intelligenz.

Auch der zwielichtige Anwalt, der offenkundig der verwegene Bösewicht unserer Geschichte ist, funktioniert als solcher hinten und vorne nicht. Sein Auftreten in Hawaiihemd und Bermudashorts ist verlottert und unprofessionell. Doch ist er angeblich der Beste seines Fachs und wird von großen, mächtigen Konzernen in New York weiter empfohlen? Ich glaube eher nicht. Noch dazu verhält er sich durchweg gewissenlos und schadenfroh, was wiederum zum Image des verwegenen Bösewichts passt. Doch lässt sich so jemand plötzlich davon erweichen, dass eine 14-jährige auf einer winzigen Insel, die sie so gut kennt wie ihre Westentasche, mitten am Tag, bei schönstem Wetter von ihren Großeltern wegläuft? Noch dazu wird er, verständlicher Weise, von den Einwohnern der Insel von Anfang an verabscheut. Doch durch einen kleinen Akt der Reue, der sich lediglich auf einen Anruf beschränkte, den niemand tatsächlich bezeugen konnte, ist plötzlich alles verziehen und es wird fröhlich miteinander gefeiert. Dabei war er schon Persona non grata, bevor die Ereignisse des Films stattfanden. Ebenfalls bar jeder Logik.

Warum das alles?

Selbst die Motive der einzelnen Protagonisten sind nicht erkennbar oder nicht vorhanden oder sie handeln völlig sinnentleert. Nehmen wir Jonah, Annabelles Großvater. Offenkundig liebt er seine Enkelin und möchte ihr ein möglichst gutes Leben bieten. Nach dem Wunsch ihrer Eltern zieht er sie also auf der Insel groß, auf der diese zu Lebzeiten ihr Forschungszentrum gründeten. Soweit, so gut. Doch als Probleme in Form einer Untersuchung des Jugendamts aufkommen, tut er alles erdenklich mögliche, um die Situation immer weiter zu verschlechtern. Die zuständige Sozialarbeiterin zu beschimpfen und Kooperation zu verweigern kann in keinem Szenario hilfreich sein, um sich als ein guter Vormund zu erweisen. Dabei war er doch angeblich Professor an einer namenhaften Universität, bevor er auf die Insel kam. Als solcher sollte er weniger weltfremd sein.

Oder betrachten wir Annabelles Großeltern mütterlicherseits. Diese treten nach 10 Jahren Funkstille plötzlich wieder in ihr Leben und wollen sich das Sorgerecht erkaufen. Warum? So wirklich wird diese Frage nicht beantwortet. Zwar gehen sie, wenn nötig, auch schmutzige Wege, um Annabelle zu bekommen, aber einen wirklichen Grund dafür scheint es nicht zu geben. Ganz offensichtlich ist die Entscheidung Annabelle ein Leben in New York aufzuzwingen nicht in ihrem Interesse und macht das Mädchen deutlich unglücklich. Doch es ist natürlich nur zu ihrem Besten. Das alles nur, weil sie ihre tote Tochter, Annabelles Mutter, vermissen und nicht wollen, dass Annabelle auch aus ihrem Leben verschwindet? Dafür nehmen sie Jonah seine Existenzgrundlage und zwingen einen Teenager mit zwei beinahe fremden Menschen in einer fremden Stadt zu leben? Nicht nur, dass das so zweifellos nicht funktioniert, was jedem, der bis zwei zählen kann, bewusst sein sollte, die Mittel scheinen doch ungewöhnlich drastisch für ein vergleichsweise sehr schwaches, beinahe nicht existentes Motiv.

Eine herbe Enttäuschung für Delfinfans

Wer jetzt gehofft hat, dass man sich wenigstens mit jeder Menge niedlicher Delfine über die Zeit hinweg trösten kann, die dieser Film kostet, der hat weit gefehlt. Denn in Der Insel Der Delfine ist, entgegen dem, was das Titel impliziert, nur ein einziger Delfin zu sehen, Mitzy. Und dieser ist leider auch nicht sonderlich relevant für die Geschichte, abgesehen von seinem großen Moment am Ende des Films. Meist wird Mitzy nur nebenbei erwähnt oder für wenige Sekunden eingeblendet. Ein nettes, kleines Detail, doch für den Film nicht notwendig und für eine Delfininsel eindeutig zu wenig. Immerhin wurde mit echten Tieren gearbeitet. Das ist aber auch das einzig Gute, das sich an dieser Stelle sagen lässt. Denn eine Insel der Delfine, ohne Delfine -Verzeihung, mit einem einzigen Delfin- naja das sagt eigentlich schon alles.

Schlecht gespielt, noch schlechter synchronisiert

Neben allen Fehlern und Schwächen, die das Writing offenbart hat, bewegt sich leider auch die schauspielerische Leistung im unteren Bereich, von der deutschen Synchronisation ganz zu schweigen. Die Mimik und Gestik der Schauspieler wirkt durchweg gestellt und steif. In Annabelles Fall beschränkt sie sich sogar hauptsächlich auf das sogenannte Duckface. Hier muss man leider sagen, dass Delfin Mitzy mit Abstand die beste darstellerische Leistung erbracht hat. Ein bisschen mehr Screenzeit für den Delfin hätte dem Film deutlich gut getan.

Was die deutsche Synchronisation angeht, mit einem Wort: unterirdisch. Die Sprecher legen kaum, bis keinerlei Betonung in ihren Text. Das meiste klingt als hätten sie lediglich einen ihnen vorliegenden Text abgelesen. So geht auch das letzte Bisschen der darstellerischen Leistung verloren. Wenn ein wutentbrannter Protagonist sich anhört wie eine automatisch generierte Aufzählung analytischer Daten, ist das weder der Atmosphäre, noch der Glaubwürdigkeit dienlich und zehrt wirklich an der Konzentration und Motivation des Zuschauers.

Zum Glück eine recht kurze Erfahrung

Auch wenn man versucht, möglichst viel Kulanz zu zeigen und alle Augen zudrückt, ebenfalls unter Berücksichtigung der Zielgruppe, muss man leider sagen, dass dieser Film auf gar keinen Fall empfehlenswert ist. Auch wenn es durchaus legitim ist einige Abstriche zu machen, zu Gunsten einer leichteren Kost, so macht dieser Film eindeutig zu viel davon. Die Schauspieler sind wenig überzeugend und die Geschichte, trotz dass sie sehr seicht ist, nicht schlüssig. Noch dazu der irreführende Titel, der zumindest auf den Anblick interessanter Tiere hoffen lässt und die herbe Enttäuschung, wenn man akzeptieren muss, dass es nur einen Delfin gibt, der auch eher rar auftritt. Da helfen auch ein paar schöne Landschaftsaufnahmen und Sonnenuntergänge am Strand nicht mehr. Selbst auf musikalische Untermalung wird größtenteils verzichtet. Hier also die Frage, was genau soll den Zuschauer denn bei der Stange halten? Besonders wenn man die von Natur aus niedrigere Aufmerksamkeitsspanne der fokussierten Zielgruppe bedenkt? Lässt man alles noch einmal Revue passieren, so bekommt man eine wunderschöne Sommerlandschaft mit glasklarem blauem Wasser mitten in der Karibik, wenige Minuten mit einem niedlichen Delfin und sonst nichts. Ein schönes Erlebnis für die ganze Familie ist hier definitiv nicht gegeben.

 

Informationen zu Die Insel Der Delfine

  • Originaltitel: Dolphine Island
  • Laufzeit: ca. 88 Minuten
  • Heimkinostart: 22. Juli 2021 (digital), 05. August 2021 (DVD)
  • Altersfreigabe (FSK): keine Freigabe
  • Besetzung: Peter Woodward, Tyler Jade Nixon, Dionne Lea Williams

 

Trailer zu Die Insel Der Delfine

Fazit zu Die Insel der Delfine

von Vivien Ziermann

Der Film hat, abgesehen von der Landschaft und dem sporadischen Auftreten eines einzigen Delfins, nicht viel zu bieten. Es gibt weder eine schlüssige Handlung, noch sympathische Charaktere oder eine nennenswerte schauspielerische Darstellung. Daher ist es kein großer Verlust, wenn man diesen Sommerfilm auslässt.

Fazit:

Seichte und trotzdem nicht schlüssige Geschichte
Unglaubwürdige, schlecht gespielte Charaktere
Schöne karibische Landschaft mit weißen Stränden und klarem, blauem Wasser
Kaum Delfine zu sehen, trotz gegenteiliger Implikation durch den Titel

Ab in die Filmsammlung?

Definitiv nicht. Egal wonach man sucht, ob Familen-, Sommer- oder Delfinfilm, es gibt in jedem Fall eine bessere Alternative.

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Geschrieben von Vivien Ziermann
Redakteurin im Bereich: Games, Movies

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