Call of Duty: Infinite Warfare Legacy Edition – Test zum Ausflug ins All

Ach wie groß war das Geschrei als Call of Duty: Infinite Warfare angekündigt wurde. Wieder mal ein Spiel, welches die Zukunft als Szenario nimmt und mit abgefahrenen Waffen bestückt ist. Nachdem Infinity Ward mit Modern Warfare 1-3 ein mögliches modernes Setting auf die Beine stellte, waren die letzten beiden Teile Advanced Warfare und Black Ops 3 schon stark futuristisch. Warum also nicht mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Nein, stattdessen geht der Sprung noch höher und Activision feuert uns damit direkt in den Weltraum. Ob sich der Ausflug dorthin wirklich lohnt, erfahrt ihr in unserem Test zur Legacy Edition, in der auch das überragende Call of Duty: Modern Warfare als Remaster Einzug auf die aktuellen Konsolen erhält.

 

Die Kampagne…

In der Zukunft findet ein Szenario auf der Erde statt, vor dem sich viele Menschen schon heute fürchten. Die natürlichen Ressourcen sind erschöpft, weshalb man sich durch die ausgebaute Raumfahrt auf anderen Planeten bedient. Kolonien werden gegründet und von dort aus werden Rohstoffe abgebaut, damit die Menschheit überleben kann. Natürlich müssen diese Kolonien verteidigt werden, damit keine Angriffe stattfinden. Hier kommt die Settlement Defense Force, kurz SDF, ins Spiel. Angeführt von Kit Harrington, der durch Game of Thrones Star Jon Snow verkörpert wird, sieht sich diese Organisation allerdings gezwungen gegen die Menschheit auf der Erde vorzugehen und schließlich das ganze Sonnensystem inklusive Planeten und Kolonien an sich zu reißen. So haben sie bereits vor den Ereignissen von Infinite Warfare den Planeten Mars vollständig eingenommen. Schnell wird die eigene Verteidigung zum Feind. Und genau hier kommt ihr ins Spiel. Als Corporal Nick Reyes bekämpfen wir die feindlichen SDF-Truppen auf der Erde und im Orbit. Dazu müssen wir das Geheimprojekt Codename Riah aufdecken und versuchen Harrington zu stürzen. Dafür stehen uns verschiedene Waffentypen, Fahrzeuge, Flotten und ein gut ausgebildetes Team zur Seite. Auch wenn wir in der Geschichte von Call of Duty schon einige interessantere Geschichten erlebt haben, knallt es auch hier an jeder Ecke. Leider ist der Bösewicht allerdings lange nicht so im Fokus, wie es einst Kevin Spacey in Advanced Warfare war.

 

…bietet ein großes Actionfeuerwerk

Es ist immer wieder erstaunlich, was die Jungs und Mädels von Infinity Ward auf die Beine stellen. Die Inszenierung ist erneut einfach der Hammer. Besonders lobenswert ist die Verbindung zwischen uns und unserer Crew. Hier setzt man vor allem auf längere Passagen, in denen man nicht gleich im Kriegsgebiet startet, sondern sich erst mal mit seinem Team wiederfindet. So ist es möglich, während des Spielens eine engere Beziehung zu Nick aufzubauen. Anders als in den Teilen zuvor setzt man auch eher auf wenige Zwischensequenzen. Wo zuvor noch minutenweise Vorgeplänkel vorhanden war, ist jetzt höchstens eine kurze Einleitung. Stattdessen gibt es während der Mission die eine oder andere Szene zu sehen. Das “Lademenü” ist quasi unsere Flotte, von der wir uns zum Einsatzgebiet fliegen lassen. Besonders nett ist es, dass wir unseren Kreuzer beliebig erkunden können und an den einzelnen Stationen Hintergrundinformationen zur Story bekommen. Ein ähnliches Prinzip hatte Payday 2 seinerzeit mit dem Geheimversteck. Aber Vorsicht: Die Geschichte von Infinite Warfare kann dadurch nicht etwa nach Belieben ausgeführt und gespielt werden. Die Missionen sind immer noch gradlinig und chronologisch erzählt. Die einzelnen Level sind CoD-Standard und somit schlauchartig gewählt. Hier wird es dringend mal Zeit, dass die Missionen frei begehbar werden, sodass man selbst entscheiden kann, wie man das Ziel erfüllt und vor allem wie man zum Ziel kommt. Einzig die Wahl zwischen links oder rechts ums Haus herum, bringt leider nicht die gewünschte Abwechslung. Die gewohnten KI-Schwächen werden in Infinite Warfare ebenfalls fortgesetzt. Richtig klasse hingegen sind die Raumschlachten, die nicht nur von der Inszenierung stark an Star Wars herankommen, sondern auch den sonst sehr gleichen Spielverlauf angenehm auflockern. Bei der Steuerung orientiert man sich einfach an die sonst auf dem Boden stattfindende Action. Doch so gut diese Schlachten auch sind, sie wiederholen sich am Ende dann doch zu stark. Die immer gleichen Gegnertypen und die automatische Zielweise bringen schneller Langeweile, als es einem lieb ist. Letztendlich bleibt eine Kampagne, die CoD-typisch klasse inszeniert ist, die neuen Ansätze aber zu wenig verfolgt und am Ende das “Gleiche, wie immer”.

Die Weltraumschlacht sieht beeindruckend aus und lässt sich auch einfach spielen.

Die Weltraumschlacht sieht beeindruckend aus und lässt sich auch einfach spielen.

 

Der Multiplayer…

Wie in jedem Jahr liegt das Hauptaugenmerk auf dem Multiplayer. Doch wer die beiden Vorgänger gespielt hat, wird kaum Neuerungen finden. Ach doch, man kann jetzt noch höher und weiter springen als zuvor – was eine Innovation. Ansonsten ist das Angebot in diesem Jahr wirklich enttäuschend. Bereits in der offenen Beta war die Resonanz in der Redaktion eher negativ und auch mit dem fertigen Spiel hatten wir keinen Spaß. Dies liegt an mehreren Dingen. Punkt eins: Zukunft ist schön und wurde in diversen Spielen und Filmen eindrucksvoll interpretiert, doch in einem schnellen Actionspiel, in dem es darum geht das gegnerische Team auszuschalten, möchte ich verdammt noch mal nicht herumspringen, wie im Jump House und mich darüber ärgern, von wo ich jetzt schon wieder abgeschossen wurde. Punkt zwei: Die Maps sind in diesem Jahr eine vollkommende Katastrophe. Angelehnt an den Jumpeinlagen spielt man meist auf mehreren Ebenen. Davon mal ab, dass die Karten verwinkelter sind und man quasi sowieso schon von jeder Ecke getroffen werden kann, kommt das Abschießen aus der Luft gerade recht. Punkt drei: Darüber hinaus bietet der Multiplayer, wie eingangs erwähnt, fast keine Neuerungen. Auch die neuen Spielmodi finden kaum Chance der Beachtung. In Frontline werden die Basisbereiche als Safe-Zonen markiert. Hier kann, ähnlich wie in Overwatch, die eigene Energie aufgeladen werden. Wer aus der Zone heraus einen Gegner killt, erhält allerdings nur einen halben Punkt. Außerhalb der Zone ist man verwundbarer, erhält dafür aber einen ganzen Abschuss. Ein Mode, der sich vor allem an Shooter-Neulinge richtet. In Defender muss eine kugelförmige Drohne eingesammelt und möglichst lange im eigenen Besitz sein, damit es Punkte regnet. Sollte ein Gegner in der Nähe sein, kann man die Drohne abwerfen und den Gegner schnell erledigen, um nicht selbst zu sterben. Nach einer bestimmten Zeit wird die Drohne allerdings wieder an den Ursprung zurückgesetzt, damit man sich nicht wie auf dem Campingplatz verschanzt. Eine nette Idee, die man bereits von Genrekollegen, wie etwas Halo, kennen mag.

 

…ist wirklich nicht wirklich dolle … außer die Zombies!

Auch wenn die Überschrift sich auf das Gesamtpaket des Multiplayers bezieht, gibt es doch noch etwas Gutes. Das komplexe Erfahrungssystem wurde für Infinite Warfare überarbeitet. Schon in Black Ops 3 kamen die Spezialisten (nein nicht Auf Streife) zum Einsatz. Jetzt wird das Prinzip quasi übernommen und in Combat RIGs umbenannt. Insgesamt stehen sechs unterschiedliche RIGs zur Verfügung, die allesamt andere Spezialmanöver besitzen. Die Perks sind nun fest an die jeweilige Klasse gekoppelt. So entsteht eine Art Schere-Stein-Papierprinzip, welches man erst mal erkunden und ausprobieren muss, um für sich die beste Klasse zu finden. Generell ist die Balance der einzelnen Waffen, Perks und Abschussserien ordentlich und zu keiner Zeit übermächtig – außer das Jumpen… Waffenverbesserungen schaltet man frei, indem man die jeweilige Waffe auch häufig im Einsatz hat. Dies trägt der Motivation bei, auch wenn man gegen Echtgeld neue Lootboxen kaufen kann, in denen neue Waffen und Verbesserungen versteckt sind. Je seltener eine Waffe ist, desto besser sind die Werte und dadurch spürbar stärker. Eine Art Pay-2-Win-Situation kann also entstehen. Ebenfalls positiv überrascht waren wir vom Zombie-Modus “Zombies in Spaceland”. Mit bis zu drei Freunden kämpfen wir uns erneut durch Zombiewellen, möglichst ohne dabei zu sterben. Dies klingt erst mal nicht wirklich neu, allerdings macht das Setting einiges her. Man nehme vier abgedrehte Charaktere mit hollywoodreifen Stimmen, steckt diese in einem in Weltraum befindlichen Freizeitpark und reißt dann zurück in die 80er Jahre. Dazu spielt man Tophits seinerzeit ab und versteckt diverse Easter Eggs, die einem zum Lachen bringen. Sollte man trotzdem einmal vom Zombie gefressen werden, wacht man in einer Spielhalle auf und kann sich an klassischen Jahrmarktspielen Seelenpunkte zurückholen, damit man wiederbelebt werden kann. So bleibt die Lust auch nach dem Tod weiter vorhanden. Zusätzlich warten diverse Herausforderungen darauf erledigt zu werden, damit man Tickets erhält. Diese können dann in Gegenstände investiert werden. Ihr merkt schon, der Zombie-Modus hat uns eine Menge Spaß gemacht und stellt quasi den Hauptkaufgrund für Infinite Warfare dar. Auch wenn der Multiplayer einige nette Ansätze zeigt, ist das Grundgerüst stark einsturzgefährdet. Und wer möchte schon in einem einsturzgefährdeten Haus wohnen. 😉

 

Call of Duty: Modern Warfare Remastered

Dank der Legacy-Edition, die mittlerweile sogar schon für unter 60€ zu haben ist, können Fans des ersten Modern Warfare-Teils wieder in die Haut von Jackson, McTavish und Price zurückkehren. Wer den Teil noch nicht gespielt hat, sollte es spätestens jetzt nachholen. Er wird bis heute, als der beste Titel der Reihe bekennt und auch bei uns in der Redaktion ist die Meinung dieselbe. Besonders hervorheben muss man allerdings die Arbeit von Raven Software, die hier eine der besten Remaster seit Langem gemacht haben. Die Nostalgiefahrt macht unheimlich Spaß und es kommt beim Spielen immer wieder der Gedanke auf, warum nicht wieder mal ein Call of Duty, welches genau so funktioniert, wie seinerzeit Modern Warfare. Die Gegenwart bietet so viel Spielraum für ein tolles Szenario, ohne dabei durch die Luft zu springen, ins Weltall zu fliegen oder mit gigantischen Flotten die Weltherrschaft an sich zu reißen. Es waren und es sind die kleinen Dinge, die Spaß machen. Besonders im Multiplayer merkt man erst, wie “wenig” Möglichkeiten man damals noch hatte für sein Team das Match zu gewinnen. Keine futuristischen Perks oder Abschussserien, sondern alles Extras, die Jedermann erreichen und benutzen kann. Im Gesamtpaket sticht Modern Warfare heraus, was bei Activision sicherlich schon bei der Entwicklung bekannt war. Aus diesem Grund ist die strategische Entscheidung das Remaster nur in der Legacy-Edition anzubieten aus wirtschaftlicher Sicht zwar ziemlich gut, für die Spieler ist dies allerdings ein Schlag ins Gesicht. Denn wer das eher müde Infinite Warfare nicht spielen will, muss es trotzdem kaufen und installiert haben, damit Modern Warfare läuft. Dies ändert allerdings nicht an der Wertung zu Modern Warfare, sondern vielmehr an der Wertung fürs Gesamtpaket.

 

Fazit zu Call of Duty: Infinite Warfare:

Ach Mensch Activison, warum macht ihr nicht einfach auch mal ein Jahr Pause, wie Ubisoft mit Assassin´s Creed? Es würde nicht nur uns freuen, sondern auch die Spielergemeinde. Denn wofür macht man ein Spiel eigentlich? Genau, um den Leuten in der Welt Unterhaltung zu bieten. Gut, die Kampagne in Infinite Warfare ist wirklich gelungen und bietet einige gute neue Ansätze, macht letztendlich aber das Meiste wie immer. Dadurch wirken viele Passagen so, als hätte man sie irgendwo schon einmal gesehen oder gespielt. Beim Multiplayer habe ich mich sicherlich schon in der gesamten Review stark über die futuristischen Jumpeinlagen und die verwinkelten Karten ausgelassen. Aber auch hier sind minimale Änderungen zu sehen, die allerdings so minimal sind, dass sie dem normalen Spieler nicht auffallen. Zombies in Spaceland hingegen ist schon wieder so gut, dass man es auch als 15€ Standalone-Downloadtitel anbieten hätte können. In diesem Jahr stimmt das Gesamtpaket leider nicht und vielleicht ist es auch beim Shooter-Giganten an der Zeit, ein Jahr auszusetzen und sich die Kritik der Journalisten und Spieler zu Herzen zu nehmen.

Einzelwertung: 69

 

Fazit zu Call of Duty: Modern Warfare Remastered:

Puuh… was soll ich noch groß zu Modern Warfare Remastered schreiben. Es ist eines der besten Remaster, die man aktuell auf den Konsolen finden kann. Besonders der Multiplayer-Modus stellt eine starke Alternative zu den letzten Jahren dar, denn genau so was haben wir gebraucht. Einfach mal wieder in Nostalgie schwärmen und zu zocken, ohne sich über das Spiel unnötig aufzuregen. In den nächsten Jahren werden sicherlich noch weitere Teile Remastered werden, doch eines sollte vorher noch gesagt werden: Über DLC´s mag man gerne streiten, Season-Pässe mag man gerne hassen, aber einen Zwangskauf einzurichten, nur damit man auch ja den neusten Teil kaufen muss, um ein Remaster zu spielen, ist einfach nur traurig.

Einzelwertung: 91

 

Die Gesamtwertung bezieht sich auf das gesamte Paket Legacy Edition:

79

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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