Call of Duty: Advanced Warfare – Der neue Part der Shooter-Reihe im Test

Wie in den Jahren zuvor bringt auch dieser November Shooter-Fans neues Futter in Form eines neuen ‘Call of Duty’-Ablegers. Nachdem der letzte Teil ‘Ghosts ‘, sowohl bei Kritikern, als auch bei Fans nur wenig Anklang fand, soll es mit diesem Teil besser werden. Um dies zu schaffen hat man sich bei ‘Advanced Warfare’ einiges an Prominenz an Bord geholt. Ob die Verpflichtung von Oscarpreisträger Kevin Spacey sich gelohnt hat, oder ob man das Geld besser an anderer Stelle hätte investieren sollen, erfahrt ihr im Test.

 

Your Wars Don’t Work

Die Story von Advanced Warfare versetzt euch in das Jahr 2054. Eure erste Mission führt euch direkt nach Seoul, das in diesem Moment von Nordkorea angegriffen wird. Unter der Leitung von Sergeant Major Cormack und mit eurem besten Freund William Irons macht ihr euch bereit,  zurückzuschlagen. Ihr übernehmt dabei das gesamte Spiel über die Rolle von Private Jack Mitchell. Nach einer nicht sehr angenehmen Landung abseits des Zielgebietes schlagt ihr euch mit eurem Trupp zum Sammelpunkt eurer Streitkräfte durch. Die größte Unterstützung ist euch dabei euer Exosuit. Dieser verstärkt die Fähigkeiten der Soldaten und bringt mehr als einmal einen entscheidenden Vorteil. Diesen werdet ihr auch dringend benötigen, denn ihr werdet damit beauftragt ein mobiles Raketengeschütz auszuschalten, damit der Rest der Truppen unbehelligt landen kann. Nach einigen heftigen Gefechten, mit den Truppen Nordkoreas, habt ihr das Gefährt ausfindig gemacht und ebenso die Sprengsätze, die für dessen Beseitigung vorgesehen waren. Nachdem ihr zusammen mit Irons die explosiven Helferlein in euren Besitz gebracht habt, könnt ihr die Bedrohung für eure Einheiten ausschalten. Beim Versuch die Sprengladung anzubringen wird jedoch der Arm von Irons eingeklemmt, sodass ihm nichts weiter übrig bleibt euch durch einen Stoß in Sicherheit zu bringen. Kaum seid ihr auf dem Boden aufgeprallt raubt euch die Explosion die Orientierung. Und auch wenn ihr am Leben seid, ganz ohne Konsequenzen bleibt dieser Moment auch für euch nicht. Neben eurem besten Freund habt ihr nämlich auch euren linken Arm verloren. Kurz darauf macht ihr auf der Beerdigung eures Kameraden die Bekanntschaft mit dessen Vater, Jonathan Irons. Als Chef des größten privaten Militärkonzerns ‘Atlas’ bietet er euch einen Weg zurück in den aktiven Dienst. Atlas stattet euch mit der neuesten Technologie aus, verschafft euch einen neuen Arm und schickt euch rund um die Welt in den Einsatz. Mit der Zeit wird allerdings immer deutlicher, dass der Konzern, für den ihr euer Leben riskiert, mehr im Schilde führt, als man nach außen hin zeigt. Dies wird vor allem klar, nachdem ihr Hades, den Anführer der Terrororganisation KVA, stellt. Doch was er enthüllt, sprengt eure Erwartungen.

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Kevin Spacey liefert in der Rolle von Jonathan Irons eine erstklassige Leistung ab.

 

New Game, New Tools

In den vergangenen Iterationen der Serie konnte Call of Duty nie wirklich mit Innovationen glänzen. Zu lineare Levels und mäßige Story waren nur einige der Kritikpunkte. Im diesjährigen Ableger halten jedoch in der Tat einige Neuerungen Einzug. Das Hauptelement, um das sich das gesamte Geschehen dreht, ist der Exosuit. Dieser verstärkt nicht nur die Kraft eures Soldaten, sondern versorgt euch auch mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Diese reichen von schnellen Boots, mit denen ihr entweder über große Hindernisse springen könnt oder die es euch ermöglichen schneller auszuweichen. Aber auch offensivere Fähigkeiten stehen zur Verfügung. Darunter nützliche Dinge wie Tarnung, Magnethandschuhe oder ein Enterhaken. Nach jeder Mission erhaltet ihr Punkte für Kills, Kopfschüsse, Granatenkills und gefundene Laptops. Mit den gewonnen Punkten könnt ihr die Attribute eures Exosuits in verschiedenen Kategorien verbessern. Somit könnt ihr den Rückstoß eurer Waffen verringern, mehr Slots für Granaten bekommen oder auch die maximale Lebensenergie steigern. Die Suits kommen dabei in verschiedenen Varianten, die euch vor jeder Mission automatisch zugewiesen werden und mit drei spezifischen Perks ausgestattet sind. Neben diesen Zusatzfähigkeiten bekommt ihr allerdings auch aus der Waffenkammer einiges an Neuerungen in die Hände. Die Granaten im Spiel sind zum Beispiel klar getrennt in ‘nicht tödliche’ und ‘tödliche’ Modelle. Unter den nicht tödlichen Varianten findet sich unter anderem die ‘Threat Grenade’. Sie bewirkt, dass Gegner für kurze Zeit rot leuchten und auch durch Wände hindurch sichtbar sind. Gegen die vielen feindlichen Spielzeuge wie Drohnen hilft die EMP Granate. Unter den offensiven Hilfsmitteln findet sich neben einer bewaffneten Drohne auch die Smart Grenade, welche ferngesteuert werden kann. Auch in Bezug auf Fahrzeuge gibt es einige Neuzugänge. So könnt ihr unter anderem Platz in einem Hover Panzer und einem Schnellboot nehmen oder auch eine getarnte Drohne steuern. Mein persönliches Highlight ist allerdings das Hoverbike. Alle die den Judge Dredd Film mit Sylvester Stallone gesehen haben, können sich in etwa vorstellen was sie zu erwarten haben. Bedenkt man, dass man hier einen Shooter spielt und nicht ein Rennspiel muss man sagen, dass sich gerade das Hoverbike überraschend gut steuern lässt. Ich hatte auf jeden Fall Spaß dieses Gefährt durch den Parkour zu steuern. Ich hoffe dieses Fahrzeug nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Größtes Feature des Spiels ist allerdings Kevin Spacey selbst. Er haucht der Story Leben ein und macht sie zur Besten der gesamten Reihe. Zum ersten Mal seit Langem kann die Geschichte wieder überzeugen und motivieren. Dabei muss allerdings klar sein, dass dies wirklich Spacey’s Können zu verdanken ist. Wann immer Jonathan Irons die Szene betritt, dominiert seine Präsenz. Wer House of Cards gesehen hat, darf eine absolut gleichwertige und nicht minder großartige Leistung erwarten.

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Die Hoverbikes steuern sich butterweich und erstaunlich präzise.

 

Der Multiplayer

Der Aspekt, der allerdings die meisten Spieler jährlich zum aktuellen Teil greifen lässt, ist der Multiplayer. Dieser wirkt durch die Einführung der Exosuits und neuen Fähigkeiten deutlich aufgefrischt. Dennoch kehren auch altbekannte Modi zurück, so zum Beispiel ‘Hardpoint’ und ‘Capture the Flag’ aus Black Ops 2 oder ‘Momentum’, welcher an den ‘War Modus’ von World at War angelehnt ist. Am meisten Spaß hatte ich jedoch mit dem neuen Modus ‘Uplink’. Dieser ist weniger ein klassischer Modus, wie man ihn in einem Shooter erwartet, sondern eher Sportspiel. Ziel ist es, eine Drohne, die den Ball darstellt, in das gegnerische Uplink Portal zu befördern. Habt ihr die Drohne in Besitz, könnt ihr zwar eure Exofähigkeiten nutzen, jedoch nicht schießen. Daher seid ihr auf die Unterstützung eurer Teamkameraden angewiesen. Austricksen ist allerdings auch möglich. So könnt ihr einem Feind in eurem Weg einfach den Ball zuwerfen und ihn damit den Zugang zu seiner Waffe nehmen, ihn dann niederstrecken und den Ball wieder aufnehmen. Dieser sehr kreative und spaßige Modus wird, da er taktisches Spiel erfordert, mit Sicherheit sehr schnell Einzug in den E-Sport Bereich halten. In den anderen Modi hält auch das bekannte Pick-10 System wieder Einzug, nur das es diesmal ein Pick-13 System ist. Grund dafür ist, dass diesmal auch Scorestreaks angepasst werden können. Zu guter Letzt ist da noch der ‘Exo Survival Mode’. Dies ist der designierte ‘Horde Mode’ von Advanced Warfare. Hier stellt ihr euch Runde für Runde immer stärker werdenden Gegnern. Obwohl der neue Ableger der ‘Call of Duty’-Reihe also mit vielen Neuerungen glänzen kann, sind einige der alten Schwächen erhalten geblieben. Die Linearität der Level ist zwar nicht mehr ganz so strikt, aber dennoch immer noch präsent. Weiterhin ist auch die künstliche Intelligenz der Teamkollegen nicht immer optimal. So kommt es hin und wieder vor, dass diese selbst aus fünf Metern Entfernung den Feind nicht treffen oder das sie erst vorrücken, wenn ihr den Bereich vor euch fast im Alleingang gesäubert habt.

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Die Gesichtsanimationen sind wirklich sehr gut gelungen und wirken lebensecht.

 

Willkommen im Uncanny Valley

Wenn man eins sagen kann, dann dass Advanced Warfare auch im Bereich der Gesichtsanimation sehr fortgeschritten ist. Alle Charaktere überzeugen mit lebensechten fotorealistischen Animationen, die einen mehr als einmal ins Uncanny Valley entführen. Besonders beeindruckend ist aufgrund der Qualität Kevin Spacey’s schauspielerische Leistung. In Zukunft darf er zurecht auch diesen Auftritt als Beweis für sein Können anführen. Allerdings gibt es auch ein Manko. Der meist beeindruckende Eindruck wird immer dann sehr schnell gestört, wenn die Lippen nicht synchron mit der Vertonung sind. In diesen Momenten wirken die Charaktere eher seltsam. Das Leveldesign kann sich dagegen wirklich sehen lassen. Anstelle der eher flachen Level der früheren Titel, die wenig Vertikalität boten, sind nun die meisten Level an eure neuen Fähigkeiten angepasst worden. So springt ihr zwischen Häusern hin und her oder zieht euch mit eurem Enterhaken zu erhöhten Orten. Unterstrichen wird dabei alles vom sehr gelungenen, futuristischen Design der Fahrzeuge, Waffen und Orte. An einer wuchtigen und bombastischen Soundkulisse hat es der ‘Call of Duty’-Reihe wahrlich noch nie gemangelt. Allerdings muss man sagen, dass hier noch mal eine Schippe draufgelegt wurde. Insbesondere die Waffensounds sind sehr individuell, sodass man Waffen schnell allein anhand des Klangs unterscheiden kann. Beeindrucken kann aber vor allem die Synchronisation der Charaktere. Dies ist hauptsächlich Kevin Spacey und dem omnipräsenten Troy Baker zu verdanken, die wirklich eine großartige Leistung abliefern. Neben den Hauptprotagonisten können aber auch die Sprecher der sonstigen Charaktere voll überzeugen. Das gilt, darüber hinaus, nicht nur allein für die englische Sprachfassung, sondern auch für die deutsche Vertonung. Hier hat man sich bei Activision nicht lumpen lassen und zum  Beispiel Spacey’s Synchronsprecher engagiert. Alles in allem fügt sich in Sachen Sound jedes Einzelteil zu einer wirklich überzeugenden Gesamtleistung zusammen.

Fazit:
Seit langem schafft es Call of Duty wieder zu begeistern. Das Gameplay wirkt frischer und profitiert stark von der neuen Bewegungsfreiheit durch die Exosuits. Mit Uplink hat der neue Teil auch gleichzeitig einen extrem unterhaltsamen Multiplayer Mode zu bieten, der in der E-Sport Gemeinde in Zukunft wohl viele Anhänger finden wird.

90

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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