Code Name S.T.E.A.M – Review zum Steampunk-Strategie-Abenteuer

Die Entwickler von Intelligent Systems haben mit Spielereihen wie Fire Emblem und Advance Wars bewiesen, dass sie ihr Handwerk, was die Entwicklung von Strategiespielen angeht, verstehen. Mit Code Name S.T.E.A.M steht nun also ein weiterer Titel auf der Liste von Intelligent-Strategiespielen, und ob es mit den anderen Reihen mithalten kann, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Literaturfiguren, Steampunk und Abraham Lincoln

Das Setup ist so verrückt wie genial: Diverse Figuren amerikanischer Literatur vereinen sich unter der Führung von Abe Lincoln, dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, um in einer viktorianischen Steampunkwelt mithilfe von dampfbetriebenen Waffen und Gadgets gegen eine Alieninvasion antreten, die unter anderem die Queen von England entführen wollen. Soweit noch alles klar? Denn so verrückt sich diese Geschichte auch klingen mag, in Code Name S.T.E.A.M funktioniert sie tatsächlich. Der Löwe aus dem Zauberer von Oz, Tom Sawyer, Tiger Lily aus Peter Pan und Queequeg aus Moby Dick sind nur einige der mehr oder weniger bekannten Figuren, die im Team versammelt sind. Dabei wird die Geschichte im Stil eines amerikanischen Comicbuches erklärt, komplett mit altmodischen Sprechblasen und Geräuschen wie PAM, ZACK und PENG. Das kann man mögen oder nicht, eine coole Stilidee ist es allemal. So abgefahren das Setup und der kreative Comicstil auch sind, die Chemie zwischen den Charakteren stimmt nicht immer. Hier werden klischeebehaftete Phrasen gedroschen, unlustige Witze und Sprüche gerissen und oft möchte man die Dialoge am liebsten überspringen, um die Mission zu beginnen. Dazu kommen noch die leider recht unkreativen Aliens. So bunt und unterschiedlich die S.T.E.A.M-Agenten auch sind, so charakterlos sind die Invasoren. Alle sind blaue, insektenähnliche Wesen, die man in der Schlacht oft nicht unterscheiden kann, was es manchmal nicht erahnen lässt, welche Fähigkeiten spezielle Aliens jetzt haben. Hier wäre ein wenig Abwechslung definitiv gut und auch möglich gewesen.

Das Team ist bereit!

Das Team ist bereit!

 

Von Schwanenkanonen und Bananengewehren

Bevor sich Hauptcharakter Henry Fleming (eine eher unbekannte Figur aus dem Roman die rote Tapferkeitsmedaille) in die Schlacht stürzen kann, wird sich auf der Liberty, dem Luftschiff von Präsident Lincoln, vorbereitet. Hat man seine bis zu vier möglichen Teammitglieder ausgewählt und sie mit Sekundärwaffen (unter anderem witzige Waffen wie der heilende Erste-Hilfe-Kolben oder die fruchtige Bananenbüchse) und Boilern ausgerüstet, dann geht es in aufs Schlachtfeld. Dort muss sich S.T.E.A.M, der Sicherheitstrupp zur Eliminierung außerirdischen Unfriedens, einen feinen Taktikplan zurechtlegen, um zum Ziel zu gelangen. Anders als in Fire Emblem oder Advance Wars handelt ihr nicht aus der Draufsicht, sondern steuert jeden Helden manuell aus der Third-Person-Ansicht. Die verfügbaren Aktionen werden durch Dampfwolken dargestellt, jeder Schritt verbraucht eine Wolke, jede Aktion mit der Haupt- und Sekundärwaffe benötigt dann noch mal eine unterschiedlich hohe Anzahl an Dampf. Der Fakt, wie viel Dampf man zur Verfügung hat, liegt an den unterschiedlichen Boilern, die man seinen Helden ausrüsten kann. Dabei ist der Dampf nicht endgültig verloren. Geht man die begangenen Schritte zurück, bekommt man den Dampf zurückerstattet. Obwohl man die Helden selbst steuert, bleibt der Strategiespielaspekt nicht auf der Strecke. Code Name S.T.E.A.M bleibt ein rundenbasiertes Spiel, zuerst tätigt man alle Aktionen mit seinen Helden, dann sind die Aliens an der Reihe. Ohne einen Plan die Map zu stürmen bringt einem jedoch nichts. Da man keine Karte hat, muss man die Gegend genau analysieren. Rennt man einfach ungeplant um eine Ecke, kann dort ein Monster warten, welches einem mittels Überraschungsangriff mehr Schaden als üblich machen wird. Doch man kann diese Taktik auch für sich selbst beanspruchen. Lässt man genügend Dampf am Ende einer Runde übrig und wählt die richtige Waffe aus, kann man in Lauerstellung gehen. Dazu hat jeder Charakter noch einmal eine Spezialfähigkeit, die einen großen Schaden anrichtet oder alle Mitstreiter heilt. All diese Taktiken sollte man wohlüberlegt einsetzen, um das Missionsziel zu erreichen. Bis auf ein paar Eskort-, Rettungs- und Bossmissionen ist dieses Ziel jedoch meistens dasselbe: Das Ziel am Ende der Map zu erreichen. Dieses ist nicht nur das häufigste Missionsziel, sondern leider auch das einfachste. Schafft man es nämlich mit einem Helden in die Zielzone, dann ist es unwichtig, wie viele Aliens übrig bleiben, die Mission gilt dann als geschafft. Alles in allem sind die Missionen doch recht fordernd, auch wenn die KI der Aliens nicht optimal ist. Zudem kann man an Speicherpunkten das gesamte Team gegen einen Aufpreis voll heilen. Wenn man den Schwierigkeitsgrad zu leicht findet, dann kann man die Missionen alle noch einmal unter erschwerten Bedingungen zocken, so zum Beispiel ohne Backtracking, mit stärkeren Monstern oder ohne Lebensanzeigen. Abwechslung bieten einige Missionen, in denen man als Abraham Lincoln in einen riesigen Mecha steigt, um ein besonders fieses Alienmonster zu vermöbeln. Kenner der Fire Emblem-Reihe müssen sich übrigens ein ganz besonderes Feature abgewöhnen: Anders als in der bereits sehr etablierten Strategiereihe gibt es in Code Name S.T.E.A.M keine Permadeaths. Gefallene Figuren können während der Level wiederbelebt werden, am Ende einer Mission sind sie automatisch wieder einsatzbereit. Hier gibt es auch keine Zusatzchallenge, bei der man Charaktertode einschalten könnte. Für Fans von Intelligent Systems bisherigen Werken vielleicht ein kleiner Rückschlag, tut dieser Fakt dem Spiel allerdings keinen besonderen Abbruch.

Gleich frisst das Vieh Kugeln!

Gleich frisst das Vieh Kugeln!

 

Kleine Aliens, große Aliens

Wo wir gerade von fiesen Alienmonstern sprechen, wie bereits am Anfang erwähnt, sind diese zwar vielfältig, aber nicht leicht zu unterscheiden. Da gibt es aus Entfernung schießende Monster, blinde Monster, die nur auf Geräusche reagieren und kräftige Viecher, die einen besonders festen Schlag draufhaben. Die einzigen wirklich anders aussehenden Gegenspieler sind Augenmonster, die eine Artillerie rufen, und kleine Fliegen, die schwer zu erwischen sind. Ganz gelegentlich muss man sich einem riesigen Bossmonster entgegenstellen. Eine wahrlich willkommene Abwechslung in der Riege der austauschbaren Monsterhorden. Innerhalb der Missionen sollte man nicht nur darauf achten, was die Aliens machen. In jedem Level sind drei Zahnräder versteckt, die neue Boiler freischalten, sollte man sie einsammeln. Hat man Zahnräder verpasst, wird einem das zwar angezeigt, und man kann ja alle Level erneut spielen, jedoch sind manche Missionen in drei Sektoren unterteilt. Hat man also ein Zahnrad im dritten Sektor verpasst, muss man die ersten zwei Sektoren trotzdem komplett durchspielen. Dieser Fakt und das manchmal schwierige und millimetergenaue anvisieren von bestimmten Gegnern sind jedoch die einzig auffälligen Probleme im Gameplay.

Tom Sawyer hat seine Zwille parat

Tom Sawyer hat seine Zwille parat

 

Der spielbare Comic

Beim Zocken von Code Name S.T.E.A.M fühlt man sich wirklich, als würde man einen klassischen amerikanischen Comic spielen. Cutscenes laufen in Semi-Standbildern ab, soll heißen es gibt Elemente, die sich bewegen, doch der Großteil der Szenen ist ganz im Stil eines Comicpanels regungslos. Die kunterbunte, humorvolle Cell-Shading-Grafik passt zum Stil und funktioniert auch außerhalb der Zwischensequenzen gut, wenn sich die Figuren bewegen. Für Leute, die nicht gerade die Sprechblasen lesen wollen, wurde alles auch noch schön vertont, allerdings nur in Englisch. Der Soundtrack trötet schön patriotisch aus eurem 3DS, während in spannenden Sequenzen und während der Missionen eine stimmungsvolle Musik spielt. Bewegen sich die Aliens, dann wirkt das Ganze schon schön bedrohlich. Abseits der Story könnt ihr natürlich auch ein paar Sachen erledigen. Lest euch zum Beispiel in der Bibliothek ein wenig in die Materie ein. Dort klärt euch niemand Geringeres als John Milton Hay, zu Lincolns Zeiten Außenminister der USA, über die Helden, Aliens und Ortschaften des Spiels auf. Habt ihr einen New 3DS, könnt ihr eurem Roster noch ein paar Helden mehr hinzufügen. Alle Fire Emblem-amiibos lassen sich einscannen, um die Charaktere aus der Reihe auch in Code Name S.T.E.A.M zu verwenden. Zu guter Letzt gibt es natürlich noch die Möglichkeit, sich mit anderen Spielern zu messen. Per Streetpass könnt ihr eure Missionsrekorde vergleichen, im Versus-Modus könnt ihr in einem Lokal- oder Onlinespiel schauen, wer sein Team strategischer einsetzt. Alles in allem ist in Code Name S.T.E.A.M für zahlreiche Stunden Spielspaß gesorgt, sowohl während als auch abseits der Missionen.

Der Präsident der USA in einem Riesenroboter...klingt logisch

Der Präsident der USA in einem Riesenroboter…klingt logisch

 

Fazit:

Code Name S.T.E.A.M ist ein toller Einstieg für eine hoffentlich auf lange Sicht geplante Strategiereihe, denn für ein One-Hit-Wonder gibt es hier zu viel Spaß. Die Charaktere sind toll in das Spiel integriert, auch wenn Witze und Sprüche nicht immer funktionieren, der Comicstil passt einfach gut zum Gesamtpaket und das strategische Vorgehen und Planung der Missionen macht einfach nur Spaß. Den Strategiekracher schlechthin gibt es hier nicht, da sollten Fans bei der Fire Emblem-Reihe bleiben, aber der lustige, bunte und aufgelockerte Ansatz tut dem Strategiegenre auf jeden Fall gut.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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