Blacksad: Under the Skin – Test zum spannenden Katzen-Detektiv

Blacksad: Under the Skin im Überblick

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Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

Releasedatum: 14. November 2019

Genre: Abenteuer, Adventure

USK: ab 16 Jahren freigegeben

Publisher: Astragon Entertainment

Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch

Nach zwei Anspielsessions auf der gamescom und EGX in Berlin haben wir uns nun die finale Version von Blacksad: Under the Skin genauer anschauen können. Bei Blacksad handelt es sich um eine Comic-Reihe im Stil des Film Noire. Dazu gesellt sich ein ähnliches System, wie aus den bekannten Telltale-Games. Ob der Protagonist John Blacksad den Kriminalfall eines Boxklubserfolgreich auflösen wird, liegt dabei in unserer Hand.

 

Ein Boxer zu viel

Blacksad ist ein Adventure, welches in einer fiktiven Version New Yorks, in den 50er-Jahren spielt. In dieser Zeit gehören Rassismus, Sexismus und rätselhafte Mordfälle leider zur Tagesordnung der Gesellschaft. Dabei lebt die Welt von ihren lebendigen Tieren, die jeglicher Aktivität nachgehen und auch gerne mal einen über den Durst trinken. Man merkt bereits, dieses Adventure ist definitiv nicht für Kinder konzipiert, sondern richtet sich eher an ein erwachseneres Publikum, was bereits bei der Comic-Vorlage der Fall war. John wird immer wieder vor die Entscheidung gestellt, kleinere Aufträge für die Tiere anzunehmen und zu lösen. Doch er sucht eher nach der großen Herausforderung und so kommt es dazu, dass Box-Klub-Besitzerin Sonia Dunn (ein Luchs), die Tochter des verstorbenen Joe Dunn’s, die Hilfe von Blacksad benötigt. Kurz vor einem der wichtigsten Kämpfe verschwindet ihr Superstar Bobby Yale spurlos. Doch damit nicht genug, auch an dem Tod ihres Vaters scheint etwas faul zu sein. Noch glauben alle an einen Selbstmord, doch steckt eventuell mehr dahinter? Unser Auftrag ist es nun, herauszufinden was genau mit Bobby passiert ist und ihn zu seinem Kampf wieder in den Ring zu schicken. Schließlich wäre Sonia’s Klub ohne diesen wichtigen Kampf finanziell am Boden. Ohne viel zu spoilern können wir aber bereits sagen, dass die Lösung sicher nicht auf der offenen Straße, sondern eher im dubiosen Untergrund von New York versteckt ist.

 

Das offene Auge siegt

In den rund zehn bis zwölf Stunden Spielzeit werden einzelne Charaktere und dessen Handlung häppchenweise mit Spannung und Tiefe versehen. Hierbei steht die Grundgeschichte immer im Vordergrund und bietet damit auch das Highlight des Spiels. Der Untergrund New Yorks, Blacksads Vergangenheit und die unterschiedlichen Hinweise innerhalb der Spielwelt werden nach und nach gelüftet. Im Verlauf der Story stoßen wir aber auch immer wieder auf interessante Charaktere und Geschehnisse, die, wenn auch nur kleine, Geheimnisse lüften. Je mehr Details ans Tageslicht kommen, umso spannender und verzwickter wird der Fall für John. Dabei kommen auch Storytwists und Wendungen nicht zu kurz. Allerdings dürften Genre-Veteranen diese oftmals auch schnell vorhersehen. Grundlegend hatten wir beim Spielen keinerlei technische Schwierigkeiten wie Abstürze oder Freezes. Einzig kleinere Bugs, die eher als Schönheitsfehler angesehen werden können, standen vor dem Day-One-Patch an der Tagesordnung und sind uns schon damals bei der Gamescom-Präsentation aufgefallen. Hierzu zählen Clipping-Fehler in Zwischensequenzen oder Anzeigefehler bei bestimmten Aktionen. Diese trüben nicht direkt den Spielspaß, gehören aber dennoch nicht in ein Spiel im Jahre 2019. Dazu gesellen sich teils unschöne Texturen und auch einige 3D-Modelle schweben entweder in der Luft oder sind generell unsauber in die Welt integriert. Dagegen wirken die Charaktermodelle ziemlich schön und kommen dem menschlichen Vorbild sehr nahe. Hier kommen die Gesichtsausdrücke und Mimiken sehr gut zum Vorschein. Für einige Spieler stellt dies im ersten Moment sicherlich eine ungewohnte Situation dar. Doch die jeweiligen Rollen wurden den Tieren passend zugewiesen, sodass ein Hund beispielsweise den Job eines Kommissars erhielt. New York lebt dank der passenden Beleuchtungen und Schildern auf Dächern. Auch bei der Vertonung wurde nicht gespart, so sind sowohl die englische- als auch die deutsche Sprachausgabe sehr gut und konnten mit stimmiger Jazz-Musik den Flair der 50er Jahre gut einfangen. Einzig in wenigen Szenen waren die Charaktere auch mal ohne Lippenbewegung zu sehen, was dem wahrscheinlich fehlenden Day-One-Patch zuzuschreiben war.

 

Die Entscheidung liegt bei uns

Ähnlich wie bei den Telltale- und in Rollenspielen verfügt Blacksad über ein Multiple-Choice-Dialogsystem. Dieses gibt uns als Spieler die Möglichkeit individuell auf die Aussagen der Charaktere einzugehen und aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten die richtige auszuwählen. Dabei werden je nach Entscheidung verschiedene Wege entweder geöffnet oder geschlossen. Wichtige Entscheidungen haben auch entsprechende Auswirkungen. Ähnlich wie bei Life is Strange oder Men of Medan wird nach der Auswahl im oberen Bildschirmrand ein Symbol eingeblendet. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters liegt es also letztlich an uns, welche Antwort wir dem jeweiligen Charakter um die Ohren hauen. Oft sind es genau diese Gespräche, welche Entscheidungen, wenn auch erst im späteren Verlaufe der Geschichte, auslösen. Als Katze verfügen wir selbstverständlich über besondere Sinne. So gehört das Hören, Sehen und Riechen zu Blacksads Haupteigenschaften, welche man für die Ermittlung auch aktiv nutzen muss. Verdächtige können durch genaueres Ansehen im Gespräch beobachtet und dank neuer auffälliger Details, beispielsweise anhand bestimmter Kleidungsstücke, gezielter befragt werden. Alle gewonnen Informationen werden zudem in ein Notizbuch geschrieben. Richtig spannend und kombinierend wird es aber erst, wenn man das Gedächtnis Blacksad‘s aktiviert und bestimmte Aktionen und Hinweise miteinander kombiniert, um so wiederum neue Wege freizuschalten. Eine entsprechende Animation von Blacksad vermittelt, ob die Kombination richtig oder ein Griff ins Katzenklo war. Insgesamt orientiert sich das komplette System aber leider eher an das Trial-&-Error-Prinzip und verschenkt dadurch tief greifenderes Potenzial für eine Ermittlung.

 

Der Kreuzfahrtsimulator

Per klassischer Point-&-Click-Manier steuern wir John durch verschiedene Räumlichkeiten und Areale, welche mit einer Vielzahl von Details und versteckten Dingen versehen sind. Man merkt, dass der französische Entwickler Pendulo Studios jahrelange Erfahrung mit Adventures hat und diese in Blacksad: Under the Skin zum Einsatz kam. Leider fühlt sich die Steuerung, welche uns bereits während der beiden Preview-Sessions negativ in Erinnerung blieb, oftmals weiterhin sehr klobig und ungenau an. So reagiert der Detektiv gerne mal zeitverzögert oder bleibt innerhalb der Räume gern mal an Objekten hängen, sodass es durchaus auch mal fummelig werden könnte. Hier erhielten die Konsolenversionen durch den Controller einen beachtlichen Vorteil, welcher aber auch auf dem PC ausgelebt werden kann. Das Erkunden trägt zwar einen großen Teil des Gameplays bei, das höhere Gewicht liegt aber eher in den Entscheidungen und Quick-Time-Events. Letztere können sich am Ende aber nicht wirklich entscheiden, ob sie nun Konsequenzen auslösen wollen oder wir sie beim Versagen wiederholen dürfen. Bereits beim Start des Spiels erhalten wir immer wieder den Versuch, die Situation im richtigen Moment durch Tastendruck zu unseren Gunsten zu nutzen, in einer anderen Schlüsselszene müssen wir mit den Konsequenzen leben. Leider sind die Zeitspannen für die Interaktion auch teils unfair kurz geraten, sodass eine Wiederholung notwendig war, um sich die richtige Tastenreihenfolge zu merken. Ein Speichersystem steht leider nicht zur Verfügung, dafür sind die automatischen Punkte aber fair gesetzt.

 

Positiv:

Spannende Geschichte, welche im New Yorker-Untergrund einige Geheimnisse aufdeckt
Tolle lebendige Charaktere, die dank der Mimik und Gestik leben
50er-Jahre-Flair kommt sehr gut zum Vorschein
Dialogsystem mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten, die Entscheidungen auslösen
Gute deutsche Sprachausgabe

Negativ:

Technische Mängel wie Clippingfehler und schwebende Objekte
Quick-Time-Events wirken teils nervig und nicht konsequent genug
Blacksad steuert sich ohne Controller wie ein Kreuzfahrtschiff durch die Räumlichkeiten
  • Blacksad - Under the Skin
    “Das erste Abenteuer von Blacksad: Under the Skin orientiert sich nicht nur an der Comicvorlage, sondern gibt den Flair auch wunderbar wieder. Mir ist das Spiel bereits auf der Gamescom 2018 das erste Mal aufgefallen, allerdings war es dort noch in einem gefühlten Rohzustand. Was die Entwickler von Pendulo Studios auf die Beine gestellt haben, ist auf jeden Fall sehenswert. Einzig die technischen Probleme sorgen für einen negativen Beigeschmack und könnten so manchen Spieler eventuell abschrecken. Aber keine Sorge, der 50er-Jahre-Flair kommt sehr gut zum Vorschein, die Charaktere besitzen eine glaubhafte Gestik und Mimik und dank einer guten Sprachausgabe, darf man das Spiel auch beruhigt auf Deutsch spielen.”
    Tobias Liesenhoff, Chefredakteur

Ab in die Sammlung?

Genre-Veteranen müssen das Abenteuer gespielt haben, der Rest kann sich auf ein Telltale-ähnliches Spiel mit spannender Geschichte freuen.

Tobias Liesenhoff
Geschrieben von
hofft auf die Vernunft der Menschen in den aktuellen Tagen.

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