Cyberpunk 2077 – Das kontroverse Action-Rollenspiel im Test (Ohne Spoiler)

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Releasedatum: 10 Dezember 2020

Genre: Action-Rollenspiel

USK: ab 18 Jahren freigegeben

Publisher: Bandai Namco, CD Project Red

Plattformen: PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox Series S, Xbox Series X

Viel wurde erwartet, lange wurde gewartet und heftig wurde diskutiert, als man Cyberpunk 2077 angekündigte, zeigte und schließlich auf den Markt brachte. Kein Spiel der letzten Jahr löste einen derartigen Hype aus, um dann am Ende die wohl denkbar größte Diskussion zu entfachen. Aber auch wir werfen einen Blick auf das Spiel und sagen euch, wie gut das Rollenspiel von CD Project Red wirklich ist.

 

Night City – Euer neues Zuhause

Cyberpunk 2077 spielt in einer dystopischen Zukunft. Night City entstand mit ihr und bildet im Kern auch den Schauplatz des Spiels. Eine Stadt, in der Macht, Reichtum, Armut und Kriminalität direkte Nachbarn sind. Die Technik bestimmt mehr und mehr den Alltag. Mechanische Prothesen und Cyber-Implantate sind Teil der breiten Gesellschaft geworden, was den Menschen aber nicht nur Vorteile beschert. Denn große Konzerne wollen mit diesem lukrativen Geschäft natürlich das große Geld verdienen. Das Abenteuer beginnt mit der Charaktererstellung. In jedem Fall heißt euer Held aber „V“.  Wie diese Figur letztlich aussieht, das liegt in eurer Hand. Geschlecht, Hautfarbe, Gesichtsmerkmale und auch die Größe der Geschlechtsorgane könnt ihr anpassen. Hier kann man sich schon mal etwas länger mit beschäftigen. Allerdings werdet ihr euren Protagonisten nicht oft zu Gesicht bekommen, da das Spiel aus der Ego-Perspektive gespielt wird. Nicht ganz unerheblich ist dagegen die Herkunft von V. Ihr könnt aus drei verschiedenen Szenarien wählen. Ob er oder sie also ein Roadrunner ist oder ein/e Konzernmitarbeiter/in, das obliegt euch. In meinem Fall war es ein männlicher Konzerner, daher werde ich es im restlichen Verlauf dieses Tests auch bei der sprachlichen Form des männlichen Geschlechts belassen.

Cyberpunk 2077

Das Leben in Night City ist auch nachts sehr umtriebig.

 

Keanu Reeves im Kopf? Klingt besser als es ist!

In meinem Fall spielte ich also ein etwa 30-minütiges Kapitel als Mitarbeiter der Arasaka Corporation. Die spielt, auch ganz unabhängig der ausgewählten Pfade, später eine wichtige Rolle. Grundsätzlich möchte ich natürlich nicht zu tief in die Geschichte blicken lassen, denn die ist ein ganz grundsätzlicher Baustein des Spiels. Für V geht es immer wieder auf und ab, Cyberpunk 2077 scheut sich nicht davor, auch mal das Ableben einiger wichtigerer Figuren darzustellen, was immer wieder für sehr mitreißende Momente sorgt. Während aller Anfang noch relativ sachte und fast schon behäbig in Tritt kommt, kommt das Spiel dann nach einigen Stunde so richtig in Fahrt. Besonders wenn eine ganz bestimmte Figur eingeführt wird. Johnny Silverhand, gespielt von Keanu Reeves. Die geistige Projektion eines in ein Relic getauchten Charakters begleitet uns fortan das ganze Spiel über und wird ein zentraler Punkt unserer Geschichte. Wer ist er? Warum ist er in deiner Gedankenwelt? Was ist sein Ziel? All diese Fragen gilt es zu ergründen. Spoilern werde ich aber nur eines. Silverhand ist ein grandioser Charakter, der vielschichtig und tiefgründig ist, mal hilfsbereit, mal egoistisch, durchaus stur, aber auch nachdenklich sein kann.

Cyberpunk 2077

Keanu Reeves aka Johnny Silverhand wird euch auch nach dem Spiel noch in Erinnerung bleiben.

 

Cyberpunk 2077 ist was für die Ohren

Schon an dieser Stelle möchte und muss ich die deutsche Vertonung loben. Nicht nur, dass mit Benjamin Völz die deutsche Synchronstimme von Keanu Reeves am Start ist. Es ist die Summe der Qualität und Quantität während der gesamten Spielerfahrung. In diesem Spiel ist wirklich alles vertont. Die Hauptmissionen, die Nebenmissionen, die Statisten, die an einer Bar sitzen und sich unterhalten, ja auch die variierenden Nachrichten wurden alle eigens vertont. Das Ganze passiert noch auf einem Niveau, wie es selten ein Videospiel schafft, es gibt nur wenige Ausnahmen, deren Vertonung ich bestenfalls als durchschnittlich bewerte. Angesichts der Menge an Dialogen, die über weite Strecken auch echt toll geschrieben sind, ist das eine enorme Leistung. Denn Cyberpunk stellt die Spieler schließlich auch immer wieder vor Entscheidungen, wenn auch nicht so krass wie in Bioware Spielen, aber allein dadurch ergeben sich schließlich hunderte, weitere Zeilen, die eingesprochen werden müssen.

Cyberpunk 2077

Alle Dialoge sind hochwertig vertont.

 

Rote oder blaue Pille?

In den Dialogen selbst spielt dann auch wieder eure eingangs gewählte Rolle eine Entscheidung. Habt ihr eine Karriere als Konzerner hinter euch, habt ihr auch einige Hintergrundinformationen in Petto, die ihr in so manchen Gesprächen zücken könnt. Ebenso liefern auch etwaige technischen Skills zusätzliche Antwortmöglichkeiten. In Cyberpunk werdet ihr immer wieder vor eine Wahl gestellt. Aber viel unterschwelliger. Am Beispiel Bioware erkennt man dort, dass oft heißt: Rette die oder die Figur, entscheide dich für den oder diesen Pfad. CD Project stellt euch nur seltener vor solch eine Wahl. Teils sind es Entscheidungen, deren Konsequenzen man gar nicht richtig abschätzen kann. Manchmal war mir auch gar nicht bewusst wirklich eine Entscheidung getroffen zu haben und spürte es später die Ausmaße dessen. Das kann zu coolen Situationen führen, manches Mal ärgerte mich dann die versteckte Tragweite einiger Wahlmöglichkeiten.

Cyberpunk 2077

Es gilt viele Entscheidungen zu treffen. Manche mit kleiner, andere mit großer Tragweite.

 

Die Geschichte von Cyberpunk 2077 lässt euch nicht mehr los

Das Action-RPG unterscheidet sich in einer ganz strukturellen Sache von vielen seiner Konkurrenten. Hier wird deutlich, dass nicht die Geschichte um die Welt gebaut wurde, sondern anders herum. Wer die Hauptmissionen spielt, bekommt schon nahezu ein lineares Abenteuer, welches viel von Dramaturgie und stark inszenierter Auseinandersetzungen und Dialoge lebt. Die Story ist stets mitreißend und bannt wie kaum ein anderes Spiel. Ich konnte mich selten aus dem Kreislauf der Hauptmissionen losreißen, weil ich immer wissen wollte, wie es weiter geht. Die Story gehört ganz klar zur Oberklasse und hat mich mit all seinen Wendungen, Entscheidungen auf die Art und Weise wie es präsentiert wurde, begeistert. Ist doch ein gutes Zeichen, oder? Für mein Empfinden sind die reinen Haupt-Quests sogar noch stärker, als die in The Witcher 3. Sicherlich spielt die Ego-Ansicht dem Ganzen auch in die Karten. Dadurch wirkt Vs Geschichte noch direkter und persönlicher. Als V musste ich auch allerhand Entscheidungen treffen, die den Ausgang diverser Quests, aber auch der Gesamthandlung beeinflussen. Eine große Rolle spielt dabei auch unser Verhältnis zu Silverhand. Für beide geht es ums Überleben. Aber wie sehr lasse ich mich auf den Sci-Fi-Rocker ein? Stelle ich persönliche Interesse über seine? Viele dieser Entscheidungen führen letztlich zu einem von 5 verschiedenen Enden, welches ihr nach gut 20 Stunden erreichen dürftet. Doch anstatt nach dem reinen Durchspielen der Story Sättigung zu erzeugen, stand für mich ein Gedanke im Vordergrund: Ich will mehr!

Cyberpunk 2077

Die Geschichte ist packend geschrieben und das absolute Prunkstück des Spiels.

 

Details, wo man nur hinsieht

Viel mehr zu bieten hat das Spiel nämlich, wenn man auch mal nach links und rechts schaut. Auch wenn Cyberpunk mich aufgrund seiner fesselnden Geschichte zunächst mehr auf seine Hauptmissionen lenkte, so merkte ich bald, was Night City noch zu bieten hat. Die Stadt ist riesig, beinahe schon erdrückend. Zu Beginn fühlte ich mich tatsächlich etwas verloren. Man lernt aber viele Figuren während des Spiels kennen. Interessanter sind aber die Ereignisse, die sich hinter der Fassade verbergen. An einer Stelle versucht etwa ein religiöser Fanatiker die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Vorbeiziehende Mädels machen vor ihm Selfies und machen sich über ihn lustig. Woanders kann man Leute in einer Bar belauschen, die gerade über einen scheinbar geplatzten Deal sprechen. Und so manche erledigte Quest, die eine höhere Tragweite hat, findet sogar in den Nachrichten Erwähnung, die ich mich mir in einem Aufzug gerade ansah. Diese vielen kleinen Details machen Cyberpunk 2077 so interessant und charmant.

Cyberpunk 2077

Per Scan erhaltet ihr Informationen über die Umgebung und könnt euch in die Technik hacken.

 

Was kann die Stadt wirklich?

Bereisen kann ich die Stadt zu Fuß oder mit einem Gefährt. Während meine Auswahl anfangs noch mehr als überschaubar ist, kann ich nach und nach aber weitere Vehikel erwerben. Von einfach bis imposant. Günstig ist das aber in dem Fall nicht. Wenn ich dann eher knapp bei Kasse bin, kann ich auch einfach in ein parkendes Auto einsteigen, wenn ich ganz gemein drauf bin, dann kann ich in GTA-Manier auch einfach Passanten aus ihren eigenen Karren werfen und diese übernehmen. Beim Durchstreifen der Welt nimmt die offensichtliche Liebe zum Detail scheinbar nie ab. Grelle Leuchtreklame, gefüllte Nebengassen, Shops und teils sogar laufende Bandenkriege oder Auseinandersetzungen mit der Polizei. Night City ist eine organische und lebende Stadt. Hier kommen wir aber zum ersten großen „Aber“. Vielerorts ist vieles dann doch nur Fassade. Im Spiel trifft man immer wieder Arcade-Automaten an, leider kann man an diesen aber keine Arcade-Games spielen. Generell hatte ich eigentlich auch einige Minispiele in der Welt erwartet, wie es etwa ein GTA 5, Yakuza oder Breath of the Wild macht. Aber ja ich weiß, es ist Meckern auf hohem Niveau. Etwas schade fand ich allerdings, dass man keinen Ruf zu den verschiedenen Banden oder Fraktionen im Spiel aufbauen kann, die man fortlaufend antrifft. Das hätte die Dynamik nochmals unterstützt und die Bindung zu den verschiedenen Gruppen intensiviert.

Cyberpunk 2077

Nicht alle Leute auf der Straße sind euch wohl gesonnen.

 

Nebenquests in Cyberpunk 2077 – Ein Thema für sich

Grundsätzlichere Kritik ist aber an anderer Stelle angebracht. Für mich ist das Entdecken von Nebenquests in Spielen wie Witcher 3 und BOTW die schönste Art, spielbare Missionen zu entdecken. Solche Spiele haben diese Art der Entdeckung auf ein neues Maß gehoben und ich hatte diese Erwartungen auch an Cyberpunk 2077. Doch ich sollte enttäuscht werden. Anstatt, dass sich ich Nebenquests beim Erleben dieser Welt erspähe (das gibt es zwar auch), kommen mir die meisten Nebenaufgaben aber einfach zugeflogen, sogar auf eine extrem penetrante Art. Ständig klingelt mein virtuelles Handy und mich rufen ständig Leute an, die ich nie gesehen habe. Das mag bei den ersten 2, 3 Anrufen auch noch reizvoll sein, aber spätestens wenn mich 20 – 30 anonyme Figuren anrufen, um irgendwas von mir zu wollen, nervt es einfach nur noch. Nach mehreren Stunden war mein Postfach gefüllt mit fast 100 Nachrichten. Kann ich das alles auch abstellen? Leider nein. Selbst während ich in einer Story-Quest bin und einen Dialog führe erhalte ich parallel Anrufe. Diese kann ich nicht einmal wegdrücken, sodass die nervigen Anrufer sogar einfach dazwischen reden. Das führt teils zu der Situation, dass ich zwei Gespräche gleichzeitig führe und dann das Dialogmenü aufploppt, ohne zu wissen, zu welcher Unterhaltung dieses gerade gehört.

Cyberpunk 2077

Auch die Nebenmissionen  sind stimmungsvoll und atmosphärisch.

 

Wer die Sidequests ignoriert, ist selbst Schuld

Die Art und Weise, wie inspirationslos, nervig und generisch der Erhalt dieser Aufgaben ist, enttäuschte mich wirklich. Die Qualität der Missionen, stimmte mich dann aber doch wieder glücklich. Meistens zumindest. CD Project Red schafft es in den meisten Fällen erneut, kaum erkennbar zu machen, ob ich tatsächlich „nur“ gerade eine Sidequest spiele. Die umfassen oft eine tolle Inszenierung, spannende Geschichten und umfangreiche Aufgaben und fallen damit sogar besser aus als viele Missionen in anderen Spielen. Leider finden sich dazwischen auch einige wenige, eher schwache Aufgaben wieder. Manch eine ist eher langatmig, manche nach einer kurzen Unterhaltung schon fast ein wenig überflüssig. Die Qualität ist schwankend. Von herausragend bis belanglos ist alles dabei. Im Grunde überwiegt der positive Eindruck aber deutlich, sodass es viel zu schade wäre, diese komplett zu ignorieren. Erst dadurch gewinnen manche Charaktere an Tiefe, da man völlig neue Dinge von ihnen und über sie erfährt, die oftmals auch mit persönlichen Schicksalen verbunden sind. Dann kann man auch noch viel mehr Stunden in dem Spiel lassen, ohne zu merken, dass man sich eigentlich „nur“ mit Sidequests beschäftigt.

Cyberpunk 2077

Beherrscht der Mensch die Technologie, oder die Technologie den Menschen?

 

Loot, Loot, Loot

Genug von der Welt und seinen Geschichten. Wie spielt es sich denn? Die Entwickler geben euch mehrere Wege und Mittel an die Hand, wie ihr das Spiel erleben und meistern könnt. Der offensichtlichste Weg ist sicherlich die nächste Knarre in die Hand zu nehmen und die Gegner ins Visier zu nehmen. So habe ich das Spiel tatsächlich auch über weite Teile gespielt. Die Shooter-Mechanik funktioniert gut, ohne dabei aber ein Gunplay auf dem Niveau eines COD, Halo oder Destiny zu erreichen. Die Welt ist dabei sehr gut gefüllt mir allerhand Waffen. Die findet man überall und jedem gefallenen Gegner kann mein seine Wumme auch abnehmen. Das führte in meinem Fall ständig dazu, dass mein Maximalgewicht erreicht war, weil ich wieder einmal an die 20 Waffen mit mir führte. Denn immer wieder finden sich auch stärkere und seltenere Schießeisen. Drei kann man davon in das direkte Inventar übernehmen und per Tastendruck wechseln. Leider führt das auch dazu, dass ich keine wirkliche Bindung zu meinen Utensilien erzeugen konnte, da alles im Überfluss um mich herum vorhanden ist. Es ist nämlich auch möglich, Waffen zu craften oder zu verbessern. Genutzt habe ich das eher nur, um es mal auszuprobieren. Die Ressourcen nutzte ich dann lieber anderweitig, denn an guten Waffen mangelt es im Spiel nie. Geballert werden muss auch nicht zwangsläufig. Es gibt zahlreiche Nahkampfwaffen wie Katanas, Rohre oder Baseballschläger. Gegnerische Angriffe könnt ihr blocken und sogar kontern. Das System dahinter funktioniert tatsächlich echt gut, ich für meinen Teil empfand es dann doch aber als zu vorteilhaft, Schusswaffen zu verwenden.

Cyberpunk 2077

Jeder Gegner lässt Equipment fallen. Da häuft sich schnell einiges an.

 

Hat hier einer Watch Dogs gesagt?

Ebenfalls verbessern kann man sich im Hacken von Dingen. Per Scan-Funktion lassen sich einige elektronische Objekte übernehmen, deaktivieren oder manipulieren. So kann V die Kontrolle von Sicherheitskameras übernehmen, etwa um ein Gebäude zu inspizieren, ohne selbst alle Räume abklappern zu müssen. Alternativ kann ich diese auch deaktivieren, etwa damit diese keinen Alarm auslösen, wenn ich einen Bereich infiltriere. An anderer Stelle kann ich auch Fehlfunktionen auslösen, etwa bei Bildschirmen, damit Wachen abgelenkt werden und die Objekte überprüfen. Die Feinde selbst lassen sich ebenfalls per Hacking-Angriff ärgern. Ich kann einen Kurzschluss auslösen, der den Feinden schadet, die Optik neu starten, der die Wachen kurzzeitig erblinden lässt, aber auch deren Waffen lassen sich deaktivieren. Besonders in Kombination mit Stealth macht diese Spielweise Sinn. Manchmal muss man das aber auch nicht einmal, weil die KI der feindlichen Kollegen nicht immer rund läuft und diese dann auch mal scheinbar gar nicht reagieren oder irgendwo festhängen. Ich nutzte die Möglichkeiten insbesondere beim Eindringen in größere Gebäude, die stärker bewacht wurden. Aber Vorsicht ist geboten, auch ihr selbst könnt einem Hacker-Angriff zum Opfer fallen, sodass eure Systeme beispielsweise überhitzen und ihr ein paar Sekunden lang Hitzeschäden erleidet.

Cyberpunk 2077

Hacking kann nur ein Hilfsmittel sein, oder essenzieller Teil eurer Spielart.

 

Ihr spielt so, wie ihr es möchtet

Doch die Fähigkeiten, in denen man sich verbessern kann, sind viel weitreichender. Dazu stellen uns die Entwickler einen umfangreichen Fähigkeitenbaum an die Seite. Der gliedert sich zunächst in Attribute, darunter Intelligenz, Coolness oder Reflexe. Konstitution beispielsweise erhöht grundlegend eure körperliche Beschaffenheit. Ihr verbessert euch damit im Nahkampf, besitzt aber darüber hinaus auch zunehmend mehr Leben und Ausdauer. Seid ihr kräftig genug, könnt ihr manche Türen auch gewaltsam aufbrechen, was jedoch patrouillierende Einheiten auf den Plan ruft. Dazu ergänzen sich auch gut eure Reflexe. Erhöht ihr die, verbessert ihr euer passives Ausweichen und steigert die Wahrscheinlichkeit einen kritischen Treffer zu landen. Das Attribut Technische Fähigkeit ist für die eben beschriebene Hacker-Tätigkeit zuständig. Je mehr Punkte ihr hier investiert, desto eher könnt ihr verschlossene Türen „aufhacken“, was euch insbesondere beim lautlosen Durchqueren einer Anlage entgegenkommen sollte. Die Punkte zum Leveln werden euch allerdings nicht hinterhergeschmissen. Mehr Sinn macht es eher, sich auf einen Spielstil festzulegen und manche Bereiche miteinander zu kombinieren.

Cyberpunk 2077

Night City bietet viele Bereiche, die sich auch optisch und thematisch voneinander unterscheiden.

 

Skillen in Cyberpunk 2077 ist schon ein eigenes Spiel

Doch das ist quasi nur die Spitze des Eisbergs. Denn jedes einzelne Attribut hat nochmal zwei bis drei einzelne Skill Trees. Es lässt sich so ziemlich alles skillen, was einem in den Sinn kommt. Dadurch, dass es dann in der Summe aber so viele Abzweigungen gibt, macht es auch hier wieder Sinn, sich zu fokussieren. Mir persönlich ist das alles schon wieder etwas zu viel, manchmal ist weniger mehr. Denn unter den Skills sind dann auch oftmals fast schon banale Optionen, die das Spiel nicht gebraucht hätte. Weit über 200 Boni kommen so zusammen und da verliert man schon mal in dem ganzen Wirrwarr die Übersicht. Übersicht ist auch ein gutes Stichwort, wenn man sich ein wenig im Menü herumtreibt. Klar, der Look ist stimmig, futuristisch und echt schräg. Doch darunter leidet jedoch die Nutzerfreundlichkeit. Ich habe echt lange gebraucht, um mich wirklich gut im Menü zurechtzufinden und selbst nach Dutzenden Stunden wurde mir die Menüführung nicht sympathischer. Ebenfalls ein Dorn im Auge sind mir überladene Maps. Wenn ich die öffne und mir springen gefühlt hundert Icons entgegen, dann verabschiede ich mich wieder und widme mich dem Spielgeschehen. Damit steht Cyberpunk 2077 meiner Ansicht nach natürlich nicht allein da, denn viele Karten von Open-World-Games sehen für mich mehr nach Arbeit aus, als nach einer Hilfestellung.

Cyberpunk 2077

Über 200 Boni könnt ihr freischalten.

 

Night City sieht beeindruckend aus

Über Technik wurde ja viel diskutiert, debattiert und geschrieben. Mal konstruktiv, mal kritisch, mal desinteressiert, mal auch einfach unter der Gürtellinie. Ich für meinen Teil hatte einfach das Glück im Vorfeld eine Xbox Series X ergattert zu haben, sodass ich das Spiel auf ihr spielen konnte. Dabei gibt es auf der Konsole die Wahl, ob ich mehr Wert auf eine gute Perfomance lege, oder ob mir native 4K-Auflösung und höherer Detailgrad wichtiger sind. Die Frage stellte sich nicht für mich, denn seit dem Umstieg auf die Next-Gen ist es für mich Standard auf 60 FPS setzen zu können. Das hat einfach einen viel höheren Impact auf meine Spielerfahrung. Das Spiel schafft es auch im Grunde stets flüssig zu laufen, selten merkte ich Einbrüche, die ich laienhaft auf 40 – 50 FPS schätze. Zudem zauberte mir die Konsole eine wirklich schöne Welt auf den Bildschirm, die so detailliert und bunt ist, wie wenig andere Spiele. Insbesondere Night City ist schlichtweg beeindruckend. Diese Stadt ist riesig, nicht nur flächenmäßig. Auf den Straßen der Stadt, wirken die Gebäude teils wie unerreichbar hohe Konstrukte. Von der Umgebung, bis hin zu den Charaktermodellen macht das Entwicklerteam wenig falsch, insbesondere Spiegelungen und Lichteffekte sehen in der Dunkelheit wirklich grandios aus. Klar, braucht die Fülle an Inhalt auch ordentlich Rechenleistung.

Cyberpunk 2077

Läuft alles rund, sieht Cyberpunk richtig stark aus.

 

Die Sache mit der Technik

Dass die Series X, aber auch die Playstation 5 der Herausforderung gewachsen sind, darf man aber dennoch voraussetzen. Das tun sie auch, viel eher leiden die Versionen einfach an einer unfertigen Veröffentlichung. Hier werden manchmal Texturen nicht nachgeladen, hinten schwebt plötzlich ein Passant und während einer Unterhaltung mit einem Polizisten trennten sich plötzlich einige Kleidungsstücke von ihm, nur um einige Sekunden später wieder zusammenzufinden. Und nein, das sollte sicher nicht so sein, auch wenn die Welt von Cyberpunk 2077 sehr verrückt ist. Es ist auch nicht so, dass du nach solchen Fehlern suchen musst. Die Fehler suchen dich! Es scheint auch kein konkretes Muster zu geben, sie erscheinen unregelmäßig und in allen denkbaren Szenarien. Sie erscheinen zu oft, um sie zu ignorieren, aber sie waren in meinem Fall zu nichtig, als dass ich empört die Konsole ausgemacht hätte. Ja, es gibt Bugs, es gibt sogar einige davon und manchmal nerven sie auch. Aber oftmals musste ich eher drüber schmunzeln und widmete mich dann wieder dem Spiel selbst. Ich hatte glücklicherweise keine Game Breaker dabei, aber auch die soll es geben. Ich bin generell keiner, der sich so massiv an Spielfehlern stört, solange sie das Gameplay bzw. das Spiel selbst nicht beeinträchtigen oder behindern.

Cyberpunk 2077

Wenn die Texturen mal gerade wieder nicht laden, sieht das Spiel nur halb so hübsch aus.

 

Auf der Last Gen ein Desaster

Während ihr auf dem PC natürlich die schönste Version bekommt, scheinen sich die Berichte an Fehlern, Bugs und Glitches dort ebenfalls noch „im Rahmen“ zu halten. Wer sich anhand solcher Dinge aber in seiner Spielerfahrung gestört fühlt, der wird auf allen Plattformen seine Probleme haben. Am Schlimmsten trifft es jedoch die Besitzer der Last-Gen-Konsolen. Auf der Xbox One und der PS4 ist nicht nur die Optik wesentlich schlechter, sondern auch Anzahl und Tragweite der Bugs sind viel gravierender. Deutlich weniger Passanten durchqueren die Straßen und auch der Detailgrad ist sichtbar geringer. Damit könnte man aber sicherlich noch leben, wenn die Performance besser wäre. Die Konsolen kommen eigentlich nahezu nie auf 30 FPS. Eher sind es 20-28, beim Fahren sogar noch weniger FPS. Dazu kommt, dass die Texturen auch nach langer Wartezeit nicht geladen werden, auf der Xbox One kommt es teilweise sogar zum Einfrieren des Bildschirms, was auch mitunter eine Minute andauern kann, ehe man weiterspielen kann. Unser Teammitglied Kevin hat sich aufgrund der desaströsen Spielbarkeit auf der One nachträglich noch die PC-Fassung zugelegt, mit der er erheblich glücklicher war. Sony schmiss das Spiel sogar gleich ganz aus dem Playstation Store.

Cyberpunk 2077

Solche Fehler gibt es häufig, stören aber nicht allzu sehr.

 

Wie konnte das passieren?

Ohne damit ein zu großes Fass aufzumachen, aber wie konnte das passieren? CD Project Red nahm den PC als Leadplattform und arbeitete das Spiel eben so aus, wie man es sich vorstellte. Mit all seinem Umfang, Details und Geschichten. Anschließend optimierten die Entwickler das Projekt dann für die Konsole. Mit der Zeit spürten die aber, dass die Vorstellung und die Leistung der Geräte eine zu große Diskrepanz aufwiesen. Zwar machte man Fortschritte, es begann jedoch ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Investoren und Anleger machten Druck, nachdem Cyberpunk zig Monate verschoben wurde. Das Kind war aber schon in den Brunnen gefallen. Sie hatten zu viel Angst vor einer weiteren Verschiebung (die im Übrigen auch nicht allzu viel gerettet hätte) und im Prinzip konnte man die Last-Gen-Versionen nur unspielbar auf den Markt bringen oder gar nicht. Letzteres wäre sicher noch die ehrlichere Option gewesen, aber zu dem Zeitpunkt konnte CDPR quasi keine Lösung mehr wählen, die alle Seiten glücklich machen könnte.

Cyberpunk 2077

Auf dem PC und den Next-Gen-Konsolen sieht das Spiel toll aus, ist aber nicht frei von technischen Mängeln.

 

Wie sieht die Zukunft von Cyberpunk 2077 aus?

Um die Vorstellungen in aller Gänze unterbringen zu können, hätte das Spiel eigentlich nicht vor 2022 erscheinen dürfen. Die Fassungen für One und PS4 müsste man nochmal komplett neu angehen, die zahlreichen Bugs aller Plattformen müssten entfernt werden und auch inhaltlich ist man ja noch weit weg vom Wunschzustand. Immerhin fehlt noch jede Spur vom Multiplayer. Dass dieser 2021 erscheint, ist unwahrscheinlich. Auch nutzt man auf der PS5 und den Xbox Series Konsolen momentan nur die Abwärtskompatibilität. Eine eigens optimierte Version, die die Leistung der Geräte vollends ausreizt, befindet sich noch immer in Entwicklung und wurde jüngst auf die zweite Jahreshälfte verschoben. Allen voran steht die Ausmerzung der ganzen technischen Mängel. Der Entwickler steht daher berechtigter Weise auch in der Kritik für das technische Desaster, es war aber sicher auch eine Offenbarung. Nicht nur für das polnische Studio, die gesamte Industrie hat nun die Tragweite unfertiger Videospiele zu Gesicht bekommen. In Zeiten von immer schnelleren Entwicklungsprozessen und Startwochen voller Patches und Fixes, sind solche „Wachrüttler“ sicherlich eine Lehre für alle Entwickler und Publisher. So sollte man am Ende des Tages, gerade aufgrund aller Shitstorms und Kritik, zuversichtlich in die Zukunft schauen und die entsprechenden Akteure aus ihren Fehlern lernen lassen.

 

Angebot
CYBERPUNK 2077 - DAY 1 Edition - [PC]
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 18 Jahren

 

Positiv:

Story ist dramaturgisch und inszenatorisch ein kleines Meisterwerk
Nighty City steckt voller Liebe zum Detail
Toller Mix verschiedener Spielstile
Viele Entscheidungsmöglichkeiten
Sidequests sind überwiegend auf Top-Niveau
Herausragende Synchro
Auf PC & Next Gen grafisch beeindruckend

Negativ:

Sidequest entdeckt man eher im Spam-Ordner, als beim Entdecken
Unterschiedlich schlimme technische Umsetzung (Plattformabhängig)
Nicht nachvollziehbare Rüstungswerte
Loot- & Craftingsystem wirken aufgebläht
Unübersichtliche Menüführung
  • Cyberpunk 2077
    “Cyberpunk 2077 ist ein großartiges Spiel. Ist es die erhoffte und erwartete Crème de la Crème der Videospielgeschichte? Leider nicht, dabei machen V’s Sci-Fi-Abenteuer doch so viel richtig. Die Story ist enorm spannend und fesselt dank einer inszenatorischen Meisterleistung an den Bildschirm. Die Sidequests stehen dem oftmals in Nichts nach und erzählen so manche Geschichte auf ihre ganz eigene Art. Night City ist ein riesiger, verrückter und turbulenter Schauplatz. Dazu kann ich das Action-RPG dank vieler Tools auf meine ganz eigene Art und Weise spielen. Dieses Game scheint doch nahezu alles richtig zu machen. Leider ist das Smartphone, welches  andauernd bimmelt und mich in Unterhaltungen unterbricht schlimmer als es den Anschein erweckt. Dutzende Nebenquest per Spam zu erhalten, das ist nicht die Art und Weise wie ich es von CD Project Red erwartet habe. Ich will diese beim Durchstreifen der Welt entdecken. Sie sollen ein Ansporn für mich sein, mich in Nighty City zu verlieren und keinen Ort ungesehen zurückzulassen. Stattdessen werde ich überschüttet von Nebenaufgaben und Nachrichten, genauso wie mit Loot. Auch stört mich die schwache Menüführung und das dürftige Crafting-System. An einigen Stellen wirkt dieses so geniale Spiel leider einfach aufgeblasen und nicht zu Ende gedacht. Dazu gesellen sich noch zahlreiche Bugs und Glitches, die mich persönlich nicht allzu stark störten, aber in der Form insbesondere auf Xbox One und PS4 nicht tragbar sind. Somit verpassen die Entwickler, auch ganz abseits der ganzen Technik-Diskussion, den erhofften Überflieger zu kreieren. Aber auch wenn es nicht für Perfektion gereicht hat, Cyberpunk 2077 ist ein sehr gutes Game, welches das Potenzial besitzt in Zukunft noch besser zu werden.”
    Christian Koitka, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Wer eine Next-Gen-Konsole oder einen entsprechenden Gaming PC besitzt, sollte unbedingt in die Welt von Cyberpunk 2077 eintauchen. Es schadet aber auch nicht noch etwas zu warten, bis es um einige Patches und Verbesserungen reicher ist. Verpassen sollte man das Spiel allerdings auf keinen Fall!

Geschrieben von
Redakteur im Bereich: Games

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