Bunker – The Underground Game – Review zur total skurrilen Flucht aus dem Russenbunker

Dieses Spiel ist ziemlich Hipster oder behauptet es zu sein. Viele lassen sich vielleicht hiervon bereits abschrecken. Aber wie viel Ernst steckt wirklich dahinter oder nimmt sich das Spiel vielleicht doch nur selbst ein wenig auf die Schippe? Wir haben das Game komplett für euch getestet und falls ihr wissen möchtet, ob Bunker – The Underground Game etwas für euch ist, oder ihr lieber die Finger davon lassen solltet, lest doch einfach unsere Review.

 

Verzweifelt.de

Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Hipster Otto Thompson. Otto ist einer von dreizehn eineiigen Zwillingen, die sich alle kaum voneinander unterschieden, bis Otto mit einer Hipster-Brille gesegnet wurde. Seitdem hat sich sein Leben schlagartig geändert. Na gut, vielleicht doch nicht so extrem, aber immerhin trinkt Otto sehr, sehr gerne Kaffee, was sich super mit seinem Job vereinbaren lässt, wo er in einem Büro in einer kleinen Box Tech-Fragen am Telefon beantwortet. Der Freitagabend, an dem unsere Geschichte startet, sollte eigentlich ein ganz gewöhnlicher Freitagabend werden. Bis eine E-Mail in unser Postfach flattert. Sie stammt von einer russischen Schönheit von der Dating-Plattform „Verzweifelt.de“, auf der Otto sich gerne herumtreibt und es dauert nicht lange, bis Natascha ihn fragt ob sie sich nicht treffen wollen und Otto völlig unüberlegt seine Adresse preisgibt. Keine Sekunde später klopft es an Ottos Tür, doch als er voller Vorfreude öffnet, steht nicht Natascha, sondern ein bärtiger, russischer Mann dort, der uns prompt K.O. schlägt. Ein Pixelintro nimmt uns mit auf die Reise in einem Eiswagen und einem Flugzeug bis nach Russland, wo wir in einem Keller wieder zu uns kommen. Natürlich sind wir angekettet und der bärtige, russische Mann verkündet feierlich seinen Appetit auf Leber. Es ist an der Zeit abzuhauen! Und somit beginnt die etwas skurrile Flucht aus dem russischen Bunker, in dem wir allerlei lustigen Charakteren begegnen und die Story nicht immer Sinn macht, oder vielleicht auch den einen oder anderen Weltkrieg lostritt. Ich glaube Katzen sind auch involviert.

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Natascha sah im Internet aber anders aus!

 

Klickspaß durch den Bunker

Also wem nach dem Lesen dieser Zeilen nicht klar ist, dass das Spiel alles andere als logisch ist und sich nicht allzu ernst nimmt, der kann eigentlich gleich schon aufhören und etwas anderes spielen gehen. Auch der Story-Verlauf ist nicht wirklich linear, aber humorvoll. Ein Tutorial ganz am Anfang führt uns durch die wichtigsten Steuerelemente. Die Steuerung von Otto erfolgt mit Maus und Tastatur, wobei Letzteres wirklich nur dafür benötigt wird, das Inventar aufzurufen. Dies geschieht ganz einfach über die Leertaste. Fortbewegt wird Otto mit der Maus in gewohnter Point & Click Manier; mit der linken und rechten Maustaste ruft ihr die Interaktionsoptionen auf, welche sich auf „Ansehen“ und „Benutzen/Sprechen“ beschränken. Apropos Sprechen! Das Spiel kommt ohne Sprachausgabe daher, die Dialoge werden per Text abgehandelt. Mich persönlich hat das überhaupt nicht gestört, im Gegenteil. Ich finde es genau passend für den Bunker und das, was hier erzählt werden soll. Aber zurück zur Steuerung: Die Optionen „Benutzen/Sprechen“ können auf Personen oder Objekte angewandt werden. In einem Raum liegen zum Beispiel überall leere Vodka Flaschen auf dem Boden, wenn man Otto jede einzelne inspizieren lässt, kommen ein paar witzige Gespräche zustande, in denen er ständig fragt, was er denn bitte mit solchen Flaschen anfangen soll bis hin zu komplettem Unverständnis, wieso er sich die Flaschen schon wieder ansehen soll. Es gibt auch überall kleine Geheimnisse zu entdecken. Die bringen euch im Spiel nicht weiter, sind aber wie eine Art Trophäensammlung, die ihr euch auf eurem Ingame Handy (oder in euren Steam Achievements) angucken könnt.

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Ein Computer namens E.M.O. der mit uns kommuniziert.

 

Rätsel hinter jeder Tür und Internet Memes?!

Manche würden sagen die Rätsel seien zu einfach, andere würden sich beschweren sie seien zu schwierig. Ich bin der Meinung, dass das Spiel einen guten Mittelweg gefunden hat. Manche Rätsel sind einfach bzw. auch oft offensichtlich, aber andere sind wiederum auch etwas kniffliger. Man muss manchmal schon nachdenken, ich habe ebenfalls ein paar Mal festgesteckt, musste eine Pause machen und kurz darüber sinnieren. Habt ihr schon einmal einen gigantischen Roboter mithilfe von lauter Rätseln wieder funktionstüchtig gemacht? In Bunker – The Underground Game ist alles möglich. Aber keines der Rätsel war frustrierend, oder gar unlösbar. Es gilt hier und dort einige Gegenstände im Inventar zu kombinieren, damit sie genutzt werden können. Insgesamt gibt es vielleicht, für den ein oder anderen, zu wenig Gegenstände, sodass man behaupten könnte alles wäre zu schnell eingesammelt und erledigt. Vielleicht ist dem auch so, manchmal muss man aber erst zwei Räume weitergehen um Dinge zu finden, die einem zwei Räume vorher weiterhelfen. Und auch, wenn Gusta aus der Küche erst einmal nur russisch mit einem spricht, hat man nur Fragezeichen über dem Kopf. Gusta ist sowieso ein ganz reizender Charakter und an Internet Memes wird in diesem Spiel nicht gespart. Generell lassen sich hier und dort humorvolle Anspielungen auch zu alten Spielen entdecken, was wirklich Spaß macht.

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Keine Ahnung, was die gute Dame von uns möchte…

 

Ein Spiel in einem Spiel!

Das Game besteht im Großen und Ganzen aus bunten, handgezeichneten Grafiken, die manchmal in Pixel-Zwischensequenzen wechseln, welche ganz lustig anzusehen sind. Ich finde das Spiel so sehr stimmig dargestellt. Es gibt schon einige abwechslungsreiche Momente zu erleben, obgleich es vielleicht für andere nicht viel Tiefgang hat. Ich musste auf jeden Fall immer wieder schmunzeln, besonders bei einem Minispiel, wo man sich vor eine Konsole setzt und ein Pixel-RPG spielen darf à la rundenbasierte Kämpfe wie zum Beispiel Final Fantasy. Am Ende kommt dann ein Endboss, den es zu zerlegen gilt.

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Das Spiel Swords & Fireballs VII – der Endboss?!

 

Ein 1-Mann Projekt

Das Spiel ist das Erstlingswerk von Tony Sundell, ein Indie-Entwickler. Er hat dieses eher klassische Point & Click Adventure vollständig alleine realisiert – bis auf den Soundtrack. Der übrigens auch wirklich gelungen ist und in jeder Minute bestens zur Umgebung, oder Situation, passt. Ich empfand ihn in keiner Weise als nervig, oder gar aufdringlich. Die Musik ist stimmig gewählt und untermalt die Handlung stets angemessen. Die Sounds passen auch und bewegen hier und da auch mal zum Schmunzeln. Dass das Spiel – wie oben schon erwähnt – nicht vertont ist, stört meinem Erachten nach überhaupt nicht. Vielleicht hätte es manchen besser gefallen, weil es an manchen Stellen doch einiges an Dialog gibt, aber besser hätte man es nicht handhaben können. Die Texte könnt ihr euch wahlweise in Englisch, oder Deutsch anzeigen lassen.

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Was hat es mit diesen Katzen auf sich und wieso ist Otto an einen Stuhl gefesselt???

 

Fazit:

Das Spiel ist leider sehr kurzlebig, ich habe ca. 3 Stunden gebraucht um es komplett durchzuspielen. Trotzdem wurde mir nie langweilig, die Rätsel waren amüsant, oder auch mal kniffliger, wirklich unterfordert war ich nie. Im Gegenteil: Es ist ein tolles Gefühl wenn man auf die Idee kommt, eine radioaktive Karotte als Ersatzsicherung zu verwenden und das dann auch noch klappt. Großes Lob auch an den Entwickler selbst, der auf Steam mit Rat und Tat zur Seite steht, sollte man bei einem Rätsel mal nicht weiterkommen. Ich selbst habe es nicht in Anspruch nehmen müssen, aber gesehen dass er ziemlich schnell auf Hilferufe der Spieler reagiert. Ich fand die Story unterhaltsam, dafür musste sie nicht zwingend logisch, oder linear sein. Wer humorvolle Point & Click Adventures mag, wird mit Bunker – The Underground Game sicher seine Freude haben. Wem 3 Stunden Spielzeit zu wenig sind, sollte lieber auf ein anderes Spiel zurückgreifen. Ich finde aber, alleine für die ganzen Anspielungen, die in diesem Spiel vorkommen lohnt es sich schon. Wer Indie-Spiele unterstützen möchte, sollte sich dieses Spiel auf jeden Fall kaufen.

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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