Destiny – Test zu Bungie’s MMO Shooter

Der Entwickler Bungie hatte sich auf der Xbox mit der Halo-Reihe einen guten Ruf erarbeitet – allem voran im Shootergenre. Die Beliebtheit von Halo ließ sich zum großen Teil durch den starken Fokus auf eine echte Story erklären. Zu dieser Zeit war dies eine echte Rarität für Spiele dieser Kategorie. Nachdem bereits im November 2012 erste Informationen geleakt wurden, war die Skepsis über Bungies neues Projekt allerdings noch sehr groß. Die folgenden Präsentationen änderten daran nur wenig. Niemand wusste, wie dieses Spiel am Ende werden würde. Nun allerdings ist es so weit. Seit dem 9. September können sich Gamer auf der ganzen Welt selbst ein Bild machen. Wir haben uns für euch in die Welt von Destiny begeben und berichten euch, ob Bungie hier an alte Erfolge anknüpfen kann oder nicht.

 

Darkness Rules!

Die Geschichte von Destiny schickt euch etwa 700 Jahre in die Zukunft der Erde. Die Menschheit ist fast vollständig ausgelöscht. Lange vor der Auslöschung der Menschen erreichte ein Wesen, genannt der Reisende, die Erde. Dieser Reisende, in Form einer großen weißen Kugel, verlieh den Menschen das Wissen und die Technologie, um den Planeten zu verlassen und die Galaxie zu besiedeln. Doch der Erzfeind des Reisenden, die Finsternis, hatte bereits dessen Fährte aufgenommen. Die ersten Opfer der Finsternis waren die in der Galaxis verstreuten Kolonien der Menschen. Die Lakaien der Finsternis machten dabei nicht halt, bis am Ende nur noch eine kleine Kolonie, beschützt vom Reisenden, übrig war. In dieser Situation sah der Beschützer der Menschen nur eine Möglichkeit und ernannte Hüter. Diese Krieger waren fähig, seine als “Licht” bezeichnete Macht zu verwenden, um die Anhänger der Finsternis zu vernichten. Dies ist die Ausgangssituation, in der ihr euer Abenteuer startet. Bevor ihr jedoch startet, müsst ihr euch einen Charakter erstellen. Dabei könnt ihr aus drei Rassen und Klassen wählen. An Rassen stehen euch natürlich die Menschen zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch die Erwachten, eine erleuchtete Rasse und die Exos, Roboter mit künstlicher Intelligenz. Für welche Rasse ihr euch entscheidet hat dabei leider keinerlei Einfluss auf den Rest des Spiels. Anders sieht es dabei mit den Klassen aus. Zur Auswahl stehen Hunter, Warlock und Titan. Hunter sind agile Kämpfer und Meister im Umgang mit dem Messer sowie geübt im Schleichen. Die Warlocks sind Destinys Magier, welche sich die Macht des Reisenden zunutze machen. Die Titans sind am ehesten mit dem Master-Chief aus Halo zu vergleichen. Sie sind stark gepanzerte Ein-Mann Armeen, welche im Nahkampf auf ihre Fäuste zählen. Habt ihr eure Wahl getroffen, könnt ihr euren Charakter noch optisch anpassen und startet dann in das Spiel. Ein Geist, ein kleiner schwebender Roboter, belebt euch wieder, da er in euch einen Hüter erkannt hat. Von nun an geleitet euch dieser Geist durch das Spiel und weist euch den Weg. Auf der Suche nach einem Schiff für eure Rückkehr führt euch euer Weg hinter die Befestigungsmauer. Nachdem ihr die ersten Waffen eurem Arsenal hinzugefügt habt, macht ihr auch schon die Bekanntschaft der Gefallenen. Nach einer Weile des Umherstreifens findet ihr ein altes Schiff, das nach einem Gefecht in euren Besitz übergeht und euch zur Flucht verhilft. Endlich befindet ihr euch in Sicherheit. Der Turm wacht über die darunterliegende Stadt, die letzte Zuflucht der Menschen. Der Turm dient den Hütern als Zentrale und Zuhause. Dort habt ihr die Möglichkeit, Waffen zu kaufen, Aufträge anzunehmen, neue Ausrüstung zu besorgen und vieles mehr. Von nun liegt es an euch stärker zu werden und mit dem Licht des Reisenden dessen Feinde zu vernichten und ihm so zu alter Stärke zu verhelfen.

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Wo gehts lang?

 

Das Hüter Ein mal Eins

Destiny bietet im Grunde zwei Modi, in denen ihr euch austoben dürft. Der PvE Mode ist der Story Mode. Hier folgt ihr den Story-Missionen und spielt nach und nach die anderen Schauplätze (Mond, Mars, Venus) etc. frei. Hin und wieder unterhalten euch dabei kurze Videosequenzen. Das große Ziel hinter euren Aktionen ist, dem Reisenden wieder zu alter Stärke zu verhelfen. Dazu begebt ihr euch auf Missionen durch das halbe Sonnensystem. Missionen setzen euch in einem Gebiet ab und führen euch dann anhand von Markierungen in die Richtung eures Missionsziels. Ist euch der Weg zu eurem Missionsziel zu weit, könnt ihr einen Sparrow nutzen, einen Gleiter ähnlich dem Speeder Bike aus Star Wars. Dabei ist das Ziel, meistens eine alte Anlage von eurem Geist scannen zu lassen oder einen Komplex von Feinden zu säubern. Feinde kommen dabei in vielen verschiedenen Arten von den Gefallenen und Vandals bis hin zu den fast zombieartigen Hive-Anhängern oder den maschinenartigen Vex. Interessant ist, dass diese Gegner oft nicht nur eure Gegner sind. Es passiert durchaus, dass sich einige Feinde gegenseitig bekriegen, da nicht jede Rasse sich mit der Anderen versteht, auch wenn diese für die Finsternis arbeiten. Der PvP Mode von Destiny ist der Schmelztiegel. Dort messt ihr eure Fähigkeiten im Kampf gegen andere Hüter. Der Story-Modus und der Schmelztiegel spielen sich dabei im Grunde gleich. Einziger Unterschied ist, dass nur Gegner in den Story-Missionen Gegenstände fallen lassen. Es stehen dabei unterschiedliche Modi zur Verfügung, nämlich Rumple, Control, Skirmish, Lockdown und Team-Deathmatch. In diesen Modi erhaltet ihr ebenfalls zufallsbasierte Belohnungen, jedoch nicht durch Drops besiegter Gegner, sondern am Ende jedes Matches. Loot bestimmt zum großen Teil das Spiel. Folgt ihr der Story und besiegt Feinde, lassen diese sammelbare Gegenstände fallen. Dazu gehört zum Beispiel Glimmer, was in Destiny die Hauptwährung darstellt. Jedoch lassen Gegner hin und wieder Ausrüstungsgegenstände wie Waffen oder Helme fallen. Wesentlich bedeutsamer, vor allem jenseits von Level 20, sind Engramme. Engramme sind codierte Gegenstände, welche im Turm vom Kryptarch entschlüsselt werden müssen. Engramme gibt es in grün (ungewöhnlich), blau (selten) und lila (legendär). Gegenstände der Kategorie “legendär” sind am wertvollsten, können jedoch erst ab dem 20. Level angelegt werden. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: ein lila Engramm ist keine Garantie dafür, dass dieses auch einen legendären Gegenstand enthält. Das bedeutet, dass je hochwertiger das Engramm ist, umso wertvoller ist auch der mögliche Inhalt. Gefundene Ausrüstung, welche nicht von euch benötigt wird, kann demontiert werden, was euch einerseits Glimmer bringt und andererseits Rohstoffe, welche ihr für Upgrades benötigt. Rohstoffe könnt ihr aber auch während der Missionen in den Gebieten sammeln. Habt ihr genügend Glimmer gesammelt, könnt ihr dies im Turm in Waffen, Ausrüstung, Gleiter oder neue Raumschiffe investieren. Destiny verfügt über ein zweiteiliges Levelsystem. Bis Level 20 erhält euer Charakter ganz normal Erfahrungspunkte durch das Ausschalten von Gegnern, das Erfüllen von Mission oder durch Bountys. Grüne Ausrüstung und eure Klassenfähigkeiten steigern sich dadurch ebenfalls und neue Upgrades werden freigeschaltet. Mit Level 20 habt ihr das erste Levelcap erreicht. Von jetzt an könnt ihr Ausrüstungen finden oder im Schmelztiegel erspielen, die über ein zusätzliches Lichtattribut verfügten. Legt ihr Gegenstände mit diesem Attribut an, steigt ihr entsprechend dessen Höhe im Level weiter auf (zurzeit ist der höchste erreichte Level eines Spielers 30). Eine bessere Möglichkeit um an derartige Ausstattung zu kommen, sind die Händler im Turm. Um jedoch derartige Gegenstände erwerben zu können, müsst ihr sowohl entsprechende Punkte haben als auch entsprechende Währung, da ihr hier mit Glimmer nicht mehr weiter kommt. Als Beispiel sei hier der Schmelztiegelwächter erwähnt. Um dort Einkaufen zu können, müsst ihr euren Schmelztiegelrang erhöhen, indem ihr euch die entsprechenden Punkte in PvP Matches verdient. Habt ihr den entsprechenden Level erreicht, benötigt ihr noch Schmelztiegelmarken, um den Artikel zu bezahlen. Diese verdient ihr euch ebenfalls unter anderem in PvP Matches.

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Der wird platt Gemacht!

 

Was für eine Aussicht

Wenn es um die Technik geht, merkt man Destiny die Erfahrung von Bungie deutlich an. Sowohl Last- als auch Next-Gen-Version sehen großartig aus, wobei die Next-Gen-Versionen natürlich mit hoch aufgelösten Texturen, höherer Weitsicht und dergleichen aufwarten kann. Darüber hinaus nehmen sich die Versionen allerdings nicht viel. Die Action auf dem Bildschirm läuft stets flüssig. Die Shooter-Mechanik macht Destiny zu einem der besten Shooter. Feuergefechte sind schnell, wuchtig und machen auch nach Stunden noch großen Spaß. Die Soundkulisse, egal ob Waffensounds, Feindgebrüll oder Hintergrundmusik sind hervorragend gemacht und fügen sich nahtlos in das Gesamtbild ein.

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Weiter gehts!

 

Destinys dunkle Seite

Bei all den positiven Dingen die Destiny zu einem soliden Game machen gibt es allerdings auch einige Schwachstellen. Das größte ist dabei die Abwesenheit der Story im Spiel. Nach dem Intro verschwindet diese, mal abgesehen von gelegentlichen Videosequenzen, völlig aus dem Spielgeschehen. Und das, obwohl die angekündigte epische Story durchaus existiert. Während des Spiels sammelt ihr Grimoire-Punkte und schaltet entsprechende Sammelkarten frei, welche ihr euch in der Companion-App oder auf der Bungie Website ansehen könnt. Dort erfahrt ihr dann jede Menge an Hintergründen zu Charakteren, Waffen, Feinden, Beziehungen und Geschichte. Daher stellt sich natürlich die Frage, warum man diese ganzen Sachen nicht direkt in das Spiel integriert hat, sondern man diese extern nachlesen muss (denn es lohnt sich wirklich). Ein weiter Störfaktor ist Peter Dinklage. Der Schauspieler, bekannt aus Game of Thrones, leiht eurem Geist, in der englischen Sprachfassung, seine Stimme. So sehr ich ihn als Schauspieler auch mag, aber er ist nicht nur euer Geist, er geht euch auch schnell auf selbigen. Das liegt vor allem daran, dass er nur wenige Textschnipsel hat, die euch immer wieder um die Ohren gehauen werden. Allen voran im PvP. Das Lootsystem benötigt im Übrigen ebenfalls noch Verbesserung. Zu oft passiert es, dass lila Engramme letzten Endes als recht wertlose grüne Ausrüstung enden und man sich ärgert doch nicht weiter seinen Charakter verstärken, zu können.

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Im Team geht vieles leichter

 

Fazit:

Destiny hat im Vorfeld stark polarisiert und einen großen Hype entfacht. Das Destiny dem Hype nicht gerecht werden kann ist kein Wunder, welches Game hat es jemals geschafft übersteigerten Erwartungen der Spielergemeinde gerecht, zu werden. Was am Ende geblieben ist, ist ein grundsolider Shooter mit MMO Elementen und einer großartigen aber ungenutzten Hintergrundgeschichte. Bei all den genannten Mängeln jedoch sollte man eines nicht unerwähnt lassen. Destiny macht einfach unglaublich viel Spaß. Immer findet man einen Grund doch noch ein wenig weiter zu spielen und dann noch ein bisschen. So vergeht dann Stunde um Stunde. Destiny ist vielleicht nicht das erwartete Mass Effect MMO auf das die Spieler gewartet haben aber immerhin ein mehr als solider Shooter mit sehr guter Langzeitprognose und stetig wachsendem Content.

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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