Carcassonne – Test zur Versoftung des Brettspiels

Wir hier bei NAT-Games mögen nicht nur Videospiele, sondern auch ganz klassische, analoge Brettspiele. Nicht umsonst waren Jasmin und ich auf der Spiel’17 in Essen, von der wir für euch berichtet haben. Natürlich ist es klar, dass es einige Brettspiele auch als Videospiele auf die Konsolen und den PC schaffen, erst kürzlich haben wir für euch Monopoly für die Switch getestet. In diesem Test schauen wir uns einen anderen Klassiker der Brettspielszene an: Carcassonne.

 

Ihr baut die Spielwelt

In Carcassonne geht es darum, mit Kärtchen das Spielfeld nach und nach aufzubauen und mit dem Platzieren von Männchen Punkte zu machen. Auf einer Karte sind Wiesen, Straßen, Klöster, Gärten, Flüsse und Städte abgebildet, Variationen und Mischungen gibt es viele unterschiedliche. Man kann eine Karte nur so anlegen, wie sie passt, sprich Straße an Straße, Stadtteil an Stadtteil usw. Wenn eine Straße oder eine Stadt abgeschlossen ist, erhält der Spieler, der dort Männchen platziert hat, Punkte in Höhe der Länge der Straße oder der Größe der Stadt. Klöster bringen Punkte, wenn sie von 8 Karten umringt sind, Gärten ebenso. Hat ein Männchen Punkte erzielt, bekommt sein Spieler es auf die Hand zurück. Männchen, die auf einer Wiese platziert werden, bleiben das Spiel über dort und machen erst am Ende Punkte, je nachdem, wie viele fertige Städte an die Wiese angrenzen. Das Spiel geht so lange, bis alle Karten aufgebraucht sind. Dann werden noch unfertige Objekte berechnet, die eben erwähnten Wiesen bringen noch ihre Punkte und dann gewinnt der Spiele mit den meisten Punkten. Carcassonne ist einfach zu erlernen, simpel zu spielen und macht doch eine Menge Spaß.

Das Spielfeld ist immer recht übersichtlich.

 

Unrealistische Hilfsmittel

Die Versoftung von Carcassonne macht alles richtig, was das Spielgefühl und die Umsetzung der Brettspielversion angeht. Der Ablauf einer Partie funktioniert einwandfrei, die Punkte werden in Echtzeit automatisch mitgezählt und auch die Abläufe laufen genauso ab wie in der echten Version des Spiels. Allerdings ist dennoch etwas anders: Es gibt viele Hilfsmittel, die so nicht möglich wären. Da könnt ihr euch zum Beispiel immer anschauen, welche Karten noch nicht gespielt worden und wenn ihr mögt, dementsprechend planen. Wenn man nicht gerade ein fotografisches Gedächtnis hat, dann kann man sich so etwas beim Spielen des Brettspiels nicht merken. Zusätzlich werden euch tote Felder angezeigt, also Felder, für die keine passenden Karten mehr verfügbar sind. Alles in allem bietet die PC-Version Vorteile und Hilfsmittel, die zwar in einer echten Partie unrealistisch sind, aber dennoch das Spielgefühl nicht schmälern, sondern eher erweitern. Apropos erweitern, zwei Erweiterungen von Carcassonne sind auch mit dabei. Da gibt es zum Einen den Abt, der in Klöstern und Gärten platziert werden kann. Diesen könnt ihr bei eurem nächsten Zug zurück auf die Hand nehmen und seine Punkte sofort kassieren, wenn ihr stattdessen kein Männchen spielt. Die zweite Erweiterung ist der Fluss. Hier werden zuerst Karten gespielt, auf dem auch ein Fluss fließt. Dieser trennt das Spielfeld schon zu Beginn ein wenig auf und macht den Anfang des Spiels ein wenig linearer. Was die beiden Erweiterungen angeht, gibt es leider zwei Schwachpunkte. Zum einen sind die Erweiterungen nichts, was ihr so im Spiel freischalten könnt. Es gibt zwar Archievements, die ihr unter anderem für das Gewinnen von Partien erhaltet, aber sie bringen euch nichts. Nein, die Erweiterungen müsst ihr euch anders holen. Für den Abt müsst ihr euch ein kostenloses Konto bei asmodee, dem Publisher dieses Spiels, erstellen. Nicht weiter schlimm, ist schnell erledigt, wenn auch etwas nervig. Das Fluss-Addon müsst ihr für 0,99€ kaufen. Das ist nun wirklich kein Preis, aber trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Zudem gibt es von Carcassonne noch viele weitere Erweiterungen, die es aber nicht ins Spiel geschafft haben. Hier hätte man doch einen Anreiz schaffen können, verschiedene Herausforderungen zu bestehen, um neue Erweiterunen freizuschalten. So könnt ihr aber lediglich lokale Partien, Partien gegen die KI oder Online-Matches bestreiten und das wars.

Liefert euch spannende Partien mit Spielern aus aller Welt.

 

Echter Tisch oder virtueller Tisch?

Wenn man Carcassonne schon als Videospiel umsetzt, dann hätte man auch durchaus ein wenig an der Präsentation arbeiten können. Es gibt keine Abwechslung, ihr spielt immer auf einem Holztisch, die Karten sehen so aus, wie sie auch in echt aussehen. Das mag den ein oder anderen vielleicht nicht stören, aber eine etwas aufgepeppte Optik wäre doch ganz nett gewesen. Ein gutes Beispiel ist hier wieder Monopoly für die Switch, auf der es lebendige Spielbretter gab. Die Spielfläche von Carcassonne wirkt dagegen öde. Öde ist für manche vielleicht genau richtig, denn eine Partie Carcassonne auf dem PC zu spielen ist echt beruhigend, nicht zuletzt durch den Soundtrack. Hier klingen euch sanfte Töne ins Ohr, man kann es aber auch eher ausschalten und etwas nebenher laufen lassen wie Musik, Youtubevideos etc. Der größte Reiz in diesem Spiel liegt im Online-Modus, denn warum sollte man eine PC-Version von etwas spielen, wenn man sich auch gemeinsam mit Freunden und Familie an einen Tisch setzen kann. Da ist das Argument, dass man mit Spielern auf der ganzen Welt spielen kann, doch nicht verkehrt. Der Modus funktioniert gut, man kann entweder einer Lobby beitreten oder selber eine erstellen. Hat der Host beide Addons, könnt ihr auch mitspielen, wenn ihr sie nicht habt. Damit ein Match nicht allzu lange dauert, hat jeder Spieler ein Zeitlimit, welches abläuft, solange er dran ist. Wenn ihr also mal gerade keine Mitspieler für das echte Spiel findet, online sind immer Spieler, die gegen euch antreten möchten.

 

Positiv:

Ein Klassiker der Brettspielszene
Viele zusätzliche Spielhilfen
Online-Modus größter Anreiz
Beruhigende Wirkung

Negativ:

Archievements bringen nichts
Erweiterungen nicht durch spielen freischaltbar
Zu wenig zu tun
Keine abwechslungsreiche Optik
Hätte mehr Erweiterungen geben können
  • Carcassonne
    “Die PC-Version von Carcassonne macht nicht wirklich was falsch. Es ist simpel, vielleicht etwas zu simpel gestaltet, aber funktioniert genauso wie das echte Spiel und macht Spaß (was aber eher an den Regeln von Carcassonne liegt). Online mit Leuten auf der ganzen Welt zu spielen ist wohl der größte Reiz dieses Titels, denn gegen die KI macht es nicht wirklich Spaß und lokal an einem PC ist auch nicht immer praktikabel. Schade ist auch das verschwendete Potential, was das Freischalten von neuen Erweiterungen angeht. Somit ist die Versoftung von Carcassonne durchaus gelungen, es wäre aber auch einen Ticken mehr drin gewesen.”
    Maarten Cherek, Redakteur

Ab in die virtuelle Brettspielsammlung?

Ob ihr die PC-Version von Carcassonne braucht müsst ihr davon abhängig machen, ob ihr genug Leute habt, mit denen ihr das echte Brettspiel spielen könnt. Denn sehr viel mehr wird nicht geboten. Wenn ihr aber noch mehr Hilfsmittel beim Spielen haben wollt und gerne online mit Leuten weltweit spielen wollt, dann schlagt zu.

Maarten Cherek
Geschrieben von
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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