Civilization VI – Test zur gigantischen Aufbausimulation

Seit Anbeginn der Zeit, naja, besser gesagt seit 1991 begleitet Strategiefans die Civilization-Reihe. In rundenbasierten Zügen sein eigenes Volk aus der Steinzeit bis hin zur Moderne zu geleiten, dies war und ist der Reiz der Civilization-Reihe. Wir haben uns nun den bereits sechsten Teil angeschaut und verraten euch in diesem Test, ob Civilization VI wieder eine Reise in die etwas andere Weltgeschichte wert ist.

 

Das virtuelle Brettspiel

Am Spielprinzip wurde nicht gerüttelt. Ihr beginnt mit einer Stadt und führt sie samt eurer Zivilisation zum Erfolg, zu welchem auch immer. Löscht ihr eure Gegner mit militärischer Macht aus? Oder schickt ihr lieber als erster Herrscher eine Sonde zum Mars. Oder vielleicht wollt ihr den neuen Siegesweg gehen und mit eurer Religion die meisten Menschen der Welt erreichen. Civilization ist ein Spiel der vielseitigen Möglichkeiten, kein Spielstand wird jemals gleich sein. Dies beginnt schon bei den wählbaren Völkern, 18 von ihnen gibt es. Jeder Herrscher hat bestimmte Vorteile, welche er exklusiv besitzt, wie z.B. spezielle Einheiten und Gebäude oder besondere Fähigkeiten. Deutschland ist besonders stark in der Industrie, während Frankreich speziell auf die Kultur und den Tourismus setzt. Brasilien macht es sich im Dschungel heimisch und feiert seinen traditionellen Karneval und Russland breitet sich einfach so schnell wie möglich aus. So wird das Spiel nicht nur anders, je nachdem welchen Herrscher ihr wählt, sondern auch, wer euch gegenübersteht. Jeder KI-Herrscher hat ein vorbestimmtes Ziel, welches er erfüllen will. Dann gibt es da aber noch die zweite, geheime Agende, die zufällig erwürfelt wird und verdeckt bleibt. Wollt ihr euch gut mit dem Herrscher verstehen, solltet ihr irgendwie diese Agenda herausfinden. Da es den Diplomatensieg allerdings nicht mehr gibt, wird es wohl früher oder später auf einen Konflikt hinauslaufen. Doch bevor es Zeit für einen Krieg ist, müssen wir erst mal zurück an den Anfang. Euer kleines Anfangsstädtchen muss schließlich erst einmal gedeihen. Dazu schaut ihr euch genau die sechseckigen Felder an, auf denen ihr Modernisierungen und andere vorteilhafte Bauten platzieren werdet. Handwerker können nur drei Sachen erschaffen, bevor sie verschwinden, also plant sie gut ein. Luxusgüter und bestimmte Bauten erhöhen die Annehmlichkeiten und damit die Zufriedenheit eurer Bewohner. Straßen könnt ihr nun nicht mehr manuell bauen, eure Händler erschaffen sie automatisch bei ihren Handelsreisen in andere Städte. All diese Faktoren wollen von Zug zu Zug gut durchplant werden, was Civilization VI zu einem regelrechten Brettspielerlebnis auf dem PC macht.

nat-games-civilization-vi-2

Rio de Janeiro wächst und gedeiht

 

Was gibt’s neues?

Civilization VI macht ein paar Sachen neu, und die meisten Neuerungen sind durchaus sinnvolle Ergänzungen. Am deutlichsten ist die Neuheit der Bezirke zu spüren. Wichtige Stadtgebäude, die sonst im Kern der Stadt enthalten waren, sind nun eigenständige Bauten, die ihr auf eure Hexagone verteilen müsst. Auch hier müsst ihr auf die Platzierung achten, da ein guter Standort noch einmal Boni einbringt. Und so errichtet ihr unter anderem ein Lager für eure Armee oder einen Campus für eure Bildung, einen Hafen für die Fischerei und einen Unterhaltungsbezirk für das Vergnügen eurer Bürger. Eine weitere Neuerung ist der geteilte Technologiebaum. Ihr erforscht nun in der einen Hälfte technologische Fortschritte, in der anderen eher geisteswissenschaftliche Fortschritte. Wenn euch eine Forschung zu lange dauert, solltet ihr dabei ein Auge auf Bonusanforderungen haben. Habt ihr diese optionalen Ziele erfüllt, dann schreitet die Forschung in dem jeweiligen Gebiet schneller voran. Dabei solltet ihr euch nicht nur auf einen Weg beschränken. Wenn eine Technologie schnell erforscht ist, weil ihre Bonusforderungen bereits erfüllt wurden, dann solltet ihr in Erwägung ziehen, dies eben zu erforschen, es kann für euch nur von Vorteil sein. Ebenfalls Vorteile in verschiedenen Bereichen bringt euch eine weitere Neuerung in Civilization VI. Euer Politiksystem verändert sich im Laufe des Spiels stetig. Mit Fortschritten in den geisteswissenschaftlichen Bereichen schaltet ihr neue Politikpunkte frei, die ihr in euer System einarbeiten könnt. Je nachdem, welche Politik ihr führt, könnt ihr unterschiedliche Karten ins System ziehen, militärische, ökonomische, diplomatische und Joker. Diese Karten bringen euch jeweilige Vorteile und ihr könnt sie je nach Situation und Politiksystem anpassen.

nat-games-civilization-vi-4

Das Politiksystem sieht komplexer aus, als es ist

 

So viele Optionen

Das waren nur einige der großen Neuerungen, die Civilization VI zu bieten hat, und es ist nicht überraschend, wenn ich sage: Civilization VI ist ein komplexes Spiel. Es gibt zwar Tutorials und Erklärungen, doch die erklären bei Weitem nicht alles, was das Spiel zu bieten hat. Schickt Gesandte zu kleineren Stadtstaaten, um Boni zu bekommen. Verhandelt mit euren Konkurrenten, um Boni zu bekommen. Sammelt viel Glauben und stärkt eure Religion, um Boni zu bekommen. Ihr seht schon, am Ende könnt ihr nur mit besonders vielen Boni in eurer Produktion und eurem Fortschritt ganz oben stehen. Barbaren handeln nun etwas aggressiver, sodass ihr sie euch aktiver vom Leib halten müsst. Weltwunder müssen auf für sie vorgesehenen Untergründen platziert werden. Eure Einheiten, von denen nur eine auf jeweils ein Feld passt, können zu einer Gruppe zusammengeschlossen werden. Zudem gesellen sich ab und an große Persönlichkeiten zu euch. Diese verleihen euch ebenfalls ihre Vorteile, wenn ihr vorher genug Persönlichkeitspunkte gesammelt habt. Ich könnte hier noch eine Menge aufzählen, es gibt so viel zu beachten, wenn ihr am Ende der größte Herrscher sein wollt. Aber vielleicht steht es euch auch etwas zugute, dass die KI nicht die Schlaueste ist. Besonders in militärischen Manövern handeln eure Gegner viel zu passiv, auch auf höheren Schwierigkeitsstufen. Aber lasst euch davon nicht abschrecken, Civilization kommt zwar nicht ohne kleinere Schwächen davon, aber das kratzt nicht am Gesamtbild. Ja, man übersieht manchmal einige Ereignisse wie der Wechsel der Zeitalter, die nur kurz eingeblendet werden. Und auch aus dem Nichts kommende Kriegserklärungen sind etwas nervig. Aber was solls, wir bauen uns trotzdem eine wunderbare Zivilisation.

nat-games-civilization-vi-3

All diese wählbaren Technologien, ein wenig Reizüberflutung

 

Perfekte Präsentation

Manch einer wird dem neuen Comic-Look nicht viel abgewinnen können. Aber er ist so detailreich gestaltet, dass man wirklich jeden kleinen Winkel der Karte unterscheiden kann. Man erkennt außerdem jede Veränderung eurer Bauwerke, oder wenn sie im Krieg zerstört werden. Des Weiteren passt der Look, so finde ich, perfekt zur ruhigen Brettspielatmosphäre, genau wie der sich immer weiter aufbauende Soundtrack. Der Track aus dem Hauptmenü ist wahrscheinlich einer der besten, die es je gegeben hat, und dass er nicht dauerhaft in einem Loop laufen kann, ist schade. Aber auch die Themes der Fraktionen sind ein Ohrenschmaus. Je nachdem, welches Volk ihr gewählt habt, ändert sich eure Musik, welche mit jedem neu erreichten Zeitalter lauter und pompöser wird. Dazu verleiht der Comic-Look den Herrschern einen unvergleichlichen Charme, wenn sie euch in ihren Mitteilungssequenzen ansprechen. Des Weiteren verwandelt die strategische Ansicht das Geschehen tatsächlich in ein brettspielähnliches Design. Dazu gehört auch, dass gerade nicht aufgedeckte Gebiete im Look eines Pergaments gehalten werden. So sind die Städte, die ihr entdeckt habt, zwar eingezeichnet, könnten ihr Erscheinungsbild jedoch in der Zwischenzeit verändert haben. Das Gesamtbild von Civilization VI weiß also zu überzeugen.

nat-games-civilization-vi-1

Der strategische Look hat einen besonderen Charme

 

Fazit:

Civilization-Fans werden hin und weg sein, soviel steht schon mal fest. Auch wenn der neue Look vielleicht nicht jedem zusagt und auch die Probleme mit der KI weiterhin bestehen, bietet das Spiel eine Vielzahl an Möglichkeiten, welche Spieler wieder stundenlang vor den Rechner fesseln werden. Neulinge werden es vielleicht etwas schwerer haben, ins Spiel hinein zu finden, aber der „Noch ein einziger Zug vor dem Abspeichern“-Faktor ist definitiv gegeben und werden auch sie in ihren Bann ziehen.

 

86

 

redaktionsbox-maarten-2

 

Share This Post
Deine Meinung?
00
Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.